Es ist das erste Mal seit langem (jedenfalls kommt es mir so vor), dass ich wieder eine ganze Woche in San Carlos verbringe, da ich auf Grund von Los Guatuzos viel unterwegs bin. Ja im Grunde spielt sich die Hauptaetigkeit meines Englischlehrerindaseins in diesem kleinen Oertchen statt und jedes Wochenende erlebe ich etwas neues. Letztes Wochenende zB schaute ich meinen „Schwestern“ Freitags noch neidisch dabei zu, wie sie sich vergnuegt im Fluss badeten, waehrend ich mich auf einer Plancha (dem Archenoahboot) ausruhte, nahcdem ich grade angekommen war und meinte, ich haette nicht genuegend Kleidung dabei (hier badet man immer nur ganz angezogen, in mancher Hinsicht sind sie wirklich sehr pruede) und schon gar nicht einen Badeanzug. Die Hitze war gross, aber ich versoehnte mich mit dem Gedanken, dass es ja allerlei Tiere im Fluss gibt, mit denen ich nicht naeher Kontakt aufnehmen moechte und beliess es dabei. Am Samstag war normal Unterricht und am Nachmittag (Schule endet um 16 Uhr, faengt um 8 Uhr an mit Nationalhymne und Ansprache eines Vertreters aus jedem Jahrgang) sammelten ich und Yendri, meine Schwester und Schuelerin Hikarus, das ist eine Frucht (waechst bis zu Fussballgroesse und mehr), die an komischen Baeumen waechst und den weichen, zaehen, fassrigen Inhalt hat wie ungefaehr Kuerbisse. Die Schale ist aber dennoch sehr hart und kann nur mit einer Saege geoeffnet werden. Diese werden, wenn ausgekratzt aber noch frisch, mit Messern schoen verschnitzt und damit als Artesania (Kunstwerke/Handwerk) verkauft. Wir machten uns also daran ein paar zu sammeln, um dann genuesslich den Inhalt herauszupulen. Waehrenddessen spielten die Welpen mit ihrer Mutter hinter meinem Ruecken und stupsten mich mehrere Male dermassen, dass ich irgendwann dem einen meinen Hikaru ueber den Kopf stuelpte und somit etwas beruhigte (bzw „eine Lektion erteilte“). Die beiden sind schon sehr verspielt, aber tooootal suess und es ist schoen anzuschauen, wie die beiden wachsen. Das klingt vielleicht komisch, aber im Laufe der Zeit wurden auf diesem Hof Huehner, Papageie, Hunde, Fohlen, Kuehe und Schweine geboren und jedes Wochenende sind sie schon fast doppelt so gross. Die Schweinebabys sollten am naechsten Tag noch eine Ueberraschung erleiden. Sonntag frueh trank ich genuesslich meinen Kaffee (da der Unterricht erst um 8:50 beginnt, ich aber mitsamt den anderen schon um halb5 oder 6 aufstehe, hab ich immer viellll Zeit), als sich ploetzlich der Affe von seinem neuen Ort losgemacht hatte und anfing die Huehner zu jagen und ihnen Federn auszurupfen. Naeherte man sich ihm, biss er zu und nur die Herrin Isabella hatte ein wenig Autoritaet ueber ihn. Dennoch fluechtete er erfolgreich, kletterte die Palmen hoch und fing an uns mit Kokosnuessen zu bewerfen, so dass wir unters Dach fluechteten und ihn nur mit Drohungen beschimpfen konnte. Nach ungefaehr 1 ½ kam er doch wieder runter, da er hungrig war und wurde so gefangen – tja, so ist es nunmal im Leben, wir sind bestimmt durch unsere Grundbeduernisse...
Nach dem Unterricht hielt ich die Hitze nicht mehr aus und ging mit den anderen erneut zum Fluss und als ich das erste Mal untertauchte fuehlte ich mich wie neugeboren – die vielen Gedanken an die Tierchen, Kaimane, Schlangen, etc schob ich beiseite und genoss die Frische des Wassers. Nur einmal erschrak ich, da Yendri untergetaucht war und mich ploetzlich an den Fersen packte, so dass ich vor Schreck umfiel (wenn man das im Wasser ueberhaupt machen kann – umfallen). Marjori und Jessica biegten sich vor Lachen, verstummten aber schnell, als ich versprach das Examen vom naechsten Wochenende deutlich schwieriger zu machen – achja, es hat schon seine Vorzuege Lehrer zu sein und vorallem die sadistischen Seiten kommen in einer solchen Taetigkeit zum Ausdruck ;-). Kurz nach dem Schwimmen hiess es dass wir am Abend zum Nachbardorf laufen wuerden, da dort eine Feier stattfindet und auch Stierkaempfe, aber dafuer war es schon zu spaet, schliesslich muss man eine Stunde hinlaufen. Es ging also los nach Pueblo Nuevo und es war schon stockdunkel als wir ankamen, wieder durch den Jungel, wieder in Gedanken bei all den Tieren, Tigern, Schlangen, Spinnen,... als ich vor Schreck meine Taschenlampe fallen liess, weil sich vor mir (aus irgendeinem Grund ging ich als Erste) eine fette Kroete aufgeblaeht hatte, erschreckte ich die anderen damit genauso (waren ja nur wir 4 Frauen), weil sie dachten, es handele sich um eine Schlange oder etwas wirklich gefaehrliches. Bei solchen Spaziergaengen konzentriere man sich wirklich eher auf den bezaubernden Sternenhimmel, der nur in dieser Lichtlosen Umgebung wirklich in seiner ganzen Pracht zu betrachten ist.
Angekommen fuehlte ich mich wie auf einer riesigen Pijamaparty, jeder lief mit seiner Taschenlampe herum, ueberall waren kleine Grueppchen von Menschen, in einer Ecke waren ein paar Musiker und leuchtete ich an den Rand des Platzes starrten mich eine Reihe von Pferde an, die dort neben den moderneren Transportmitteln wie Fahrrad, Moped oder Traktor und Auto abgestellt worden. (Es ist inzwischen so trocken in der Gegend, dass fuer einen Monat auch Autos fahren koennen – Boote haben es inzwischen schwieriger, weshalb auch auf der Hinfahrt die Maenner das letzte Stueck laufen mussten, da wir auf Sand stiessen.) Mitten im Jungle wurde also eine Feier gefeiert mit einer LiveBand, vielen Verkaufsstaenden und umso mehr Menschen. Vieler meiner Schueler waren auch anwesend und als es ans Tanzen ging konnte ich mich an Angeboten kaum retten –je juenger desto mutiger, ich entschied mich aber dann doch fuer den aelteren, statt fuer meinen 13 jaehrigen, der immerhin noch einen Kopf kleiner war als ich (er bekam seinen Tanz letztendlich doch). Wir tanzten also von 8 Uhr abends bis 1 Uhr frueh – Cumbia, Salsa, Merengue, Reggaeton (ungern, aber was soll man tun...), sowohl auf Tica (Costa Rica-) wie auch auf Nica (Nicaragua)-art. Die einzige Weisse weit und breit konnten sie nicht glauben, dass auch Chelas tanzen koennen und waren schlichtweg der Meinung Auslaender koennen nicht tanzen. Es ist ein gutes Gefuehl hin und wieder ein paar Stereotypen abzubauen =)
Am Ende der Feier folgte der Rueckweg und als ich mich um 2 Uhr frueh ins Bett fallen liess, glaubte ich nie vorher so muede gewesen zu sein.
Der naechste Morgen wartete mit einer ganz anderen Ueberraschung – ganz beilaeufig fragte die Mutter ob Marjori jetzt wisse wie man Leguan zubereitet und sie, ja, ich hab dir gestern ja zugeschaut und ploetzlich ging mir auf, weshalb ich das Fleisch was ich am Vorabend zu Reis und Bohnen ass einfach nicht einordnen konnte – weil ich noch nie vorher Leguan gegessen hatte... eigentlich besser dass ich es erst im Nachhinein erfahren habe, denn beim Anblick der naechsten Opfer taten sie mir schon irgendwie leid, wobei man hier nur die schwarzen und anscheinend sehr aggresiven Leguane isst =), vielleicht haben die´s mehr verdient. Schlecht schmeckt es jedenfalls nicht.
Sonntag, 6. April 2008
Donnerstag, 27. März 2008
San Jorge, Masaya, San Carlos
H. und ich machten uns die naechste frueh (Karfreitag) mit dem Boot zurueck zum Festland und erschraken, als der am andern Tag noch leere Strand nun keinen freien Platz mehr zeigte. Die Menschenmassen wimmelten wie Ameisen ueber einander und wir waren froh da raus zu kommen, hatten aber Glueck ueberhaupt noch nach Masaya zu kommen, da man ueberall schwoerte, dass es Karfreitig weder Boot, noch Bus, ni gar nichts gaebe, da jeder seine Arbeit liegen laesst und an den Strand faehrt. Der vormals mit sprudelnde Busterminal war auch so gut wie ausgestorben, bis eben auf den einen Bus der uns an der Autobahn bei Masaya rausliess. Dort waren wir erstmal aufgeschmissen, was nun zu tun sein, da weder Internetcafes offen, noch die Hotels gewillt waren Gaeste aufzunehmen und sich der Ausrede “Wir sind voll” bedienten. Zu allem Ueberfluss ging mein Schuh kaput (nun gut, es war abzusehen, da er sich eher mit der Zeit mehr und mehr abloeste…) und erst als wir endlich den einen Deutschen erreichten, der in Masaya arbeitet, konnten wir aufatmen und verbrachten also eine gute Zeit im Internetcafe (das braucht man nach ner Weile einfach), assen dann Pizza (!das erste Mal seit 4 Monaten!) und besetzten den Tisch in dem Parkimbiss fuer einige Stunden. Der Park war ueber gefuellt mit Familien und endlich kam wieder diese schoene Stimmung des geselligen “Wir verbringen den lauwarmen Abend im Park mit Frau und Kind”, welche ich in Spanien schon kennen und lieben gelernt habe. Ueberall das Gelaechter der Kinder, das Sonnenuntergangsgezwitscher der Voegel und das Mischen zwischen Alt und Jung zwischen den Baenken und Baeumen. Ausserdem war in der Stadt grade eine grosse Prozession unterwegs, die einen beleuchteten Sarg mit Jesus sowie kleinen als Engel oder Soldaten verkleidetete Kinder zeigte, die auf kleinen Stuehlen aufgestehlt von mehreren kraeftigen Maennern durch die Stadt getragen wurden. Dazu natuerlich die obgligatorische Blaskapelle und der Schleier an Menschen der diesem Zug folgt. Den Einzug in die Kirche erlebten wir mit und ein solcher Zug mit richtigen Menschen und lebensgrossen Jesusfiguren war schon beeindruckend. Das war es was wir eigentlich von der Semana Santa erhofft hatten und nun zum ersten Mal wirklich miterlebten. Ansonsten ist die Semana Santa hier eigentlich nur eine Zeit des Badens, mit der Familie verbringens und Nicht-Arbeitens. Auch schoen.
Der naechste Tag wurde ausschliesslich im Artesania Markt von M. verbracht, wo wir uns mit Figuren, Haengematten und anderen Mitrbringsel eindeckten, eine Menge Geld ausgaben und schliesslich erschoepft aber gluecklich (hab ich erwaehnt, dass ich in Ometepe im Krankenhaus war und dort einen Berg an Tabletten bekommen habe mit dem ich die Bakterien der vergangenen 10 Jahre und der 10 kommenden abtoeten konnte) im Bus nach San Carlos sassen. Mitten in der Nacht ankommend teilten wir uns zum letzten Mal ein Bett, da ich meinen Hausschluessel vergessen hatte und am naechsten Morgen machte ich mich nur noch auf, um die Ostersonntagsmesse um 10 Uhr frueh in S/C mitzuerleben. Neben lauter revoluzzerliedern in der Kirche wurde ebenfalls eine Miniprocession mit einer etwas kleineren Jesusfigur durch die Strasse getragen und danach schmetterte ein Lastwagen mit Riesenlautsprechern religioes angehauchte Jesuspartylieder heraus. Da war es Zeit zu schlafen.
Der naechste Tag wurde ausschliesslich im Artesania Markt von M. verbracht, wo wir uns mit Figuren, Haengematten und anderen Mitrbringsel eindeckten, eine Menge Geld ausgaben und schliesslich erschoepft aber gluecklich (hab ich erwaehnt, dass ich in Ometepe im Krankenhaus war und dort einen Berg an Tabletten bekommen habe mit dem ich die Bakterien der vergangenen 10 Jahre und der 10 kommenden abtoeten konnte) im Bus nach San Carlos sassen. Mitten in der Nacht ankommend teilten wir uns zum letzten Mal ein Bett, da ich meinen Hausschluessel vergessen hatte und am naechsten Morgen machte ich mich nur noch auf, um die Ostersonntagsmesse um 10 Uhr frueh in S/C mitzuerleben. Neben lauter revoluzzerliedern in der Kirche wurde ebenfalls eine Miniprocession mit einer etwas kleineren Jesusfigur durch die Strasse getragen und danach schmetterte ein Lastwagen mit Riesenlautsprechern religioes angehauchte Jesuspartylieder heraus. Da war es Zeit zu schlafen.
Managua, San Juan del Sur, Rivas, Ometepe
Von Managua machten wir uns auf den Weg nach San Juan, dem Surf/Bade/Gringoort von ganz Nicaragua. Dreimal so teuer, dreimal so viele Weisse wie Nicas, dreimal so viel Laerm, Haeuser, Strandbars, Hotels, Supermaerkte und por eso im Grunde weit entfernt von der nicaraguanischen Realitaet. Obwohl die Straende in San Juan del Sur und drum herum wirklich paradisisch sind und wir dort einen schoenen sonnigen Tag verbrachten (ich habe mich ziemlich schwer verbrannt, welches mich noch jetzt verfolgt), fuehlten wir uns beide dort irgendwie fehl am Platz und konnten uns nicht so recht eingewoehnen. Hinzu kam, dass die Stadt in der Semana Santa der Hotspot fuer alle Nicaneureiche ist und die Stadt voellig ueberfuellt ist. Das die Berge drum herum mit riesen Villen gespickt sind und vor der Bucht ein Luxuscruiser verankert ist half dem Bild nicht besonders. Zu meinem negativen Bild kam vielleicht auch, dass ich San Juan erst richtig krank wurde, so dass ich weder essen konnte (Helena machte sich dann erst richtig Sorgen, als ich sagte “Ich habe keinen Hunger”…) noch schlafen. Wir verliessen den Ort, zahlten Unmengen um mit dem Taxi nach Rivas zu entkommen und trafen dort auf einen anderen Deutschen, der uns fuer die Nacht unterbrachte. Am naechsten Morgen ging es mit dem Taxi zur Strandstadt San Jorge und von dort mit der Ferry zur Insel Ometepe. Zum ersten Mal auf unserer Reise war es ein wenig bedeckt, aber ich wollte mich nicht beschweren, da die Ueberfahrt von 1 Stunde unter freiem Himmel bei starker Sonne meinem Sonnenbrand wohl nicht geholfen haette und ich mich ohnenhin noch ziemlich zerschlagen fuehlte. In Ometepe trafen wir auf die zwei Jungs aus Ocotal mit denen wir uns verabredet hatten und schliesslich auch mit Skinny, einem Emigranten aus Deutschland, der es sich auf der Insel bequem gemacht hatte und sowas wie ein Hotel aufbauen wollte. In einem der fertiggestellten Haeuser liessen wir uns nieder. Ein Freund von Skinny, der Bergfuehrer war, nahm uns am naechsten Tag mit auf den Vulkan Concepcion, dessen Aufstieg einer der schwersten ist und mich bis an die Grenzen meiner ohnenhin abgeschwaechten Kraefte trieb. Nur mit vielen Pausen und mentalen A….tritten schaffte ich (Helena tat sich Gottseidank genauso schwer, gemaess “geteiltes Leid ist halbes Leid”) es bis auf die 1000 Meter, wo dann zu allem Ueberfluss die Aussicht ziemlich vernebelt war. Aber immerhin. Nach einer relativen Verschnaufspause ging es hinunter, was sich als fast schlimmer als hoch herausstellte und mindestens doppelt so lang brauchte. Aber erst da fiel mir die schoene Umgebung auf, durch die ich mich schlaengelte. Sein es die Orchideen, Tequilapflanzen, Lianen und Kaffeebuesche oder die Affenfamilien, die ueber uns hangelten und uns drohten, mit Urin (aetzende (woertlich) Waffe) zu bekaempfen. Helena und ich bekamen regelmaessige Lachkraempfe, was wahrscheinlich auf unsere totale Erschoepfung zurueckzufuehren war, aber uns vor der totalen Verzweiflung rettete. Halbtot war der Abend bei Skinny dann sehr entspannend, wir grillten Haenchen, Kartoffeln und Gemuese auf einem minigrill und assen wie Schweine aus Alufolie. Herrlich.
León
Von diesem Ausflug in die Stadt zurueckkehrend schafften wir es noch auf einen Bus, der uns nach Leon brachte bzw an einer Autobahnkreuzung rausschmiss, an der zufaellig ein anderer Bus in die richtige Richtung fuhr. Spaet nachts kamen wir in Leon an und fanden erstmal keine Unterkunft, landeten schliesslich in der letzten Absteige saemtlicher Dauerpartygaenger und Kiffer und anderen abgestuerzten Gestalten, die man sich vorstellen kann. Da diese Familie so lange brauchte um unser “Zimmer” herzurichten, kamen wir erst um 21:25 in einer Bar an, die aber leider um 21:30 die Kueche zumacht. Da uns die Bedienung geschickte ignorierte mussten wir hungern und auch bei weiterer Anfrage, ob es nicht wenigstens Kekse gibt (wir hatten seit Mittags nicht gegessen) wurden wir abgelehnt. Nur einer erbarmte sich unser und schickte uns zu einem McDonalds (welches aber TipTop heisst und statt Rindfleisch Huehnerburger anbietet, von welchem wir nur noch zwei Burger ergattern konnten und dass auch nur unter der Hand quasi – ein teuer Spass. Um 10 Uhr abends war dieses Stadt schon komplett ausgestorben und der erste Eindruck war nicht besonders einladend. Ueberhaupt ist der “Service” der von Dienstleistenden geliefert wird noch dermassen unterentwickelt bzw sie haben nicht kapiert, was es heist “einladend” zu wirken. Auch das Sprichwort “der Kunde ist Koenig” ist ihnen fremd. Die haben bei jeder Bitte ein dermassen saeuerliches Gesicht und starren einen teilweise feindselig an, wenn man es auch nur wagt nochmal nachzufragen, so dass man sich fast der eig. Gegenwart schaemt. Oder sie knallen einem das Geld auf den Tisch, schauen bewusst beim Reden gelangweilt in eine andere Richtung oder ignorieren einen von Anfang an. Komisch.
Der naechste Morgen hingegen zeigte ein ganz anderes Leon. Wir erschraken sogar im ersten Moment, den die vormals duestere und totenstille Stadt war nun so voller Leben, die Menschenmassen rollten durch die Strassen, Autos, Fahrraeder und andere Fahrdinger kaempften um die Vormachtsstellung, an jeder Ecke sassen Verkaeufer, teilweise saeumten sie ganze Strassen, es wurde geschrien, gefeilt, beleidigt, zurueckbeleidigt, gegruesst, getratscht und das alles auf einmal. Noch dazu waren alle Tueren weit aufgerissen,, Musik spuelte heraus, alle Haeuser waren bunt und architektonisch schoen anzuschauen (der Kolonialstil ist hier vorherrschend) und mittendrin zwei kleine (bzw eine Grosse und eine Kleine) San Carleñer. Unser Fruehstueck bestand aus einer Fruechtetuete, wahernd wir durch die Stadt schlenderten und alle Eindruecke einsogen. Der grossangelegte Park mit der Kathedrale und den vielen Wandbildern, die waehrend der Revolution angefertigt wurden und zB einen Sandino zeigen, wie er den amerikanischen Praesidenten Lincoln unterm Fuss zerquetscht oder andere Anti-kapitalistische Abbildungen. Wir suchten auch ein etwas schraeges Museum auf, welches mit ausgestopften Tieren und Pappmachefiguren die “Traditionen und Legenden” Nicaraguas darstellen sollten aber eher an ein Gruselkabinett erinnerte. Lediglich die Mangos die wir aus dem Hof (sarkastischerweise ist das auch frueher ein Gefaengnis fuer politische Gefangene gewesen, die durch Schwarze Schattenabbildungen hinter den Figuren in ihren Folterungsposen dargestellt wurden) stahlen, konnten diesem Besuch etwas abgewinnen.
Gegen Mittag nahmen wir den Bus an den Strand bzw Pazifik, welches aber leider viel zu wild war, als dass man tatsaechlich schwimmen konnte. Auch war es zu heiss, so dass wir die meiste Zeit mit zwei betrunkenen Amis und einem herumreisenden Gaertner aus der Schweiz unter einem Strohdach sassen, Ananassaft und Bananashake tranken, lasen, in die Ferne blickten und uns entspannten. Erst kurz vor und beim Sonnenuntergang lagen wir am Strand, tranken eine frische Kokosnuss leer und genossen den Anblick des rotgefaerbten Meeres. Auf dem Weg zurueck wurden wir zum ersten Mal richtig belaestigt. Im Bus sass zu meiner rechten ein Betrunkener, der sich mit dem Kopf an die Lehne vor mir lehnte und zu Beginn mit seinen Fingern meine Knie kitzelte, aber irgendwann doch mehr als absichtlich ausrutschte, so dass ich vor Ueberraschung lediglich seine Hand wegschlagen konnte, was aber bereits die Aufmerksamkeit der umliegenden Gaeste (vornehmlich Maenner) erregte, da in einem grossen Knall dabei mein Buch runterfiel. Wir setzten uns also um und in dem Moment rutschte diesem Kerl auch seine Hand bei Helena aus, die sich mit einem Schwung umdrehte und ihm eine verpasste (yay!). Als dieser dann die Frechheit auch noch aufzustehen und sich hinter unseren neuen Platz zu setzen und wir ihm verbal eine Abfuhr erteilten, schritten die Busfahrerayudanten ein und befoerderten ihn und einen weiteren Saufkollegen, der aus dem Suff aufgewacht und die erste Gelegenheit des Motzens bei uns fand, aus dem Bus heraus. Ein Sieg fuer die jungen, weiblichen Chelas dieser Welt! Der Abend klang bei einer Freundin aus, die in Leon wohnt und die uns zu einer Reggaekneipe mitnahm, die ausschliesslich mit Gringos gefuellt war und ein paar Gringosliebenden Nicas. Am anderen Tag trafen wir uns mit dem Leiter des Bueros fuer die Beziehungen zwischen Oesterreich und Nicaragua, den wir im Rahmen der Oesterreichdelegation fuer die wir dolmetschen kennenlernten und der uns auf seine Ranch am Meer eingeladen hatte. Zum Baden war es als wir ankamen auch schon zu spaet, aber er lud uns noch zu sich nach Hause ein, wo wir selbstgemachte Schokolode, Rotwein, Zuckerfreien Ananassaft und andere Leckereien serviert bekamen. Die Freude ueber solche in Dtschl unbedeutenden Dinge kann man sich eigentlich gar nicht richtig vorstellen, fuer Helena und mich war es jedenfalls ein sehr sehr schoener Abend. Das Highlight kam, als er uns einlud in seinem Hotel bzw dem neuen zweiten Hotel, welches noch an einer Baustelle lag, zu uebernachten, welches eine richtige Dusche, Klo und zwei eigene Betten hatte!! Himmlisch. Leon schlossen wir mit einem Blick ueber die ganze Stadt vom Kathedralendach aus ab und begaben uns dann auf nach Managua, wo es noch ein paar Abschiede zu feiern gab, ehe wir nach San Juan weiterfuhren.
