Mittwoch, 26. Dezember 2007

Weihnachten...??

Erstmal natuerlich frohe Weihnachten (es ist schliesslich noch der 2. Weihnachtsfeiertag - gilt also noch) und dann bald auch ein frohes neues Jahr!Tja, was ich hier so gemacht habe...Mein Unterricht fand zum letzten Mal genau vor einer Woche statt, der nachfolgende Freitagsunterricht fiel aus, da das Rathaus in der Fortaleza (einziger Saal und Ort fuer groessere bzw offizielle Feiern) sein Weihnachtsfest feierte. Natuerlich sagte mir das niemand, so konnte ich auch meinen Schuelern nichts mitteilen. Jedenfalls wurde ich aber zum Fest eingeladen, an dem saemtliche Mitarbeiter der staedtischen Behoerde und der Gemeinden um San Carlos eingeladen waren. Die Buergermeisterin hielt eine Rede, ein paar Stadtraete ebenfalls und insgesamt war es ein sehr entspanntes, lustiges Fest. ALlen Mitarbeitern wurden Geschenke ueberreicht, meist in Form eines Fresskorbes mit teuren Lebensmitteln wie zB eingelegte Oliven, aber auch einfach Reis, Haehnchenkeule, Oel, was man eben so braucht. Fuer Familien mit Kindern gabs auch Kindergeschenke und fuer andere etwas engagiertere Mitarbeiter Extras, einen RUm oder aehnliches. Auch lief das altbekannte Wichteln, so dass jeder Austausch mit den bisher unbekannten "Freunden"/WIchteln gross applaudiert wurde, sollte es ein Mann und eine Frau sein, dann greoellten immer alle "Beso, Beso" und Fotos wurden gemacht. Buergermeisterin und alle anderen waren sehr freundschaftlich miteinander, keiner trug ANzug oder aehnliches, es war einfach ein schoenes Fest. Fuer die Kinder gabs danach noch zwei Pinatas und Kuchen (schrecklich suesses Zeug) und Unmengen an COla, Fanta (kein Wunder dass es viele Kinder gibt, die ein schwarz verrottetes, zahnloses Laecheln haben)...Am WOchenende kam Helena zurueck (krank aus Panama, aber um viele schoene Erfahrungen und Bilder reicher) und ich war sehr froh wieder jemanden zu haben, mit dem man sich entspannt unterhalten kann ohne ueber die Verendung nachzudenken. Oder (wie sich spaeter rausstellen sollte) ueber gleichermassen vorhandene Frustrationen austauschen zu koennen. Montag dann Heiligabend. Am ABend zuvor hiess es noch, dass es ein Familienessen gibt, Damelia lief sogar zu den Nachbarn um das Rezept zu holen und insgesamt erschien es mir, als koennte der ABend bzw Tag doch noch besonders werden (es hiess ja schon vorher, dass es zB keine Geschenke gibt und gearbeitet wird auch). Am naechsten Tag also ging ich noch Geschenkpapier und Kleinigkeiten einkaufen, fuer saemtliche Familienmitglieder, obwohl ich auch viel aus Deutschland mitgebracht habe ("viele" Gastgeschenke sind noch eine Untertreibung...). Ich ging nach Hause, packte alles schoen ein und wartete. Wartete und wartete und wartete. Erstens war eigentlich niemand zu hause. Jeder lief irgendwo herum, Damelia war in der Arbeit und Marcio (ihr Bruder) schaute Fernsehen. Da ich nicht wusste, worauf ich genau wartete, ging ich spazieren und endete am Kai wo ich etwas einsam Musik hoerte und in ein Buechlein schrieb. DOrt fand mich Louis ORozco, der mich immer dann trifft, wenn ich mich nicht so toll fuehle und lud mich auf einen Saft in das Restaurant ueber dem see ein. Dort sah ich einen wunderschoenen Sonnenuntergang, blutrot, im See untergehen. Wir unterhielten uns ueber vergangene Reisegruppen, die Schwierigeiten der Stadt etc. Ist ein echt netter Kerl! Wir verabredeten uns auch fuer den naechsten Tag, da er mir ein paar Krokodile zeigen wollte!Nach dieser schoenen Begegnung ging ich nach Hause, es war 6 Uhr und ich dachte, dass ich vielleicht