Mittwoch, 26. Dezember 2007
Weihnachten...??
Erstmal natuerlich frohe Weihnachten (es ist schliesslich noch der 2. Weihnachtsfeiertag - gilt also noch) und dann bald auch ein frohes neues Jahr!Tja, was ich hier so gemacht habe...Mein Unterricht fand zum letzten Mal genau vor einer Woche statt, der nachfolgende Freitagsunterricht fiel aus, da das Rathaus in der Fortaleza (einziger Saal und Ort fuer groessere bzw offizielle Feiern) sein Weihnachtsfest feierte. Natuerlich sagte mir das niemand, so konnte ich auch meinen Schuelern nichts mitteilen. Jedenfalls wurde ich aber zum Fest eingeladen, an dem saemtliche Mitarbeiter der staedtischen Behoerde und der Gemeinden um San Carlos eingeladen waren. Die Buergermeisterin hielt eine Rede, ein paar Stadtraete ebenfalls und insgesamt war es ein sehr entspanntes, lustiges Fest. ALlen Mitarbeitern wurden Geschenke ueberreicht, meist in Form eines Fresskorbes mit teuren Lebensmitteln wie zB eingelegte Oliven, aber auch einfach Reis, Haehnchenkeule, Oel, was man eben so braucht. Fuer Familien mit Kindern gabs auch Kindergeschenke und fuer andere etwas engagiertere Mitarbeiter Extras, einen RUm oder aehnliches. Auch lief das altbekannte Wichteln, so dass jeder Austausch mit den bisher unbekannten "Freunden"/WIchteln gross applaudiert wurde, sollte es ein Mann und eine Frau sein, dann greoellten immer alle "Beso, Beso" und Fotos wurden gemacht. Buergermeisterin und alle anderen waren sehr freundschaftlich miteinander, keiner trug ANzug oder aehnliches, es war einfach ein schoenes Fest. Fuer die Kinder gabs danach noch zwei Pinatas und Kuchen (schrecklich suesses Zeug) und Unmengen an COla, Fanta (kein Wunder dass es viele Kinder gibt, die ein schwarz verrottetes, zahnloses Laecheln haben)...Am WOchenende kam Helena zurueck (krank aus Panama, aber um viele schoene Erfahrungen und Bilder reicher) und ich war sehr froh wieder jemanden zu haben, mit dem man sich entspannt unterhalten kann ohne ueber die Verendung nachzudenken. Oder (wie sich spaeter rausstellen sollte) ueber gleichermassen vorhandene Frustrationen austauschen zu koennen. Montag dann Heiligabend. Am ABend zuvor hiess es noch, dass es ein Familienessen gibt, Damelia lief sogar zu den Nachbarn um das Rezept zu holen und insgesamt erschien es mir, als koennte der ABend bzw Tag doch noch besonders werden (es hiess ja schon vorher, dass es zB keine Geschenke gibt und gearbeitet wird auch). Am naechsten Tag also ging ich noch Geschenkpapier und Kleinigkeiten einkaufen, fuer saemtliche Familienmitglieder, obwohl ich auch viel aus Deutschland mitgebracht habe ("viele" Gastgeschenke sind noch eine Untertreibung...). Ich ging nach Hause, packte alles schoen ein und wartete. Wartete und wartete und wartete. Erstens war eigentlich niemand zu hause. Jeder lief irgendwo herum, Damelia war in der Arbeit und Marcio (ihr Bruder) schaute Fernsehen. Da ich nicht wusste, worauf ich genau wartete, ging ich spazieren und endete am Kai wo ich etwas einsam Musik hoerte und in ein Buechlein schrieb. DOrt fand mich Louis ORozco, der mich immer dann trifft, wenn ich mich nicht so toll fuehle und lud mich auf einen Saft in das Restaurant ueber dem see ein. Dort sah ich einen wunderschoenen Sonnenuntergang, blutrot, im See untergehen. Wir unterhielten uns ueber vergangene Reisegruppen, die Schwierigeiten der Stadt etc. Ist ein echt netter Kerl! Wir verabredeten uns auch fuer den naechsten Tag, da er mir ein paar Krokodile zeigen wollte!Nach dieser schoenen Begegnung ging ich nach Hause, es war 6 Uhr und ich dachte, dass ich vielleicht beim ABendessen helfen koennte oder so etwas. Aber erstens war niemand da und als eine stunde spaeter Izamar und Jessica kamen, hiess es sie warten noch auf Damelia, da sie ja kochen wollte. Tja, um 8 Uhr abends wollte Marcio essen also kochte ihm Izamar schnell Gallo pinto. Auch fingen sie dann an, das vorbereitete Essen, Huehnchen mit Gemuese und Reis zu kochen, niemand wusste wann Damelia kam. Ein tisch wurde recht festlich in die Mitte geschoben, bedeckt und schliesslich drei Teller serviert. Jessica hatte keinen hunger und setzte sich draussen in die Haengematte. Izamar und ihre Cousine assen mit mir in fast Stille das Essen und hingen aber meist an ihren Handys. Dann kamen zwei Freunde von iza, die sie ueber ihren Freund ausquetschten. Anschliessend kam Damelia mit Enoq um 9 Uhr abends!!!!!!!!! Nie war die Familie gleichzeitig an einem Ort, zu keiner Zeit kaum auch nur der Hauch einer weihnachtlichen Stimmung auf und da ich mir solche Erwartungen, die auf den Aussagen an den Vortagen meiner Familie beruhte, gemacht hatte, wurde ich natuerlich bitterlich enttaeuscht und fuehlte mich irgendwo sehr allein und einsam. Also ging ich spazieren. Ich war sogar ein wenig veraergert und hatte auch schlichtweg keinen Bock, die vorbereiteten Geschenke an die Familie bzw an die Rein und Rausrennenden einzelnen zu verteilen. Am Malecon wurde ich von zwei Typen angemacht, aber in der Letzten Hoffnung beschloss ich sie nicht zu ignorieren und redete sogar zurueck. Auch wenn einer der Typen demonstrativ seinen "Waschbrettbauch" Kund tat, zeigte ich mich unbeeindruckt und so konnte sich sogar eine halbwegs angenehme Unterhaltung entwickeln. Der Eine (mit dem Bauch) werkelt normal an Strommasten rum, stellte sich mir aber als Alpinist vor, so dass ich meinte er waere Touristenfuehrer oder so was. Der andere ist Unkrautvernichter und war der Meinung, Deutschland sei noch geteilt. ABer als wir uns ueber nicaraguensische Dichter unterhielten, sagte er mir ein langes Gedicht von Ruben Dario auf, welches wirklich shcoen war und mich sehr ruerhte. So war mein Heiligabendtag einer mit vielen Ueberraschungen aber auch ENttaeuschungen, das macht dieses Land irgendwie aus. Man muss sich wirklich voellig freimachen koennen von saemtlichen Erwartungen, nur dann ist es geniessbar. Am naechsten Tag - kein Arbeitstag fuer Damelia und generell blieben alle den ganzen tag im Haus... irgendwie ironisch, denn grade an dem Tag ging ich ab 1 Uhr weg und kam erst um 8 Uhr wieder. Auch hatten sie da erst die ganze Weihnachstdekoration aufgehaengt und raeumten zusammen den Hinterhof aus. Naja, was solls. Louis kam puenktlich um 1 Uhr und wir suchten ein Boot, mit welchem wir rausfahren wollten. Das erste war voller Wasser und hatte ein Leck, welches wir nach langem schoepfen herausfanden. Also liefen wir zu einer Fischerfamilie und nahmen ihr Fischerboot (wird man bald auch auf den Bildern sehen koennen). Louis padelte und wir fuhren 2 Stunden den Rio Frio entlang, der RIchtung COsta Rica fuehrt und Los CHiles (von wo ich urspruenglich herkam). Links und Rechts waren in den Baeumen saemtliche voegel, Affen, wunderschoene Blumen und andere Fruechte. Auch gab es einzelne Haeuser, die dort zwischen den ganzen Dschungel leben und sich vielleicht sogar eine Kuh, aber immer ienn Hund, Huehner oder Schweine halten. Oftmals hoerte man auch das Schreien von Affen, ein tiefes Groellen, sehr bedrohlich! Das Wetter war zu dem Zeitpunkt nicht besonders und es rieselte mal leicht mal stark, sodass Louis viel schoepfen und sogleich gegen eine sehr starke Stroeumung padeln musste. Wir kamen irgendwann bei dem Haus seines Vaters an, der dort alleine lebt, aber jeden frueh zum Markt in San Carlso padelt um