Der naechste Morgen hingegen zeigte ein ganz anderes Leon. Wir erschraken sogar im ersten Moment, den die vormals duestere und totenstille Stadt war nun so voller Leben, die Menschenmassen rollten durch die Strassen, Autos, Fahrraeder und andere Fahrdinger kaempften um die Vormachtsstellung, an jeder Ecke sassen Verkaeufer, teilweise saeumten sie ganze Strassen, es wurde geschrien, gefeilt, beleidigt, zurueckbeleidigt, gegruesst, getratscht und das alles auf einmal. Noch dazu waren alle Tueren weit aufgerissen,, Musik spuelte heraus, alle Haeuser waren bunt und architektonisch schoen anzuschauen (der Kolonialstil ist hier vorherrschend) und mittendrin zwei kleine (bzw eine Grosse und eine Kleine) San Carleñer. Unser Fruehstueck bestand aus einer Fruechtetuete, wahernd wir durch die Stadt schlenderten und alle Eindruecke einsogen. Der grossangelegte Park mit der Kathedrale und den vielen Wandbildern, die waehrend der Revolution angefertigt wurden und zB einen Sandino zeigen, wie er den amerikanischen Praesidenten Lincoln unterm Fuss zerquetscht oder andere Anti-kapitalistische Abbildungen. Wir suchten auch ein etwas schraeges Museum auf, welches mit ausgestopften Tieren und Pappmachefiguren die “Traditionen und Legenden” Nicaraguas darstellen sollten aber eher an ein Gruselkabinett erinnerte. Lediglich die Mangos die wir aus dem Hof (sarkastischerweise ist das auch frueher ein Gefaengnis fuer politische Gefangene gewesen, die durch Schwarze Schattenabbildungen hinter den Figuren in ihren Folterungsposen dargestellt wurden) stahlen, konnten diesem Besuch etwas abgewinnen.
Gegen Mittag nahmen wir den Bus an den Strand bzw Pazifik, welches aber leider viel zu wild war, als dass man tatsaechlich schwimmen konnte. Auch war es zu heiss, so dass wir die meiste Zeit mit zwei betrunkenen Amis und einem herumreisenden Gaertner aus der Schweiz unter einem Strohdach sassen, Ananassaft und Bananashake tranken, lasen, in die Ferne blickten und uns entspannten. Erst kurz vor und beim Sonnenuntergang lagen wir am Strand, tranken eine frische Kokosnuss leer und genossen den Anblick des rotgefaerbten Meeres. Auf dem Weg zurueck wurden wir zum ersten Mal richtig belaestigt. Im Bus sass zu meiner rechten ein Betrunkener, der sich mit dem Kopf an die Lehne vor mir lehnte und zu Beginn mit seinen Fingern meine Knie kitzelte, aber irgendwann doch mehr als absichtlich ausrutschte, so dass ich vor Ueberraschung lediglich seine Hand wegschlagen konnte, was aber bereits die Aufmerksamkeit der umliegenden Gaeste (vornehmlich Maenner) erregte, da in einem grossen Knall dabei mein Buch runterfiel. Wir setzten uns also um und in dem Moment rutschte diesem Kerl auch seine Hand bei Helena aus, die sich mit einem Schwung umdrehte und ihm eine verpasste (yay!). Als dieser dann die Frechheit auch noch aufzustehen und sich hinter unseren neuen Platz zu setzen und wir ihm verbal eine Abfuhr erteilten, schritten die Busfahrerayudanten ein und befoerderten ihn und einen weiteren Saufkollegen, der aus dem Suff aufgewacht und die erste Gelegenheit des Motzens bei uns fand, aus dem Bus heraus. Ein Sieg fuer die jungen, weiblichen Chelas dieser Welt! Der Abend klang bei einer Freundin aus, die in Leon wohnt und die uns zu einer Reggaekneipe mitnahm, die ausschliesslich mit Gringos gefuellt war und ein paar Gringosliebenden Nicas. Am anderen Tag trafen wir uns mit dem Leiter des Bueros fuer die Beziehungen zwischen Oesterreich und Nicaragua, den wir im Rahmen der Oesterreichdelegation fuer die wir dolmetschen kennenlernten und der uns auf seine Ranch am Meer eingeladen hatte. Zum Baden war es als wir ankamen auch schon zu spaet, aber er lud uns noch zu sich nach Hause ein, wo wir selbstgemachte Schokolode, Rotwein, Zuckerfreien Ananassaft und andere Leckereien serviert bekamen. Die Freude ueber solche in Dtschl unbedeutenden Dinge kann man sich eigentlich gar nicht richtig vorstellen, fuer Helena und mich war es jedenfalls ein sehr sehr schoener Abend. Das Highlight kam, als er uns einlud in seinem Hotel bzw dem neuen zweiten Hotel, welches noch an einer Baustelle lag, zu uebernachten, welches eine richtige Dusche, Klo und zwei eigene Betten hatte!! Himmlisch. Leon schlossen wir mit einem Blick ueber die ganze Stadt vom Kathedralendach aus ab und begaben uns dann auf nach Managua, wo es noch ein paar Abschiede zu feiern gab, ehe wir nach San Juan weiterfuhren.
Nicaraguareise Teil I: Estelí
Ich sitze im Parkcafe bzw Internetcafe am Park und habe mir vorgenommen in einem Schwung den Bericht der Reise abzufertigen, mal schauen ob mir bei dieser Hitze nicht schon viel zu frueh die Lust oder Energie verloren geht…
Unsere Reise hatte einen stressigen Start, da ich normalerweise immer erst Montag Vormittag mit dem Boot aus der kleinen Flussgemeinde Los Guatuzos zurueckkehre, der Bus nach Managua um 20 Uhr abends faehrt und ich zwischen drin umpacken, Unterricht vorbereiten, Unterricht halten und als Ausnahme, da gerade der hollaendische Architekt Henk und seine Crew zurueckgekehrt waren, fuer ihn und seine Frau im Krankenhaus die Fuehrung dolmetschen (wobei ich dafuer zum ersten Mal und unerhofft bezahlt wurde – eine Summe, welche fuer ihre Verhaeltnisse vielleicht wenig ist, aber fuer nicaraguanische Verhaeltnisse sauviel (finanzierte eine Woche Uebernachtung und Essen auf der Reise!!)). Und obwohl der Stress ein wenig gemildert wurde, weil ich es schaffte einen Platz mit zwei franzoesischen Touristen zu ergattern, die in dem oekologischen Zentrum in Los Guatuzos uebers Wochenende geblieben waren und mit einem Privatboot schon Sonntag zurueckkamen, war auch ich bereits Sonntag Abend wieder in San Carlos.
Helena und ich trafen uns dann am Bus und konnten unser Glueck nicht fassen, da es sich nicht wie ueblich um einen verrosteten Schulbus handelte, sondern ein quasi etwas in die Jahre gekommener Reisebus mit eigenen (!) verstellbaren (!) Sitzen war, zwei von denen wir sogar reserviert hatten! Also Luxus pur, der nur durch die Mitfahrt zweier aufdringlicher Typen gemindert wurde. Fruehs (man faehrt ja die ganze Nacht durch- an Schlaf ist wenig zu denken) in Managua ankommend sprangen wir gleich auf den naechsten Bus, der uns nach Estelí, einer schoenen kleinen Stadt im hohen Norden Nicaraguas brachte. Wir goennten uns ein herzhaftes Fruehstueck und machten uns vergeblich auf die Suche nach einem Touristenbuero (alle Adressensangaben die wir bisher auch in anderen Staedten nachgingen, erwiesen sich als falsch, veraltet oder nichtexistent). Da es abgesehen vom klassischen Parque Central und der Kathedrale, die schoen mit den Osterfarben Lila ausgeschmueckt war, und einem verstaubten Museum fuer die “Martyer und Helden” der Sandinisten Revolution (ueber und ueber gefuellt von Schwarzweiss Fotos von Maennern, Frauen und teilweise Kindern, die im Rahmen der Revolution fielen… dazu noch vergilbte Zeitungsausschnitte, die “am letzten Tag getragenen Kleidung” und Portraits von Augusto Sandino und anderen Generaelen – ein von den Muettern, Geschwistern oder Witwen Gefallener gefuehrtes Museum) nichts zu sehen gibt, begaben wir uns mit einem Schulbus (eigentlich Stadtbus, aber nur mit Schuelern vollgepackt) an den Rand der Stadt, von wo aus ein Pfad in das Naturreservat Miraflor fuehrte. Mit unserem Schwergewicht auf dem Ruecken und in der heissen Mittagssonne marschierend schafften wir es nicht allzu weit, konnten aber doch die Natur, welche uns eher an das trockenen Hinterland Griechenlands erinnerte als Nicargua, geniessen und wurden auch Gottseidank von einem vorbeifahrenden Jeep bis zu unserem Ziel, dem Eingang zum Abstieg zu einem Wasserfall mitgenommen. Das Paar im Auto bestand aus einem Nica, der waehrend der Revolution nach Bulgarien zum Studieren geschickt wurde und einer Deutschen, die von der DDR aus ebenfalls nach Bulgarien zum Studium ging (wies weiterging kann man sich denken) und die seit 20 Jahren hier ohne Strom und Wasser auf einer Finca in den Bergen lebte und Blumenanbau betrieb, welche in einem Geschaeft in Estelí verkauft wurden. Schon komisch, wenn ihr Bild von Deutschland noch total sozialistisch gepraegt ist und sie im Grunde das Deutschland von heute kaum kennt, auch wenn sie inzwischen 3 oder 4 Mal dort war.
Tja, zum angestrebten Wasserfall schafften wir es nie, da wir zu frueh abstiegen und an einer hoeher liegenden Wasserstelle und –faellchen landeten, an dem wire s uns aber trotzdem bequem machten. In Anbetracht eines kleinen Haeuflein Blaetter, welches dahinraeuchelte, machten wir uns schonmal Gedanken, wie man sich am besten gegen feindliche Angriffe wehrt, so voellig abgeschieden in einer Schlucht sitzend, ohne Moeglichkeit jemanden zur Hilfe zu rufen, geschweige denn schnell davon zu laufen… (this is for you mum, just to train your nerves… as you know, I am still alive)
Nachdem wir genug gebaumelt hatten ging es wieder hoch zur staubigen Strasse und wir nahmen einen Bus, der zweimal nur das gesamte Reservat abfaehrt und somit die Leute, die hier lebten mit der “Zivilisation” verbindet, der uns noch weiter noerdlich brachte, so dass wir im tiefsten Schwarzwald herrlich rustikale Tortilla und Kaese assen (und ich noch Gallo Pinto, da ich ungefaehr immer die doppelte Menge von Helenas Ration essen). Im Bus sitzend traute ich wirklich fast meinen Augen nicht, denn bis auf die Monsterspinnweben und Lianen, die von den riesigen Baeumen herabhingen, war alles wie zu Hause, ein truegerisches Bild, welches aber durch die Nicas, die uns im Bus umgaben wieder zurecht gerueckt wurde. Der Busfahrer und die anderen Gaeste trugen Tuecher um den Mund, da der Staub unertraeglich wurde und als just in dem Moment “Another one bites the dust” von den Queen im Radio gespielt wurde, war das Bild perfekt.
Unsere Reise hatte einen stressigen Start, da ich normalerweise immer erst Montag Vormittag mit dem Boot aus der kleinen Flussgemeinde Los Guatuzos zurueckkehre, der Bus nach Managua um 20 Uhr abends faehrt und ich zwischen drin umpacken, Unterricht vorbereiten, Unterricht halten und als Ausnahme, da gerade der hollaendische Architekt Henk und seine Crew zurueckgekehrt waren, fuer ihn und seine Frau im Krankenhaus die Fuehrung dolmetschen (wobei ich dafuer zum ersten Mal und unerhofft bezahlt wurde – eine Summe, welche fuer ihre Verhaeltnisse vielleicht wenig ist, aber fuer nicaraguanische Verhaeltnisse sauviel (finanzierte eine Woche Uebernachtung und Essen auf der Reise!!)). Und obwohl der Stress ein wenig gemildert wurde, weil ich es schaffte einen Platz mit zwei franzoesischen Touristen zu ergattern, die in dem oekologischen Zentrum in Los Guatuzos uebers Wochenende geblieben waren und mit einem Privatboot schon Sonntag zurueckkamen, war auch ich bereits Sonntag Abend wieder in San Carlos.
Helena und ich trafen uns dann am Bus und konnten unser Glueck nicht fassen, da es sich nicht wie ueblich um einen verrosteten Schulbus handelte, sondern ein quasi etwas in die Jahre gekommener Reisebus mit eigenen (!) verstellbaren (!) Sitzen war, zwei von denen wir sogar reserviert hatten! Also Luxus pur, der nur durch die Mitfahrt zweier aufdringlicher Typen gemindert wurde. Fruehs (man faehrt ja die ganze Nacht durch- an Schlaf ist wenig zu denken) in Managua ankommend sprangen wir gleich auf den naechsten Bus, der uns nach Estelí, einer schoenen kleinen Stadt im hohen Norden Nicaraguas brachte. Wir goennten uns ein herzhaftes Fruehstueck und machten uns vergeblich auf die Suche nach einem Touristenbuero (alle Adressensangaben die wir bisher auch in anderen Staedten nachgingen, erwiesen sich als falsch, veraltet oder nichtexistent). Da es abgesehen vom klassischen Parque Central und der Kathedrale, die schoen mit den Osterfarben Lila ausgeschmueckt war, und einem verstaubten Museum fuer die “Martyer und Helden” der Sandinisten Revolution (ueber und ueber gefuellt von Schwarzweiss Fotos von Maennern, Frauen und teilweise Kindern, die im Rahmen der Revolution fielen… dazu noch vergilbte Zeitungsausschnitte, die “am letzten Tag getragenen Kleidung” und Portraits von Augusto Sandino und anderen Generaelen – ein von den Muettern, Geschwistern oder Witwen Gefallener gefuehrtes Museum) nichts zu sehen gibt, begaben wir uns mit einem Schulbus (eigentlich Stadtbus, aber nur mit Schuelern vollgepackt) an den Rand der Stadt, von wo aus ein Pfad in das Naturreservat Miraflor fuehrte. Mit unserem Schwergewicht auf dem Ruecken und in der heissen Mittagssonne marschierend schafften wir es nicht allzu weit, konnten aber doch die Natur, welche uns eher an das trockenen Hinterland Griechenlands erinnerte als Nicargua, geniessen und wurden auch Gottseidank von einem vorbeifahrenden Jeep bis zu unserem Ziel, dem Eingang zum Abstieg zu einem Wasserfall mitgenommen. Das Paar im Auto bestand aus einem Nica, der waehrend der Revolution nach Bulgarien zum Studieren geschickt wurde und einer Deutschen, die von der DDR aus ebenfalls nach Bulgarien zum Studium ging (wies weiterging kann man sich denken) und die seit 20 Jahren hier ohne Strom und Wasser auf einer Finca in den Bergen lebte und Blumenanbau betrieb, welche in einem Geschaeft in Estelí verkauft wurden. Schon komisch, wenn ihr Bild von Deutschland noch total sozialistisch gepraegt ist und sie im Grunde das Deutschland von heute kaum kennt, auch wenn sie inzwischen 3 oder 4 Mal dort war.
Tja, zum angestrebten Wasserfall schafften wir es nie, da wir zu frueh abstiegen und an einer hoeher liegenden Wasserstelle und –faellchen landeten, an dem wire s uns aber trotzdem bequem machten. In Anbetracht eines kleinen Haeuflein Blaetter, welches dahinraeuchelte, machten wir uns schonmal Gedanken, wie man sich am besten gegen feindliche Angriffe wehrt, so voellig abgeschieden in einer Schlucht sitzend, ohne Moeglichkeit jemanden zur Hilfe zu rufen, geschweige denn schnell davon zu laufen… (this is for you mum, just to train your nerves… as you know, I am still alive)
Nachdem wir genug gebaumelt hatten ging es wieder hoch zur staubigen Strasse und wir nahmen einen Bus, der zweimal nur das gesamte Reservat abfaehrt und somit die Leute, die hier lebten mit der “Zivilisation” verbindet, der uns noch weiter noerdlich brachte, so dass wir im tiefsten Schwarzwald herrlich rustikale Tortilla und Kaese assen (und ich noch Gallo Pinto, da ich ungefaehr immer die doppelte Menge von Helenas Ration essen). Im Bus sitzend traute ich wirklich fast meinen Augen nicht, denn bis auf die Monsterspinnweben und Lianen, die von den riesigen Baeumen herabhingen, war alles wie zu Hause, ein truegerisches Bild, welches aber durch die Nicas, die uns im Bus umgaben wieder zurecht gerueckt wurde. Der Busfahrer und die anderen Gaeste trugen Tuecher um den Mund, da der Staub unertraeglich wurde und als just in dem Moment “Another one bites the dust” von den Queen im Radio gespielt wurde, war das Bild perfekt.
Donnerstag, 6. März 2008
Papaturro in Los Guatuzos
Ich erinnere mich noch an die ersten paar Monate, in denen ich vor Langeweile und Unterbeschaeftigung fast gestorben waere. Im Vergleich dazu sieht mein Leben hier jetzt ganz anders aus, ja eigentlich freue ich mich bereits sehr auf den „Urlaub“, den ich mit Helena ab naechsten Monat bis Ende Maerz antreten werde. Bis dahin muss aber noch einiges zu erledigen sein, da ich kaum mehr Zeit in San Carlos verbringe. Was heisst kaum – eigentlich drei volle Tage, aber Freitag frueh um 7 geht es seit 3 Wochen jetzt in einem Archenoah-artigen Schiff nach Papaturro, einer kleinen Gemeinde die am Fluss Papaturro liegt und zum Naturreservat Los Guatuzos gehoert. Die Bootsfahrt dauert 4 Stunden und ist relativ unbequem, auf Holzbrettern sitzend, eingequetscht zwischen Menschen, Babys, Tieren und jede Menge Waren. Zwischenhalt ist nach 2 Stunden an einer Insel, die in Bananenblaetter eingewickelten, gebratenen Fisch verkauft, welche alle dann mit ihren Fingern und spritzenden Limonen essen, alles sehr appetitlich! Die Route ist relativ beliebt, da Papaturro an der Grenze zu Costa Rica liegt und als illegaler Einwanderungsweg benutzt wird – so dass wir auch gleich in 3facher Abfertigung unsere Passnummer, Herkunftsland, -ort, etc angeben muessen...
Jedenfalls kam es ueberhaupt dazu, weil mich kurz nach dem Seminar eine Frau im Rathaus aufsuchte, die meinte, sie sei die Mathelehrerin dieser Secundaria und ich haette vor ein paar Monaten gesagt, dass ich mithelfen wolle und dass die Schule dieses Wochenende (23./24.) beginnt und wir also am Freitag in der frueh fahren wuerden. Das war Donnerstag, der 21. Februar. Freitag, der 22. war also – der naechste Tag, dazu kam noch das es Helenas 20. Geburtstag war... alles etwas ueberraschend und ungeplant – wie immer. Aber da sie (ohne natuerlich mir irgendwie Bescheid zu geben, dass es tatsaechlich stattfindet – ich hab auf Grund des „Nichtmeldens“ gedacht, es waere eben wie so vieles hier einfach ins Wasser gefallen) mich bereits in den Stundenplan eingeplant und allen Schuelern die Ankunft einer Englischlehrerin angekuendigt hatten, hatte ich nicht das Herz diese Schueler zu enttaeuschen. Es ging also los.
Jetzt bin ich bereits das zweite Mal in dieser Gemeinde gewesen und muss zugeben, dass die Erfahrungen dort meinen bisherigen Aufenthalt in den Schatten stellen. Das hat mehrere Gruende. Zum einen wurde ich dort in einer Familie untergebracht, die von einer sehr uebergewichtigen Frau angeleitet wird, die ihre Finca mit einer gewaltigen Stimme auf Schritt haelt. Doña Isabel ist ueberall bekannt und Leute kommen aus der ganzen Gegend angelaufen, um bei ihr zu Essen, abends Fernseh zu schauen oder zu telefonieren (es gibt nur zwei Haeuser die einen Generator besitzen und waehrend des Tages und vor allem im Dunkeln Licht/Energie zu Verfuegung haben). Fehlt es zwar an Strom, so haben sie aber genuegend Wasser und schoepfen diesen aus zahlreichen Brunnen oder dem Fluss. Doña Isabel hat 8 Kinder, von denen nur die zwei Maedchen, Reyna (33) und Maryuri (16) in ihrem Haus wohnen. Reyna hat zur gleichen Zeit wie ihre Mutter auch ihr erstes (und bald danach zweites) Kind bekommen, so dass auch noch Jessica (17), Yendri (15) und die Kleinste, Nixa (10), am Hof wohnen und arbeiten. Die drei Kinder Reynas haben jeweils unterschiedliche Vaeter, von denen nur zwei bekannt sind. Alle Kinder sind SchuelerInnen von mir, wenn auch Reyna, die Aelteste, im „Primer Año“ ist, waehrend ihre juengere Schwester und ihre Kinder bereits im Segundo Año sind. Neben diesen gibt es auch noch einen Mann, der aber meist nur Sonntags da ist, da er auf Solentiname eine andere Finca erhaelt und einen Sohn, der wenig spricht und viel arbeitet. Diese Familie hat mich sehr herzlich aufgenommen, laesst mich umsonst bei ihnen schlafen und essen und macht es sich jedes Wochenende zur Aufgabe mir die Umgebung und die Kultur ihrer Gemeinde naeher zu bringen. So wurde ich zum Beispiel in die Kunst des Tortilla-machens eingeweiht, liess es aber prompt fallen. Auch sonst habe ich meine Tollpatschigkeit hier oefters zum Ausdruck gebracht, aber wir verbrachten darueber bereits so viel Zeit mit Lachen, dass ich mich inzwischen mit dieser Familie enger und herzlicher verbunden fuehle, als mit meiner Familie in San Carlos, die ich kaum sehe, da entweder ich oder sie immer aus dem Haus sind. Sonst hat dieses Haus natuerlich die ueblichen Freuden eines richtigen Bauernhofes, viele Kuehe, Pferde (sass auch schon drauf und drehte eine Runde), Unmengen an Huehnern, Gaensen, eine Hundemutter mit zwei Welpen, ein sehr schwangeres Schwein, ein Affe und einen Papagei. Dazu kommt noch, dass im Moment saemtliche Tiere Nachwuchs zur Welt bringen, so dass ueberall suesse kleine Neulinge rumtapsen.
