Montag, 10. Dezember 2007

Los Guatuzo y Solentiname Inseln

Kam gestern aus dem Paradies Los Guatuzos zurueck, sehr muede und sonnenverbrandt. Aber ich erzaehl lieber von Anfang an. Am Montag hiess es, dass Helena und ich in der frueh um 8 im Rathaus sein sollten, um uns mit Frank Ochomogo zu treffen. Wir waren beide natuerlich puenktlich (sogar ein wenig ueberpuentklich, aber das ist man in Deutschland einfach gewoehnt, zur rechten Zeit am rechten Ort zu erscheinen. Hier nimmt man es da etwas gelassener, um 9 Uhr schlenderte Frank herein und meinte, er haette noch so einen Kater von gestern Abend, dass ihm noch jetzt richtig uebel sei. Na gut, dann kam die Nachricht, dass er noch nicht weiss, wann wir fahren koennen, da der Typ, der uns auf diese Inseln einlaedt noch nicht geschrieben hat. Wir sollten also einfahc nach Hause gehen und er wuerde es uns im Laufe des Tages sagen. Nochmal zwei Stunden spaeter hiess es dann, dass wir am Dienstag um 10 Uhr frueh fahren. Claudio, dieser Typ war noch nicht in San Carlos. Also nahm ich mir den Tag als Waschtag vor, hatte vorher noch nie da Kleidung gewaschen, war also auch eine Erfahrung, die von meinen beiden Schwestern mit leichtem Schmunzeln observiert und kommentiert wurde. Erst die Kleidung einzeln nass machen (mit einem Schoepfer), dann mit einer Seife einreiben (meine mitgebrachte Seife wurde mit einem unsicheren Laecheln entgegengenommen und fuer untauglich empfunden (die Anleitung war ja auch auf deutsch und gut roch es auch nicht und geschmeckt hat es laut Izamar (meine Schwester) auch nicht - komisches Zeug!) und dann kraeftig in der Spuele reiben, wie in alten Zeiten eben. Ein gutes Muskeltraining, aber scheuert sich auch die Finger wund. Hat meinen seinen Berg Kleidung dann durchgescheuert, wird dieser erstmal eingeweicht und das ein paar Stunden lang (bei ihnen heisst es zwar nur: ein kleines weilchen - aber dieses ratito zieht sich wiegesagt ueber mehrere Stunden). Danach wieder auswaschen und aufhaengen (am Stacheldrahtzaun auf der Veranda - wegen dem Wind - so haelt es besser...). Eigentlich ganz einfach. Aber zeitaufwaendig, deshalb immer gleich ein riesen Berg auf einmal. Aber jedenfalls bin ich dann am naechsten Tag doch mit Helena und frischer Kleidung in ein kleines Boot gestiegen, von Claudio und seinem Steuermann begleitet. Wir fuhren beide mit einem Auftrag, wobei ihrer etwas klarer ausfiel. Helena sollte mit den Kindenr auf der Insel Bilderchen malen, die als Illustration fuer ein Maerchen dienen, welches eine Erlangerin fuer saemtliche Partnerstaedte geschrieben hat. Es war ein wunderschoener Tag, der See friedlich und in einer dreiviertel Stunde waren wir angekommen. Claudio´s Hotel liegt auf der groessten Insel Mancarron, wo auch Ernesto Cardenal lebt/e, wir haben sogar sein Haus gesehen! (und natuerlich auch seine Kirche, etc.). Das Hotel war gross ausgelegt und sehr schoen, aber natuerlich nur von Amerikanern belegt. Mit uns waren naemlich fuer die Woche eine Gruppe von Amis aus einer Baptistengemeinde in Michigan, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, auf einer der kleineren Inseln die Fundamente fuer eine "Health Clicin" zu setzen. Und alles in einer Woche. Sie waren relativ alt (50 und die aelteste 80) und zwei Teenager. Dauernd irgendwelche religioesen Witze und vor und nach dem Essen wurde auch ein Blessing oder sonst irgendwas gesprochen... Sprachen aber kein Wort Spanisch und waren der Ansicht, dass man saemtliche Dienstleistung kaufen kann, hat man nur genuegend Dollar dabei. Sie waren uns nicht ganz geheuer, wir ihnen aber anscheinend schon, da sie uns am Tag nach unser Wiederkunft in San Carlos dort zum Essen einluden... naja - die Naechstenliebe eben. Lehnten auch dankend ab an ihrem "Lasst uns mit den Einheimischen beten" - Messe teilzunehmen. Stattdessen bereiteten wir das Projekt von Helena vor, da sich meins in Luft aufgeloest hatte (sollte die Kinder und Jugendliche zum Englischunterricht befragen - Interesse, Zeit, Ort etc). Aber da alle