beim ABendessen helfen koennte oder so etwas. Aber erstens war niemand da und als eine stunde spaeter Izamar und Jessica kamen, hiess es sie warten noch auf Damelia, da sie ja kochen wollte. Tja, um 8 Uhr abends wollte Marcio essen also kochte ihm Izamar schnell Gallo pinto. Auch fingen sie dann an, das vorbereitete Essen, Huehnchen mit Gemuese und Reis zu kochen, niemand wusste wann Damelia kam. Ein tisch wurde recht festlich in die Mitte geschoben, bedeckt und schliesslich drei Teller serviert. Jessica hatte keinen hunger und setzte sich draussen in die Haengematte. Izamar und ihre Cousine assen mit mir in fast Stille das Essen und hingen aber meist an ihren Handys. Dann kamen zwei Freunde von iza, die sie ueber ihren Freund ausquetschten. Anschliessend kam Damelia mit Enoq um 9 Uhr abends!!!!!!!!! Nie war die Familie gleichzeitig an einem Ort, zu keiner Zeit kaum auch nur der Hauch einer weihnachtlichen Stimmung auf und da ich mir solche Erwartungen, die auf den Aussagen an den Vortagen meiner Familie beruhte, gemacht hatte, wurde ich natuerlich bitterlich enttaeuscht und fuehlte mich irgendwo sehr allein und einsam. Also ging ich spazieren. Ich war sogar ein wenig veraergert und hatte auch schlichtweg keinen Bock, die vorbereiteten Geschenke an die Familie bzw an die Rein und Rausrennenden einzelnen zu verteilen. Am Malecon wurde ich von zwei Typen angemacht, aber in der Letzten Hoffnung beschloss ich sie nicht zu ignorieren und redete sogar zurueck. Auch wenn einer der Typen demonstrativ seinen "Waschbrettbauch" Kund tat, zeigte ich mich unbeeindruckt und so konnte sich sogar eine halbwegs angenehme Unterhaltung entwickeln. Der Eine (mit dem Bauch) werkelt normal an Strommasten rum, stellte sich mir aber als Alpinist vor, so dass ich meinte er waere Touristenfuehrer oder so was. Der andere ist Unkrautvernichter und war der Meinung, Deutschland sei noch geteilt. ABer als wir uns ueber nicaraguensische Dichter unterhielten, sagte er mir ein langes Gedicht von Ruben Dario auf, welches wirklich shcoen war und mich sehr ruerhte. So war mein Heiligabendtag einer mit vielen Ueberraschungen aber auch ENttaeuschungen, das macht dieses Land irgendwie aus. Man muss sich wirklich voellig freimachen koennen von saemtlichen Erwartungen, nur dann ist es geniessbar. Am naechsten Tag - kein Arbeitstag fuer Damelia und generell blieben alle den ganzen tag im Haus... irgendwie ironisch, denn grade an dem Tag ging ich ab 1 Uhr weg und kam erst um 8 Uhr wieder. Auch hatten sie da erst die ganze Weihnachstdekoration aufgehaengt und raeumten zusammen den Hinterhof aus. Naja, was solls. Louis kam puenktlich um 1 Uhr und wir suchten ein Boot, mit welchem wir rausfahren wollten. Das erste war voller Wasser und hatte ein Leck, welches wir nach langem schoepfen herausfanden. Also liefen wir zu einer Fischerfamilie und nahmen ihr Fischerboot (wird man bald auch auf den Bildern sehen koennen). Louis padelte und wir fuhren 2 Stunden den Rio Frio entlang, der RIchtung COsta Rica fuehrt und Los CHiles (von wo ich urspruenglich herkam). Links und Rechts waren in den Baeumen saemtliche voegel, Affen, wunderschoene Blumen und andere Fruechte. Auch gab es einzelne Haeuser, die dort zwischen den ganzen Dschungel leben und sich vielleicht sogar eine Kuh, aber immer ienn Hund, Huehner oder Schweine halten. Oftmals hoerte man auch das Schreien von Affen, ein tiefes Groellen, sehr bedrohlich! Das Wetter war zu dem Zeitpunkt nicht besonders und es rieselte mal leicht mal stark, sodass Louis viel schoepfen und sogleich gegen eine sehr