Die Schule selbst existiert erst seit zwei Jahren und wird jede 15 Tage im Schulgebaeude der Primaria abgehalten, die unter der Woche stattfindet. SchuelerInnen nehmen einen Fussmarsch von ueber einer Stunde auf sich um zur Schule gehen zu koennen und nur die, die 3 Stunden laufen muessten, bleiben uebers Wochenende in einem neu errichteten Haus, welches bisher weder Kueche noch Latrine hat... aber jeder Fortschritt wird dankbar angenommen. Die Secundaria hat 44 SchuelerInnen, vom 1. Jahr (5. Klasse) bis 5. Jahr, wobei es dieses Jahr nur 3 Schueler aus dem 4. Jahr gibt und keinen Abschlussjahrgang. Der Altersunterschied reicht von 13 bis 33, vor allem die aelteren Schueler tun sich schwer, da sie nie vorher im Leben (abgesehen von der Grundschule) Schulunterricht hatten und sich noch mit Schreiben und Lesen abmuehen... ueberhaupt ist die juengere Generation die erste die endlich in den tatsaechlichen Genuss von „Bildung“ kommt, was zeigt, dass das „Recht auf Bildung“ noch weit von der selbstverstaendlichen Durchsetzung entfernt ist. Die 3 Lehrerinnen, die dort freiwillig die Faecher Mathe, Geo, Bio und Spanisch unterrichten, haben es sich zum Ziel gesetzt den Schuelern mit Abschluss des Bachilleratos die Moeglichkeit zu geben eine weiterfuehrende Schule, sprich Uni, zu besuchen und damit eine reele Chance zu haben aus ihrem Leben hier zu entfliehen. Und die Reaktion der SchuelerInnen ist bemerkenswert. Der Wunsch etwas zu lernen, zu verstehen, Antworten auf Fragen zu bekommen und auch die sonstigen Vorzuege einer Schule zu geniessen (Zusammentreffen aller Freunde, ...), wird dermassen begierig und dankbar aufgenommen, dass ich mir ploetzlich klar wurde, was fuer ein Luxus Bildung eigentlich ist. Und wenn es nur geistige Beschaeftigung ist, denn der reele Nutzen meines Englischunterrichts in einer derartig abgelegen Gemeinde ist zweifelhaft – trotzdem bin ich da und habe die Moeglichkeit ihnen von meinen „Laendern“ zu erzaehlen, ihnen Moeglichkeiten zu zeigen, mit wenigen Worten eine Sprachbarriere zu ueberwinden, die auch weitere Tueren oeffnen kann. Stellten ich und Helena unsere Taetigkeit hier oeftersmal in Frage, so merkt man oftmals an Kleinigkeiten, was wirklich an unserem Aufenthalt hier zaehlt. Es ist nicht die Zahl an Schuelern, den man ein ganz bestimmtes Level an Englisch zugeteilt hat. Es ist die Freude, die man damit jemandem machen kann. So habe ich letztes Wochenende zum Beispiel ungefaehr zwei Dutzend Mal „Old McDonalds had a farm...“ gesungen, waehrend meine 1. Klasse die Tiergeraeusche (und es gibt hier viele Tiere) nachmachte. In der darauffolgenden Klasse wurde gebeten ihnen auch dieses Lied beizubringen, da man mich wohl durch die ganze Schule gehoert hat (gut, die „Klassenraeume“ sind auch nur durch Spanplatten getrennt). Jeder ruft mich „Teacher“ oder „Profe“ und bedankt sich fuer mein Kommen. Dabei muesste ich mich eigentlich bedanken und ich denke jeder Lehrer, der in den Genuss wirklicher Freude am Lernen und Eifer kommt, wird mir zustimmen, dass die Arbeit und der Stress diese Momente wert sind. Was mir auch an dieser Schule gefaellt, ist das zB am Sonntag von 7.20 bis 8.50 eine sogenannte Brigada stattfindet, in der zusammen zB aufgeraeumt wird oder wie letztes Mal, die Steine vom Fluss zur Latrine des neuerrichteten Haus der SchuelerInnen aus St. Helena geschleppt werden, welches wirklich eine Schweinearbeit war, aber von allen zusammen angepackt wird. Das sich gegenseitig helfen und unterstuetzen ist hier generell viel staerker vertreten und beansprucht, da der Staat in dieser Rolle oftmals versagt (so wird schon seit Jahren versprochen die Gegend mit Trinkwasser und Strom zu versorgen....pfff).
Unterricht ist nur am Samstag bis Nachmittag (16 Uhr) und am Sonntag halbtags. Leider hab ich nur fuers 1. und 2. Jahr Samstags unterricht, wuerde aber gerne noch mehr machen, kann mich aber dafuer mit den anderen mehr beschaeftigen. Es ist schon ein wenig schade, dass es nur ein Boot Freitag frueh gibt und zurueck Montag frueh, so dass ich mehr Zeit hier in San Carlos verliere, aber im Endeffekt sind es doch ausgefuellte Wochenenden, da mich „meine Familie“ genuegend unterhaelt.
So spielte ich mit den Einwohnern Fussball (die Teams wurden nach dem Kriterium des „Wer hat Schuhe, wer nicht“ eingeteilt), waehrend Schweine uns zwischen den Beinen rannten oder eine Kuh vorm Tor stand und nur durch Tritte verscheucht wurde, ein andern Mal gab es ein Baseballspiel mitten im Dschungel zwischen zwei Gemeinden (es laueft grad die Dschungelliga), Mithelfen beim Kochen/Backen oder kleinere und vor allem die laengeren Spaziergaenge. Am ersten Wochenende zB hiess es, dass wir zu einem Baseballspiel ins andere Dorf laufen wollten, welches einen Marsch von 1 Stunde braucht. Es fing schon das Nieseln an und ich war etwas skeptisch, ob wir ueberhaupt noch was vom Spiel sehen, welches um 1 anfangen sollte, wenn wir erst um Viertel nach 1 loslaufen, aber unbeirrt machten wir uns alle auf den Weg (Reyna, Maryuri, Yendri und Jessica). Natuerlich fing es kurz danach das heftige regnen an, so dass ich trotz mehrerer Schichten voellig durchnaechst war. Noch dazu kam, dass der Matschboden so aufgeweicht war und das viele Vieh lauter Loecher in den Boden getrampelt hatte, dass ich nur noch herumrutschte und jedesmal ein Schrei von hinter mir kam, kurz bevor ich mich noch fangen konnte. Man ueberquerte das „Fussballfeld (Weide)“, wirkliche Weide, verjagte Pferde, Schweine und Kuehe, die sich uns in den Weg gestellt hatten, kletterten ueber Stacheldrahtzaun, durch Bananenbaumwaelder, durch Frijolis (Bohnen)felder, in welchem ich eine Einfuehrung in Geschmack und Anbau verschiedenster Arten bekam und landeten schliesslich (wir hatten sogar angefangen zu rennen) in der Ansammlung der Haeuser, die hier als Dorf bezeichnet werden. Das Spiel war natuerlich schon aus, die Spieler kamen uns mit ihren Schlaegern und Pferden (Gepaecktraeger) auf dem Weg schon entgegen. Zurueck liefen wir dann durch eine Schneise im Regenwald, die waehrend der Trockenzeit sogar mit Autos befahren werden kann (nicht das es hier welche gaebe) und nach Costa Rica fuehrt. Uberhaupt fuehlen sich die Anwohner mehr Costaricanisch als Nicaraguanisch und die gaengige Waehrung ist Colones statt Cordobas. Auch das Fernsehen und Radio ist aus Costa Rica. Auf dem Rueckweg (man hatte mir ein pappsuesses Getraenk und getrocknete Platanochips geschenkt) verlor ich bei einer besonders rutschigen Stelle voellig das Gleichgewicht, torkelte noch ueber ein paar Pflanzen, rutschte ueber einen Bambusstamm und landete im Matsch. Meine Beine waren so fest eingesunken, dass ich nur mit Hilfe aller herausgezogen werden konnte – ein Akt der von Lachkraempfen immer wieder unterbrochen wurde und schliesslich nur unter Opfer weiterer Ausrutscher zustande gebracht werden konnte. Bei der naechstliegenden Finca schuetteten wir uns einfach uber die Klamotten Wasser aus dem Brunnen (klassisch-mit einer Kokosnussschale), um den Matsch abzuwaschen, aber da der ganze Boden noch immer so dreckig war, verlor ich noch einige Male das Gleichgewicht. Dabei war ich die einzige die tatsaechlich feste Schuhe anhatte... „Zuhause“ wurden mir trockene Klamotten gegeben und weiter gelacht.
Am Abend drehte ich mich beim Essen einmal um und entdeckte ploetzlich im Dunkeln das gesamte Baseballteam im Garten, welches kam um in der „Scheune“ seinen Sieg zu feiern. Doña Isabel erlaubte es und es wurde in Flipflops und Gummistiefeln, zwischen Pferderiemen und Holzbrettern Cumbia, Salsa und Merengue getanzt. Da die Spieler keine weiteren Frauen eingeladen hatten, gab es nur uns 5, was aber die Tanzwut nicht minderte. Ging die Musik einmal aus, so wurde dem Generator einfach ein Tritt verpasst und Doña Isabel stand an der Tuer und gab, so fern es ihrer Koerpergroesse moeglich war, ihren Abkoemmlingen Anweisungen was das Tanzen anging. Dieser Abend war schlichtweg magisch und erschoepft vom Laufen, empfand ich es als voellig ausreichend mich in die Ecke zu setzen und diesen besonderen Menschen zuzusehen.
Am anderen Wochenende wurde ich ueber die Touristenbruecken gefuehrt (gibt ein Centro Ecologico hier, welches von Touristengruppen besucht wird), die zwischen den Baeumen im Wald aufgespannt wurden. Auf diesen versammelten sich frueher die Leute, um mit ihren Handys zu telefonieren, da es der einzige Ort ist der Empfang hat. Ausserdem ging es auf die Finca, die aus einem Holzhaus und drei Moebeln besteht und nur waehrend der quasi Trockenzeit erreichbar ist, da normalerweise von einer Lagune umgeben. Jetzt ist es ein Festessen fuer die Voegel und schaut man genauer hin kann man leicht Schildkroeten und andere Tiere entdecken. Der Weg fuehrte ueber einen See, so dass wir mit Bambusstoecken ueber einen Baumstamm balancierten und da faellt einem auf, an wie viele kleine Detailles die Leute hier denken. Kommt man naemlich an eine solche Stelle, stehen immer schon irgendwelche Stangen bereit und obwohl einer wie ich grosse Schwierigkeit hat auch nur die Andeutung eines „Weges“ im Dschungel zu erkennen, wissen sie genau wo lang und jede Schwierigkeit hat seine Loesung.
Nur gingen wir bereits im Sonnenuntergang los, so dass wir auf dem Rueckweg wieder ins Rennen verfielen und nur durch eine „vaca brava“ gebremst wurden. Das sind die Mutterkuehe, die besonders aggresiv werden, wenn man auch nur in die Naehe ihres Kindes kommen und von denen es auch welche bei uns auf der Finca gibt. Auf dem Rueckweg vom Klo (so 50 Meter entfernt) musste ich neulich auch einen langen Umweg auf mich nehmen, da sich eine solche Kuh selbst nach gutem Zurufen nicht weiterbewegen wollte und ich auch keine Lust hatte mitten in der Nacht eine Palme hochgetrieben zu werden.
Achja, es gibt einfach zu viele Eindruecke von diesem Ort, der mir innerhalb eines Wochenendes fuer immer ins Herz gewachsen ist und mit dem ich jedes Mal mit Freude und Neugier, was ich diesmal sehen und erleben werde, ankomme.
Aber zunaechst folgt eine ganz andere Reise, die Helena und mich durch den Norden und Westen Nicaraguas fuehren wird und spaeter auch an die Atlantikkueste auf eine Karibische Insel namens Corn Island. Reif fuer die Insel bin ich jedenfalls – Urlaub muss auch mal sein =).
Jedenfalls kam es ueberhaupt dazu, weil mich kurz nach dem Seminar eine Frau im Rathaus aufsuchte, die meinte, sie sei die Mathelehrerin dieser Secundaria und ich haette vor ein paar Monaten gesagt, dass ich mithelfen wolle und dass die Schule dieses Wochenende (23./24.) beginnt und wir also am Freitag in der frueh fahren wuerden. Das war Donnerstag, der 21. Februar. Freitag, der 22. war also – der naechste Tag, dazu kam noch das es Helenas 20. Geburtstag war... alles etwas ueberraschend und ungeplant – wie immer. Aber da sie (ohne natuerlich mir irgendwie Bescheid zu geben, dass es tatsaechlich stattfindet – ich hab auf Grund des „Nichtmeldens“ gedacht, es waere eben wie so vieles hier einfach ins Wasser gefallen) mich bereits in den Stundenplan eingeplant und allen Schuelern die Ankunft einer Englischlehrerin angekuendigt hatten, hatte ich nicht das Herz diese Schueler zu enttaeuschen. Es ging also los.
Jetzt bin ich bereits das zweite Mal in dieser Gemeinde gewesen und muss zugeben, dass die Erfahrungen dort meinen bisherigen Aufenthalt in den Schatten stellen. Das hat mehrere Gruende. Zum einen wurde ich dort in einer Familie untergebracht, die von einer sehr uebergewichtigen Frau angeleitet wird, die ihre Finca mit einer gewaltigen Stimme auf Schritt haelt. Doña Isabel ist ueberall bekannt und Leute kommen aus der ganzen Gegend angelaufen, um bei ihr zu Essen, abends Fernseh zu schauen oder zu telefonieren (es gibt nur zwei Haeuser die einen Generator besitzen und waehrend des Tages und vor allem im Dunkeln Licht/Energie zu Verfuegung haben). Fehlt es zwar an Strom, so haben sie aber genuegend Wasser und schoepfen diesen aus zahlreichen Brunnen oder dem Fluss. Doña Isabel hat 8 Kinder, von denen nur die zwei Maedchen, Reyna (33) und Maryuri (16) in ihrem Haus wohnen. Reyna hat zur gleichen Zeit wie ihre Mutter auch ihr erstes (und bald danach zweites) Kind bekommen, so dass auch noch Jessica (17), Yendri (15) und die Kleinste, Nixa (10), am Hof wohnen und arbeiten. Die drei Kinder Reynas haben jeweils unterschiedliche Vaeter, von denen nur zwei bekannt sind. Alle Kinder sind SchuelerInnen von mir, wenn auch Reyna, die Aelteste, im „Primer Año“ ist, waehrend ihre juengere Schwester und ihre Kinder bereits im Segundo Año sind. Neben diesen gibt es auch noch einen Mann, der aber meist nur Sonntags da ist, da er auf Solentiname eine andere Finca erhaelt und einen Sohn, der wenig spricht und viel arbeitet. Diese Familie hat mich sehr herzlich aufgenommen, laesst mich umsonst bei ihnen schlafen und essen und macht es sich jedes Wochenende zur Aufgabe mir die Umgebung und die Kultur ihrer Gemeinde naeher zu bringen. So wurde ich zum Beispiel in die Kunst des Tortilla-machens eingeweiht, liess es aber prompt fallen. Auch sonst habe ich meine Tollpatschigkeit hier oefters zum Ausdruck gebracht, aber wir verbrachten darueber bereits so viel Zeit mit Lachen, dass ich mich inzwischen mit dieser Familie enger und herzlicher verbunden fuehle, als mit meiner Familie in San Carlos, die ich kaum sehe, da entweder ich oder sie immer aus dem Haus sind. Sonst hat dieses Haus natuerlich die ueblichen Freuden eines richtigen Bauernhofes, viele Kuehe, Pferde (sass auch schon drauf und drehte eine Runde), Unmengen an Huehnern, Gaensen, eine Hundemutter mit zwei Welpen, ein sehr schwangeres Schwein, ein Affe und einen Papagei. Dazu kommt noch, dass im Moment saemtliche Tiere Nachwuchs zur Welt bringen, so dass ueberall suesse kleine Neulinge rumtapsen.
Die Schule selbst existiert erst seit zwei Jahren und wird jede 15 Tage im Schulgebaeude der Primaria abgehalten, die unter der Woche stattfindet. SchuelerInnen nehmen einen Fussmarsch von ueber einer Stunde auf sich um zur Schule gehen zu koennen und nur die, die 3 Stunden laufen muessten, bleiben uebers Wochenende in einem neu errichteten Haus, welches bisher weder Kueche noch Latrine hat... aber jeder Fortschritt wird dankbar angenommen. Die Secundaria hat 44 SchuelerInnen, vom 1. Jahr (5. Klasse) bis 5. Jahr, wobei es dieses Jahr nur 3 Schueler aus dem 4. Jahr gibt und keinen Abschlussjahrgang. Der Altersunterschied reicht von 13 bis 33, vor allem die aelteren Schueler tun sich schwer, da sie nie vorher im Leben (abgesehen von der Grundschule) Schulunterricht hatten und sich noch mit Schreiben und Lesen abmuehen... ueberhaupt ist die juengere Generation die erste die endlich in den tatsaechlichen Genuss von „Bildung“ kommt, was zeigt, dass das „Recht auf Bildung“ noch weit von der selbstverstaendlichen Durchsetzung entfernt ist. Die 3 Lehrerinnen, die dort freiwillig die Faecher Mathe, Geo, Bio und Spanisch unterrichten, haben es sich zum Ziel gesetzt den Schuelern mit Abschluss des Bachilleratos die Moeglichkeit zu geben eine weiterfuehrende Schule, sprich Uni, zu besuchen und damit eine reele Chance zu haben aus ihrem Leben hier zu entfliehen. Und die Reaktion der SchuelerInnen ist bemerkenswert. Der Wunsch etwas zu lernen, zu verstehen, Antworten auf Fragen zu bekommen und auch die sonstigen Vorzuege einer Schule zu geniessen (Zusammentreffen aller Freunde, ...), wird dermassen begierig und dankbar aufgenommen, dass ich mir ploetzlich klar wurde, was fuer ein Luxus Bildung eigentlich ist. Und wenn es nur geistige Beschaeftigung ist, denn der reele Nutzen meines Englischunterrichts in einer derartig abgelegen Gemeinde ist zweifelhaft – trotzdem bin ich da und habe die Moeglichkeit ihnen von meinen „Laendern“ zu erzaehlen, ihnen Moeglichkeiten zu zeigen, mit wenigen Worten eine Sprachbarriere zu ueberwinden, die auch weitere Tueren oeffnen kann. Stellten ich und Helena unsere Taetigkeit hier oeftersmal in Frage, so merkt man oftmals an Kleinigkeiten, was wirklich an unserem Aufenthalt hier zaehlt. Es ist nicht die Zahl an Schuelern, den man ein ganz bestimmtes Level an Englisch zugeteilt hat. Es ist die Freude, die man damit jemandem machen kann. So habe ich letztes Wochenende zum Beispiel ungefaehr zwei Dutzend Mal „Old McDonalds had a farm...“ gesungen, waehrend meine 1. Klasse die Tiergeraeusche (und es gibt hier viele Tiere) nachmachte. In der darauffolgenden Klasse wurde gebeten ihnen auch dieses Lied beizubringen, da man mich wohl durch die ganze Schule gehoert hat (gut, die „Klassenraeume“ sind auch nur durch Spanplatten getrennt). Jeder ruft mich „Teacher“ oder „Profe“ und bedankt sich fuer mein Kommen. Dabei muesste ich mich eigentlich bedanken und ich denke jeder Lehrer, der in den Genuss wirklicher Freude am Lernen und Eifer kommt, wird mir zustimmen, dass die Arbeit und der Stress diese Momente wert sind. Was mir auch an dieser Schule gefaellt, ist das zB am Sonntag von 7.20 bis 8.50 eine sogenannte Brigada stattfindet, in der zusammen zB aufgeraeumt wird oder wie letztes Mal, die Steine vom Fluss zur Latrine des neuerrichteten Haus der SchuelerInnen aus St. Helena geschleppt werden, welches wirklich eine Schweinearbeit war, aber von allen zusammen angepackt wird. Das sich gegenseitig helfen und unterstuetzen ist hier generell viel staerker vertreten und beansprucht, da der Staat in dieser Rolle oftmals versagt (so wird schon seit Jahren versprochen die Gegend mit Trinkwasser und Strom zu versorgen....pfff).
Unterricht ist nur am Samstag bis Nachmittag (16 Uhr) und am Sonntag halbtags. Leider hab ich nur fuers 1. und 2. Jahr Samstags unterricht, wuerde aber gerne noch mehr machen, kann mich aber dafuer mit den anderen mehr beschaeftigen. Es ist schon ein wenig schade, dass es nur ein Boot Freitag frueh gibt und zurueck Montag frueh, so dass ich mehr Zeit hier in San Carlos verliere, aber im Endeffekt sind es doch ausgefuellte Wochenenden, da mich „meine Familie“ genuegend unterhaelt.
So spielte ich mit den Einwohnern Fussball (die Teams wurden nach dem Kriterium des „Wer hat Schuhe, wer nicht“ eingeteilt), waehrend Schweine uns zwischen den Beinen rannten oder eine Kuh vorm Tor stand und nur durch Tritte verscheucht wurde, ein andern Mal gab es ein Baseballspiel mitten im Dschungel zwischen zwei Gemeinden (es laueft grad die Dschungelliga), Mithelfen beim Kochen/Backen oder kleinere und vor allem die laengeren Spaziergaenge. Am ersten Wochenende zB hiess es, dass wir zu einem Baseballspiel ins andere Dorf laufen wollten, welches einen Marsch von 1 Stunde braucht. Es fing schon das Nieseln an und ich war etwas skeptisch, ob wir ueberhaupt noch was vom Spiel sehen, welches um 1 anfangen sollte, wenn wir erst um Viertel nach 1 loslaufen, aber unbeirrt machten wir uns alle auf den Weg (Reyna, Maryuri, Yendri und Jessica). Natuerlich fing es kurz danach das heftige regnen an, so dass ich trotz mehrerer Schichten voellig durchnaechst war. Noch dazu kam, dass der Matschboden so aufgeweicht war und das viele Vieh lauter Loecher in den Boden getrampelt hatte, dass ich nur noch herumrutschte und jedesmal ein Schrei von hinter mir kam, kurz bevor ich mich noch fangen konnte. Man ueberquerte das „Fussballfeld (Weide)“, wirkliche Weide, verjagte Pferde, Schweine und Kuehe, die sich uns in den Weg gestellt hatten, kletterten ueber Stacheldrahtzaun, durch Bananenbaumwaelder, durch Frijolis (Bohnen)felder, in welchem ich eine Einfuehrung in Geschmack und Anbau verschiedenster Arten bekam und landeten schliesslich (wir hatten sogar angefangen zu rennen) in der Ansammlung der Haeuser, die hier als Dorf bezeichnet werden. Das Spiel war natuerlich schon aus, die Spieler kamen uns mit ihren Schlaegern und Pferden (Gepaecktraeger) auf dem Weg schon entgegen. Zurueck liefen wir dann durch eine Schneise im Regenwald, die waehrend der Trockenzeit sogar mit Autos befahren werden kann (nicht das es hier welche gaebe) und nach Costa Rica fuehrt. Uberhaupt fuehlen sich die Anwohner mehr Costaricanisch als Nicaraguanisch und die gaengige Waehrung ist Colones statt Cordobas. Auch das Fernsehen und Radio ist aus Costa Rica. Auf dem Rueckweg (man hatte mir ein pappsuesses Getraenk und getrocknete Platanochips geschenkt) verlor ich bei einer besonders rutschigen Stelle voellig das Gleichgewicht, torkelte noch ueber ein paar Pflanzen, rutschte ueber einen Bambusstamm und landete im Matsch. Meine Beine waren so fest eingesunken, dass ich nur mit Hilfe aller herausgezogen werden konnte – ein Akt der von Lachkraempfen immer wieder unterbrochen wurde und schliesslich nur unter Opfer weiterer Ausrutscher zustande gebracht werden konnte. Bei der naechstliegenden Finca schuetteten wir uns einfach uber die Klamotten Wasser aus dem Brunnen (klassisch-mit einer Kokosnussschale), um den Matsch abzuwaschen, aber da der ganze Boden noch immer so dreckig war, verlor ich noch einige Male das Gleichgewicht. Dabei war ich die einzige die tatsaechlich feste Schuhe anhatte... „Zuhause“ wurden mir trockene Klamotten gegeben und weiter gelacht.