seine fruechte abzugeben, die er dort auf seiner Finca anbaut. Dort gabs auch eine ultrasuesse Katze und sie bekam mein Huehnchenstueck nach dem Essen im Tausch fuer viel bitternoetiges Schmusen. Wir gingen spazieren und Louis holte mir eine Kokosnuss vom Baum, die er mit seiner Machete trinkbereit schlug und ausserdem gabs Orangen, die man eher schluerft als isst und alle sorten an Bananen, Platanos u.ae. AUsserdem Guyabas, Pitaya Blumen, Nonis (der Saft dieser Frucht hilft angeblich gegen Krebs), Mangos, Monsterameisen, de todo. Am schoensten fand ich dort die absolute Stille, die nur von Geraeuschen der "natur", seien es VOegel oder affen die hin und wieder einen instabilen Ast aufsuchten und schreiend ins Wasser oder durch den Baum fielen, unterbrochen wurde. Dagegen ist San Carlos wirklich ein schreckliches, LAermendes, von Menschen verdrecktes Loch: natuerlich erschien es mir nur so im Vergleich, den diese Natur, wie ich sie dort erlebgt habe war schon ruhiger als alles was ich bisher erlebt habe. Nach einem laengeren Aufenthalt in der HAengematte fuhren wir wieder flussabwaerts und bogen aber vor dem Lago nach links in die Schilfgegend ab. DOrt versteckten sich ganz viele VOegel (und auch die Krokodile, die aber tagsueber schlafen) und Louis pfiff und ahmte Vogellaute nach, worauf hin sie sogar antworteten. Oder er schlug mit dem padel aufs wasser, wroaufhin ploetzlich ein ganzer schwarm von ueberall um uns herum aufstand, wegflog oder entruestet schrie. Mitten im dicksten Schilf angekommen warteten wir auf Die DUnkelheit und dann als es sehr sehr dunkel war, machte Louis seine Taschenlampe an und suchte alles ab, nach roten Augen, die im Licht reflektierten. Leider durchqueren im Moment immer mehr Fischer das Schilf und jagen harpunaehnlich Fische, wodurch sich die anderen natuerlich mehr und mehr verziehen. Doch ein paar Mal hatten wir fast welche, man sieht eigentlich erstmal nur das rote blinken zweier augen (neben den ganzen Leuchtkaefern die alternierend ueberm Schilf fliegen und eine Lichterkette bilden). Wir "schlichen" uns mit dem kanu ran und louis beugte sich ganz weit raus, aber zweimal war das krokodil einfach zu schnell und verschwand mit einem platschen. Es wurde kein wort gesprochen, nur nach 1 1/2 stunden hiess es, dass wir vielleicht heute einfach kein glueck haben werden. Doch grade als ich mich damit abgefunden habe, packte Louis doch noch einen und hielt ihn mir entgegen. Das kleine Krokodil ruehrte sich gar nicht mehr, ausser wenn man es nur am Schwanz haelt, woraufhin es wild das Paddeln anfaengt. Seine Haut ist eigentlich sehr weich, wobei es ein Jungtier war, vielleicht 6 Monate alt. Die zaehne noch ganz putzig und zwei grosse runde rote Augen. Nach ein paar Fotos und weiteren Streicheleinheiten, liessen wir es wieder ins wasser, welches es sofort in die Dunkelheit einschliessen, vorallem in dem braunen Wasser. Danach paddelten wir wieder zurueck. Meine Familie war hingegen auf den Stufen unseres Hauses gesessen und war erfreut mich wiederzusehen. Obwohl ich wahrscheinlich diesen Moment haette nutzen sollen, ihnen ihre geschenke zu geben, war ich viel zu muede und fiel quasi ins Bett.Heute tat ich mich mit helena zusammen (die genauso ein einsames Weihnachten feierte) und wir planen gerade unsere Reise uebers Wochenende! Denn irgendwann muss man hier einfach raus!
Mittwoch, 19. Dezember 2007
Motivationsschub
Hier also ein paar Antworten auf ein paar Fragen.Also zu erst einmal gehts mir inzwischen wieder viel besser (die frustriert sei email entsprang einem Tiefpunkt)! Unterricht hat am letzten Montag angefangen und meine erste Sorge war: Kommen ueberhaupt Leute und meine zweite Sorge war: Hoffentlich gibt es keinen Stromausfall, denn in solchen Situationen geht gar nichts mehr und man kann gleich nach hause gehen! Aber nichts von alledem, es waren 9 Leute anwesend, der juengste 13 Jahre, der aelteste 33, der schon einen Kurs bei Christine gemacht hat, aber so ziemlich alles vergessen hat. Der Hausmeister der Fortaleza hatte die Stuehle und Tische genau wie in der Schule angeordnet, so dass viel Platz dazwischen war und ich stand am Whiteboard mit 9 Gesichtern, die mich aus der Ferne betrachteten. Werd ihn bitten die Stuehle etwas naeher zu schieben oder vielleicht ganz auf dieses strikte System verzichten und einen Stuhlkreis machen.Jedenfalls begann ich damit mich vorzustellen und sie dann zu fragen, weshalb sie ueberhaupt da sind. Antworten waren wie erwartet a) wegen Arbeit, Tourismus, aber vor allem die Schueler antworteten, dass sie in der schule einfach nicht Englisch lernen, weshalb auch immer und nun in den Ferien kommen. Wichtig ist natuerlich auch, dass der Kurs umsonst ist.Tja, die erste Stunde bestand eigentlich aus Aussprache und ein paar weise einfuehrende Worte, aber sie machten alle mit und manche konntens (wie immer) besser, manche schafften aber auch nach x-maligem wiederholen nicht einen unterschied herzustellen zwischen b und v (geschweige denn zwischen b und p, big klingt wie pig, invite wie bite). Hab mich dann vor sie hingesetzt, die zaehne gefletscht und mich total evrrenkt, damit sie sehen koennen, was meine zunge macht und meine zaehne etc.... naja, mal schaun obs sies diesmal koennen. Danach lief ich noch mit einer in Richtung Haus, die mir sagte, wie hart sie versucht diese sprache zu lernen, aber ohne unterstuetzung ist das einfach alles zu kompliziert. Sie ist Hausfrau und meinte, dass einzige was sie gut kann ist kochen (woraufhin gleich eine einladung folgte, um alle typisch nicaraguanischen gerichte auszuprobieren!), nur mit Englisch haette sie vielleicht die chance, auch was anderes zu machen. Danach war ich sehr gluecklich endlich angefangen zu haben (hatte doch mehr Frust wegen Untaetigkeit angebaut als gedacht)und wollte uebergluecklich mit Izamar und Damelia feiern. Aber Damelia musste wie immer arbeiten. Sie arbeite von 8 uhr frueh bis 8 uhr abends und hatte dieses jahr noch keinen tag frei, sie arbeitet von montags bis sonntags und muss unter der woche auch oftmals nach managua, eine 12 stuendige schreckliche busfahrt auf holprigen strassen mitten in der nacht, der ein arbeitstag folgt, nur um in der nachfolgenden nacht wieder zurueck zu fahren. und dann wieder zu arbeiten. Von schlaf kann da keine rede sein und insgesamt verdient sie trotzdem nur 200 dollar im monat, muss aber davon eine 5 koepfige familie versorgen. Ihr mann, bzw der vater ihrer kinder hat sie vor einem jahr verlassen und obwohl es die idee des "unterhalts" hier auch gibt, zahlt er nichts, so dass ihre situation sehr schwierig ist. Am meisten bedauert sie, dass sie dadurch keine zeit mit ihren kindern verbringen kann, vor allem mit dem kleinen, der deshalb eigentlich kaum beaufsichtigt ist (vor allem waehrend den ferien) immer vorm fernseher haengt oder sich in den strassen rumtreibt.Weihnachten fahren die meisten fuer ein paar tage woanders hin, mal schaun, ob sie frei bekommt, so dass wir auf den bauernhof einer ihrer 8 geschwister fahren koennten, das liegt mitten aufm land, holzhaus, kuehe, pferde, schweine, huehner, jessica hat bis maerz dort gelebt. jetzt werd ich aber doch noch unterbrechen muessen, muss mir meine vorbereitung nochmal anschauen und werd dann essen kriegen und dann gehts - zum unterricht.