auf den 35 verschiedenen Inseln verstreut sind und es ausserdem Ferien sind und generell es bereits 3 pensionierte Amis gibt die Unterricht geben (bis Mai...), hab ich mein Projekt aufgegeben (bzw. die Amis luden mich ein, bei ihnen mitzuarbeiten, werde aber sehen muessen, we das ueberhaupt logistisch geht, braeuchte ja dann theoretisch ein Boot um herumzukommen. Es hiess bei Helena, dass bereits alle Kinder Bescheid wuessten, was aber (Uberraschung) nicht der Fall war, so dass wir in Begleitung einer 13 -jaehrigen (die sich spaeter bereits als Mutter mit Baby darstellen sollte) saemtlich Haeuser auf der Insel abklapperten und die Einwohner fragten, ob sie ihre Kinder morgen um 2 zum Hotel schicken wuerden - Stifte gaebe es, wir wuerden uns freuen. Diesen Satz an jeder Tuer, wobei es nicht so viele Tueren gibt, man spaziert einfach hinein, oder schreit HOLA und wird dann durch ein zurueckgeschrienes HOLA eingeladen, dass Haus zu betreten. Alle Kinder und Erwachsene sitzen meist auf einem Haufen, so dass das Auffindigkmachen nicht so schwer war. Und so viele Einwohner gibt es auch nicht auf der Insel. Das geschafft gingen Helena und ich erstmal baden - in Solentiname ist eigentlich die einzig wirklich schoene Gegend zum Baden, da das Wasser am saubersten ist. Am "Kai", waren auch ein paar kleinere Jungs, so dass wir uns zusammen ins Wasser schmissen, wenn auch diese erstmal erstarrten (Auslaender - dazu Frauen - dazu Hellhaeutige - und im Falle von Helena - blonde, lassen viele erstmal erstarren (teils aus Angst (bei Kindern), teils aus Neugier). Danach wartete eine Horde von Mosquitos auf uns, nirgendswo sonst waren sie so schlimm, wie in Solentiname nachts. Am naechsten Tag machten wir uns einen gemuetlichen Vormittag mit lesen und sonstigem, dachten auch nicht, dass die Kinder wirklich um 2 sondern hoechstens um 3 kommen wuerden. Ueberraschenderweise waren 5 vor 2 schon 4 Kinder anwesend. Da hatten wir noch nicht mal die Stifte ausgepackt. Kurz darauf kamen in regelmaessigen Abstaenden mehr und mehr Kinder von allen Ecken und Loechern hergerannt und umringten uns und schauten dabei mit den groessten Augen zu uns beiden hoch (- ja selbst zu mir schaut man gelegentlich hoch!). Ploetzlich hatten wir fast 30 Kinder (wahrscheinlich saemtliche der Insel) im Hotel, es musste also Platz geschaffen werden und dann konnten wir in Gruppen ihnen erzaehlen, was sie nun fuer jeden Abschnitt malen sollten. Die juengste war 4, die aeltesten 18. Eine ganz schoene Erfahrung, erstmal auf Spanisch KInder verstehen und wiederum ihnen verstaendlich machen, wie das Maerchen geht und was sie malen sollen. Es war ein lustiger Haufen und allesamt liebenswert (wenn doch einige den Hang dazu hatten, die Stifte zu horden oder geschickt in der Hose zu verstecken... aber wir waren schneller (sie sollten sie ja auch am Ende der Woche eh geschenkt bekommen, aber da brauchten wir die Stifte noch!). 2 1/2 Stunden spaeter verschwanden sie genauso schnell wie sie gekommen waren und zurueck blieben zwei sehr muede und teilweise buntangemalte Kinderhueter. Wir nutzten die paar Minuten, die uns bis zum Sonnenuntergang blieben, um zum See zu rennen und uns abzukuehlen. Die Zeichnungen waren leider nicht wie erwuenscht typisch Solentiname (naive Kunst hat ja hier einen grossen Stellenwert - bunte, lebendige Farben und Urwaldgeschoepfe), sondern eher typisch Kind, von Gekrakel zu Prinzessinen (sollte eigentlich ein armes Maedchen im Maerchen sein, aebr gut...). Aber es gab auch schoene Zeichnungen, mit viel Liebe zum Detail und ich denke nicht dass deutsche Kinder immer Kolibris, Krokodile oder die buntesten Blumen in ihre Bilder zeichnen. Von daher doch irgendwo typisch fuer diese Gegend - schliesslich zeichnen sie nur, was ihnen bekannt ist. Und bunt und voller schoener Blumen ist diese Inselgruppe wirklich. Ueberall Urwald und diesen sollten wir am naechsten Vormittag erkunden. Erst spazierten wir ein wenig herum, dann merkten wir schnell, dass es an normalen Wegen nichts mehr