Am Abend drehte ich mich beim Essen einmal um und entdeckte ploetzlich im Dunkeln das gesamte Baseballteam im Garten, welches kam um in der „Scheune“ seinen Sieg zu feiern. Doña Isabel erlaubte es und es wurde in Flipflops und Gummistiefeln, zwischen Pferderiemen und Holzbrettern Cumbia, Salsa und Merengue getanzt. Da die Spieler keine weiteren Frauen eingeladen hatten, gab es nur uns 5, was aber die Tanzwut nicht minderte. Ging die Musik einmal aus, so wurde dem Generator einfach ein Tritt verpasst und Doña Isabel stand an der Tuer und gab, so fern es ihrer Koerpergroesse moeglich war, ihren Abkoemmlingen Anweisungen was das Tanzen anging. Dieser Abend war schlichtweg magisch und erschoepft vom Laufen, empfand ich es als voellig ausreichend mich in die Ecke zu setzen und diesen besonderen Menschen zuzusehen.
Am anderen Wochenende wurde ich ueber die Touristenbruecken gefuehrt (gibt ein Centro Ecologico hier, welches von Touristengruppen besucht wird), die zwischen den Baeumen im Wald aufgespannt wurden. Auf diesen versammelten sich frueher die Leute, um mit ihren Handys zu telefonieren, da es der einzige Ort ist der Empfang hat. Ausserdem ging es auf die Finca, die aus einem Holzhaus und drei Moebeln besteht und nur waehrend der quasi Trockenzeit erreichbar ist, da normalerweise von einer Lagune umgeben. Jetzt ist es ein Festessen fuer die Voegel und schaut man genauer hin kann man leicht Schildkroeten und andere Tiere entdecken. Der Weg fuehrte ueber einen See, so dass wir mit Bambusstoecken ueber einen Baumstamm balancierten und da faellt einem auf, an wie viele kleine Detailles die Leute hier denken. Kommt man naemlich an eine solche Stelle, stehen immer schon irgendwelche Stangen bereit und obwohl einer wie ich grosse Schwierigkeit hat auch nur die Andeutung eines „Weges“ im Dschungel zu erkennen, wissen sie genau wo lang und jede Schwierigkeit hat seine Loesung.
Nur gingen wir bereits im Sonnenuntergang los, so dass wir auf dem Rueckweg wieder ins Rennen verfielen und nur durch eine „vaca brava“ gebremst wurden. Das sind die Mutterkuehe, die besonders aggresiv werden, wenn man auch nur in die Naehe ihres Kindes kommen und von denen es auch welche bei uns auf der Finca gibt. Auf dem Rueckweg vom Klo (so 50 Meter entfernt) musste ich neulich auch einen langen Umweg auf mich nehmen, da sich eine solche Kuh selbst nach gutem Zurufen nicht weiterbewegen wollte und ich auch keine Lust hatte mitten in der Nacht eine Palme hochgetrieben zu werden.
Achja, es gibt einfach zu viele Eindruecke von diesem Ort, der mir innerhalb eines Wochenendes fuer immer ins Herz gewachsen ist und mit dem ich jedes Mal mit Freude und Neugier, was ich diesmal sehen und erleben werde, ankomme.
Aber zunaechst folgt eine ganz andere Reise, die Helena und mich durch den Norden und Westen Nicaraguas fuehren wird und spaeter auch an die Atlantikkueste auf eine Karibische Insel namens Corn Island. Reif fuer die Insel bin ich jedenfalls – Urlaub muss auch mal sein =).
Dienstag, 26. Februar 2008
Seminar in El Crucero
Gerade wollte ich schön artig von meiner Woche berichten, als ich feststelllen musste, dass das Internet in unserem Gebiet zur Zeit sehr schlecht bis gar nicht funktioniert, weil in Managua irgendwas kaputt ist. Wie ärgerlich – da funktioniert einmal der Strom und dann kommt kein Internet! Noch dazu komm ich erst jetzt dazu dies hochzuladen, da ich gleich nach meiner Ankunft aus El Crucero weiter nach Los Guatuzos geschickt wurde, aber davon berichte ich ein andern mal...
Letzte Woche also ging es zum Zwischenseminar aller (deutschen) Freiwilligen, welches in einem Kaff (wirklich- weit und breit NICHTS, nicht mal eine Pulperia wo man Alkohol oder Zigaretten haette kaufen koennen!) namens El Crucero stattfand – etwa 1 Stunde von Managua und fast 24 Stunden von San Carlos entfernt. Die Reise sollte am Freitag losgehene, vorher aber war noch ein anderes sehr wichtiges Ereignis hier in San Carlos – Valentinstag bzw „Tag der Freundschaft“! Mein Unterricht in der Tertulia fiel deshalb flach (wird einem aber nie wirklich im vorher gesagt – erfahr ich meistens vor Ort oder ueber Dritte) und stattdessen gab es eine Disko fuer Jugendliche (ohne Alkohol). Naja – laut und am Anfang obligatorische Tanzflaechenleere, da man sich nicht traut. Nach und nach kamen dann doch ein paar und spaeter wurde auch (gottseidank) mal NICHT Reaggeton gespielt, so dass wir drei (Helena, Ruth und Ich) sogar auch tanzten (an maennlichen Voluntaeren fehlte es dabei nicht, die sassen wie Huehner auf der Stange und warteten darauf eine abzukriegen). Nach dieser langen Nacht freute ich mich darauf am naechsten Tag ziemlich viel schlafen zu koennen, was ich auch tat. Bzw erst musste noch Reiseobst und Kekse gekauft werden und die Tickets fuer die Faehre nach Granada und um 13 Uhr trafen Helena und ich uns am Hafen. Wir beeilten uns oben aufs Deck zu kommen, aber ein paar andere (lustigerweise auch Deutsche) kamen uns zuvor und schnappten die besten Haengemattenplaetze weg. Aber ein freundlicher, dicklicher Kerl band unsere dann doch noch ganz passend zusammen (gibt nen Superknoten, der voll leicht zu loesen ist, aber trotz des Gewichtes haelt), so dass wir nebeneinander nach Granada schaukelten. Das Boot fuhr um 14 Uhr mit Halt in San Miguelito, wo von der Stadt aus ein ewig langer Steg in den See fuehrt, von dem aus erstmal ein reger Menschenaustausch und dann Essensangebot stattfindet. Zahlreiche Kinder bestiegen das Boot, bieten Kafee, Tortillas oder Nacatamal an, groessere Frauen kommen mit Kuchenblech an und so wird verkauft und dann wieder abgestiegen. Der naechste Teil faehrt ueber ein anderes Kaff (hab ich verschlafen) nach Ometepe, aber auf dem Weg wird man Zeuge eines wunderschoenen Sonnenuntergangs, der den ganzen Lago und Himmel rot faerbt. Im Dunkeln erreicht man Ometepe (etwa um Mitternacht), wo wir dann 2 Stunden waren, da so ungefaehr die Bananenversorgung fuer ganz Zentralamerika ablaeuft und erstmal an Bord geladen werden muss. In der Haengematte liegend konnte man aber dickeingepackt einigermassen schlafen, nur kalt war es und auch der starke Wind machte es manchmal schwer. Vom starken Gewippe mal abgesehen; als ich einmal aufwachte, wunderte ich mich schon sehr weshalb das Flugzeug am Sternenhimmel so dermassen zickzag fliegt und ueberhaupt alles ausserhalb des Bootes. Brauchte eine Weile bis ich merkte, dass es das Boot ist, welches so stark von Seite zu Seite schwankte – ein Gefuehl, das auch noch an Land anhielt und einem das Gefuehl gab Dauerbetrunken zu sein.
Um 6 Uhr frueh etwa kamen wir in Granada an und liefen ins Stadtzentrum. Der erste Eindruck war schon sehr schoen, im Gegensatz zum schmuddeligen Managua steht da eine beeindruckende Kolonialstadt vor einem, die auch sehr gut erhalten ist und wird. Einen grossen Luxus goennten wir beide uns dann (in Begleitung eines Frankfurters (Reisenden), der sich irgendwie nicht entfernen liess) im Waffle House – Pancakes und richtiger(!), gebruehter Kaffee!!!!! Dort ist mir aber (wiedermal) aufgefallen, dass gewisse Teile Nicaraguas durchaus schon touristisch erschlossen sind, da dieses Waffle House von Amis, Englaedern und anderen Touristen ueberfuellt war – ja, es wurde mehr Englisch als Spanisch gesprochen! Ueberhaupt ist uns aufgefallen, dass Amis hier vielmehr in groesseren Gruppen reisen, waehrend Deutsche zB eher vereinzelt oder in kleinen Gruppen das Land erkunden. Vom Fruehstueck ging es durch einen Markt, der sich um und vorallem in einer alten Kolonialkirche ausgebreitet hat und saemtliche Einbuchtungen oder andere Hohlraueme nutzte um mit Staenden ausgefuellt zu sein. Durch eine Passage konnte man kaum laufen, da es so verhangen und gedraengt war, dazu noch der Gestank des links haengendem Frischfleisch, was auf einem Tisch daneben zerhackt wird. Am Boden ueberall Dreck und kleine Kinder (Schuhputzer), die einem zwischen den Beinen mit ihren Holzschemeln rennen. Von allen Seiten wird geschrien, Verkauefer ziehen an den Aermeln um auf die Ware aufmerksam zu machen, mitten im Gedraenge versucht ein Holzwagen den Weg freizubekommen, Obst und Gemuese verteilt sich bereits am Boden, nur von den Eingaengen stroemt Licht, alles andere ist relativ duester und die Luft schlecht. Draussen geht es gleich weiter, nur mischen sich ins Gedraenge auch noch Fahrradfahrer, Mopeds, Autos und Busse. Nach einer Weile des Herumschauens gingen wir in Richtung Bushaltestelle, einem Sandplatz an dem Busse und Minivans abfuhren. In einem solchen Minivan ging es dan fuer uns beide weiter, wir passten kaum ins Auto mit all dem Gepaeck, so laed man seinen Rucksack mal eben auf den Schoss eines anderen ab, waehrend man sich in das ohnehin ueberfuellte (spaeter jedenfalls) Auto quetscht. Die Strasse von Granada nach Jinotepe war zwar gepflastert, aber mit so vielen Strassenloechern, dass unsere Fahrt in Slalom verlief und waehrend der 30 oder 40 Kilometer konnte ich stolze 33 Kreuze zaehlen, die am Strasssenrand auf Tote hinwies. Wir ueberlebten und kamen in der naechsten staubigen Stadt an, sprangen aber gleich auf einen naechsten Bus, diesmal ein grosser Schulbus, der entlang der Autobahn fuhr, die an dem Tagunsort des Seminars vorbeifuehrt. Beim Kilometerstein 27,5 stiegen wir aus. Links ein Friedhof, dahinter das Haus, sonst – nichts. Die Landschaft ist viel huegeliger, das Meer in der Ferne vage zu erkennen und vorallem ist es total windig (und deshalb kalt) und der Staub wird einem in die Augen getrieben. Angekommen begruessten wir nach und nach mehr Seminarteilnehmer, die meistens in Zweigruppen aus ganz Nicaragua anreiseten. Unsere 16-Stuendige Bootsfahrt und was an Autofahrt noch dazu kam konnte nur durch die Zwei aus Puerto Cabezas geschlagen werden, die zwischen 24 und 48 Stunden brauchen.
Das Seminar war sehr schoen, der Austausch der eigenen Erfahrungen, wie auch das gegenseitige Ausheulen ueber die jeweiligen Probleme und Frustrationen (wovon es viele und oftmals aehnliche gab). Jeder stellte seine Projekte vor und am Montag kamen auch zwei die mit dem Deutschen Entwicklungsdienst zusammenarbeiten bzw eine war eine Praktikantin bei der Deutschen Botschaft. Natuerlich wurde auch viel gefeiert, nur die Beschaffung der Genussmittel (Flor de Caña Rum und Bier und Zigaretten) war durch die Lage etwas schwierig. Abgeschlossen wurde das Ganze in der Deutschten Botschaft Managua, wo uns der „staendige Vertreter“ des Botschafters ueber seine Arbeit und die Aufgabe einer Botschaft generell berichtete – fand ich fast das interessanteste an dem Ganzen. Danach noch ein Bild und schon hatte sich die traute Runde deutschsprechender Genossen aufgeloest. Helena und ich suchten fuer eins ihrer Projekte noch Farbe, was aber nicht zu finden war, gingen dann noch in einem Supermarkt (Riesengross und hatte ALLES!) einkaufen und nahmen dann ein Taxi, welches eine halbe Stunde lang zum Bushbahnhof brauchte (es gibt keinen zentralen Bahnhof, sondern jede ungefaehre „Richtung“ sammelt sich woanders). Der Bus nach San Carlos war schon abgefahren, dafuer wurden wir in einen anderen gelotst, der ohnehin viel bequemer war, mit eigenen Plaetzen (keine Bank), verstellbaren Sitz und ueberhaupt – toll. Leider waren Helena und ich nicht muede genug um die Bequemlichkeit zu nutzen, so waren wir voll und ganz der Tortur des Busses ab Juigalpa ausgesetzt. Im Schulbus ging es dort noch 7 Stunden (fuer etwa 140 Kilometer) ueber die Piste, Helena passte nicht mal in die Sitzbank hinein (sind ja auch fuer kleine Kinder gemacht), meiner hatte ein Loch. Es wurde grad zum Essen angehlaten, so dass es nach Bratfett und Huehnchen roch, dazu kommt der dezente Schweissgeruch des Nachbarn/in und nur gelegentlich ein gutriechendes Aftershave. Meine Sitznachbarin machte sich von vornerein breit, so dass ich am Rand (und halb auf dem Loch) sass und an Schlaf bis 4 Uhr frueh eigentlich nicht zu denken war. Erschoepft fiel ich ins Bett. Aber - das Seminar hat einem doch so eine Art Push gegeben nicht aufzugeben, gemaess der Nicaart „Tranquilo“!
Letzte Woche also ging es zum Zwischenseminar aller (deutschen) Freiwilligen, welches in einem Kaff (wirklich- weit und breit NICHTS, nicht mal eine Pulperia wo man Alkohol oder Zigaretten haette kaufen koennen!) namens El Crucero stattfand – etwa 1 Stunde von Managua und fast 24 Stunden von San Carlos entfernt. Die Reise sollte am Freitag losgehene, vorher aber war noch ein anderes sehr wichtiges Ereignis hier in San Carlos – Valentinstag bzw „Tag der Freundschaft“! Mein Unterricht in der Tertulia fiel deshalb flach (wird einem aber nie wirklich im vorher gesagt – erfahr ich meistens vor Ort oder ueber Dritte) und stattdessen gab es eine Disko fuer Jugendliche (ohne Alkohol). Naja – laut und am Anfang obligatorische Tanzflaechenleere, da man sich nicht traut. Nach und nach kamen dann doch ein paar und spaeter wurde auch (gottseidank) mal NICHT Reaggeton gespielt, so dass wir drei (Helena, Ruth und Ich) sogar auch tanzten (an maennlichen Voluntaeren fehlte es dabei nicht, die sassen wie Huehner auf der Stange und warteten darauf eine abzukriegen). Nach dieser langen Nacht freute ich mich darauf am naechsten Tag ziemlich viel schlafen zu koennen, was ich auch tat. Bzw erst musste noch Reiseobst und Kekse gekauft werden und die Tickets fuer die Faehre nach Granada und um 13 Uhr trafen Helena und ich uns am Hafen. Wir beeilten uns oben aufs Deck zu kommen, aber ein paar andere (lustigerweise auch Deutsche) kamen uns zuvor und schnappten die besten Haengemattenplaetze weg. Aber ein freundlicher, dicklicher Kerl band unsere dann doch noch ganz passend zusammen (gibt nen Superknoten, der voll leicht zu loesen ist, aber trotz des Gewichtes haelt), so dass wir nebeneinander nach Granada schaukelten. Das Boot fuhr um 14 Uhr mit Halt in San Miguelito, wo von der Stadt aus ein ewig langer Steg in den See fuehrt, von dem aus erstmal ein reger Menschenaustausch und dann Essensangebot stattfindet. Zahlreiche Kinder bestiegen das Boot, bieten Kafee, Tortillas oder Nacatamal an, groessere Frauen kommen mit Kuchenblech an und so wird verkauft und dann wieder abgestiegen. Der naechste Teil faehrt ueber ein anderes Kaff (hab ich verschlafen) nach Ometepe, aber auf dem Weg wird man Zeuge eines wunderschoenen Sonnenuntergangs, der den ganzen Lago und Himmel rot faerbt. Im Dunkeln erreicht man Ometepe (etwa um Mitternacht), wo wir dann 2 Stunden waren, da so ungefaehr die Bananenversorgung fuer ganz Zentralamerika ablaeuft und erstmal an Bord geladen werden muss. In der Haengematte liegend konnte man aber dickeingepackt einigermassen schlafen, nur kalt war es und auch der starke Wind machte es manchmal schwer. Vom starken Gewippe mal abgesehen; als ich einmal aufwachte, wunderte ich mich schon sehr weshalb das Flugzeug am Sternenhimmel so dermassen zickzag fliegt und ueberhaupt alles ausserhalb des Bootes. Brauchte eine Weile bis ich merkte, dass es das Boot ist, welches so stark von Seite zu Seite schwankte – ein Gefuehl, das auch noch an Land anhielt und einem das Gefuehl gab Dauerbetrunken zu sein.
Um 6 Uhr frueh etwa kamen wir in Granada an und liefen ins Stadtzentrum. Der erste Eindruck war schon sehr schoen, im Gegensatz zum schmuddeligen Managua steht da eine beeindruckende Kolonialstadt vor einem, die auch sehr gut erhalten ist und wird. Einen grossen Luxus goennten wir beide uns dann (in Begleitung eines Frankfurters (Reisenden), der sich irgendwie nicht entfernen liess) im Waffle House – Pancakes und richtiger(!), gebruehter Kaffee!!!!! Dort ist mir aber (wiedermal) aufgefallen, dass gewisse Teile Nicaraguas durchaus schon touristisch erschlossen sind, da dieses Waffle House von Amis, Englaedern und anderen Touristen ueberfuellt war – ja, es wurde mehr Englisch als Spanisch gesprochen! Ueberhaupt ist uns aufgefallen, dass Amis hier vielmehr in groesseren Gruppen reisen, waehrend Deutsche zB eher vereinzelt oder in kleinen Gruppen das Land erkunden. Vom Fruehstueck ging es durch einen Markt, der sich um und vorallem in einer alten Kolonialkirche ausgebreitet hat und saemtliche Einbuchtungen oder andere Hohlraueme nutzte um mit Staenden ausgefuellt zu sein. Durch eine Passage konnte man kaum laufen, da es so verhangen und gedraengt war, dazu noch der Gestank des links haengendem Frischfleisch, was auf einem Tisch daneben zerhackt wird. Am Boden ueberall Dreck und kleine Kinder (Schuhputzer), die einem zwischen den Beinen mit ihren Holzschemeln rennen. Von allen Seiten wird geschrien, Verkauefer ziehen an den Aermeln um auf die Ware aufmerksam zu machen, mitten im Gedraenge versucht ein Holzwagen den Weg freizubekommen, Obst und Gemuese verteilt sich bereits am Boden, nur von den Eingaengen stroemt Licht, alles andere ist relativ duester und die Luft schlecht. Draussen geht es gleich weiter, nur mischen sich ins Gedraenge auch noch Fahrradfahrer, Mopeds, Autos und Busse. Nach einer Weile des Herumschauens gingen wir in Richtung Bushaltestelle, einem Sandplatz an dem Busse und Minivans abfuhren. In einem solchen Minivan ging es dan fuer uns beide weiter, wir passten kaum ins Auto mit all dem Gepaeck, so laed man seinen Rucksack mal eben auf den Schoss eines anderen ab, waehrend man sich in das ohnehin ueberfuellte (spaeter jedenfalls) Auto quetscht. Die Strasse von Granada nach Jinotepe war zwar gepflastert, aber mit so vielen Strassenloechern, dass unsere Fahrt in Slalom verlief und waehrend der 30 oder 40 Kilometer konnte ich stolze 33 Kreuze zaehlen, die am Strasssenrand auf Tote hinwies. Wir ueberlebten und kamen in der naechsten staubigen Stadt an, sprangen aber gleich auf einen naechsten Bus, diesmal ein grosser Schulbus, der entlang der Autobahn fuhr, die an dem Tagunsort des Seminars vorbeifuehrt. Beim Kilometerstein 27,5 stiegen wir aus. Links ein Friedhof, dahinter das Haus, sonst – nichts. Die Landschaft ist viel huegeliger, das Meer in der Ferne vage zu erkennen und vorallem ist es total windig (und deshalb kalt) und der Staub wird einem in die Augen getrieben. Angekommen begruessten wir nach und nach mehr Seminarteilnehmer, die meistens in Zweigruppen aus ganz Nicaragua anreiseten. Unsere 16-Stuendige Bootsfahrt und was an Autofahrt noch dazu kam konnte nur durch die Zwei aus Puerto Cabezas geschlagen werden, die zwischen 24 und 48 Stunden brauchen.
Das Seminar war sehr schoen, der Austausch der eigenen Erfahrungen, wie auch das gegenseitige Ausheulen ueber die jeweiligen Probleme und Frustrationen (wovon es viele und oftmals aehnliche gab). Jeder stellte seine Projekte vor und am Montag kamen auch zwei die mit dem Deutschen Entwicklungsdienst zusammenarbeiten bzw eine war eine Praktikantin bei der Deutschen Botschaft. Natuerlich wurde auch viel gefeiert, nur die Beschaffung der Genussmittel (Flor de Caña Rum und Bier und Zigaretten) war durch die Lage etwas schwierig. Abgeschlossen wurde das Ganze in der Deutschten Botschaft Managua, wo uns der „staendige Vertreter“ des Botschafters ueber seine Arbeit und die Aufgabe einer Botschaft generell berichtete – fand ich fast das interessanteste an dem Ganzen. Danach noch ein Bild und schon hatte sich die traute Runde deutschsprechender Genossen aufgeloest. Helena und ich suchten fuer eins ihrer Projekte noch Farbe, was aber nicht zu finden war, gingen dann noch in einem Supermarkt (Riesengross und hatte ALLES!) einkaufen und nahmen dann ein Taxi, welches eine halbe Stunde lang zum Bushbahnhof brauchte (es gibt keinen zentralen Bahnhof, sondern jede ungefaehre „Richtung“ sammelt sich woanders). Der Bus nach San Carlos war schon abgefahren, dafuer wurden wir in einen anderen gelotst, der ohnehin viel bequemer war, mit eigenen Plaetzen (keine Bank), verstellbaren Sitz und ueberhaupt – toll. Leider waren Helena und ich nicht muede genug um die Bequemlichkeit zu nutzen, so waren wir voll und ganz der Tortur des Busses ab Juigalpa ausgesetzt. Im Schulbus ging es dort noch 7 Stunden (fuer etwa 140 Kilometer) ueber die Piste, Helena passte nicht mal in die Sitzbank hinein (sind ja auch fuer kleine Kinder gemacht), meiner hatte ein Loch. Es wurde grad zum Essen angehlaten, so dass es nach Bratfett und Huehnchen roch, dazu kommt der dezente Schweissgeruch des Nachbarn/in und nur gelegentlich ein gutriechendes Aftershave. Meine Sitznachbarin machte sich von vornerein breit, so dass ich am Rand (und halb auf dem Loch) sass und an Schlaf bis 4 Uhr frueh eigentlich nicht zu denken war. Erschoepft fiel ich ins Bett. Aber - das Seminar hat einem doch so eine Art Push gegeben nicht aufzugeben, gemaess der Nicaart „Tranquilo“!