Freitag, 14. Dezember 2007
Unterrichtsversuche
Tja, nun berichte ich also von dem Versuch mich hier nuetzlich zu machen. Als ich zuerst hier ankam, hiess es, ich solle mich erstmal eingewoehnen, eine Woche! Gut, fand ich ebenfalls eine gute Idee und gewoehnte mich ein (was man hier sehr schnell tut, in einem Tag kennt man die Stadt, den Rest verbringt man damit, sich in die Sprache hineinzugewoehnen. Danach hiess es aber, ah, du wurdest zusammen mit Helena (der anderen Deutschen) nach Solentiname eingeladen (keine Ahnung von wem?! oder warum... aber gut, bloss nicht Beschweren), also gehts am Montag los. Natuerlich ging es nicht am Montag los, sondern am Dienstag (was man aber erst am Montag mitgeteilt bekommt...). Dienstag bis Freitag dann in Solentiname verbracht, von dem es hiess, dass ich dort mit den Jugendlichen spreche, die Englisch lernen wollen. Tja, Jugendliche gibt es sicherlich auf den 35 Inseln, doch die zusammenzusammeln geht nur waehrend der Schulzeit, da es da sozusagen ein "Schulboot" gibt, aber so - unmoeglich. Die Touristenfuehrer, die auch interessiert sind - auf Fortbildungstouren in Costa Rica. Die Kinder sind also die einzigen, die ich haette unterrichten koennen, aber fuer diese sind bereits 4 Englischlehrer aus den USA da, die auch Computacion unterrichten, die zweitwichtigste Sache hier, die es gilt zu lernen - der Umgang mit dem PC, mit den Programmen, tippen, all das. Gut, sehr nette Amis, gute Unterhaltung, auch herzliche Einladung nach Solentiname zu kommen, aber dazu braeuchte ich ein Boot und alleine rudere ich bestimmt nicht rueber. Also mehr oder weniger erfolgloser Aufenhalt, aber sehr schoen trotzdem (habe ja bereits berichtet). Zurueck am Freitag, wieder weg am Sonntag. Freitag hiess es ploetzlich, dass mir ein Typ hilft, die Leute zu sammeln, die interessiert sind. Doch dieser Typ faehrt dann fuer 3 Wochen nach Managua, um dort zur Uni zu gehen und schreibt also schnell eine Notiz, dass am Montag ein Treffen stattfinden soll und dass er das rumsagt. Gut - erster Versuch eines Treffens am Montag, um 18:30 in der Fortaleza. Frank kommt - sehr loeblich - nur 20 Minuten zu spaet. Eine Person wartet schon auf mich (ich natuerlich 5 Minuten vorher da), die, sehr zu meiner Ueberraschung sagt, dass man immer puenktlich sein sollte (ich zweifle an seiner Nationalitaet - gibt es denn wirklcih puentkliche Nicaraguenser?!). Trotzdem - zu zweit warten wir also auf - naja - niemanden mehr. Izamar, meine liebe Schwester, kommt eine halbe Stunde spaeter und bringt noch 3 Freunde mit. Das wars. Es hatte sich also nicht rumgesprochen oder was weiss ich. Frank schlaegt vor noch ein Treffen am Donnerstag der gleichen Woche (also gestern) zu veranstalten und sagt, dass er es im Radio und im Fernsehen (haben hier einen kleinen Sender) und im Internet ankuendigen wird. Und auf kleinen Blaettern ueberall in der Stadt. Donnerstag komme ich also zum zweiten Mal in die Fortaleza, diesmal um 17:30, Frank meint, es waere besser, da die Leute dann direkt von der Arbeit kommen. Diesmal tatsaechlich Leute bereits da und am Kommen. Eine Frau wartete mit zwei Kindern (8 und 9 Jahre) und wollte wissen, ob diese auch am Unterricht teilnehmen koennten. Ich antwortete, dass es schwierig sei, da man zwei kleine Kinder nicht einfach mit Erwachsenen und Jugendlichen zusammen unterrichten koennte, die bereits Englisch hatten (wenn auch nichts mehr uebrig geblieben ist davon). Aber ich versprach nochmal mit Frank darueber zu reden, ob es nicht moeglich waere, nur einen Kurs fuer Kinder auch zu machen. Werde aber eh in der Grundschule unterrichten, sobald die Schule wieder anfaengt. Ich bat die Frau, mir ihren Namen oder ihre Adresse aufzuschreiben, da sagte sie, dass sie nicht schreiben koennte. Und ich - nicht kapierend - schrieb was sie mir sagte und fragte sie dann, ob es richtig war. Sie dann - no veo. Ich sehe nichts. Also - ich bin blind. Da fiel mir erst auf, dass die zwei Kinder eigentlich nie von ihrer Seite gewichen waren und je eine links, die andere rechts ihren Arm hielt und sie quasi ihre Augen waren. Sie dankte mir ueberschwenglich (auch wenn ich noch nichts gemacht hatte!) und ich widmete mich den anderen, gab ihnen die Tests, Stifte... es waren aber trotzdem ca. 10 Leute. Frank war nirgends zu sehen und tauchte erst eine Stunde spaeter auf, als fast alle weg waren, ausser ein paar, die spaeter kamen, doch als diese ihren Test machen wollten - Stromausfall!!! In dem Moment haette ich echt alles hinschmeissen koennen, den damit konnten sie nichts mehr machen, die Leute, die evtl. noch gekommen waeren, blieben zu haus und ich war stinksauer, weil Frank nicht gekommen war um mich zu unterstuetzen. Da wird mir hundertmal gesagt, wie viele Leute interessiert sind am Kurs und unbedingt Englisch lernen wollen, aber dann, wenn man sich Muehe macht, ein Treffen organisiert oder aehnliches?! Wo sind dann alle diese Interessierten. Frank meinte danach, er kam puenktlich zum Stromausfall - brachte netterweise noch eine Taschenlampe. Dass es auch an der Weihnachtszeit liegt, dass man sich da eher ausruhen moechte. Es gibt viele Gruende, aber im Endeffekt liegt hier ein ganz gewaltiges Einstellungs und Disziplinproblem vor, welches jede CHance einer WEiterentwicklung hindert. Alles, aber auch alles, wird auf die leichte Schulter genommen und fuer enen Aussenstehenden ist das zum Einen unverstaendlich und zum anderen unakzeptable. Aber, es war gut, dass es dunkel war, nachdem ich mich zu Ende geflucht hatte und ein bisschen im Dunkeln herumgestampft bin, beruhigte ich mich wieder und ging nach Hause. Man kann ihnen auch nicht lange boese sein, denn sie kennen es einfach nicht anders. Es ist auch irgendwo etwas schoenes darin, das Leben etwas leichter zu nehmen und interessiert sind sie wirklich, sie muessen sich nur aufraffen (oder aufgerafft werden). Unterricht beginnt also am naechsten Montag um 18:00 in der Fortaleza. Ich bin gespannt wer kommt, werde aber einfach anfangen und wenn es nur 5 Menschen sind, denen ich gegenueber sitze und was erzaehlen darf. Meine Gastmutter hat spaeter noch mit mir ueber die Probleme Nicaraguas gesprochen. Und mich auch getroestet, da sie verstehen konnte, dass ich enttauescht war, sie aber auch glaubte, dass bestimmt mehr und mehr Leute kommen, sobald Weihnachten vorbei und der Kurs bereits am Laufen sei. So sei das eben hier. Alles funktioniert - irgendwie.