gibt, also begaben wir uns "off the beaten track" mitten hinein in den Dschungel. Ein wenig mulmig war uns schon zu Mute, jede Pflanze sah aus wie eine Schlange, und Schmetterlinge waren so gross, dass wir dachten, irgendwelche Monster fliegen grad auf uns zu. Auch der Boden blieb besser nicht angeschaut, da wir mit offenen Sandalen oftmals ein Krabbelgefuehl hatten, welches nicht immer angenehm war. Aber ziemlich bald kamen wir an eine Art Lichtung, nah am Ufer, wo auch ein Haus stand und Haehnchen herumliefen, Hunde und ... Kinder. Es war das Haus einer Fischerfamilie, der Vater flickte grad ein Netz, waehrend sich sein Sohn darin verfing und die Mutter stand im Wasser und nutze einen heruntergefallenen Baumstamm als Waschbrett. Eins der Kinder kam auf uns zu und fragte, was wir hier machen (sie war auch gestern im Hotel gewesen). Wir fragten nach einem Weg durch den Dschungel, woraufhin sie sich gleich anbot und darauflos ging - mitten ins Dickicht. Wir folgten ihr, ueber Stock und Stein, durch Spinnennetze, gefangen von Lianen und anderen Pflanzen. Ameisen, Krabbeltiere und andere Viecher waren in unseren Schuhen, Haaren, Klamotten, aber das Kind wollte weiter, denn sie kannte einen Punkt am Ufer, der sehr schoen sein sollte. Nach einer Stunde des folgens, Helena und ich waren komplett durchgeschwitzt und dreckig, beschlossen wir umzukehren (sie meinte es waere zwar nicht weit, aber das war es schon am Anfang - angeblich. Zuruekc an ihrem Haus bot sie nun an uns im Bott an die Stelle zu fahren, doch beim Anblick des Holzboots, welches teilweise schon mit Wasser gefuellt war, stockten wir erstmal. Aber - das Maedchen war sehr dafuer und fing gleich an zu schoepfen. Also blieb uns nichts anderes uebrig, man wolte ja auch nicht unhoeflich erscheinen. Es war ein Ruderboot und waehrend Helena vorne schoepfte, ruderte das Maedchen (war 12) kraeftig und ich sass hinten und sollte das Gleichgewicht halten. Versuchte auch ein wenig zu rudern, war aber verdammt schwer (wenn es auch total einfach aussah) und so ruderte das Maedchen um die halbe (nicht vergessen - groesste!) Insel. Am Ende hatte sie Blasen an den Haenden, was aber Angesichts der Ehre, der Fuehrer der zwei Maedchen gewesen zu sein, anscheinend voellig unwichtig war. Danach - wieder Baden und danach gleich wieder zum Malen mit den Kindern. Es kamen am Anfang nicht so viele, aber nach und nach hatten wir wieder die gleiche Anzahl. Voellig weg an dem Abend goennten wir uns ein Bier und am Abend zuvor (hatte ich vergessen), hatte uns eine Amerikanerin, die mit ihrem Ehemann eine Rundreise machte eine Flasche Weisswein geschenkt, da sie nur ein Glas trinken wollte. Jedenfalls machten wir es uns gemuetlich. Am gleichen Abend sollte es auch eine Piñata fuer die Kinder geben, das war ein Heidenspass, vor allem fuer die Kinder, aber fuer uns auch, da auch Helena und ich aufgefordert worden, blind tanzend nach dem Baer zu schlagen.Trotz der schoenen Zeit, war es auch gut, wieder abzureisen, denn soooo viel gibt es tatsaechlich nicht zu tun auf der Insel, man fuehlt sich bisweilen sogar wie ein Gefangener (wenn man kein Boot hat). Samstag war ich voellig erschoepft und hatte ausserdem einen krassen Sonnenbrand, weshalb ich nur im Haus sass und las. Frank sagte mir am Freitag dann noch, dass wir am Sonntag nach Los GUatozos fahren wuerden, da es dort eine Reunion gibt. Helena konnte nicht mit, da sie am Samstag nach Panama fuhr, aber ich stellte mich puenktlich wie immer um 7 Uhr frueh an die Docks. Neben mir der andere Staedtepartnerschaftsgesandte Hans, aus Holland. Eine Stunde spaeter kam auch der Vice Alcalde (Vize Buergermeister) und davor hatte ich mich noch mit El Crespo unterhalten, der an dem Morgen nach Solentiname fuhr, weil er sich dort fuer 5000 Dollar eine Insel gekauft hatte (klein aber fein - wer kann schon von sich behaupten eine Insel zu besitzen - so sein Argument). Das Wetter war wieder schlechter, aber sobald wir im Boot sassen begann es zu stuermen und der Regen prasselte