Donnerstag, 14. Februar 2008
Spontane Einsaetze...
Eigentlich hatte ich vor die Mittagspause im Rathaus zu nutzen, um ein kleines Update zu liefern, aber prompt viel natuerlich der Strom aus und so unterhielt ich mich stattdessen mit der einzigen Person die ebenfalls die Mittagsruhe nutzen wollte, einem Sachstaendigen fuers Schulministerium hier. Nach dem ueblichen „Wie gefaellt dir San Carlos, woher kommst du und was machst du hier“, folgte eine angeregte Unterhaltung (es war eigentlich nur er der redete) ueber die Vorteile einer europaeischen Union und die Versuche der Sandinisten in den 80igern und 90igern ein aehnliches System hier in „Amerika“ aufzubauen. Denn obwohl sich hier saemtliche umliegenden Laender sowohl in der Sprache, als auch in der Kultur und der allgemeinen Struktur aehneln, ist es fuer einen Nicaraguaner sehr schwer einfach nach Costa Rica zu reisen, da diese die Immigrationswelle durch verschaerfte Visaordnungen erschweren. Und so ist es unter all diesen Laendern, die Grenzen sind auf den ersten Blick geschlossen (obwohl natuerlich trotzdem ein konstanter Emigrations und Imigrationsfluss herrscht). Es erscheint einem im Vergleich dann wirklich wie eine Leistung, dass die unterschiedlichsten europaeischen Laender, mit ihren Sprachen, Kulturen und Organisationen sich zu einer Union zusammenfassen liessen. Naja, jedenfalls war er davon ziemlich beeindruckt und von Studium der Psychologie liess er sich dann zu einem anderen Thema verleiten. Er war naemlich der Meinung, dass Nicaragua an einem grossen Mangel an sozialen Berufen leidet bzw die Universitaeten eine Vielzahl von Rechtswissenschaften oder Medizin oder Ingenieurswesen anbietet, aber die sozialwisenschaften dabei voellig vernachlaessigt werden. So hat ein kleines armes Kaff 10 Rechtsanwaelte, aber nur einen Psychologen, der sich um saemtliche Probleme die Alkohol, Gewalt und Armut in einer solchen Gesellschaft mitsichbringen kuemmern muss. Also eine sehr schwierige Position und er hofft, dass sich das bald aendert. Irgendwann landete er dann beim Thema Kapitalismus (mir war der Uebergang unserer Gespraechsthemen nicht immer ganz klar, aber eine Kunst, die man hier lernt, ist die, zu nicken und so zu tun als wuerde man genau wissen wovon das Gegenueber spricht, ohne tatsaechlich den leisesten Schimmer zu haben) und als mitten in seiner Rede das Licht (=Strom) kam, war ich insgeheim sehr erleichtert mich endlich an den PC setzen zu duerfen.
Nun zu dem was ich eigentlich erzaehlen wollte. Wie Frank Helena und mir schon sagte, ist am Montag eine Delegation aus Oesterreich in San Carlos angekommen, die wir zufaellig trafen, als Humberto, Helena und ich ein Bierchen (oder zwei) im Granadino Restaurant tranken und diese Delegation in Begleitung von Frank und Marisol, der Buergermeisterin, an einem anderen Tisch Platz nahmen. Mit Delegation meine ich eigentlich nur die stellvertretende Buergermeisterin aus Linz, der Chef des Partnerstadtsbueros und der Leiter des Vereins Linz-San Carlos (und Direktor des botanischen Gartens in Linz). Als Frank mich sah, bat er mich um den Gefallen den Vertrag der Erneuerung der Partnerschaft (20-jaehriges Jubilaeum war der Anlass) vom Spanischen ins Deutsche zu uebersetzen – bis Morgen Mittag (es war 21 Uhr). So ein Vertrag klingt auch im Deutschen kaum nach Deutsch, aber wie so oft, konnte ich ihm die Bitte nicht abschlagen und setzte mich in der naechsten frueh hin (so ein Gefloskel immer... kaum auszuhalten). Abgesehen davon stellte er uns dann den Dreien vor und es wurden ein paar Worte gewechselt. Beilaeufig erwaehnte Frank dann, dass wir auch am naechsten Tag zur Grundsteinlegung eines von Erlangen gesponserten Hauses im Krankenhaus eingeladen sind und doch kommen sollen! Am naechsten Tag kamen wir also dahin und wurden mit allen durchs Krankenhaus gefuehrt. An dem vorgesehen Bauplatz waren grosse Lautsprecher aufgebaut und saemtliche Aerzte und Krankenschwester anwesend, als Marisol, der Direktor des Krankenhauses und andere „ein paar“ Worte sprachen. Die Delegation aus Linz konnte kein Spanisch und ein englischer mitgebrachter Uebersetzer half ihnen. Eigentlich war das Ganze recht ueberfluessig, denn Linz hatte mit diesem Projekt rein gar nichts zu tun, da Erlangen ja alles finanziert hatte, aber man nutzte die „offizielle Runde“ als Einweihungskommitee und nur als Helena ploetzlich gebeten wurde (als einzige Anwesende aus Erlangen), zusammen mit der stellvertretenden Buergermeisterin aus Linz und mit Marisol den Grundstein zu legen, war sie ziemlich ueberrschaft. Auch wurden wir beide offiziell persoehnlich und unsere Taetigkeit (Frank fluesterte hinter Marisol was wir hier eigentlich tun) vorgestellt. Danach unterhielten wir uns noch ein wenig und sie schenkten uns (also die Oesterreicher) ein T-Shirt des Linzer Marathons 1998 (wo haetten sie das sonst loswerden koennen...) und spaeter auch noch ein Buch ueber Linz. Nach dieser ersten netten Unterhaltung (wobei uns erstmal auffiel, dass wir nun zu Kommentaren, die nicht fuer alle Ohren bestimmt sind, nicht so ohne weiteres aufs Deutsche verfallen koennen) folgte die Bitte, die Rede der Vize Buergerm. Am Abend beim offiziellen Festakt zu uebersetzen, da es ihr ja doch einfacher fiele Deutsch als Englisch zu reden. Ueberredet gingen wir beide dann noch etwas trinken (wieder unglaublich heiss dann), bloss um von einem aufgeregten Frank ins Rathaus gerufen zu werden, von dort zum Restaurant, wo sich die drei Oesterreicher mit Marisol befanden und dort ein paar Punkte des Vertrags zu besprechen. Ich hatte – zu meiner Ehre – alles so uebersetzt wie vorgefunden, auch wenn ich mich wunderte, dass es klang als haette man den urspruenglichen Vertrag von vor 20 Jahren einfach abgeschrieben und so ein paar Dinge, wie zB „wir werden also nun mit dieser Partnerschaft beginnen“... nicht veraendert. Das war dann auch ein solcher Punkt, da es natuerlich fortsetzen heissen muss und ich war doch ein bisschen peinlich beruehrt, als die Buergermeisterin vor Marisol, Frank und den anderen einfach sagte „Na, die haben sich halt einfach den alten Vertrag genommen und abgeschrieben, ist ja im Grunde wurscht was da drin steht!“. Man fuhr uns zurueck zum Rathaus und Frank war total im Stress eine halbe Stunde vor Beginn des Feier den Vertrag sowohl im Spanischen wie auch Deutschen zu veraendern und noch eine Praesentation fertig zu stellen. Auf dem Weg dahin fragte ich beilaeufig wie wieviele kommen und wurde, da die Antwort „naja, so mehr oder weniger 80“, ploetzlich ueber meine bevorstehende Uebersetzung nervoes, da Helena und ich ausgemacht hatten, das ich´s uebernehme. Letztendlich uebersetzten wir zu zweit, da die Buergermeisterin die Idee drei starker Frauen gefiel (sie dieses sogar in der Rede erwaehnte). Wir sasen also in der ersten Reihe mit der Buergermeisterin Marisol, dem Zustaendigen fuer das Buero zwischen Nicaragua und Oesterreich, Stellvertretende Buergermeisterin Dr. Cristiana Dolezal und „ihre zwei Bodyguards“, gegenueber saemtlichen Stadtraeten, Mitarbeitern des Rathauses, Ex-Buergermeister von San Carlos und anderen. Im Fest wurde gesungen (ein hervorragender Saenger hier aus der Gegend, der mit Gitarre und Stimme einem fast zu Traenen ruehrt), getanzt (Kinder tanzten Folklore und fuehrten ein Theaterstueck auf, welches sich „Der Alte und die Alte“ nennt) und viel, ja zu viel geredet. Die Rede von Marisol dauerte ueber eine Stunde, die Powerpoint praesentation von Frank zeigte saemtliche Projekte der Stadt (mit saemtlichen Partnerstaedten) und war leider viel zu detailliert, so waren die Oesterreicher nicht im geringsten daran interessiert, wieviel eine Abwasserleitung gekostet hat, etc. Als wir dann endlich dran waren, war ich schon nicht mehr ganz so nervoes, aber ich glaube Helena war umso nervoeser, da sie soetwas noch nie gemacht hatte. Wir wechselten uns jede Passage ab und hatten beide unsere Momente, wo wir uns am liebsten an den Kopf geklatscht haetten, welche aber auch beide mit Wohlwollen und Lachen aller Anwesenden angenommen wurden. Mein „Moment“ war, als ich die von Dolezal genannten Vorzuege San Carlos aufzaehlte, wozu die inzwischen grosse Anzahl an Muelleimern gehoert. Aber statt Muelleimern (Basurero) sagte ich „Und – San Carlos hat auch schon sehr viel Muell (Basura)!“ Und obwohl Helena hinter mir die Korrekutr einfluesterte, war ich unfaehig dieses aufzunehmen und wunderte mich nur, dass alles so amuesiert waren...
Die Feier war aber alles in allem doch sehr schoen, viel Musik, Essen und Wein =) und danach wurden wir noch ins Granadino eingeladen, wo wir uns sehr gut mit den Oesterreicher verstanden und auch mit allen anderen und der Abend endete um fast Mitternacht mit den Klaengen des Saengers, der zusammen mit seinem Bruder (Gabriel, an dessem Computer ich hier immer arbeite) Volkslieder sang, wozu auch alle anderen einstimmten. Die beiden gehoeren zu einem Trio, die auch in Deutschland waren und als der Gitarrist ein deutsches Lied ueber die Freiheit der Frau sang, sang auch die Buergermeisterin aus Linz lauthals mit. Das letzte Lied war „Imagine“ von Lennon, gespielt von Gabriel und endete den Abend mit einem melancholischen Gefuehl der Bruderschaft unter allen Menschen (Bier und Flor de Caña (RUM) steuerte zu diesem Gefuehl durchaus bei...).
Nun zu dem was ich eigentlich erzaehlen wollte. Wie Frank Helena und mir schon sagte, ist am Montag eine Delegation aus Oesterreich in San Carlos angekommen, die wir zufaellig trafen, als Humberto, Helena und ich ein Bierchen (oder zwei) im Granadino Restaurant tranken und diese Delegation in Begleitung von Frank und Marisol, der Buergermeisterin, an einem anderen Tisch Platz nahmen. Mit Delegation meine ich eigentlich nur die stellvertretende Buergermeisterin aus Linz, der Chef des Partnerstadtsbueros und der Leiter des Vereins Linz-San Carlos (und Direktor des botanischen Gartens in Linz). Als Frank mich sah, bat er mich um den Gefallen den Vertrag der Erneuerung der Partnerschaft (20-jaehriges Jubilaeum war der Anlass) vom Spanischen ins Deutsche zu uebersetzen – bis Morgen Mittag (es war 21 Uhr). So ein Vertrag klingt auch im Deutschen kaum nach Deutsch, aber wie so oft, konnte ich ihm die Bitte nicht abschlagen und setzte mich in der naechsten frueh hin (so ein Gefloskel immer... kaum auszuhalten). Abgesehen davon stellte er uns dann den Dreien vor und es wurden ein paar Worte gewechselt. Beilaeufig erwaehnte Frank dann, dass wir auch am naechsten Tag zur Grundsteinlegung eines von Erlangen gesponserten Hauses im Krankenhaus eingeladen sind und doch kommen sollen! Am naechsten Tag kamen wir also dahin und wurden mit allen durchs Krankenhaus gefuehrt. An dem vorgesehen Bauplatz waren grosse Lautsprecher aufgebaut und saemtliche Aerzte und Krankenschwester anwesend, als Marisol, der Direktor des Krankenhauses und andere „ein paar“ Worte sprachen. Die Delegation aus Linz konnte kein Spanisch und ein englischer mitgebrachter Uebersetzer half ihnen. Eigentlich war das Ganze recht ueberfluessig, denn Linz hatte mit diesem Projekt rein gar nichts zu tun, da Erlangen ja alles finanziert hatte, aber man nutzte die „offizielle Runde“ als Einweihungskommitee und nur als Helena ploetzlich gebeten wurde (als einzige Anwesende aus Erlangen), zusammen mit der stellvertretenden Buergermeisterin aus Linz und mit Marisol den Grundstein zu legen, war sie ziemlich ueberrschaft. Auch wurden wir beide offiziell persoehnlich und unsere Taetigkeit (Frank fluesterte hinter Marisol was wir hier eigentlich tun) vorgestellt. Danach unterhielten wir uns noch ein wenig und sie schenkten uns (also die Oesterreicher) ein T-Shirt des Linzer Marathons 1998 (wo haetten sie das sonst loswerden koennen...) und spaeter auch noch ein Buch ueber Linz. Nach dieser ersten netten Unterhaltung (wobei uns erstmal auffiel, dass wir nun zu Kommentaren, die nicht fuer alle Ohren bestimmt sind, nicht so ohne weiteres aufs Deutsche verfallen koennen) folgte die Bitte, die Rede der Vize Buergerm. Am Abend beim offiziellen Festakt zu uebersetzen, da es ihr ja doch einfacher fiele Deutsch als Englisch zu reden. Ueberredet gingen wir beide dann noch etwas trinken (wieder unglaublich heiss dann), bloss um von einem aufgeregten Frank ins Rathaus gerufen zu werden, von dort zum Restaurant, wo sich die drei Oesterreicher mit Marisol befanden und dort ein paar Punkte des Vertrags zu besprechen. Ich hatte – zu meiner Ehre – alles so uebersetzt wie vorgefunden, auch wenn ich mich wunderte, dass es klang als haette man den urspruenglichen Vertrag von vor 20 Jahren einfach abgeschrieben und so ein paar Dinge, wie zB „wir werden also nun mit dieser Partnerschaft beginnen“... nicht veraendert. Das war dann auch ein solcher Punkt, da es natuerlich fortsetzen heissen muss und ich war doch ein bisschen peinlich beruehrt, als die Buergermeisterin vor Marisol, Frank und den anderen einfach sagte „Na, die haben sich halt einfach den alten Vertrag genommen und abgeschrieben, ist ja im Grunde wurscht was da drin steht!“. Man fuhr uns zurueck zum Rathaus und Frank war total im Stress eine halbe Stunde vor Beginn des Feier den Vertrag sowohl im Spanischen wie auch Deutschen zu veraendern und noch eine Praesentation fertig zu stellen. Auf dem Weg dahin fragte ich beilaeufig wie wieviele kommen und wurde, da die Antwort „naja, so mehr oder weniger 80“, ploetzlich ueber meine bevorstehende Uebersetzung nervoes, da Helena und ich ausgemacht hatten, das ich´s uebernehme. Letztendlich uebersetzten wir zu zweit, da die Buergermeisterin die Idee drei starker Frauen gefiel (sie dieses sogar in der Rede erwaehnte). Wir sasen also in der ersten Reihe mit der Buergermeisterin Marisol, dem Zustaendigen fuer das Buero zwischen Nicaragua und Oesterreich, Stellvertretende Buergermeisterin Dr. Cristiana Dolezal und „ihre zwei Bodyguards“, gegenueber saemtlichen Stadtraeten, Mitarbeitern des Rathauses, Ex-Buergermeister von San Carlos und anderen. Im Fest wurde gesungen (ein hervorragender Saenger hier aus der Gegend, der mit Gitarre und Stimme einem fast zu Traenen ruehrt), getanzt (Kinder tanzten Folklore und fuehrten ein Theaterstueck auf, welches sich „Der Alte und die Alte“ nennt) und viel, ja zu viel geredet. Die Rede von Marisol dauerte ueber eine Stunde, die Powerpoint praesentation von Frank zeigte saemtliche Projekte der Stadt (mit saemtlichen Partnerstaedten) und war leider viel zu detailliert, so waren die Oesterreicher nicht im geringsten daran interessiert, wieviel eine Abwasserleitung gekostet hat, etc. Als wir dann endlich dran waren, war ich schon nicht mehr ganz so nervoes, aber ich glaube Helena war umso nervoeser, da sie soetwas noch nie gemacht hatte. Wir wechselten uns jede Passage ab und hatten beide unsere Momente, wo wir uns am liebsten an den Kopf geklatscht haetten, welche aber auch beide mit Wohlwollen und Lachen aller Anwesenden angenommen wurden. Mein „Moment“ war, als ich die von Dolezal genannten Vorzuege San Carlos aufzaehlte, wozu die inzwischen grosse Anzahl an Muelleimern gehoert. Aber statt Muelleimern (Basurero) sagte ich „Und – San Carlos hat auch schon sehr viel Muell (Basura)!“ Und obwohl Helena hinter mir die Korrekutr einfluesterte, war ich unfaehig dieses aufzunehmen und wunderte mich nur, dass alles so amuesiert waren...
Die Feier war aber alles in allem doch sehr schoen, viel Musik, Essen und Wein =) und danach wurden wir noch ins Granadino eingeladen, wo wir uns sehr gut mit den Oesterreicher verstanden und auch mit allen anderen und der Abend endete um fast Mitternacht mit den Klaengen des Saengers, der zusammen mit seinem Bruder (Gabriel, an dessem Computer ich hier immer arbeite) Volkslieder sang, wozu auch alle anderen einstimmten. Die beiden gehoeren zu einem Trio, die auch in Deutschland waren und als der Gitarrist ein deutsches Lied ueber die Freiheit der Frau sang, sang auch die Buergermeisterin aus Linz lauthals mit. Das letzte Lied war „Imagine“ von Lennon, gespielt von Gabriel und endete den Abend mit einem melancholischen Gefuehl der Bruderschaft unter allen Menschen (Bier und Flor de Caña (RUM) steuerte zu diesem Gefuehl durchaus bei...).
Mittwoch, 6. Februar 2008
Tod und Sterben
Am letzten Sonntag wurde ein 8-jaehriger Junge tot aus dem See geborgen, der am Vortag beim "Schwimmen" ertrunken ist. Der Grund war schlichtweg die Tatsache, dass dieser Junge nicht schwimmen konnte und warum keiner dabei war, um ihm zu helfen oder wo die anderen Jungs abblieben, die angeblich bei ihm waren ist noch ungeklaert. Es gab anscheinend zwei Polizisten, die aber angaben beide nicht schwimmen zu koennen und somit war dieser Junge seinem Schicksal ausgeliefert. Schockierend ist, dass hier die Mehrheit der Menschen nicht Schwimmen kann, obwohl die Stadt von zwei Seiten von Wasser umgeben ist, links der Rio San Juan, rechts der See.
Am Montag nach meinem Unterricht kam Humberto auf mich zu und erzaehlte mir das, da der Junge ein Schueler von ihm war und sogar einer seiner Lieblingsschueler. Er kam auch aus einer sehr armen Familie, war aber immer froehlich, aufgeweckt und sein ploetzlicher Tod erschuetterte Humberto sehr. Als ich nach unserem Gespraech nach Hause kam wusste dort auch schon jeder Bescheid und Izamar zeigte mir im Fernsehen die Aufnahmen des Lokalsenders, welche die Leiche des Jungens zeigten, die neben dem Hafen auf einer Bahre lag und von einem Arzt untersucht wurde. Die Tatsache, dass das Fernsehen so ohne weiteres auf die Leiche dieses Kindes hinzoomt und auch im nationalen Fernsehen saemtliche Verkehrs- oder Mordopfer ohne Bedenken dargestellt werden, finde ich schlichtweg nicht in Ordnung. Als Angehoeriger im Fernsehen den eigenen Sohn sehen zu muessen, wie er vor allen aufgebahrt liegt, von Polizisten fotografiert und vom Arzt dokumentiert wird, muss kaum auzuhalten sein. Ich finde damit wird die letzte Wuerde des jeweiligen toten Menschen derartig verletzt, das ich gar nicht lange hinschauen kann oder moechte. Der Arzt machte sogar den Weg fuer die Kamera frei um auf die nicht mehr vorhandenen Ohren hinzuzoomen, die von Fischen im Laufe der 24 Stunden abgeknabbert wurden.
Die Beerdigung war gestern und Humberto erzaehlte mir, dass man in der Umgebung fuer die Familie Geld gesamelt hat, um fuer die Kosten aufzukommen. Eine Tradition bei einem Todesfall ist es hier am ersten und insgesamt 9 Tage lang "Totenwache" zu halten. Nachts versammelt sich um das Haus des Verstorbenes also eine Gruppe von Menschen die in relativer Stille oder auch im Gegenteil, in Feierstimmung, die Nacht zusammen verbringt. Es wird gegessen, getrunken und im Haus wird eine Art Altar aufgebaut, ein Mann liest aus einer Bibel - es entsteht eine angenehme, bedaechtige Atmosphaere des Beisammenseins. Auch im Park hab ich eine solche Feier beobachten koennen, wobei dort der Sarg des alten Mannes in seinem Haus aufgebahrt war.
Als ich gestern zu meinem ersten Unterricht in der Tertulia (im Proyectostadtviertel) lief, kam ich an einem solchen Haus vorbei, wobei ich nicht weiss, ob es das Haus des Jungen war. Gestern abend war ohnehin eine merkwuerdige Stimmung. Da es die letzten Tage so heiss war, wirbelte jedes Auto viel Staub auf, welcher im schwachen, gelblichen Schein der Strassenlampen nur langsam zu Boden viel. Es war ungewoehnlich still, es gab nicht viele Leute auf den Strassen und der Rauch und Geruch von gebratenem Fleisch offener Feuerstellen einzelner Haeuser stieg mir in die Nase. Es hatte etwas sehr ruhiges aber auch unheimliche an sich und ich bemerkte erst kaum, wieviel schneller ich lief um zu Helenas Haus und danach zur Tertulia zu kommen.
Beim Unterricht selbst kamen statt der angemeldeten 40 (in glaubte eh nicht an diese Zahl, welcher mir der Leiter des Hauses versicherte) nur 16, aber es ist auch besser so. Ich war unkonzentriert und trotz der Tatsache, dass ich diesen Anfangsstoff bereits einmal unterrichtet und somit intus hatte, gab es ein paar Momente wo ich in die Gesichter dieser Menschen blickte und nicht wusste was ich eigentlich hier mache. Auch ist mein Spanisch gerade in solchen Augenblicken am schlechtesten und ich geraet immer wieder ins Stocken. Es ist aber auch sehr spaet gewesen, dieser Kurs ist von 19:30 bis 21:00, der Weg zu meinem Haus ist zu Fuss fast 20 Minuten. Danach unterhielt ich mich lang mit Helena, die wieder aus Managua da ist und fiel erst viel spaeter muede ins Bett.