Montag, 10. Dezember 2007
Los Guatuzo y Solentiname Inseln
Kam gestern aus dem Paradies Los Guatuzos zurueck, sehr muede und sonnenverbrandt. Aber ich erzaehl lieber von Anfang an. Am Montag hiess es, dass Helena und ich in der frueh um 8 im Rathaus sein sollten, um uns mit Frank Ochomogo zu treffen. Wir waren beide natuerlich puenktlich (sogar ein wenig ueberpuentklich, aber das ist man in Deutschland einfach gewoehnt, zur rechten Zeit am rechten Ort zu erscheinen. Hier nimmt man es da etwas gelassener, um 9 Uhr schlenderte Frank herein und meinte, er haette noch so einen Kater von gestern Abend, dass ihm noch jetzt richtig uebel sei. Na gut, dann kam die Nachricht, dass er noch nicht weiss, wann wir fahren koennen, da der Typ, der uns auf diese Inseln einlaedt noch nicht geschrieben hat. Wir sollten also einfahc nach Hause gehen und er wuerde es uns im Laufe des Tages sagen. Nochmal zwei Stunden spaeter hiess es dann, dass wir am Dienstag um 10 Uhr frueh fahren. Claudio, dieser Typ war noch nicht in San Carlos. Also nahm ich mir den Tag als Waschtag vor, hatte vorher noch nie da Kleidung gewaschen, war also auch eine Erfahrung, die von meinen beiden Schwestern mit leichtem Schmunzeln observiert und kommentiert wurde. Erst die Kleidung einzeln nass machen (mit einem Schoepfer), dann mit einer Seife einreiben (meine mitgebrachte Seife wurde mit einem unsicheren Laecheln entgegengenommen und fuer untauglich empfunden (die Anleitung war ja auch auf deutsch und gut roch es auch nicht und geschmeckt hat es laut Izamar (meine Schwester) auch nicht - komisches Zeug!) und dann kraeftig in der Spuele reiben, wie in alten Zeiten eben. Ein gutes Muskeltraining, aber scheuert sich auch die Finger wund. Hat meinen seinen Berg Kleidung dann durchgescheuert, wird dieser erstmal eingeweicht und das ein paar Stunden lang (bei ihnen heisst es zwar nur: ein kleines weilchen - aber dieses ratito zieht sich wiegesagt ueber mehrere Stunden). Danach wieder auswaschen und aufhaengen (am Stacheldrahtzaun auf der Veranda - wegen dem Wind - so haelt es besser...). Eigentlich ganz einfach. Aber zeitaufwaendig, deshalb immer gleich ein riesen Berg auf einmal. Aber jedenfalls bin ich dann am naechsten Tag doch mit Helena und frischer Kleidung in ein kleines Boot gestiegen, von Claudio und seinem Steuermann begleitet. Wir fuhren beide mit einem Auftrag, wobei ihrer etwas klarer ausfiel. Helena sollte mit den Kindenr auf der Insel Bilderchen malen, die als Illustration fuer ein Maerchen dienen, welches eine Erlangerin fuer saemtliche Partnerstaedte geschrieben hat. Es war ein wunderschoener Tag, der See friedlich und in einer dreiviertel Stunde waren wir angekommen. Claudio´s Hotel liegt auf der groessten Insel Mancarron, wo auch Ernesto Cardenal lebt/e, wir haben sogar sein Haus gesehen! (und natuerlich auch seine Kirche, etc.). Das Hotel war gross ausgelegt und sehr schoen, aber natuerlich nur von Amerikanern belegt. Mit uns waren naemlich fuer die Woche eine Gruppe von Amis aus einer Baptistengemeinde in Michigan, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, auf einer der kleineren Inseln die Fundamente fuer eine "Health Clicin" zu setzen. Und alles in einer Woche. Sie waren relativ alt (50 und die aelteste 80) und zwei Teenager. Dauernd irgendwelche religioesen Witze und vor und nach dem Essen wurde auch ein Blessing oder sonst irgendwas gesprochen... Sprachen aber kein Wort Spanisch und waren der Ansicht, dass man saemtliche Dienstleistung kaufen kann, hat man nur genuegend Dollar dabei. Sie waren uns nicht ganz geheuer, wir ihnen aber anscheinend schon, da sie uns am Tag nach unser Wiederkunft in San Carlos dort zum Essen einluden... naja - die Naechstenliebe eben. Lehnten auch dankend ab an ihrem "Lasst uns mit den Einheimischen beten" - Messe teilzunehmen. Stattdessen bereiteten wir das Projekt von Helena vor, da sich meins in Luft aufgeloest hatte (sollte die Kinder und Jugendliche zum Englischunterricht befragen - Interesse, Zeit, Ort etc). Aber da alle auf den 35 verschiedenen Inseln verstreut sind und es ausserdem Ferien sind und generell es bereits 3 pensionierte Amis gibt die Unterricht geben (bis Mai...), hab ich mein Projekt aufgegeben (bzw. die Amis luden mich ein, bei ihnen mitzuarbeiten, werde aber sehen muessen, we das ueberhaupt logistisch geht, braeuchte ja dann theoretisch ein Boot um herumzukommen. Es hiess bei Helena, dass bereits alle Kinder Bescheid wuessten, was aber (Uberraschung) nicht der Fall war, so dass wir in Begleitung einer 13 -jaehrigen (die sich spaeter bereits als Mutter mit Baby darstellen sollte) saemtlich Haeuser auf der Insel abklapperten und die Einwohner fragten, ob sie ihre Kinder morgen um 2 zum Hotel schicken wuerden - Stifte gaebe es, wir wuerden uns freuen. Diesen Satz an jeder Tuer, wobei es nicht so viele Tueren gibt, man spaziert einfach hinein, oder schreit HOLA und wird dann durch ein zurueckgeschrienes HOLA eingeladen, dass Haus zu betreten. Alle Kinder und Erwachsene sitzen meist auf einem Haufen, so dass das Auffindigkmachen nicht so schwer war. Und so viele Einwohner gibt es auch nicht auf der Insel. Das geschafft gingen Helena und ich erstmal baden - in Solentiname ist eigentlich die einzig wirklich schoene Gegend zum Baden, da das Wasser am saubersten ist. Am "Kai", waren auch ein paar kleinere Jungs, so dass wir uns zusammen ins Wasser schmissen, wenn auch diese erstmal erstarrten (Auslaender - dazu Frauen - dazu Hellhaeutige - und im Falle von Helena - blonde, lassen viele erstmal erstarren (teils aus Angst (bei Kindern), teils aus Neugier). Danach wartete eine Horde von Mosquitos auf uns, nirgendswo sonst waren sie so schlimm, wie in Solentiname nachts. Am naechsten Tag machten wir uns einen gemuetlichen Vormittag mit lesen und sonstigem, dachten auch nicht, dass die Kinder wirklich um 2 sondern hoechstens um 3 kommen wuerden. Ueberraschenderweise waren 5 vor 2 schon 4 Kinder anwesend. Da hatten wir noch nicht mal die Stifte ausgepackt. Kurz darauf kamen in regelmaessigen Abstaenden mehr und mehr Kinder von allen Ecken und Loechern hergerannt und umringten uns und schauten dabei mit den groessten Augen zu uns beiden hoch (- ja selbst zu mir schaut man gelegentlich hoch!). Ploetzlich hatten wir fast 30 Kinder (wahrscheinlich saemtliche der Insel) im Hotel, es musste also Platz geschaffen werden und dann konnten wir in Gruppen ihnen erzaehlen, was sie nun fuer jeden Abschnitt malen sollten. Die juengste war 4, die aeltesten 18. Eine ganz schoene Erfahrung, erstmal auf Spanisch KInder verstehen und wiederum ihnen verstaendlich machen, wie das Maerchen geht und was sie malen sollen. Es war ein lustiger Haufen und allesamt liebenswert (wenn doch einige den Hang dazu hatten, die Stifte zu horden oder geschickt in der Hose zu verstecken... aber wir waren schneller (sie sollten sie ja auch am Ende der Woche eh geschenkt bekommen, aber da brauchten wir die Stifte noch!). 