nur so auf uns ein (es war wie immer ein offenes Boot. Der See war total aufgewuehlt und wir wurden oftmals rumgeschmissen, bis der Fahrer meinte, ich sollte mit einem in der Mitte tauschen, da das Gleichgewicht nicht stimmte. Danach kippten wir nicht in jeder Welle gefaehrlich zur Seite, sondern nur in jeder Zweiten. Nach 1 1/2 Stunden des RUmhuepfens kamen wir an den Flusseingang Parparturro, wo es zwar genauso heftig regnete, wenigstens die Wellen aber nicht so hoch waren. Dort beginnt das Naturreservat und es ist wirklich traumhaft. Der Fluss wird bisweilen sehr eng, sodass man zu jeder Seite das Ufer anfassen, die Tiere sehen, hoeren, ja riechen kann (Fisch), waehrend ueber einem der Dschungel bereits so zugewachsen ist, dass es manchmal richtig dunkel wird und man das Gefuehl hat durch einen Tunnel zu fahren. Wir kamen wieder an einer Militaerstation vorbei (gibt in dem Gebiet viele - liegt schliesslich grade mal 5 Kilometer weit weg von Costa Rica) und holten mehr und mehr Leute von ihren Haeusern ab. Landeten schliesslich an einem grossen pinken Privathaus, welches der Ort der politischen Versammlung sein sollte. Erst jetzt begriff ich, dass es sich hier um eine Versmamlung des Rathauses von San Carlos mit Gesandten und Vertretern aus den Gemeinden des Costa Surs und aus Costa Rica handelte. Das ganze Gebiet leidet unter Missstaenden im Strassensystem, Schulbildung, Gesundheit... Man traf sich also an diesem schoenen Tag (das Wetter hatte sich wie immer blitzartig geaendert) im Garten des Hauses in einem grossen Sitzkreis angeordnet. Ich wurde, wie auch der andere Hans aus Holland und ein Gast aus Venezuela allen vorgestellt, obwohl ich per se nichts zur Versammlung beitragen sollte. Der Vize Buergermeister und Frank reichten Knabberzeugs und Cola. Es war fast wie eine Gardenparty, wenn die Themen auch ernst waren und auch ernst genommen wurden. Mittendrin wurde die Versammlung durch einen Regenschauer unterbrochen, dann musste erstmal gegessen werden und danach gings weiter. Insgesamt sehr lockere Atmosphaere, viele Witze aber auch viele Anliegen der Bevoelkerung. Ingenieure waren dabei, die Zeit und Kosten fuer Strassenbau vorstellten, waehrend manche gleich grosse Taten verlangten, die aber von Frank gestoppt wurden. Er stellte in seiner Rede fest, dass es essentiel sei, erstmal die wichtigsten Anliegen, Strom, Wasser, Strassen, Bildung, Gesundheit zu erledigen, bevor man an andere Themen herangeht. Ein anderer redete gerne ueber seine Zeit als Soldat und ein anderer hob die Einzigartigkeit dieses Treffens zwischen Nicaragua und Costa Rica hervor, da es das erste Mal in der politischen Geschichte Nicas sei, dass die Regierung eine solche Zusammenarbeit mit dem Ziel sozialer Projekte sowohl unterstuetze, als auch weiterbringe.Diese Versammlung betrachtend, fiel mir ein Zitat aus Doris Lessings Buch "The Golden Notebook" ein, in dem ein fiktionaler afrikanischer Politiker angesichts der britischen Hauptstadt Londons zu seiner englischen Freundin Anna sagt: "Do you realize how many generations it takes to build a society where buses run on time? (...)". Ich finde dieses Zitat sehr zutreffend, da es gerade das ausdrueckt, was Nicaragua ausmacht. Generation fuer Generation wird an der Weiterentwicklung dieses Landes gearbeitet, immer mit dem Blick auf die Zukunft. Manchmal ist viel mehr moeglich in einem solchen Zustand, waren in der Versammlung auch eine Vielzahl an Bauern, Frauen oder einfach Interessierten, die die Moeglichkeit hatten mit den "politikern" zu reden, ihre Meinung kund zu tun. Und wo auch zugehoert wurde.Danach fuhren wir zureuck. Es war wunderschoens Wetter und ich sah meinen ersten Krokodil. Achja, in Solentiname habe ich auch Bekanntschaft mit einem Affen gemacht, aber ads sieht man auf den Bildern. Jetzt ist es Montag, ich habe einen kleinen Einstufungstest vorbereitet und treffe mich heut mit den Leuten vom Kurs. Morgen beginnt der unterricht. Bin sehr gespannt.

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