Am Montag nach meinem Unterricht kam Humberto auf mich zu und erzaehlte mir das, da der Junge ein Schueler von ihm war und sogar einer seiner Lieblingsschueler. Er kam auch aus einer sehr armen Familie, war aber immer froehlich, aufgeweckt und sein ploetzlicher Tod erschuetterte Humberto sehr. Als ich nach unserem Gespraech nach Hause kam wusste dort auch schon jeder Bescheid und Izamar zeigte mir im Fernsehen die Aufnahmen des Lokalsenders, welche die Leiche des Jungens zeigten, die neben dem Hafen auf einer Bahre lag und von einem Arzt untersucht wurde. Die Tatsache, dass das Fernsehen so ohne weiteres auf die Leiche dieses Kindes hinzoomt und auch im nationalen Fernsehen saemtliche Verkehrs- oder Mordopfer ohne Bedenken dargestellt werden, finde ich schlichtweg nicht in Ordnung. Als Angehoeriger im Fernsehen den eigenen Sohn sehen zu muessen, wie er vor allen aufgebahrt liegt, von Polizisten fotografiert und vom Arzt dokumentiert wird, muss kaum auzuhalten sein. Ich finde damit wird die letzte Wuerde des jeweiligen toten Menschen derartig verletzt, das ich gar nicht lange hinschauen kann oder moechte. Der Arzt machte sogar den Weg fuer die Kamera frei um auf die nicht mehr vorhandenen Ohren hinzuzoomen, die von Fischen im Laufe der 24 Stunden abgeknabbert wurden.
Die Beerdigung war gestern und Humberto erzaehlte mir, dass man in der Umgebung fuer die Familie Geld gesamelt hat, um fuer die Kosten aufzukommen. Eine Tradition bei einem Todesfall ist es hier am ersten und insgesamt 9 Tage lang "Totenwache" zu halten. Nachts versammelt sich um das Haus des Verstorbenes also eine Gruppe von Menschen die in relativer Stille oder auch im Gegenteil, in Feierstimmung, die Nacht zusammen verbringt. Es wird gegessen, getrunken und im Haus wird eine Art Altar aufgebaut, ein Mann liest aus einer Bibel - es entsteht eine angenehme, bedaechtige Atmosphaere des Beisammenseins. Auch im Park hab ich eine solche Feier beobachten koennen, wobei dort der Sarg des alten Mannes in seinem Haus aufgebahrt war.
Als ich gestern zu meinem ersten Unterricht in der Tertulia (im Proyectostadtviertel) lief, kam ich an einem solchen Haus vorbei, wobei ich nicht weiss, ob es das Haus des Jungen war. Gestern abend war ohnehin eine merkwuerdige Stimmung. Da es die letzten Tage so heiss war, wirbelte jedes Auto viel Staub auf, welcher im schwachen, gelblichen Schein der Strassenlampen nur langsam zu Boden viel. Es war ungewoehnlich still, es gab nicht viele Leute auf den Strassen und der Rauch und Geruch von gebratenem Fleisch offener Feuerstellen einzelner Haeuser stieg mir in die Nase. Es hatte etwas sehr ruhiges aber auch unheimliche an sich und ich bemerkte erst kaum, wieviel schneller ich lief um zu Helenas Haus und danach zur Tertulia zu kommen.
Beim Unterricht selbst kamen statt der angemeldeten 40 (in glaubte eh nicht an diese Zahl, welcher mir der Leiter des Hauses versicherte) nur 16, aber es ist auch besser so. Ich war unkonzentriert und trotz der Tatsache, dass ich diesen Anfangsstoff bereits einmal unterrichtet und somit intus hatte, gab es ein paar Momente wo ich in die Gesichter dieser Menschen blickte und nicht wusste was ich eigentlich hier mache. Auch ist mein Spanisch gerade in solchen Augenblicken am schlechtesten und ich geraet immer wieder ins Stocken. Es ist aber auch sehr spaet gewesen, dieser Kurs ist von 19:30 bis 21:00, der Weg zu meinem Haus ist zu Fuss fast 20 Minuten. Danach unterhielt ich mich lang mit Helena, die wieder aus Managua da ist und fiel erst viel spaeter muede ins Bett.
Montag, 4. Februar 2008
Dolmetschertaetigkeit
Ich komme soeben vom “Flughafen” bzw Haus (=Terminal) an einem Feld (=Landebahn) zurueck, an dem wir den niederlaendischen Architekten Henk B. und eine Mitarbeiterin des Consejo Holanda-Nicaragua (Staedtepartnerschaftsrat aller Staedtepartnerschaften zwischen der Niederlande und Nicaragua) aus Managua. Die letzte Woche verbrachte ich naemlich damit, fuer diesen Herrn sowohl in Managua als auch bei den Sitzungen hier in San Carlos zu dolmetschen. Zu Beginn war ich ziemlich skeptisch ob mein Spanisch ausreichen wuerde, um tatsaechlich von Nutzen zu sein (oder ob ich mich total blamieren wuerde...). Auch hatte ich bis zuletzt fast keinerlei Informationen, wusste nicht mal genau worum es geht. Frank sagte mir nur, dass sie einen Ubersetzer suchen und es ausser mir in dieser Stadt keinen gibt, der (gut genug...) Englisch bzw Spanisch spricht. Ich ging also erstmal davon aus, dass ich mit Frank nach Managua fahren wuerde, aber am Samstag hiess es ploetzlich, dass ich alleine im Flugzeug fliege und dass man mir Geld gibt, um fuer alle Kosten aufzukommen. Das Problem war nur, dass der Vice-Buergermeister der einzige war, der die Geldschecks genehmigen konnte, dieser war aber nicht aufzutreiben... die Bank machte um 12 Uhr zu und ich hatte kein Geld (nur ein Stueck Papier, welches ich in Managua umtauschen musste). Frank – zum ersten Mal sehr besorgt – war sich nicht mal sicher, ob ich dann ueberhaupt ein Flugticket kaufen kann.
Irgendwie hatte ich ein „Vorkatastrophengefuehl“ bei dem Ganzen, welches am Sonntag durch die Tatsache, dass Frank mir mein Flugticket grade mal eine Stunde vor Abflug vorbeibrachte nicht gelindert wurde. Der Flug aber war den ganzen anfaenglichen Stress wert, der im Vergleich zu 12 Stunden Busfahrt nur 50 Minuten nach Managua braucht. Der Abflug ueber die Feldpiste war ziemlich wackelig und da man nur zu Zehnt in diesem Miniflugzeug sitzt (ich sass direkt hinter den Piloten), bekommt man alle Erschuetterungen doppelt so stark zu spueren. Auf Grund des Regens (vom Vortag) war es auch ziemlich nass und die vielen Schlagloecher im Boden sahen vom Fenster nicht so vielversprechend aus, aber wir ueberlebten und der Blick ueber San Carlos, den See, die Vulkane von Ometepe und schliesslich Managua war einfach wunderschoen (gut war auch, dass das Flugzeug tiefer fliegt, als groessere Maschinen – bessere Aussicht). Die Piloten unterhielten sich den ganzen Flug ueber ihren Urlaub und lasen in der Zeitung, das Flugzeug war also anscheinend auf Autopilot geschaltet und kam man dann doch ins Schwanken (was die Piloten keineswegs beunruhigte), so „korrigierte“ dieser Autopilot alles selbst, was ich schon sehr interessant fand. In Managua gelandet (2 Sekunden vor Landung befanden wir uns noch in einer Vertikallage, so dass ich doch noch mal ziemlich ins Schwitzen kam!), teilte ich mir mit einem niederlaendischen Paar das Taxi ins „Ho(s)telviertel“ Barrio Martha Quezada, wo wir zwar in unterschiedlichen Hospedajen unterkamen, uns aber fuer den Abend verabredeten (wir gingen Spaghettiessen – koestlich!). Sie reisen schon seit Novemeber in ganz Zentralamerika herum und wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut, obwohl wir uns grad mal 20 Minuten kannten. Das ist aber eine der Besonderheiten am Reisen, vor allem in solchen Laendern, man trifft an allen Ecken neue, offene Leute, die sich mit einer Ungezwungenheit auf einander einlassen. So erfaehrt man in kurzer Zeit alles moegliche ueber andere Kulturen, so dass ich in der Nacht total erschoepft vom Reden ins Bett fiel. Eigentlich wollte ich frueh schlafen gehen, aber als ich endlich im Bett lag war es so laut auf den Strassen und ausserdem war ich total nervoes, so dass ich ziemlich unausgeschlafen (und noch nervoeser) am naechsten Morgen in aller Fruehe das Taxi zum „Edificio El Carmen“ nahm.
Das Gebaeude liegt direkt am „Nacionalpalast“, in dem sich die Bueros der Sandinistenpartei befinden. Die umgebende Mauer ist total bunt angemalt, waehrend dazwischen lauter Wachtuerme mit Soldaten stehen, so dass ein anderer Freiwilliger ganz treffend den Palast, sowie das Haus von Ortega als „Mischung aus Kindergarten und Gefaengnis“ beschrieb. Natuerlich war ich frueher als alle anderen im Buero, so dass Warten angesagt war, aber nach und nach kamen die Mitarbeiter des Bueros und fingen pfeifend, singend oder Witzereissend zu arbeiten an. Der Direktor José Castillo sagte mir dann, dass es ein Missverstaendnis gegeben hatte und ich eigentlich erst in San Carlos notwendig gewesen waere, da er Englisch spricht. Kurz darauf kamen Marisol (die Buergermeisterin von San Carlos) und der Ingenieur, viel spaeter auch Henk, der niederlaendische Architekt. Ein grosser, hellhaeutiger (auch ganz weisse Haare), 58-jaehriger Mann, der ein wenig lieb-tollpatschig durch seine Brille blickt. Sein Englisch ist natuerlich sehr gut, wenn er auch in manchen Momenten anfing mit mir niederlaendisch zu reden oder wir auch manchmal auf Deutsche auswichen (er arbeitete lange in Berlin), wenn er das Englische Wort nicht wusste. Komplett fuhren wir dann erstmal 1 Stunde auf der Autobahn (ja- eine richtige, geteerte Autobahn, ich war ganz hin und weg) nach León, einer schoenen historischen Stadt am Pazifik, durchweg kolonial gebaut und ein Vorreiter in der Urbanizierung (vor allem in (finanziellen) Zusammenarbeit mit Holland). Leider bekam ich von der Stadt selbst wenig zu sehen, wir waren ohnehin spaet dran und rasten also (ja, auch Nicaraguaner koennen sich mal beeilen) ins Rathaus, wo der Direktor des „Staedteplanungsamtes“ (oder so) uns die vergangenen 20 Jahre erklaerte und die Erfahrung die sie aus den jeweiligen Projekten gesammelt hatten. Dieser Mann, der mit einer Powerpoint Praesentation die Information darstellen wollte, sprach mit einer derartigen Geschwindigkeit und sprang thematisch auch oft hin und her (mit vielen Anekdoten und sonstigen Anmerkungen), so dass ich irgendwann einfach nicht mehr hinterherkam. Auch wurde kreuz und quer gefragt, jeder sprach gleichzeitig, gleich laut und gleich unverstaendlich und Henk und ich waren irgendwann so frustriert und schlichtweg am verzweifeln, dass wir unisono „STOP“ schrien und dabei auch die Haende hochhielten (wie als wuerde man einen heranrasenden Zug mit Handzeichen zum Anhalten zwingen wollen). Es herrschte dann aber tatsaechlich ein oder zwei Minuten Stille, da sie ziemlich ueberrascht waren, dass wir nicht selbstverstaendlich mitkamen... immer diese Europaer ;-). José Castillo uebersetzte also dass was ich nicht verstanden hatte und ich den Rest und nach 2 Stunden war ich bereits fix und fertig und es ging zum Essen. Wie auch bei den anderen gemeinsamen Essen danach, goennte man mir da auch keine Pause, denn „Smalltalk“ musste natuerlich auch uebersetzt werden und die Nicas lieben Smalltalk. Hatte ich also endlich etwas zu essen vor mir, so wurde jeder angesetzte Bissen durch einen Unterhaltungsbeitrag unterbrochen, hatte ich diesen hastig uebersetzt folgte gleich schon wieder eine Antwort, und so weiter und so fort. Insgesamt ein anstrengender aber informativer Tag, wann sonst kriegt man einen solchen Einblick in Stadtentwicklung? Gut, auf die millionen zu uebersetzenden Zahlen haett ich verzichten koennen, aber die Idee und Umsetzung eines Behausungsprojektes fuer sozial benachteiligtere Gruppen und der eigentlich Versuch, die Mentalitaet einer Kultur dahingehend zu veraendern, dass die Nicaraguaner selbst einen finanziellen Teil zu ihrem Haus beisteuern (unter einer vorherigen Regierung wurden den Armen viele Sachen einfach geschenkt, was - so Robin Hood maessig es auch klingt – eine negative Auswirkung auf die eigentliche selbstschaffende Mentalitaet hatte im Sinne von „Warum selbst arbeiten, wenn mir der Staat doch was gibt“), war sehr spannend. Henk als Architekt verstand oft mehr als ich worum es eigentlich ging und im Prozess des Dolmetschens sind mir zwei essentielle Dinge aufgefallen: Klar muss man mitdenken, aber bloss nicht zu viel! Zur Erklaerung, manchmal verstand ich etwas und meinte, dass koenne doch so wie ichs verstanden habe nicht stimmen, uebersetzte also eine korrigierte Fassung, die sich dann als falsch herausstellte. Andere Male uebersetzte ich Wort fuer Wort eine Ausfuehrung ueber die Zusammensetzung einer Strasse und die Abwasserleitungen und verstand kein einziges Wort. Je mehr er sprach, desto unsicherer war ich mir, was ich da von mir gab (zu Henk) und am Ende war ich vollkommen verwirrt. Henk nickte, sagte er wisse das alles schon und damit war die Sache erledigt (ich weiss bis heute nicht was das, das ich uebersetzt habe, eigentlich zu bedeuten hat). Gut – schliesslich redet man nicht jeden Tag ueber Architektur, Ingenieurwesen oder die Finanzierung von Abwasserleitungen. Da gelang mir der Smalltalk zwischen der Buergermeisterin und den anderen doch viel besser. Am naechsten Tag ging schon mein Flug zurueck, also goennte ich mir am Abend vorher noch einen Reis mit Curry (himmlisch) und fiel ins Bett. Der Flug war genauso schoen wie am Hinweg, mit dem einzigen Unterschied, dass man diesmal sogar durch eine Sicherheitskontrolle musste (haette auf dem Hinflug alles in die Luft sprengen koennen...).
Henk folgte am naechsten Tag und dann begann der eigentliche Teil meiner Arbeit, da es um die Verhandlungen zwischen Groningen (Holland) und San Carlos ging, wieviel fuer welchen Teil des Projektes ausgegeben wird. Es geht de facto um 100 Haeuser, wovon 50 bereits stehen. Groningen zahlt die Konstruktion der Haeuser mit einem Beitrag von 100.000 Euro, aber koennte nochmal 50.000 beisteuern, wenn gewisse Bedingungen erfuellt werden. Zum Beispiel soll der Beitrag der Bewohner nicht mehr ganz an die Alcaldia (Rathaus) zurueckgezahlt werden, sondern ein Teil soll in einen Boden“found“ eingezahlt werden, mit welchem man spaeter mehr Boden kaufen kann. Ach herrje, ich fang gar nicht erst an, es ist doch zu kompliziert zu erklaeren. Aber ich war doch sehr stolz, dass ich wesentlich zu diesen Verhandlungen beitragen konnte, am Ende hatte ich sogar das Gefuehl etwas mitveraendert zu haben (fuer die Zukunft). Aber im Grunde (auf die Frage von meinen Eltern, ob mir nun das Dolmetscherdasein doch gefaellt), ist man als Dolmetscher ja nie der Schaffende, sondern lediglich der Uebermittelnde, quasi die „Schnur zwischen den Dosen“ und ewig nur in dieser Rolle zu sein, kann ich mir nicht vorstellen. Interessant – ja, fuer immer – nein! Es ist aber doch eine Erfahrung, wenigstens fuer 6 Monate in die Fussstapfen der Eltern zu treten (mit dem Wissen, auch wieder „heraus“treten zu koennen). Der Abschied war letztendlich kurz und schmerzlos, aber Henk kommt bereits im Maerz mit einer groesseren Delegation wieder, also sieht man sich ja bald. Das Wochenende verbrachte ich jetzt sehr ruhig mit Lesen (meine Eltern schickten mir „Krieg und Frieden“, damit werde ich wohl fast bis Mai beschaeftigt sein...), denn diese Woche war doch viel anstrengender als gedacht!
Irgendwie hatte ich ein „Vorkatastrophengefuehl“ bei dem Ganzen, welches am Sonntag durch die Tatsache, dass Frank mir mein Flugticket grade mal eine Stunde vor Abflug vorbeibrachte nicht gelindert wurde. Der Flug aber war den ganzen anfaenglichen Stress wert, der im Vergleich zu 12 Stunden Busfahrt nur 50 Minuten nach Managua braucht. Der Abflug ueber die Feldpiste war ziemlich wackelig und da man nur zu Zehnt in diesem Miniflugzeug sitzt (ich sass direkt hinter den Piloten), bekommt man alle Erschuetterungen doppelt so stark zu spueren. Auf Grund des Regens (vom Vortag) war es auch ziemlich nass und die vielen Schlagloecher im Boden sahen vom Fenster nicht so vielversprechend aus, aber wir ueberlebten und der Blick ueber San Carlos, den See, die Vulkane von Ometepe und schliesslich Managua war einfach wunderschoen (gut war auch, dass das Flugzeug tiefer fliegt, als groessere Maschinen – bessere Aussicht). Die Piloten unterhielten sich den ganzen Flug ueber ihren Urlaub und lasen in der Zeitung, das Flugzeug war also anscheinend auf Autopilot geschaltet und kam man dann doch ins Schwanken (was die Piloten keineswegs beunruhigte), so „korrigierte“ dieser Autopilot alles selbst, was ich schon sehr interessant fand. In Managua gelandet (2 Sekunden vor Landung befanden wir uns noch in einer Vertikallage, so dass ich doch noch mal ziemlich ins Schwitzen kam!), teilte ich mir mit einem niederlaendischen Paar das Taxi ins „Ho(s)telviertel“ Barrio Martha Quezada, wo wir zwar in unterschiedlichen Hospedajen unterkamen, uns aber fuer den Abend verabredeten (wir gingen Spaghettiessen – koestlich!). Sie reisen schon seit Novemeber in ganz Zentralamerika herum und wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut, obwohl wir uns grad mal 20 Minuten kannten. Das ist aber eine der Besonderheiten am Reisen, vor allem in solchen Laendern, man trifft an allen Ecken neue, offene Leute, die sich mit einer Ungezwungenheit auf einander einlassen. So erfaehrt man in kurzer Zeit alles moegliche ueber andere Kulturen, so dass ich in der Nacht total erschoepft vom Reden ins Bett fiel. Eigentlich wollte ich frueh schlafen gehen, aber als ich endlich im Bett lag war es so laut auf den Strassen und ausserdem war ich total nervoes, so dass ich ziemlich unausgeschlafen (und noch nervoeser) am naechsten Morgen in aller Fruehe das Taxi zum „Edificio El Carmen“ nahm.
Das Gebaeude liegt direkt am „Nacionalpalast“, in dem sich die Bueros der Sandinistenpartei befinden. Die umgebende Mauer ist total bunt angemalt, waehrend dazwischen lauter Wachtuerme mit Soldaten stehen, so dass ein anderer Freiwilliger ganz treffend den Palast, sowie das Haus von Ortega als „Mischung aus Kindergarten und Gefaengnis“ beschrieb. Natuerlich war ich frueher als alle anderen im Buero, so dass Warten angesagt war, aber nach und nach kamen die Mitarbeiter des Bueros und fingen pfeifend, singend oder Witzereissend zu arbeiten an. Der Direktor José Castillo sagte mir dann, dass es ein Missverstaendnis gegeben hatte und ich eigentlich erst in San Carlos notwendig gewesen waere, da er Englisch spricht. Kurz darauf kamen Marisol (die Buergermeisterin von San Carlos) und der Ingenieur, viel spaeter auch Henk, der niederlaendische Architekt. Ein grosser, hellhaeutiger (auch ganz weisse Haare), 58-jaehriger Mann, der ein wenig lieb-tollpatschig durch seine Brille blickt. Sein Englisch ist natuerlich sehr gut, wenn er auch in manchen Momenten anfing mit mir niederlaendisch zu reden oder wir auch manchmal auf Deutsche auswichen (er arbeitete lange in Berlin), wenn er das Englische Wort nicht wusste. Komplett fuhren wir dann erstmal 1 Stunde auf der Autobahn (ja- eine richtige, geteerte Autobahn, ich war ganz hin und weg) nach León, einer schoenen historischen Stadt am Pazifik, durchweg kolonial gebaut und ein Vorreiter in der Urbanizierung (vor allem in (finanziellen) Zusammenarbeit mit Holland). Leider bekam ich von der Stadt selbst wenig zu sehen, wir waren ohnehin spaet dran und rasten also (ja, auch Nicaraguaner koennen sich mal beeilen) ins Rathaus, wo der Direktor des „Staedteplanungsamtes“ (oder so) uns die vergangenen 20 Jahre erklaerte und die Erfahrung die sie aus den jeweiligen Projekten gesammelt hatten. Dieser Mann, der mit einer Powerpoint Praesentation die Information darstellen wollte, sprach mit einer derartigen Geschwindigkeit und sprang thematisch auch oft hin und her (mit vielen Anekdoten und sonstigen Anmerkungen), so dass ich irgendwann einfach nicht mehr hinterherkam. Auch wurde kreuz und quer gefragt, jeder sprach gleichzeitig, gleich laut und gleich unverstaendlich und Henk und ich waren irgendwann so frustriert und schlichtweg am verzweifeln, dass wir unisono „STOP“ schrien und dabei auch die Haende hochhielten (wie als wuerde man einen heranrasenden Zug mit Handzeichen zum Anhalten zwingen wollen). Es herrschte dann aber tatsaechlich ein oder zwei Minuten Stille, da sie ziemlich ueberrascht waren, dass wir nicht selbstverstaendlich mitkamen... immer diese Europaer ;-). José Castillo uebersetzte also dass was ich nicht verstanden hatte und ich den Rest und nach 2 Stunden war ich bereits fix und fertig und es ging zum Essen. Wie auch bei den anderen gemeinsamen Essen danach, goennte man mir da auch keine Pause, denn „Smalltalk“ musste natuerlich auch uebersetzt werden und die Nicas lieben Smalltalk. Hatte ich also endlich etwas zu essen vor mir, so wurde jeder angesetzte Bissen durch einen Unterhaltungsbeitrag unterbrochen, hatte ich diesen hastig uebersetzt folgte gleich schon wieder eine Antwort, und so weiter und so fort. Insgesamt ein anstrengender aber informativer Tag, wann sonst kriegt man einen solchen Einblick in Stadtentwicklung? Gut, auf die millionen zu uebersetzenden Zahlen haett ich verzichten koennen, aber die Idee und Umsetzung eines Behausungsprojektes fuer sozial benachteiligtere Gruppen und der eigentlich Versuch, die Mentalitaet einer Kultur dahingehend zu veraendern, dass die Nicaraguaner selbst einen finanziellen Teil zu ihrem Haus beisteuern (unter einer vorherigen Regierung wurden den Armen viele Sachen einfach geschenkt, was - so Robin Hood maessig es auch klingt – eine negative Auswirkung auf die eigentliche selbstschaffende Mentalitaet hatte im Sinne von „Warum selbst arbeiten, wenn mir der Staat doch was gibt“), war sehr spannend. Henk als Architekt verstand oft mehr als ich worum es eigentlich ging und im Prozess des Dolmetschens sind mir zwei essentielle Dinge aufgefallen: Klar muss man mitdenken, aber bloss nicht zu viel! Zur Erklaerung, manchmal verstand ich etwas und meinte, dass koenne doch so wie ichs verstanden habe nicht stimmen, uebersetzte also eine korrigierte Fassung, die sich dann als falsch herausstellte. Andere Male uebersetzte ich Wort fuer Wort eine Ausfuehrung ueber die Zusammensetzung einer Strasse und die Abwasserleitungen und verstand kein einziges Wort. Je mehr er sprach, desto unsicherer war ich mir, was ich da von mir gab (zu Henk) und am Ende war ich vollkommen verwirrt. Henk nickte, sagte er wisse das alles schon und damit war die Sache erledigt (ich weiss bis heute nicht was das, das ich uebersetzt habe, eigentlich zu bedeuten hat). Gut – schliesslich redet man nicht jeden Tag ueber Architektur, Ingenieurwesen oder die Finanzierung von Abwasserleitungen. Da gelang mir der Smalltalk zwischen der Buergermeisterin und den anderen doch viel besser. Am naechsten Tag ging schon mein Flug zurueck, also goennte ich mir am Abend vorher noch einen Reis mit Curry (himmlisch) und fiel ins Bett. Der Flug war genauso schoen wie am Hinweg, mit dem einzigen Unterschied, dass man diesmal sogar durch eine Sicherheitskontrolle musste (haette auf dem Hinflug alles in die Luft sprengen koennen...).