2 1/2 Stunden spaeter verschwanden sie genauso schnell wie sie gekommen waren und zurueck blieben zwei sehr muede und teilweise buntangemalte Kinderhueter. Wir nutzten die paar Minuten, die uns bis zum Sonnenuntergang blieben, um zum See zu rennen und uns abzukuehlen. Die Zeichnungen waren leider nicht wie erwuenscht typisch Solentiname (naive Kunst hat ja hier einen grossen Stellenwert - bunte, lebendige Farben und Urwaldgeschoepfe), sondern eher typisch Kind, von Gekrakel zu Prinzessinen (sollte eigentlich ein armes Maedchen im Maerchen sein, aebr gut...). Aber es gab auch schoene Zeichnungen, mit viel Liebe zum Detail und ich denke nicht dass deutsche Kinder immer Kolibris, Krokodile oder die buntesten Blumen in ihre Bilder zeichnen. Von daher doch irgendwo typisch fuer diese Gegend - schliesslich zeichnen sie nur, was ihnen bekannt ist. Und bunt und voller schoener Blumen ist diese Inselgruppe wirklich. Ueberall Urwald und diesen sollten wir am naechsten Vormittag erkunden. Erst spazierten wir ein wenig herum, dann merkten wir schnell, dass es an normalen Wegen nichts mehr gibt, also begaben wir uns "off the beaten track" mitten hinein in den Dschungel. Ein wenig mulmig war uns schon zu Mute, jede Pflanze sah aus wie eine Schlange, und Schmetterlinge waren so gross, dass wir dachten, irgendwelche Monster fliegen grad auf uns zu. Auch der Boden blieb besser nicht angeschaut, da wir mit offenen Sandalen oftmals ein Krabbelgefuehl hatten, welches nicht immer angenehm war. Aber ziemlich bald kamen wir an eine Art Lichtung, nah am Ufer, wo auch ein Haus stand und Haehnchen herumliefen, Hunde und ... Kinder. Es war das Haus einer Fischerfamilie, der Vater flickte grad ein Netz, waehrend sich sein Sohn darin verfing und die Mutter stand im Wasser und nutze einen heruntergefallenen Baumstamm als Waschbrett. Eins der Kinder kam auf uns zu und fragte, was wir hier machen (sie war auch gestern im Hotel gewesen). Wir fragten nach einem Weg durch den Dschungel, woraufhin sie sich gleich anbot und darauflos ging - mitten ins Dickicht. Wir folgten ihr, ueber Stock und Stein, durch Spinnennetze, gefangen von Lianen und anderen Pflanzen. Ameisen, Krabbeltiere und andere Viecher waren in unseren Schuhen, Haaren, Klamotten, aber das Kind wollte weiter, denn sie kannte einen Punkt am Ufer, der sehr schoen sein sollte. Nach einer Stunde des folgens, Helena und ich waren komplett durchgeschwitzt und dreckig, beschlossen wir umzukehren (sie meinte es waere zwar nicht weit, aber das war es schon am Anfang - angeblich. Zuruekc an ihrem Haus bot sie nun an uns im Bott an die Stelle zu fahren, doch beim Anblick des Holzboots, welches teilweise schon mit Wasser gefuellt war, stockten wir erstmal. Aber - das Maedchen war sehr dafuer und fing gleich an zu schoepfen. Also blieb uns nichts anderes uebrig, man wolte ja auch nicht unhoeflich erscheinen. Es war ein Ruderboot und waehrend Helena vorne schoepfte, ruderte das Maedchen (war 12) kraeftig und ich sass hinten und sollte das Gleichgewicht halten. Versuchte auch ein wenig zu rudern, war aber verdammt schwer (wenn es auch total einfach aussah) und so ruderte das Maedchen um die halbe (nicht vergessen - groesste!) Insel. Am Ende hatte sie Blasen an den Haenden, was aber Angesichts der Ehre, der Fuehrer der zwei Maedchen gewesen zu sein, anscheinend voellig unwichtig war. Danach - wieder Baden und danach gleich wieder zum Malen mit den Kindern. Es kamen am Anfang nicht so viele, aber nach und nach hatten wir wieder die gleiche Anzahl. Voellig weg an dem Abend goennten wir uns ein Bier und am Abend zuvor (hatte ich vergessen), hatte uns eine Amerikanerin, die mit ihrem Ehemann eine Rundreise machte eine Flasche Weisswein geschenkt, da sie nur ein Glas trinken wollte. Jedenfalls machten wir es uns gemuetlich. Am gleichen Abend sollte es auch eine Piñata fuer die Kinder geben, das war ein Heidenspass, vor allem fuer die Kinder, aber fuer uns auch, da auch Helena und ich aufgefordert worden, blind tanzend nach dem Baer zu schlagen.Trotz der schoenen Zeit, war es auch gut, wieder abzureisen, denn soooo viel gibt es tatsaechlich nicht zu tun auf der Insel, man fuehlt sich bisweilen sogar wie ein Gefangener (wenn man kein Boot hat). Samstag war ich voellig erschoepft und hatte ausserdem einen krassen Sonnenbrand, weshalb ich nur im Haus sass und las. Frank sagte mir am Freitag dann noch, dass wir am Sonntag nach Los GUatozos fahren wuerden, da es dort eine Reunion gibt. Helena konnte nicht mit, da sie am Samstag nach Panama fuhr, aber ich stellte mich puenktlich wie immer um 7 Uhr frueh an die Docks. Neben mir der andere Staedtepartnerschaftsgesandte Hans, aus Holland. Eine Stunde spaeter kam auch der Vice Alcalde (Vize Buergermeister) und davor hatte ich mich noch mit El Crespo unterhalten, der an dem Morgen nach Solentiname fuhr, weil er sich dort fuer 5000 Dollar eine Insel gekauft hatte (klein aber fein - wer kann schon von sich behaupten eine Insel zu besitzen - so sein Argument). Das Wetter war wieder schlechter, aber sobald wir im Boot sassen begann es zu stuermen und der Regen prasselte nur so auf uns ein (es war wie immer ein offenes Boot. Der See war total aufgewuehlt und wir wurden oftmals rumgeschmissen, bis der Fahrer meinte, ich sollte mit einem in der Mitte tauschen, da das Gleichgewicht nicht stimmte. Danach kippten wir nicht in jeder Welle