starke Stroeumung padeln musste. Wir kamen irgendwann bei dem Haus seines Vaters an, der dort alleine lebt, aber jeden frueh zum Markt in San Carlso padelt um seine fruechte abzugeben, die er dort auf seiner Finca anbaut. Dort gabs auch eine ultrasuesse Katze und sie bekam mein Huehnchenstueck nach dem Essen im Tausch fuer viel bitternoetiges Schmusen. Wir gingen spazieren und Louis holte mir eine Kokosnuss vom Baum, die er mit seiner Machete trinkbereit schlug und ausserdem gabs Orangen, die man eher schluerft als isst und alle sorten an Bananen, Platanos u.ae. AUsserdem Guyabas, Pitaya Blumen, Nonis (der Saft dieser Frucht hilft angeblich gegen Krebs), Mangos, Monsterameisen, de todo. Am schoensten fand ich dort die absolute Stille, die nur von Geraeuschen der "natur", seien es VOegel oder affen die hin und wieder einen instabilen Ast aufsuchten und schreiend ins Wasser oder durch den Baum fielen, unterbrochen wurde. Dagegen ist San Carlos wirklich ein schreckliches, LAermendes, von Menschen verdrecktes Loch: natuerlich erschien es mir nur so im Vergleich, den diese Natur, wie ich sie dort erlebgt habe war schon ruhiger als alles was ich bisher erlebt habe. Nach einem laengeren Aufenthalt in der HAengematte fuhren wir wieder flussabwaerts und bogen aber vor dem Lago nach links in die Schilfgegend ab. DOrt versteckten sich ganz viele VOegel (und auch die Krokodile, die aber tagsueber schlafen) und Louis pfiff und ahmte Vogellaute nach, worauf hin sie sogar antworteten. Oder er schlug mit dem padel aufs wasser, wroaufhin ploetzlich ein ganzer schwarm von ueberall um uns herum aufstand, wegflog oder entruestet schrie. Mitten im dicksten Schilf angekommen warteten wir auf Die DUnkelheit und dann als es sehr sehr dunkel war, machte Louis seine Taschenlampe an und suchte alles ab, nach roten Augen, die im Licht reflektierten. Leider durchqueren im Moment immer mehr Fischer das Schilf und jagen harpunaehnlich Fische, wodurch sich die anderen natuerlich mehr und mehr verziehen. Doch ein paar Mal hatten wir fast welche, man sieht eigentlich erstmal nur das rote blinken zweier augen (neben den ganzen Leuchtkaefern die alternierend ueberm Schilf fliegen und eine Lichterkette bilden). Wir "schlichen" uns mit dem kanu ran und louis beugte sich ganz weit raus, aber zweimal war das krokodil einfach zu schnell und verschwand mit einem platschen. Es wurde kein wort gesprochen, nur nach 1 1/2 stunden hiess es, dass wir vielleicht heute einfach kein glueck haben werden. Doch grade als ich mich damit abgefunden habe, packte Louis doch noch einen und hielt ihn mir entgegen. Das kleine Krokodil ruehrte sich gar nicht mehr, ausser wenn man es nur am Schwanz haelt, woraufhin es wild das Paddeln anfaengt. Seine Haut ist eigentlich sehr weich, wobei es ein Jungtier war, vielleicht 6 Monate alt. Die zaehne noch ganz putzig und zwei grosse runde rote Augen. Nach ein paar Fotos und weiteren Streicheleinheiten, liessen wir es wieder ins wasser, welches es sofort in die Dunkelheit einschliessen, vorallem in dem braunen Wasser. Danach paddelten wir wieder zurueck. Meine Familie war hingegen auf den Stufen unseres Hauses gesessen und war erfreut mich wiederzusehen. Obwohl ich wahrscheinlich diesen Moment haette nutzen sollen, ihnen ihre geschenke zu geben, war ich viel zu muede und fiel quasi ins Bett.Heute tat ich mich mit helena zusammen (die genauso ein einsames Weihnachten feierte) und wir planen gerade unsere Reise uebers Wochenende! Denn irgendwann muss man hier einfach raus!

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