Henk folgte am naechsten Tag und dann begann der eigentliche Teil meiner Arbeit, da es um die Verhandlungen zwischen Groningen (Holland) und San Carlos ging, wieviel fuer welchen Teil des Projektes ausgegeben wird. Es geht de facto um 100 Haeuser, wovon 50 bereits stehen. Groningen zahlt die Konstruktion der Haeuser mit einem Beitrag von 100.000 Euro, aber koennte nochmal 50.000 beisteuern, wenn gewisse Bedingungen erfuellt werden. Zum Beispiel soll der Beitrag der Bewohner nicht mehr ganz an die Alcaldia (Rathaus) zurueckgezahlt werden, sondern ein Teil soll in einen Boden“found“ eingezahlt werden, mit welchem man spaeter mehr Boden kaufen kann. Ach herrje, ich fang gar nicht erst an, es ist doch zu kompliziert zu erklaeren. Aber ich war doch sehr stolz, dass ich wesentlich zu diesen Verhandlungen beitragen konnte, am Ende hatte ich sogar das Gefuehl etwas mitveraendert zu haben (fuer die Zukunft). Aber im Grunde (auf die Frage von meinen Eltern, ob mir nun das Dolmetscherdasein doch gefaellt), ist man als Dolmetscher ja nie der Schaffende, sondern lediglich der Uebermittelnde, quasi die „Schnur zwischen den Dosen“ und ewig nur in dieser Rolle zu sein, kann ich mir nicht vorstellen. Interessant – ja, fuer immer – nein! Es ist aber doch eine Erfahrung, wenigstens fuer 6 Monate in die Fussstapfen der Eltern zu treten (mit dem Wissen, auch wieder „heraus“treten zu koennen). Der Abschied war letztendlich kurz und schmerzlos, aber Henk kommt bereits im Maerz mit einer groesseren Delegation wieder, also sieht man sich ja bald. Das Wochenende verbrachte ich jetzt sehr ruhig mit Lesen (meine Eltern schickten mir „Krieg und Frieden“, damit werde ich wohl fast bis Mai beschaeftigt sein...), denn diese Woche war doch viel anstrengender als gedacht!
Donnerstag, 24. Januar 2008
Januar 2008
Hiermit beginne ich also nun meine Blogeintraege, auch wenn ich mich ab morgen schon seit 2 Monaten hier in San Carlos, Nicaragua befinde… so vergesse ich aber niemanden in die RUndmails mit einzutragen, da jeder nach eigenem Gusto hier vorbeischauen kann. Die aelteren Eintraege, die ich vorher immer per Email verschickt habe, fuege ich dann spaeter hinzu.
Meine letzte Rundmail endete mit Silvester und mit Beginn des Jahres 2008 moechte ich auch anfangen. Die ersten paar Tage waren relativ ruhig, neben meinem Unterricht begann ich mich mit einem Schueler namens Humberto oefters zu treffen, um, natuerlich auf English, ueber Gott und die Welt zu reden – eine Art Konversationskurs. Aber mit Erfolg, denn sein Englisch wird immer besser (“auf die Schulter klopf”); auch faellt uns das “Gott und die Welt” – Gerede sehr leicht, da wir uns einfach verstehen und inzwischen sogar sowas wie Freunde geworden sind, welches ueber die allgemeine Oberflaechlichkeit vieler zwischenmenschlicher Beziehungen hier durchaus hinausgeht. Aber mehr dazu spaeter, zuerst beginne ich wohl mit dem Silvestertag, bzw der „Tag danach“, den ich fast durchschlief, da ich noch angestrengt von Juigalpa war und ueberhaupt in der Nacht von Silvester logischerweise auch nicht viel Schlaf bekommen habe. Ueberrascht hat mich dann am naechsten Morgen der Anblick eines Huhnes, welches in unserem „Hinterhof“ an einen Pfosten gebunden war (und spaeter in einen Sack gesteckt wurde, da es sich losgemacht hatte), angeblich ein Geschenk eines Freundes an die Familie. Somit hatten wir also ploetzlich neben der Taube (habe ich diese schon erwaehnt... wenn nicht, also eine Taube wurde eines Tages in unserem Hinterhof gefunden mit einem durch Menschenhand (und Schere) halb abgeschnittenen Fluegel. Izamar und Enoq (beide unschuldig) waren verzueckt und nahmen ihn(?) gleich auf. Ich konnte mich nicht so recht mit der Paloma anfreunden, da sie immer vor meine Tuer schiss, grad wo´s am dunkelsten ist und man nichts sieht und ich deshalb allzuoft hineingetreten bin. Aber auf Grund der Tatsache, dass dieses Tier eh an Lebensqualitaet eingeschraenkt war und mit der Zeit ganz den Sinn fuers Leben verlor, plusterte es sich eines Tages sehr auf und starb. Das Huhn hatte im Vergleich einen noch kuerzeren Aufenthalt im Hause Quiroz, da es gleich am naechsten Tag geschlachtet und gekocht wurde (schmeckte vorzueglich...). Ich waere gerne dabei gewesen, aber war wohl doch zu langsam, denn in der Frueh steckte es noch im Sack, beim naechsten Mal, wo ich nach ihr sah, wurde nur noch mit dem Finger auf den Topf gezeigt. Ein leicht komisches Gefuehl, aber die Beziehung hier zwischen Tier und Mensch ist ohnehin schon eine ganze Ausfuehrung wert (die ich hier aber nur anschneiden werde). Die Rolle der Tiere als Nutzwert/Nahrung ist schon von Anfang an klar, trotzdem werden sie teilweise zaertlich herangezogen, angenommen und zuletzt geschlachtet, welches fuer einen Auslaender, der es nicht gewohnt ist, dass was fruehs noch Gackerte, mittags auf dem Teller zu sehen, doch etwas komisch ist. Haustiere (abgesehen von Hunden/Katzen) gibt es also als solches nicht, trotzdem ueberkommt mich bei dem Anblick der (neu angeschafften) Schweine, die unser Nachbar von Zeit zu Zeit in seinen Garten treibt, immer noch ein Gefuehl von „Ach wie suess“ und - gemaess des Sprichworts - „was fuer arme Schweine“... Eine Erfahrung und zuletzt auch Vergegenwaertigung der Tatsache, dass unser Essen (also Fleisch) vor nicht allzu langer Zeit vergnuegt herumlief kann aber sicher nicht schaden. Soviel zu den Tieren.
Ein paar Tage spaeter (im Januar) bekamen Helena und ich Besuch einer anderen Deutschen, die als Freiwillige auf Ometepe arbeitet und auf dem Weg nach Rio San Juan war, eine „am Ende der Welt“ Stadt, die nur per Boot erreichbar ist. Die Tatsache, dass es hier keinen Bankautomaten gibt und sie (Katharina) damit finanziell sehr unterversorgt ist, zeigte mir wieder, dass man sich hier wirklich vorbereiten muss, bevor man reist. Der Leichtsinn zu Glauben, dass es hier alles gibt und alles so funktioniert, wie man es sich vorstellt, es geschrieben steht oder man einmal erfahren hat, kann einen wirklich in eine missliche Lage bringen. Helena und ich leben eben wirklich in einem Gebiet, der sich von dem Rest Nicaraguas unterscheidet, in dem Sinne, dass es fast eine andere Welt ist, abgeschieden und unterentwickelt, in so vielen Aspekten. Interessant wie verschieden das Leben sein kann, innerhalb des gleichen Landes.
Humberto, von dem ich vorhin sprach, bescherte mir in der gleichen Woche noch einen sehr schoenen Tag, da er mich mit Fischen nahm. Aber vielleicht zur Erklaerung, H. Wuchs in einem Bergdorf in der Naehe von Los Chiles auf und ist schon als Kind zum Fischen geschickt worden, da sie zu arm waren, um am Markt etwas zu kaufen. Wir gingen also mittags los, mieteten ein kleines Ruderboot von einer Familie, die in einer auf Stelzen gebauten Holzhuette wohnt, da der Boden nur aus Schlamm besteht und direkt am See liegt. H. Ruderte uns an eine Stelle im Schilf, wo er begann mit einem Messer ein quadratisches Loch in eine alte Fantaflasche zu schneiden, um damit mit Brotstuecken die Sardinen zu fangen, welche sich auch mit Freude darauf stuerzten. Man haelt die Flasche unter Wasser und wartet bis sie sich hineinverirren, um es dann wieder herauszuholen. Waehrenddessen wird die Hand von gefuehlten Hunderten Sardinen mit Brot verwechselt, weshalb ich ein paar Mal fast die Flasche fallen liess (nicht das es weh tut, aber ich musste immer an die Krokodile denken, denen ich ja gleichermassen meine Hand entgegenstreckte). Die gefangenen Sardinen sprangen noch eine Weile zwischen unseren Beinen herum und als wir genuegend hatten, ging es an eine andere Stelle im Schilf, wo das Warten eigentlich erst begann. Mit einfach Fischerruten und Haken spiessten wir die armen Viecher auf und warfen sie ins Wasser. Doch die Fische hatten nicht so recht lust anzubeissen und wenn ja, dann stahlen sie mir einfach (und sehr zum Vergnuegen von Humberto) den Koeder weg, so dass ich erst spaeter meinen ersten Fang melden konnte. Umso stolzer war ich auf meine zwei handgrossen Fische und war froh, dass ich sie am Ende des Tages Humberto schenken konnte, da ich ja nicht ein grosser Fan von Fisch bin. Leider war ich an dem Tag auch etwas angeschlagen, hatte mir (bei 30 grad) einen Schnupfen geholt, der aber mit einem Tee der Apotheke (Medikamentenbombe) zerschlagen wurde. Den Fischtag verbrachte ich aber trotzdem mit rasenden Kopfschmerzen und das alles in der prallen Sonne (Sonnenbrand natuerlich).
Das zweite Ereignis war ein weiteres politisches Treffen zwischen Nicaragua und Costa Rica, welches diesmal in Costa Rica stattfinden sollte. Helena und ich fanden uns also puenktlich fruehs am Kai ein, mussten aber natuerlich etwas warten und wurden auch erst kurz vor dem Einsteigen darauf hingewiesen, dass wir eventuell uebernacht bleiben muessen. War nicht die tollste Nachricht, da wir nur das hatten, was wir am Koerper trugen und die einzige gute Nachricht war, dass Helena noch ein Moskitospray hatte – unsere einzige Hoffnung. Wir fuhren also wieder quer uebern See und bogen dann in den Fluss Papaturro ein, wo wir wie beim letzten Mal, durch den dichten Dschungel fuhren und am Ende an einem Matschstrand hielten und ausstiegen. Auf dem Weg trafen wir Anreisende, die in die falsche Richtung liefen (fehlende Kommunikation) und dann umkehrten. Von unserem Aussteigeort mitten im Nichts begann ein Fussmarsch der circa 20 Minuten dauerte und irgendwann an einer Schuttstrasse endete. Wir hatten also irgendwo die Costaricanische Grenze ueberquert, wie die „Illegalen“, wie Frank meinte und quetschten uns dann in einen Jeep, der uns in die naechstgroessere Stadt Upala bringen sollte. Dort wurde diskutiert, wieder die gleichen Themen (ich frag mich, wann erste Ergebnisse zustande kommen) und danach wurde gegessen. Es war noch nicht allzu spaet, also sollten wir doch noch nach Hause kommen, doch wir schienen trotzdem auf irgendwas zu warten, weshalb sich die Stadtraete erstmal ein Bier vom Supermarkt goennten (und mir eins abgaben). Helena und ich liefen ihnen blindlings hinterher, waren aber wiedermal leicht amuesiert von der ungezwungenen, informalen, ja fast „Wir treffen uns auf ein Bierchen, quatschen ein wenig und haben viel Spass“ – Stimmung. Es war aber auch Mal wieder schoen in der „Zivilisation“ zu leben, richtige Strassen, Supermaerkte, Laeden aller Art, einfach – Zivilisation. Waere vielleicht gar nicht so uebel gewesen dort zu uebernachten... Es ging aber dann doch wieder im Schulbus zu dem Grenzhaus (nebenbei bemerkt wurde auf der Anwesenheitsliste mein Name mit Julia Ochomogo (wie Frank) unterschrieben und Helena wurde eine H. Castillano oder so aehnlich (so heisst ein Ingenieur). Dann begann der Fussmarsch bei untergehender Sonne, durch Bohnenfelder und Ein-Haus Doerfer, ueber Schlammwege und herabgefallene Palmenblaetter (mir war dabei wiedermal bewusst, dass ich ausgerechnet in solchen Situationen Sandalen anhabe und gerade die Schlangen zu dem Zeitpunkt herauskommen). Im Boot hatten wir eine nicht wirklich sanfte Rueckfahrt, unter inzwischen schon schwarzem, aber dafuer Sternenreichen Himmel, mit einem Blutroten Hintergrund, von dem sich die Vulkane tiefdunkel abhebten. Insgesamt (waere es nicht so holprig gewesen) ein wunderschoenes Bild. Und auch ein interessanter Tag.
Seit dem ist nicht so viel passiert, ich werde demnaechst in der Tertulia (einem von Nuernbeg finanzierten Projekt) einen weiteren Englischkurs beginnen und dann auch in den verschieden Schulen. Zuerst aber – wie ich heute erfahren habe – wurde ich gebeten als Uebersetzer eine Gruppe vom Rathaus nach Managua und Leon zu begleiten, da man dort mit einem Vertreter aus Holland ueber die Finanzierung verschiedener Projekte reden wird. Ich sei hier wohl die Einzige, die Englisch spricht (und einigermassen Spanisch) und muesse nun also mit (ist nur eine Woche). Ehrlichgesagt fuehle ich mich nicht sonderlich geehrt, sondern habe verdammt Schiss, da ich mich kaum imstande fuehle eine so wichtige Sache mit verschiedenen Buergermeistern, Stadtraeten und einem ca. 70 jaehrigen Archtitekten aus Holland zu besprechen, da lastet doch viel Verantwortung mit und ich bin jetzt schon ziemlich nervoes. Aber ein gutes hat es schon - ich sehe in verschiedenen Staedten das Ergebnis internationaler Projekte und erlebe hautnah mit wie ein solches auch in San Carlos realisiert werden soll. Spannend.
Meine letzte Rundmail endete mit Silvester und mit Beginn des Jahres 2008 moechte ich auch anfangen. Die ersten paar Tage waren relativ ruhig, neben meinem Unterricht begann ich mich mit einem Schueler namens Humberto oefters zu treffen, um, natuerlich auf English, ueber Gott und die Welt zu reden – eine Art Konversationskurs. Aber mit Erfolg, denn sein Englisch wird immer besser (“auf die Schulter klopf”); auch faellt uns das “Gott und die Welt” – Gerede sehr leicht, da wir uns einfach verstehen und inzwischen sogar sowas wie Freunde geworden sind, welches ueber die allgemeine Oberflaechlichkeit vieler zwischenmenschlicher Beziehungen hier durchaus hinausgeht. Aber mehr dazu spaeter, zuerst beginne ich wohl mit dem Silvestertag, bzw der „Tag danach“, den ich fast durchschlief, da ich noch angestrengt von Juigalpa war und ueberhaupt in der Nacht von Silvester logischerweise auch nicht viel Schlaf bekommen habe. Ueberrascht hat mich dann am naechsten Morgen der Anblick eines Huhnes, welches in unserem „Hinterhof“ an einen Pfosten gebunden war (und spaeter in einen Sack gesteckt wurde, da es sich losgemacht hatte), angeblich ein Geschenk eines Freundes an die Familie. Somit hatten wir also ploetzlich neben der Taube (habe ich diese schon erwaehnt... wenn nicht, also eine Taube wurde eines Tages in unserem Hinterhof gefunden mit einem durch Menschenhand (und Schere) halb abgeschnittenen Fluegel. Izamar und Enoq (beide unschuldig) waren verzueckt und nahmen ihn(?) gleich auf. Ich konnte mich nicht so recht mit der Paloma anfreunden, da sie immer vor meine Tuer schiss, grad wo´s am dunkelsten ist und man nichts sieht und ich deshalb allzuoft hineingetreten bin. Aber auf Grund der Tatsache, dass dieses Tier eh an Lebensqualitaet eingeschraenkt war und mit der Zeit ganz den Sinn fuers Leben verlor, plusterte es sich eines Tages sehr auf und starb. Das Huhn hatte im Vergleich einen noch kuerzeren Aufenthalt im Hause Quiroz, da es gleich am naechsten Tag geschlachtet und gekocht wurde (schmeckte vorzueglich...). Ich waere gerne dabei gewesen, aber war wohl doch zu langsam, denn in der Frueh steckte es noch im Sack, beim naechsten Mal, wo ich nach ihr sah, wurde nur noch mit dem Finger auf den Topf gezeigt. Ein leicht komisches Gefuehl, aber die Beziehung hier zwischen Tier und Mensch ist ohnehin schon eine ganze Ausfuehrung wert (die ich hier aber nur anschneiden werde). Die Rolle der Tiere als Nutzwert/Nahrung ist schon von Anfang an klar, trotzdem werden sie teilweise zaertlich herangezogen, angenommen und zuletzt geschlachtet, welches fuer einen Auslaender, der es nicht gewohnt ist, dass was fruehs noch Gackerte, mittags auf dem Teller zu sehen, doch etwas komisch ist. Haustiere (abgesehen von Hunden/Katzen) gibt es also als solches nicht, trotzdem ueberkommt mich bei dem Anblick der (neu angeschafften) Schweine, die unser Nachbar von Zeit zu Zeit in seinen Garten treibt, immer noch ein Gefuehl von „Ach wie suess“ und - gemaess des Sprichworts - „was fuer arme Schweine“... Eine Erfahrung und zuletzt auch Vergegenwaertigung der Tatsache, dass unser Essen (also Fleisch) vor nicht allzu langer Zeit vergnuegt herumlief kann aber sicher nicht schaden. Soviel zu den Tieren.
Ein paar Tage spaeter (im Januar) bekamen Helena und ich Besuch einer anderen Deutschen, die als Freiwillige auf Ometepe arbeitet und auf dem Weg nach Rio San Juan war, eine „am Ende der Welt“ Stadt, die nur per Boot erreichbar ist. Die Tatsache, dass es hier keinen Bankautomaten gibt und sie (Katharina) damit finanziell sehr unterversorgt ist, zeigte mir wieder, dass man sich hier wirklich vorbereiten muss, bevor man reist. Der Leichtsinn zu Glauben, dass es hier alles gibt und alles so funktioniert, wie man es sich vorstellt, es geschrieben steht oder man einmal erfahren hat, kann einen wirklich in eine missliche Lage bringen. Helena und ich leben eben wirklich in einem Gebiet, der sich von dem Rest Nicaraguas unterscheidet, in dem Sinne, dass es fast eine andere Welt ist, abgeschieden und unterentwickelt, in so vielen Aspekten. Interessant wie verschieden das Leben sein kann, innerhalb des gleichen Landes.
Humberto, von dem ich vorhin sprach, bescherte mir in der gleichen Woche noch einen sehr schoenen Tag, da er mich mit Fischen nahm. Aber vielleicht zur Erklaerung, H. Wuchs in einem Bergdorf in der Naehe von Los Chiles auf und ist schon als Kind zum Fischen geschickt worden, da sie zu arm waren, um am Markt etwas zu kaufen. Wir gingen also mittags los, mieteten ein kleines Ruderboot von einer Familie, die in einer auf Stelzen gebauten Holzhuette wohnt, da der Boden nur aus Schlamm besteht und direkt am See liegt. H. Ruderte uns an eine Stelle im Schilf, wo er begann mit einem Messer ein quadratisches Loch in eine alte Fantaflasche zu schneiden, um damit mit Brotstuecken die Sardinen zu fangen, welche sich auch mit Freude darauf stuerzten. Man haelt die Flasche unter Wasser und wartet bis sie sich hineinverirren, um es dann wieder herauszuholen. Waehrenddessen wird die Hand von gefuehlten Hunderten Sardinen mit Brot verwechselt, weshalb ich ein paar Mal fast die Flasche fallen liess (nicht das es weh tut, aber ich musste immer an die Krokodile denken, denen ich ja gleichermassen meine Hand entgegenstreckte). Die gefangenen Sardinen sprangen noch eine Weile zwischen unseren Beinen herum und als wir genuegend hatten, ging es an eine andere Stelle im Schilf, wo das Warten eigentlich erst begann. Mit einfach Fischerruten und Haken spiessten wir die armen Viecher auf und warfen sie ins Wasser. Doch die Fische hatten nicht so recht lust anzubeissen und wenn ja, dann stahlen sie mir einfach (und sehr zum Vergnuegen von Humberto) den Koeder weg, so dass ich erst spaeter meinen ersten Fang melden konnte. Umso stolzer war ich auf meine zwei handgrossen Fische und war froh, dass ich sie am Ende des Tages Humberto schenken konnte, da ich ja nicht ein grosser Fan von Fisch bin. Leider war ich an dem Tag auch etwas angeschlagen, hatte mir (bei 30 grad) einen Schnupfen geholt, der aber mit einem Tee der Apotheke (Medikamentenbombe) zerschlagen wurde. Den Fischtag verbrachte ich aber trotzdem mit rasenden Kopfschmerzen und das alles in der prallen Sonne (Sonnenbrand natuerlich).