gefaehrlich zur Seite, sondern nur in jeder Zweiten. Nach 1 1/2 Stunden des RUmhuepfens kamen wir an den Flusseingang Parparturro, wo es zwar genauso heftig regnete, wenigstens die Wellen aber nicht so hoch waren. Dort beginnt das Naturreservat und es ist wirklich traumhaft. Der Fluss wird bisweilen sehr eng, sodass man zu jeder Seite das Ufer anfassen, die Tiere sehen, hoeren, ja riechen kann (Fisch), waehrend ueber einem der Dschungel bereits so zugewachsen ist, dass es manchmal richtig dunkel wird und man das Gefuehl hat durch einen Tunnel zu fahren. Wir kamen wieder an einer Militaerstation vorbei (gibt in dem Gebiet viele - liegt schliesslich grade mal 5 Kilometer weit weg von Costa Rica) und holten mehr und mehr Leute von ihren Haeusern ab. Landeten schliesslich an einem grossen pinken Privathaus, welches der Ort der politischen Versammlung sein sollte. Erst jetzt begriff ich, dass es sich hier um eine Versmamlung des Rathauses von San Carlos mit Gesandten und Vertretern aus den Gemeinden des Costa Surs und aus Costa Rica handelte. Das ganze Gebiet leidet unter Missstaenden im Strassensystem, Schulbildung, Gesundheit... Man traf sich also an diesem schoenen Tag (das Wetter hatte sich wie immer blitzartig geaendert) im Garten des Hauses in einem grossen Sitzkreis angeordnet. Ich wurde, wie auch der andere Hans aus Holland und ein Gast aus Venezuela allen vorgestellt, obwohl ich per se nichts zur Versammlung beitragen sollte. Der Vize Buergermeister und Frank reichten Knabberzeugs und Cola. Es war fast wie eine Gardenparty, wenn die Themen auch ernst waren und auch ernst genommen wurden. Mittendrin wurde die Versammlung durch einen Regenschauer unterbrochen, dann musste erstmal gegessen werden und danach gings weiter. Insgesamt sehr lockere Atmosphaere, viele Witze aber auch viele Anliegen der Bevoelkerung. Ingenieure waren dabei, die Zeit und Kosten fuer Strassenbau vorstellten, waehrend manche gleich grosse Taten verlangten, die aber von Frank gestoppt wurden. Er stellte in seiner Rede fest, dass es essentiel sei, erstmal die wichtigsten Anliegen, Strom, Wasser, Strassen, Bildung, Gesundheit zu erledigen, bevor man an andere Themen herangeht. Ein anderer redete gerne ueber seine Zeit als Soldat und ein anderer hob die Einzigartigkeit dieses Treffens zwischen Nicaragua und Costa Rica hervor, da es das erste Mal in der politischen Geschichte Nicas sei, dass die Regierung eine solche Zusammenarbeit mit dem Ziel sozialer Projekte sowohl unterstuetze, als auch weiterbringe.Diese Versammlung betrachtend, fiel mir ein Zitat aus Doris Lessings Buch "The Golden Notebook" ein, in dem ein fiktionaler afrikanischer Politiker angesichts der britischen Hauptstadt Londons zu seiner englischen Freundin Anna sagt: "Do you realize how many generations it takes to build a society where buses run on time? (...)". Ich finde dieses Zitat sehr zutreffend, da es gerade das ausdrueckt, was Nicaragua ausmacht. Generation fuer Generation wird an der Weiterentwicklung dieses Landes gearbeitet, immer mit dem Blick auf die Zukunft. Manchmal ist viel mehr moeglich in einem solchen Zustand, waren in der Versammlung auch eine Vielzahl an Bauern, Frauen oder einfach Interessierten, die die Moeglichkeit hatten mit den "politikern" zu reden, ihre Meinung kund zu tun. Und wo auch zugehoert wurde.Danach fuhren wir zureuck. Es war wunderschoens Wetter und ich sah meinen ersten Krokodil. Achja, in Solentiname habe ich auch Bekanntschaft mit einem Affen gemacht, aber ads sieht man auf den Bildern. Jetzt ist es Montag, ich habe einen kleinen Einstufungstest vorbereitet und treffe mich heut mit den Leuten vom Kurs. Morgen beginnt der unterricht. Bin sehr gespannt.
Samstag, 1. Dezember 2007
Meine Familie und andere Feste
Heut werde ich ein wenig mehr von meiner Familie erzaehlen und anderen Ereignissen und verzeiht mir meine vielen Schreibfehler, aber ich schreibe so schnell ich kann, damit ich nicht alles vergesse und ich muss ausserdem spaeter noch wo hin und manchmal, sehr aergerlich, faellt auch gerade dann der Strom aus, wenn man noch mit der Maus auf "Senden" klicken wollte, es aber nicht rechtzeitig geschafft hat!
Also, Damelia, bei der ich wohne, ist eine Frau, die alleine mit ihren zwei Kindern und ihrem Bruder und ihrer Nichte (von einem anderen Bruder) lebt. Es ist eines der "besseren" Haeuser, es ist jedenfalls aus Stein, hat eine gepflasterte Strasse und ein Klo, welches zwar keine Spuelung hat, dafuer aber europaeisch aussieht (sprich kein Plumpsklo). Damelia arbeitet im Rathaus und ist dort in der Verwaltung. Sie lebt getrennt von ihrem Mann, wie viele Frauen hier, interessanterweise, es scheint fast normal, dass die Muetter alleinerziehend sind. Ihre aelteste Tochter Isamar ist 18 und hat morgen ihre "Abifeier" und moechte lustigerweise ab naechstem Jahr Psychologie studieren. Ihr Sohn Enoc ist 7 oder 8 und hat grade Ferien, weshalb er eignetlich den ganzen Tag nur Fern schaut oder NIntendo spielt aber schoen ist auch, dass es auf Grund der vielen Kinder auch Gruppen gibt, die dann in der Strasse Baseball spielen oder Drachen steigen lassen (Wind gibt es genug!). Den Bruder von Damelia sehe ich kaum, ab und zu hat er in seinem Zimmer noch eine Frau dabei, aber so recht hab ich diese Zusammenstellung noch nicht verstanden, es scheint jedenfalls niemanden zu stoeren. Dann gibt es noch ihre Nichte Yessica und diese kocht auch fuer mich und erledigt auch sonst alle haeuslichen Arbeiten. Sie lebte vorher bei ihrem Abuelito (ihrem Grossvater) in El Castillo, einem Dorf etwas weiter entlang des Flusses, da ihre Eltern (getrennt) in Costa Rica und irgendwo in Nicaragua wohnen und andere Familien mit Kindern haben. Leider starb ihr Grossvater dieses Jahr, also lebt sie seit Maerz bei ihrer Tante. Sie scheint mir immer ein wenig traurig und gelangweilt, denn Isamar hat ihr viele Freunde wegen der Schule, aber Yessica kennt fast niemanden und ist eingentlich den ganzen Tag im Haus. Ich hab beschlossen, sie zu meiner Englischunterrichtsmethodentestperson zu machen und labere sie auch so den ganzen Tag zu, in der Hoffnung mein Spanisch zu verbessern. Ich habe aber das Gefuehl, dass