Freitag, 14. Dezember 2007

Unterrichtsversuche

Tja, nun berichte ich also von dem Versuch mich hier nuetzlich zu machen. Als ich zuerst hier ankam, hiess es, ich solle mich erstmal eingewoehnen, eine Woche! Gut, fand ich ebenfalls eine gute Idee und gewoehnte mich ein (was man hier sehr schnell tut, in einem Tag kennt man die Stadt, den Rest verbringt man damit, sich in die Sprache hineinzugewoehnen. Danach hiess es aber, ah, du wurdest zusammen mit Helena (der anderen Deutschen) nach Solentiname eingeladen (keine Ahnung von wem?! oder warum... aber gut, bloss nicht Beschweren), also gehts am Montag los. Natuerlich ging es nicht am Montag los, sondern am Dienstag (was man aber erst am Montag mitgeteilt bekommt...). Dienstag bis Freitag dann in Solentiname verbracht, von dem es hiess, dass ich dort mit den Jugendlichen spreche, die Englisch lernen wollen. Tja, Jugendliche gibt es sicherlich auf den 35 Inseln, doch die zusammenzusammeln geht nur waehrend der Schulzeit, da es da sozusagen ein "Schulboot" gibt, aber so - unmoeglich. Die Touristenfuehrer, die auch interessiert sind - auf Fortbildungstouren in Costa Rica. Die Kinder sind also die einzigen, die ich haette unterrichten koennen, aber fuer diese sind bereits 4 Englischlehrer aus den USA da, die auch Computacion unterrichten, die zweitwichtigste Sache hier, die es gilt zu lernen - der Umgang mit dem PC, mit den Programmen, tippen, all das. Gut, sehr nette Amis, gute Unterhaltung, auch herzliche Einladung nach Solentiname zu kommen, aber dazu braeuchte ich ein Boot und alleine rudere ich bestimmt nicht rueber. Also mehr oder weniger erfolgloser Aufenhalt, aber sehr schoen trotzdem (habe ja bereits berichtet). Zurueck am Freitag, wieder weg am Sonntag. Freitag hiess es ploetzlich, dass mir ein Typ hilft, die Leute zu sammeln, die interessiert sind. Doch dieser Typ faehrt dann fuer 3 Wochen nach Managua, um dort zur Uni zu gehen und schreibt also schnell eine Notiz, dass am Montag ein Treffen stattfinden soll und dass er das rumsagt. Gut - erster Versuch eines Treffens am Montag, um 18:30 in der Fortaleza. Frank kommt - sehr loeblich - nur 20 Minuten zu spaet. Eine Person wartet schon auf mich (ich natuerlich 5 Minuten vorher da), die, sehr zu meiner Ueberraschung sagt, dass man immer puenktlich sein sollte (ich zweifle an seiner Nationalitaet - gibt es denn wirklcih puentkliche Nicaraguenser?!). Trotzdem - zu zweit warten wir also auf - naja - niemanden mehr. Izamar, meine liebe Schwester, kommt eine halbe Stunde spaeter und bringt noch 3 Freunde mit. Das wars. Es hatte sich also nicht rumgesprochen oder was weiss ich. Frank schlaegt vor noch ein Treffen am Donnerstag der gleichen Woche (also gestern) zu veranstalten und sagt, dass er es im Radio und im Fernsehen (haben hier einen kleinen Sender) und im Internet ankuendigen wird. Und auf kleinen Blaettern ueberall in der Stadt. Donnerstag komme ich also zum zweiten Mal in die Fortaleza, diesmal um 17:30, Frank meint, es waere besser, da die Leute dann direkt von der Arbeit kommen. Diesmal tatsaechlich Leute bereits da und am Kommen. Eine Frau wartete mit zwei Kindern (8 und 9 Jahre) und wollte wissen, ob diese auch am Unterricht teilnehmen koennten. Ich antwortete, dass es schwierig sei, da man zwei kleine Kinder nicht einfach mit Erwachsenen und Jugendlichen zusammen unterrichten koennte, die bereits Englisch hatten (wenn auch nichts mehr uebrig geblieben ist davon). Aber ich versprach nochmal mit Frank darueber zu reden, ob es nicht moeglich waere, nur einen Kurs fuer Kinder auch zu machen. Werde aber eh in der Grundschule unterrichten, sobald die Schule wieder anfaengt. Ich bat die Frau, mir ihren Namen oder ihre Adresse aufzuschreiben, da sagte sie, dass sie nicht schreiben koennte. Und ich - nicht kapierend - schrieb was sie mir sagte und fragte sie dann, ob es richtig war. Sie dann - no veo. Ich sehe nichts. Also - ich bin blind. Da fiel mir erst auf, dass die zwei Kinder eigentlich nie von ihrer Seite gewichen waren und je eine links, die andere rechts ihren Arm hielt und sie quasi ihre Augen waren. Sie dankte mir ueberschwenglich (auch wenn ich noch nichts gemacht hatte!) und ich widmete mich den anderen, gab ihnen die Tests, Stifte... es waren aber trotzdem ca. 10 Leute. Frank war nirgends zu sehen und tauchte erst eine Stunde spaeter auf, als fast alle weg waren, ausser ein paar, die spaeter kamen, doch als diese ihren Test machen wollten - Stromausfall!!! In dem Moment haette ich echt alles hinschmeissen koennen, den damit konnten sie nichts mehr machen, die Leute, die evtl. noch gekommen waeren, blieben zu haus und ich war stinksauer, weil Frank nicht gekommen war um mich zu unterstuetzen. Da wird mir hundertmal gesagt, wie viele Leute interessiert sind am Kurs und unbedingt Englisch lernen wollen, aber dann, wenn man sich Muehe macht, ein Treffen organisiert oder aehnliches?! Wo sind dann alle diese Interessierten. Frank meinte danach, er kam puenktlich zum Stromausfall - brachte netterweise noch eine Taschenlampe. Dass es auch an der Weihnachtszeit liegt, dass man sich da eher ausruhen moechte. Es gibt viele Gruende, aber im Endeffekt liegt hier ein ganz gewaltiges Einstellungs und Disziplinproblem vor, welches jede CHance einer WEiterentwicklung hindert. Alles, aber auch alles, wird auf die leichte Schulter genommen und fuer enen Aussenstehenden ist das zum Einen unverstaendlich und zum anderen unakzeptable. Aber, es war gut, dass es dunkel war, nachdem ich mich zu Ende geflucht hatte und ein bisschen im Dunkeln herumgestampft bin, beruhigte ich mich wieder und ging nach Hause. Man kann ihnen auch nicht lange boese sein, denn sie kennen es einfach nicht anders. Es ist auch irgendwo etwas schoenes darin, das Leben etwas leichter zu nehmen und interessiert sind sie wirklich, sie muessen sich nur aufraffen (oder aufgerafft werden). Unterricht beginnt also am naechsten Montag um 18:00 in der Fortaleza. Ich bin gespannt wer kommt, werde aber einfach anfangen und wenn es nur 5 Menschen sind, denen ich gegenueber sitze und was erzaehlen darf. Meine Gastmutter hat spaeter noch mit mir ueber die Probleme Nicaraguas gesprochen. Und mich auch getroestet, da sie verstehen konnte, dass ich enttauescht war, sie aber auch glaubte, dass bestimmt mehr und mehr Leute kommen, sobald Weihnachten vorbei und der Kurs bereits am Laufen sei. So sei das eben hier. Alles funktioniert - irgendwie.

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