Das zweite Ereignis war ein weiteres politisches Treffen zwischen Nicaragua und Costa Rica, welches diesmal in Costa Rica stattfinden sollte. Helena und ich fanden uns also puenktlich fruehs am Kai ein, mussten aber natuerlich etwas warten und wurden auch erst kurz vor dem Einsteigen darauf hingewiesen, dass wir eventuell uebernacht bleiben muessen. War nicht die tollste Nachricht, da wir nur das hatten, was wir am Koerper trugen und die einzige gute Nachricht war, dass Helena noch ein Moskitospray hatte – unsere einzige Hoffnung. Wir fuhren also wieder quer uebern See und bogen dann in den Fluss Papaturro ein, wo wir wie beim letzten Mal, durch den dichten Dschungel fuhren und am Ende an einem Matschstrand hielten und ausstiegen. Auf dem Weg trafen wir Anreisende, die in die falsche Richtung liefen (fehlende Kommunikation) und dann umkehrten. Von unserem Aussteigeort mitten im Nichts begann ein Fussmarsch der circa 20 Minuten dauerte und irgendwann an einer Schuttstrasse endete. Wir hatten also irgendwo die Costaricanische Grenze ueberquert, wie die „Illegalen“, wie Frank meinte und quetschten uns dann in einen Jeep, der uns in die naechstgroessere Stadt Upala bringen sollte. Dort wurde diskutiert, wieder die gleichen Themen (ich frag mich, wann erste Ergebnisse zustande kommen) und danach wurde gegessen. Es war noch nicht allzu spaet, also sollten wir doch noch nach Hause kommen, doch wir schienen trotzdem auf irgendwas zu warten, weshalb sich die Stadtraete erstmal ein Bier vom Supermarkt goennten (und mir eins abgaben). Helena und ich liefen ihnen blindlings hinterher, waren aber wiedermal leicht amuesiert von der ungezwungenen, informalen, ja fast „Wir treffen uns auf ein Bierchen, quatschen ein wenig und haben viel Spass“ – Stimmung. Es war aber auch Mal wieder schoen in der „Zivilisation“ zu leben, richtige Strassen, Supermaerkte, Laeden aller Art, einfach – Zivilisation. Waere vielleicht gar nicht so uebel gewesen dort zu uebernachten... Es ging aber dann doch wieder im Schulbus zu dem Grenzhaus (nebenbei bemerkt wurde auf der Anwesenheitsliste mein Name mit Julia Ochomogo (wie Frank) unterschrieben und Helena wurde eine H. Castillano oder so aehnlich (so heisst ein Ingenieur). Dann begann der Fussmarsch bei untergehender Sonne, durch Bohnenfelder und Ein-Haus Doerfer, ueber Schlammwege und herabgefallene Palmenblaetter (mir war dabei wiedermal bewusst, dass ich ausgerechnet in solchen Situationen Sandalen anhabe und gerade die Schlangen zu dem Zeitpunkt herauskommen). Im Boot hatten wir eine nicht wirklich sanfte Rueckfahrt, unter inzwischen schon schwarzem, aber dafuer Sternenreichen Himmel, mit einem Blutroten Hintergrund, von dem sich die Vulkane tiefdunkel abhebten. Insgesamt (waere es nicht so holprig gewesen) ein wunderschoenes Bild. Und auch ein interessanter Tag.
Seit dem ist nicht so viel passiert, ich werde demnaechst in der Tertulia (einem von Nuernbeg finanzierten Projekt) einen weiteren Englischkurs beginnen und dann auch in den verschieden Schulen. Zuerst aber – wie ich heute erfahren habe – wurde ich gebeten als Uebersetzer eine Gruppe vom Rathaus nach Managua und Leon zu begleiten, da man dort mit einem Vertreter aus Holland ueber die Finanzierung verschiedener Projekte reden wird. Ich sei hier wohl die Einzige, die Englisch spricht (und einigermassen Spanisch) und muesse nun also mit (ist nur eine Woche). Ehrlichgesagt fuehle ich mich nicht sonderlich geehrt, sondern habe verdammt Schiss, da ich mich kaum imstande fuehle eine so wichtige Sache mit verschiedenen Buergermeistern, Stadtraeten und einem ca. 70 jaehrigen Archtitekten aus Holland zu besprechen, da lastet doch viel Verantwortung mit und ich bin jetzt schon ziemlich nervoes. Aber ein gutes hat es schon - ich sehe in verschiedenen Staedten das Ergebnis internationaler Projekte und erlebe hautnah mit wie ein solches auch in San Carlos realisiert werden soll. Spannend.
Freitag, 4. Januar 2008
Juigalpa und Silvester
Heute werde ich ein wenig von Silvester und ein wenig mehr von meiner kleinen Wochenendreise nach Juigalpa erzaehlen.Silvester war (Helena und ich versuchten uns in den Tagen davor extra vor etwaigen Erwartungen zu loesen)ein Tag, der wie jeder andere kam und ging mit der Ausnahme, dass es ein wenig mehr Krach nachts gab als sonst. Ausserdem war ich bereits sehr sehr muede und hatte Schwierigkeiten bis 12 Uhr wach zu bleiben, bin auch kurz nach 12 ins Bett. Aber eigentlich sollte ich von vorne anfangen. Nachdem Helena aus Panama zurueckkam und ihr Kinderhort noch immer geschlossen war, befiel sie das schreckliche Gefuehl des Eingesperrtseins und so beschlossen wir wegzufahren und nach kurzer Diskussion nach Juigalpa (das erstere stand eh fest, das folgende ergab sich aus Zeitgruenden, wozu ich gleich komme).Das Problem am Reisen (von San Carlos aus) ist folgendes: Es gibt zwei Wege: Per Boot und per Bus. Beide brauchen eine halbe Ewigkeit und entsprechend der Richtung gibt es sogar weniger Moeglichkeiten: Zum Beispiel faehrt Richtung Osten nur noch das Boot entlang dem Rio San Juan, es gibt keine Strassen die durch den Urwald nach zB El Castillo o Sabalos fuehren. Der andere Bootsweg geht ueber den See, nach Managua (11 stunden) o oder kleineren Staedten (fahren aber nur 2 oder 1 mal die Woche). Die Busse fahren viel regelmaessiger (nach Managua (Hauptstadt) sogar fasts stuendlich, braucht aber 14 Stunden). Die erste Stadt die auf dem Weg nach Managua liegt und gleichzeitig als Umsteigepunkt zu all den anderen Reisezielen (zum Beispiel den Norden oder Nordosten, die Karibikkueste) ist. Diese Stadt heisst Juigalpa, liegt bereits in einem anderen Departamentiento (vgl. Bayern-Sachsen) und ist mit dem Bus ca. 7 Stunden entfernt. Ca. 7 stunden ist aber wirklich nur eine ungefaehre angabe, da man nie weiss, ob der bus nicht auf halber Strecke steckenbleibt, der motor den geist aufgibt oder der Busfahrer sich entschliesst solange im letzten Loch zu warten, bis der Bus etwas voller wird. Die Busse selbst sind ausgediente, aus den USA importierte Schulbusse, wie man sie aus den Filmen kennt, gelb mit schwarzen Streifen, engen, ungemuetlichen Sitzen, langgestreckt und Tueren, die der Fahrer mit einem Hebel erst aufdrueckt. Die Reiseziele hat man meist an die Fensterscheibe gemalt oder auch gleich den ganzen Bus in schoenen Farben dekoriert, welche die Reise an sich leider nicht verschoenern. An einem guten Tag - sprich weder zu sonnig (man stribt vor Hitze) noch zu regnerisch (man muss staendig aufs Klo (14 stunden ohne Pause, ausser man ist gewillt sich auf eigene Verantwortung sprichwoertlich "mitten in den Busch" zu setzen...), friert, ist alles feucht etc - also bedeckt ist am besten, braucht man fuer die ersten 71 Kilometer im Schnitt 4 Stunden!!! Der Rest der STrecke geht im Grunde "recht flott", wenn auch nicht weniger holprig bis man schliesslich Juigalpa erreicht, wo die geteerten Strassen anfangen und bis nach Managua reichen. Bis dahin sind es Strassen, die man hoechstens auf dem Papier als solche bezeichnen koennte. Ich wuerde sie Schlammloecher, Matschpfade oder schlichtweg Suzididversuche nennen. Jedes Loch birgt die Gefahr von ungeahnter Tiefe, in der so einige Hunde, PFerde oder auch Autos verschwunden sind. Durch die Hauefigkeit der Busse sind zwar bereits "Pfade" durch den Matsch ge"fahren" aber der Bus an sich stellt sich dadruch oft in eine bedrohliche Schieflage, bei Bruecken wird manchmal gebeten auszusteigen, da bei einem Zusammenbruch es doch irgendwo bloed waere die ganzen Leute im Bus zu haben. Kien Wunder, da die Bruecken grade mal so breit sind wie der Bus selbst und aus Holz, wodurch sich schon einige Bretter geloest haben. Im Endeffekt kann man also sagen, dass man oftmals so langsam mit dem Bus faehrt, dass einem die Pferde im Trot ueberholen. Auch gleicht die Fahrt mehr einer Rollercoasterfahrt, man wird nur so herumgeworfen und drueckt sich so oftmals eher unsanft an sienen Banknachbar. Banknachbarn sind auch so eine Sache. Man hofft auf den durchschnittlichen Nica, der gewaschen,gutriechend, hoeflich und relativ ruhig ist, mit dem eine nette kleine Unterhaltung moeglich aber nicht notwendig ist. Die eher ungemuetlichen Typen sind diejenigen, die eine 7 stuendige Fahrt als die Chance sehen, die Frau fuers leben zu finden und einen demnach durchgehend anquatschen und versuchen zu imponieren. Durch die zwangsweise Naehe im Bus wird man auch an diese gequetscht und kann so den koerperlichen Kontakt kaum entweichen, der aber von ihnen mit einem zufriedenen Grinsen vermerkt wird. Schrecklich. Lustig wenn auch auf die Dauer etwas ungangenehm sind diejenigen, die es schaffen sofort einzuschlafen (eine Kunst) und sich fortan mit konstanz an einen lehnen bis der Kopf eben auf der meiner Schulter landet und erst ein Loch in der Strasse sie wieder zur anderen Seite schaukelt...Aber jetzt bin ich irgendwie vom THema abgekommen! Juigalpa. Nach 7 Stunden also kommen wir an (wir sollten uns nebenbei bemerkt um 6 Uhr frueh m Busbahnhof treffen (ich stand also um 5 Uhr frueh auf), doch Helena und Ruth (eine cousine ihrer Familie, die im Haus kocht, waescht, alles macht, aber erst 17 ist und sehr an Helena haegngt - aehnlich wie meine Jessica) liessen mich eine Stunde lang dort sitzen und so nahmen wir erst den bus um 8 - so dass wir um um 15/16 Uhr an der Autobahn in Juigalpa landeten. Von dort liefen wir erst eine lange Strasse entlang bis es einfach zu lang war und wir ein Taxi riefen. Taxis sind eigentlich sehr billig, haben aber die Angewohnheit erst dann zu einem ZIel zu fahren, wenn es voll ist, man sammelt also auf dem Weg alle moeglichen Leute ein und dann werden erst die tatsaechlichen Ziele abgeklappert. WIr fuhren also wieder in die entgegengesetzte Richtung und kamen irgendwann an unserem Ziel an, dem Parque Zentral. Der Park Juigalpas liegt im Herzen der Stadt umgeben von Geschaeften und angefuehrt von einer grossen Kathedrale (sher modern, aber immerhin eine Kathedrale!). Hinter der Kathedrale lag unsere Hospedaje (die erste die wir anschauten war im Dachgeschoss mit 7 anderen Betten und einem leochrigen Dach und Betten, die man genauso gut mit dem Boden haette austauschen koennen. Naja, die zweite Hospedaje war sehr schoen, sauber, bequem und kostete nur 5 Dollar pro nacht (hier so mittelpreis). Etwas gesaeubert gingen wir spazieren, sassen lange im Park, gingen zu einem anderen Park wo man das ganze Tal ueberblickt (juigalpa liegt auf einer anhoehe) und tranken ein paar glaesser in verschiedenen restaurants/kneipen. Was hier sehr schoen ist, ist die Tatsache dass man an allen Ecken Snacks oder Fruechte kaufen kann und so nie verhungert, so fern man sein Taschenmesser einstecken hat. In der naechsten Frueh kauften Helena und ich dann im SUPERMARKT (ein wunder, hatte schon ganz vergessen was das ist!) essen ein, fruechte verschiedener art und milch. Fruehstueck im Park. Dann kam wieder eine dieser Ueberraschungen, da am Tag zuvor neben Ruth im Bus ein Typ sass, der in Juigalpa wohnt und sogleich ihre Nummer hatte (hier werden sowieso sehr viel schneller nummrn ausgetauscht, ob man sich nun 5minuten kennt oder nicht) und auch am naechsten Tag gleich anrief, was wir machen. Was wir vorhatten (bzw helena und ich, ruth wurde von helena eingeladen, weil h. immer ein schlechtes gewissen hatte zu reisen, waehrend ruth so gelangweilt zu hause sass (und wir wussten ja beide wie schrecklich langeweile ist), waehrend dieses geschenk des einladens mit einer emotionslosigkeit empfangen wurde, welches ihr gewissen fuer zukuenftige fahrten sicherlich erleichtern wird) war zu einer nahegelegenen Schlucht zu fahren um dort zu baden, lesen, fruechte zu essen. Sollte eine Art Wochenendausflugsort fuer viele Nicaraguaner sein und tatsaechlich (der Typ mit seinem Bruder (spaeter kam Noch ein Bruder - ein Trio)fuhren uns mit ihrem Auto hin und fuehrten uns an die Wasserstelle. War ein Fluss der in mehreren Wasserfaellen in eine Minibucht faellt und von dort weiterfliesst, aber diese Minibucht war wirklich sehr schoen und umschlossen und wiedermal waren Helena und ich die einzigen Celas (hellhaeutigen - sprich auslaender). Doch irgendwann gegen mittag sagten sie, dass sie gerne weiterwuerden und uns aber nicht alleine lassen wollten, da es in der naehe jungs gab die offensichtlich einer gang angehoerten und uns vielleicht ausrauben koennten. Die Brueder wollten zu einem Hahnenkampf etwas ausserhalb von Juigalpa und waren ueberrascht als wir begeistert fragten ob wir mitkommen koennten. Also kamen wir mit und erlebten unseren ersten Hahnenkampf. Wirklich etwas ausserhalb von Juigalpa (aussagen wie: ist sehr nah, oder gleich sind wir da sind hier nicht zu trauen...) am Rand der Autobahn gelegen wo im Staub einer Huette eine Runde Flaeche von Brettern umgeben war und dieser Kreis von Staenden aus Holz. Uber uns ein Wellblech und in der mitte des kreises eine Uhr die vom dach hing. Uberall waren Maenner in Cowboystiefeln und Huetten, dreckigen Jeans und Hemden. Manche waren mit dem Bus, andere mit dem Auto und die letzten mit ihrem Pferd gekommen. Die Huette nebenan servierte Bier und hinter den Staenden waren Kaesten mit weissaufgemalten nummern und in diesen kraehten lauter haehne, die man persoehnlich mitbrachte und hineinsteckte. Viele zuechten hier haehne, trainieren sie und warten auf den tag an dem sie diese zum ersten mal vorfuehren koennen. Schliesslich ist damit auch viel geld zu verdienen und gewettet wird sowieso die ganze zeit. Aber erstmal muessen zwei Haehne gefunden werden, die exakt das gleiche wiegen, was schon etwas zeit kostet. Um dieses zu ueberbruecken lief ich durch den Staub und schaute mich um. Am bOden lagen zerbrochene bierflaschen, deckel, papier, essen, abfall. neben der huette liefen ein paar huehner herum und zwischen den Beinen der maenner suchten abgemagerte hunde nach essen. ein kleiner bub mit viel zu grossem cowboyhut rannte zischen allen durch und praesentierte stolz seinen hahn und frauen gab es nur sehr wenige (abgesehen von zwei dicken koechinnen, die im schatten auf die "verlierer" warteten. Als zwei haehne gefunden waren wurden ihnen unter strenger beobachtung ihrer herren eine kleine aber sehr scharfe klinge an eine kralle gebunden, bzw ans bein. diese dient dem zweck, dass auch tatsaechlich blut spritzt bzw die halsschlagader getroffen werden kann, wenn die beiden haehne aufeinander losgehen. Im "Ring" werden die beiden immer zueinander gehalten und gleich wieder getrennt, damit man sie schon ein bisschen anheizt, anstachelt und schliesslich geht es los, beide werden aufeinander losgelassen und die uhr auf 15 minuten gestellt. Am anfang tut sich gar nichts, sie bemerken einander nicht, aber unter dem geschrei der menge und ihrer herren die im ring stehen und sie angestikulieren, sich doch endlich umzubringen gehen sie doch aufeinander los. es wird viel geflattert und die schoenen weissen federn sind schnell von blut durchtraenkt. am meisten erwischt es den hals, aber auch den kopf sodss beide irgendwann so viel bluten dass eine pause einberufen wird und beide herren schnell nach ihren tieren greifen, ihenn das blut aus dem schnabel saugen oder durchspcuken. ihr tier mit einem am ende blutdurchtraenkten handtuch abwischen und es schliessslich wieder gegenueber des kontrahenten aufstellen. ist nach 15 minuten nicht der tod eines der beiden tiere eingetreten gewinnt der, welcher noch steht oder sich mehr ruehrt als der andere. Sofort wird der Ring gestuermt, geld ausgetauscht, der sieger (also der herr) beglueckwuenscht und mehr und mehr bier gekippt. Der verlierer verdrueckt sich und versucht sein tier noch zu retten, wenn nicht, wird ihm die ader durchgeschnitten, so dass es am ende trotzt der 15 ueberlebten minuten, stirbt.Meine emotionen schwankten zwischen mitleid fuer die tiere, begeisterung fuer die begeisterung anderer und dieses events und ekel fuer das viele blut und die art wie di e herren den ganzen kopf in den mund nahmen um dann blutverschmiert alles rauszuspucken. Auch stieg mir langsam das Bier zu kopfe, welches uns der Typ aus dem Bus kontinuierlich ausgab. Ueberhaupt zahlten wir in seiner Anwesenheit fuer rein gar nicht, weder fuer getranken, essen, eintritt, alles wurde selbstverstaendlich von ihm uebernommen, eine einstellung die viele maenner hier teilen (man selbst sagt auch einfach nicht nein dazu). Nach etlichen Haehnen (von denen an dem Tag keiner im Ring selbst starb), die vorher praechtig, danach sehr zerissen aussahen, hatten wir genug gesheen und wir (Helena, Ruht und Ich) gingen zurueck zum Park (einer der brueder, der dritte, fuhr uns). Wir wollten eigentlich den bus um 8 uhr abends zureuck nehmen, aber keiner konnte uns sagen, wann denn nun eigentlich genau ein bus faehrt. der tag vor silvester ist immer heikel, aber auch die aussagen sind nie 100prozentig und so sassen wir um 8 da und warteten vergeblich. Es hies dan um 9 uund um 10 und um 11 kommt einer und um 3 in der frueh (die letzte zeit bekamen wir am meisten zu hoeren). Just in dem Moment fuhren wieder die Jungs vorbei und luden uns zu einem Ausflug in eine Bar ein, die wir (ich war zwar nicht ganz dafuer aber gut) annahmen, in der Meinung einfach den bus um 10 uhr abends nehmen zu koennen (waere besser, da wir dann um 6 in der frueh in san carlos ankommen wuerden und das doch auch besser ist als mitten in der nacht. Um 10 uhr abends, als wir vom restaurant zurueckliefen warten wir vergebens auf einen bus. Acuh um 11 war keiner zu sehen, ueberhaupt war an dieser Autobahn fast niemand mehr, jeder bus der von weitem kam stellte sich als ein bus raus, der nach managua oder rama (anderer kreuzpunkt vieler busse) faehrt und immer mehr leute sagten uns es gaebe bis morgen frueh keinen bus. Um 12 war es zu spaet um in einen hospedaje zu gehen und ausserdem wollte ich ungern jetzt um diese uhrzeit irgendwo hinlaufen, da war es mir lieber an der ueberdachten haltestelle, mit bank gegenueber vom krankenhaus, welches sehr beleuchtet war. Also nahmen wir jeder abwechselnd schichten zum schlafen und ich war von 2 uhr frueh bis 3 uhr frueh wach. Es war ein komisches gefuehl auf einer bank an einer autobahn zu sitzen und neben sich zwei schlafende menschen, gleichsam versuchen wach und wachSAM zu bleiben und doch kaum noch die augen offen halten zu koennen. Die paar wenigen Menschen die an uns vorbeiliefen waren entweder betrunken oder bekifft nahmen von uns aber wenig notiz und der verkauefer von suessigkeiten gegenueber bzw neben dem krankenhaus stellte sich als grotesker transvesit raus, der aus dem dunkel heraus zu dem stand kam und mich derartig erschreckte, dass ich gar nichts mehr kaufte. es war wie im film eine mannfigur, mit lilanen strichen als augenbrauen, einem muttermal auf der oberlippe, dazu ein ansatz eines bartes und eine zigarette im mundwinkel. ein top, welches die brusthaare zeigte und haende die aussahen, als haetten sie schon mehrere menschen "mit blossen haenden" umbringen koennen. naja. ungemuetlich trifft wohl mein gefuehl, sodass ich gleich wieder zu der bushaltestelle lief und dort auf und ab lief (um nicht einzuschlafen). es war auch ein wenig kalt geworden und die abwesenheit des normalen stadtlaerms empfand ich diesmal nicht als beruhigend. Ein einziges Taxi hielt irgendwann vor uns und ein mann stieg aus, bezahlte mit dem rueckn zu uns und in dieser bewegung sah ich dass er in seiner hose am ruecken einen relolver eingestekct hatte. aber er lief gleich weiter auf die andere seite und war im dunkeln verschwunden.Um kurz vor drei uhr kam ploetzlich ein bus angerauscht blieb auf der gegenueberliegenden seite stehen und ein mann kam heraus "san carlos" schreiend und schon laengst wieder einsteigend. Ich ruettelte die anderen beiden wach und wir sprangen auf den schon wieder angefahrenen bus. Einen sitz unter mir schlief ich sofort ein, vergass sogar zu zahlen und liess helena das erledigen, waehrend ich alles um mich vergass. 4 stunden spaeter wachte ich auf, mit einem muskelkater, blauen flecken (oder solche die es werden sollten) und dem gefuehl verschwitzt, verdreckt und uebermuedet zu sein, wie ich es schon lange nicht mehr fuehlte. Ich sah die Sonne aufgehen, waehrend ich mich am vordersitz klammerte und hoffte dass es nicht mehr weit waere. Tatsaechlich waren es noch 3 stunden und diese verstrichen sehr langsam. um 9 uhr frueh kam ich in meinem haus in san carlos an, gruesste und fiel ins bett. so begann mein letzter tag im jahre 2007.Ich schlief den meisten tag und um 9 uhr abends kamen einen ebenso verschlafene helena und ruth vorbei. wir liefen spazieren, assen popcorn, welches an der feria verkauft wurde und warteten auf mitternacht. mitternacht wurde ein mann, bzw eine figur, die wie ein mann aussah aber mit feuerkrachern gefuellt war, angezuendet und verbrannte und krachern bis nur noch ein haeufchen asche uebrig war. So endete mein jahr 2007. Ich wuensche euch das beste fuer 2008 und verabschiede mich nun, da es schon spaet ist und ich noch meinen unterricht fuer morgen vorbereiten muss.
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