sie sich ueber die Aufmerksamkeit freut und so ist uns beiden gedient. Ich hab mein eigenes Zimmer, klein aber fein und da ich eh kaum Klamotten oder sowas dabei habe, verbringe ich die meiste Zeit im Schaukelstuhl auf der Terrasse und lese oder unterhalte mich oder gehe spazieren oder suche leute, denen ich irgendein Paeckchen uebergeben muss, das man mir in Deutschland mitgegeben hat. Davon hab ich viele. Es macht aber Spass, man laueft in eine Gegend, kennt sich ueberhaupt nicht aus und fragt den erstbesten. Der fuehrt einen dann irgendwo hin, schreit herum, sagt Namen und deutet in Richtugnen. Irgendwann findet sich dann das Haus, denn jeder kennt ihr jeden oder ist verwandt miteinander. Ausserdem freuen sie sich immer wenn jemand neues und vorallem ein Auslaender kommt, den sie mit Fragen loechern koennen, vor allem die Kinder, sie fragen und fragen und fragen und moegen es auch gerne fotografiert zu werden, ein Spass ist das. Helena, die andere deutsche, arbeitet in der Kindertagesstaette und wenn ich sie dort besuchen komme, wird man gleich von allen Seiten angesprungen. Sie waren ausserdem ganz beeindruckt von der Tatsache, dass ich eine Kroete, die im Sterben lag von ihrem Ort entfernt habe, nachdem die besagte Kroete mindestens 20 der Kinder eine Stunde lang im Bann hatte. Frank, der Motorradtyp, organisiert mit mir die Stunden und faehrt dafuer auch naechste Woche mit mir und Helena nach Solentiname, eine Insel, auf der ich dann mit den Leuten quatschen werde. Hlena veranstaltet dort ein Maerchenprojekt von der Stadt ERlangen aus. Also kann man sagen, dass man hier sehr gut aufgehoben ist, sie kuemmern sich wirklich um einen, vor allem, wenn man aus Deutschland und Nuernberg ist. Die Staedtepartnerschaft ist ein wirchtiger Teil der Stadt und alle Bewohner zeigen mir stolz, was die Stadt Nuernebrg gestiftet hat. Ueberhaupt wissen alle sofort wer ich bin und kommen auf mich zu, mit einer Ungezwungenheit, die mich fast ruehrt. Es herrscht eine Neugier und eine Freude am Kennenlernen, Austauschen, die die Menschen in Deutschland teilweise sehr kalt wirken laesst. Ein Ereignis was heute stattfindet ist das Fest des KOndoms, eine Fest, welches Solidaritaet mit allen an Aids Erkrankten und an HIV INfizierten ziegen soll, aber auch der Aufklaerung dient, die in diesen Gebieten sehr wichtig ist. Ein Grossteil der Bevoelkerung ist sehr sehr jung, was mehrere Gruende hat. ZUm einen erlebten noch die aelteren Generationen die Schwere des Buergerkriegs, waehrend die juengeren unter Arbeitslosigkeit zu leiden haben und sich deshalb wie wild fortpflanzen. Eine Familie hat teilweise bis zu 10 Kindern!! Ausserdem ist die Gegend streng katholisch, und das Gesezt GOttes (wie es mir ein Mann hier erklaerte) verbietet den Gebrauch von Kondomen und abschliessend hat die hiesige demokratische Regierung unter Ortega die Abtreibung, die zu Zeiten der DIktatur noch legal war, illegalisiert. Also - viele Kinder - viele Krankheiten - viel noetige Aufklaerung. Und diejenigen die sich da am meisten engagieren, sind Jugendgruppen. Entweder durch eigene Aktionen, wie Radio oder eben Infostaende an solchen Festen. Hoehepunkt des Festes wird das Auftreten zweier nicaraguanischer Rockbands sein, worauf ich sehr gespannt bin! Ein anderes Fest, welches schon seit einigen Tagen laeuft ist das Fest der Heiligen Jungfrau Maria. Ich wurde eines Nachts wuest aus dem Schlaf gerissen, da direkt neben meinem Fenster eine Fanfare anfing zu spielen und ausserdem ertoenten Explosionen, die wie Gewehrfeuer klangen. Derartig erschrocken, ging ich mit meiner Familie auf die Terrasse wo wir beobahten konnten, wie eine Menschenmenge andaechtig einem Lastwagen folgte, auf dessen Rueckseite eine Art mobiler Altar aufgebaut war. Eine Statue der Jungefrau, umgeben von Verschmuekcungen und buntne Lichterketten. Ich hab einige Bilder schon ins Netz, aber es dauert immer lang und sie sind glaub ich auch leider ungeordnet. Die Tradition ist, dass der Altar jeden Tag eine andere Strasse beehrt und der Umzug immer von allen begleitet wird, u.a. auch von dieser Blaskapèlle, die mich weckte. Das Gewehrfeuer ist Feuerwerk, welches vom Park aus abgeschossen wird. Alle Strassen werden leider von unserer aus erreicht, da wir sehr nahe am Park und somit an der Kirche wohnen, so dass ich jede Nacht den Umzug mitbekomme (um 12 aber auch um 4 uhr frueh!). Am Ende des Umzugs gehen alle in den Park, denn dort wird dann fuer die Kinder ein Riesenfeuerwerk veranstaltet und ein paar Jugendliche entzuenden StrohTorros (Stiere), die mit Feuerwerkskrachern und sonstigen Dingen beladen sind. Damit rennen sie dann durch die Menge, solange bis alles erloschen ist. Insgesamt gab es gestern 6 Torros, also ein Heidenspass fuer alle Kinder, die zugleich aenglstlich wegschrecken, aber gleichzeitig hinter dem Torro herrennnen, ihn herausfordern. Die ganze Stadt verweilt im Park und die Atmosphaere ist sehr sehr schoen. Man merkt, dass Traditionen hier noch ein sehr wichtgie Rolle spielen und das schoene ist, adss es nicht fuer irgendwelche Trouisten veranstaltet wird, sondern wirklich von den Leuten fuer die Leute (vor allem fuer die kInder!). Das hat etwas sehr urspruengliches. Manchmal denke ich, dass ich zwar mit dem Englischunterricht prinzipiell etwas gutes tue, denn Tourismus ist eine der wenigen Moeglichkeiten, dieses Land voranzubringen, welches landwirtschaftlich leider nicht so viel zu bieten hat und nicht allein vom Kaffeeexport leben kann. Aber es gibt auch Momente, wo ich mir denke, dass ich eigentlich nur dazu beitrage, dass dieses Land sich irgendwann vermarktet und verkauft, dass diese Staedte und Doerfer ihre Traditionenen und Feste fuer Fremde ausrichten und damit ein Stueck weit ihre eigene Freiheit und ihre Welt verlieren, ja sogar freiwillig aufgeben. Ich weiss nicht warum, aber dieser letzte Gedanke verfolgte mich heut ein wenig, als ich den San Carlos Leuten beim Herrichten des Festes zusah. Schliesslich war ich und Helena und ein oder 2 andere die einzigen Auslaender dort und normal sind es auch nicht mehr. Und alles war so - echt.
Na gut, auf genau dieses Fest werde ich mich nun begeben...!
Also, Damelia, bei der ich wohne, ist eine Frau, die alleine mit ihren zwei Kindern und ihrem Bruder und ihrer Nichte (von einem anderen Bruder) lebt. Es ist eines der "besseren" Haeuser, es ist jedenfalls aus Stein, hat eine gepflasterte Strasse und ein Klo, welches zwar keine Spuelung hat, dafuer aber europaeisch aussieht (sprich kein Plumpsklo). Damelia arbeitet im Rathaus und ist dort in der Verwaltung. Sie lebt getrennt von ihrem Mann, wie viele Frauen hier, interessanterweise, es scheint fast normal, dass die Muetter alleinerziehend sind. Ihre aelteste Tochter Isamar ist 18 und hat morgen ihre "Abifeier" und moechte lustigerweise ab naechstem Jahr Psychologie studieren. Ihr Sohn Enoc ist 7 oder 8 und hat grade Ferien, weshalb er eignetlich den ganzen Tag nur Fern schaut oder NIntendo spielt aber schoen ist auch, dass es auf Grund der vielen Kinder auch Gruppen gibt, die dann in der Strasse Baseball spielen oder Drachen steigen lassen (Wind gibt es genug!). Den Bruder von Damelia sehe ich kaum, ab und zu hat er in seinem Zimmer noch eine Frau dabei, aber so recht hab ich diese Zusammenstellung noch nicht verstanden, es scheint jedenfalls niemanden zu stoeren. Dann gibt es noch ihre Nichte Yessica und diese kocht auch fuer mich und erledigt auch sonst alle haeuslichen Arbeiten. Sie lebte vorher bei ihrem Abuelito (ihrem Grossvater) in El Castillo, einem Dorf etwas weiter entlang des Flusses, da ihre Eltern (getrennt) in Costa Rica und irgendwo in Nicaragua wohnen und andere Familien mit Kindern haben. Leider starb ihr Grossvater dieses Jahr, also lebt sie seit Maerz bei ihrer Tante. Sie scheint mir immer ein wenig traurig und gelangweilt, denn Isamar hat ihr viele Freunde wegen der Schule, aber Yessica kennt fast niemanden und ist eingentlich den ganzen Tag im Haus. Ich hab beschlossen, sie zu meiner Englischunterrichtsmethodentestperson zu machen und labere sie auch so den ganzen Tag zu, in der Hoffnung mein Spanisch zu verbessern. Ich habe aber das Gefuehl, dass sie sich ueber die Aufmerksamkeit freut und so ist uns beiden gedient. Ich hab mein eigenes Zimmer, klein aber fein und da ich eh kaum Klamotten oder sowas dabei habe, verbringe ich die meiste Zeit im Schaukelstuhl auf der Terrasse und lese oder unterhalte mich oder gehe spazieren oder suche leute, denen ich irgendein Paeckchen uebergeben muss, das man mir in Deutschland mitgegeben hat. Davon hab ich viele. Es macht aber Spass, man laueft in eine Gegend, kennt sich ueberhaupt nicht aus und fragt den erstbesten. Der fuehrt einen dann irgendwo hin, schreit herum, sagt Namen und deutet in Richtugnen. Irgendwann findet sich dann das Haus, denn jeder kennt ihr jeden oder ist verwandt miteinander. Ausserdem freuen sie sich immer wenn jemand neues und vorallem ein Auslaender kommt, den sie mit Fragen loechern koennen, vor allem die Kinder, sie fragen und fragen und fragen und moegen es auch gerne fotografiert zu werden, ein Spass ist das. Helena, die andere deutsche, arbeitet in der Kindertagesstaette und wenn ich sie dort besuchen komme, wird man gleich von allen Seiten angesprungen. Sie waren ausserdem ganz beeindruckt von der Tatsache, dass ich eine Kroete, die im Sterben lag von ihrem Ort entfernt habe, nachdem die besagte Kroete mindestens 20 der Kinder eine Stunde lang im Bann hatte. Frank, der Motorradtyp, organisiert mit mir die Stunden und faehrt dafuer auch naechste Woche mit mir und Helena nach Solentiname, eine Insel, auf der ich dann mit den Leuten quatschen werde. Hlena veranstaltet dort ein Maerchenprojekt von der Stadt ERlangen aus. Also kann man sagen, dass man hier sehr gut aufgehoben ist, sie kuemmern sich wirklich um einen, vor allem, wenn man aus Deutschland und Nuernberg ist. Die Staedtepartnerschaft ist ein wirchtiger Teil der Stadt und alle Bewohner zeigen mir stolz, was die Stadt Nuernebrg gestiftet hat. Ueberhaupt wissen alle sofort wer ich bin und kommen auf mich zu, mit einer Ungezwungenheit, die mich fast ruehrt. Es herrscht eine Neugier und eine Freude am Kennenlernen, Austauschen, die die Menschen in Deutschland teilweise sehr kalt wirken laesst. Ein Ereignis was heute stattfindet ist das Fest des KOndoms, eine Fest, welches Solidaritaet mit allen an Aids Erkrankten und an HIV INfizierten ziegen soll, aber auch der Aufklaerung dient, die in diesen Gebieten sehr wichtig ist. Ein Grossteil der Bevoelkerung ist sehr sehr jung, was mehrere Gruende hat. ZUm einen erlebten noch die aelteren Generationen die Schwere des Buergerkriegs, waehrend die juengeren unter Arbeitslosigkeit zu leiden haben und sich deshalb wie wild fortpflanzen. Eine Familie hat teilweise bis zu 10 Kindern!! Ausserdem ist die Gegend streng katholisch, und das Gesezt GOttes (wie es mir ein Mann hier erklaerte) verbietet den Gebrauch von Kondomen und abschliessend hat die hiesige demokratische Regierung unter Ortega die Abtreibung, die zu Zeiten der DIktatur noch legal war, illegalisiert. Also - viele Kinder - viele Krankheiten - viel noetige Aufklaerung. Und diejenigen die sich da am meisten engagieren, sind Jugendgruppen. Entweder durch eigene Aktionen, wie Radio oder eben Infostaende an solchen Festen. Hoehepunkt des Festes wird das Auftreten zweier nicaraguanischer Rockbands sein, worauf ich sehr gespannt bin! Ein anderes Fest, welches schon seit einigen Tagen laeuft ist das Fest der Heiligen Jungfrau Maria. Ich wurde eines Nachts wuest aus dem Schlaf gerissen, da direkt neben meinem Fenster eine Fanfare anfing zu spielen und ausserdem ertoenten Explosionen, die wie Gewehrfeuer klangen. Derartig erschrocken, ging ich mit meiner Familie auf die Terrasse wo wir beobahten konnten, wie eine Menschenmenge andaechtig einem Lastwagen folgte, auf dessen Rueckseite eine Art mobiler Altar aufgebaut war. Eine Statue der Jungefrau, umgeben von Verschmuekcungen und buntne Lichterketten. Ich hab einige Bilder schon ins Netz, aber es dauert immer lang und sie sind glaub ich auch leider ungeordnet. Die Tradition ist, dass der Altar jeden Tag eine andere Strasse beehrt und der Umzug immer von allen begleitet wird, u.a. auch von dieser Blaskapèlle, die mich weckte. Das Gewehrfeuer ist Feuerwerk, welches vom Park aus abgeschossen wird. Alle Strassen werden leider von unserer aus erreicht, da wir sehr nahe am Park und somit an der Kirche wohnen, so dass ich jede Nacht den Umzug mitbekomme (um 12 aber auch um 4 uhr frueh!). Am Ende des Umzugs gehen alle in den Park, denn dort wird dann fuer die Kinder ein Riesenfeuerwerk veranstaltet und ein paar Jugendliche entzuenden StrohTorros (Stiere), die mit Feuerwerkskrachern und sonstigen Dingen beladen sind. Damit rennen sie dann durch die Menge, solange bis alles erloschen ist. Insgesamt gab es gestern 6 Torros, also ein Heidenspass fuer alle Kinder, die zugleich aenglstlich wegschrecken, aber gleichzeitig hinter dem Torro herrennnen, ihn herausfordern. Die ganze Stadt verweilt im Park und die Atmosphaere ist sehr sehr schoen. Man merkt, dass Traditionen hier noch ein sehr wichtgie Rolle spielen und das schoene ist, adss es nicht fuer irgendwelche Trouisten veranstaltet wird, sondern wirklich von den Leuten fuer die Leute (vor allem fuer die kInder!). Das hat etwas sehr urspruengliches. Manchmal denke ich, dass ich zwar mit dem Englischunterricht prinzipiell etwas gutes tue, denn Tourismus ist eine der wenigen Moeglichkeiten, dieses Land voranzubringen, welches landwirtschaftlich leider nicht so viel zu bieten hat und nicht allein vom Kaffeeexport leben kann. Aber es gibt auch Momente, wo ich mir denke, dass ich eigentlich nur dazu beitrage, dass dieses Land sich irgendwann vermarktet und verkauft, dass diese Staedte und Doerfer ihre Traditionenen und Feste fuer Fremde ausrichten und damit ein Stueck weit ihre eigene Freiheit und ihre Welt verlieren, ja sogar freiwillig aufgeben. Ich weiss nicht warum, aber dieser letzte Gedanke verfolgte mich heut ein wenig, als ich den San Carlos Leuten beim Herrichten des Festes zusah. Schliesslich war ich und Helena und ein oder 2 andere die einzigen Auslaender dort und normal sind es auch nicht mehr. Und alles war so - echt.
Na gut, auf genau dieses Fest werde ich mich nun begeben...!
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