Gerade wollte ich schön artig von meiner Woche berichten, als ich feststelllen musste, dass das Internet in unserem Gebiet zur Zeit sehr schlecht bis gar nicht funktioniert, weil in Managua irgendwas kaputt ist. Wie ärgerlich – da funktioniert einmal der Strom und dann kommt kein Internet! Noch dazu komm ich erst jetzt dazu dies hochzuladen, da ich gleich nach meiner Ankunft aus El Crucero weiter nach Los Guatuzos geschickt wurde, aber davon berichte ich ein andern mal...
Letzte Woche also ging es zum Zwischenseminar aller (deutschen) Freiwilligen, welches in einem Kaff (wirklich- weit und breit NICHTS, nicht mal eine Pulperia wo man Alkohol oder Zigaretten haette kaufen koennen!) namens El Crucero stattfand – etwa 1 Stunde von Managua und fast 24 Stunden von San Carlos entfernt. Die Reise sollte am Freitag losgehene, vorher aber war noch ein anderes sehr wichtiges Ereignis hier in San Carlos – Valentinstag bzw „Tag der Freundschaft“! Mein Unterricht in der Tertulia fiel deshalb flach (wird einem aber nie wirklich im vorher gesagt – erfahr ich meistens vor Ort oder ueber Dritte) und stattdessen gab es eine Disko fuer Jugendliche (ohne Alkohol). Naja – laut und am Anfang obligatorische Tanzflaechenleere, da man sich nicht traut. Nach und nach kamen dann doch ein paar und spaeter wurde auch (gottseidank) mal NICHT Reaggeton gespielt, so dass wir drei (Helena, Ruth und Ich) sogar auch tanzten (an maennlichen Voluntaeren fehlte es dabei nicht, die sassen wie Huehner auf der Stange und warteten darauf eine abzukriegen). Nach dieser langen Nacht freute ich mich darauf am naechsten Tag ziemlich viel schlafen zu koennen, was ich auch tat. Bzw erst musste noch Reiseobst und Kekse gekauft werden und die Tickets fuer die Faehre nach Granada und um 13 Uhr trafen Helena und ich uns am Hafen. Wir beeilten uns oben aufs Deck zu kommen, aber ein paar andere (lustigerweise auch Deutsche) kamen uns zuvor und schnappten die besten Haengemattenplaetze weg. Aber ein freundlicher, dicklicher Kerl band unsere dann doch noch ganz passend zusammen (gibt nen Superknoten, der voll leicht zu loesen ist, aber trotz des Gewichtes haelt), so dass wir nebeneinander nach Granada schaukelten. Das Boot fuhr um 14 Uhr mit Halt in San Miguelito, wo von der Stadt aus ein ewig langer Steg in den See fuehrt, von dem aus erstmal ein reger Menschenaustausch und dann Essensangebot stattfindet. Zahlreiche Kinder bestiegen das Boot, bieten Kafee, Tortillas oder Nacatamal an, groessere Frauen kommen mit Kuchenblech an und so wird verkauft und dann wieder abgestiegen. Der naechste Teil faehrt ueber ein anderes Kaff (hab ich verschlafen) nach Ometepe, aber auf dem Weg wird man Zeuge eines wunderschoenen Sonnenuntergangs, der den ganzen Lago und Himmel rot faerbt. Im Dunkeln erreicht man Ometepe (etwa um Mitternacht), wo wir dann 2 Stunden waren, da so ungefaehr die Bananenversorgung fuer ganz Zentralamerika ablaeuft und erstmal an Bord geladen werden muss. In der Haengematte liegend konnte man aber dickeingepackt einigermassen schlafen, nur kalt war es und auch der starke Wind machte es manchmal schwer. Vom starken Gewippe mal abgesehen; als ich einmal aufwachte, wunderte ich mich schon sehr weshalb das Flugzeug am Sternenhimmel so dermassen zickzag fliegt und ueberhaupt alles ausserhalb des Bootes. Brauchte eine Weile bis ich merkte, dass es das Boot ist, welches so stark von Seite zu Seite schwankte – ein Gefuehl, das auch noch an Land anhielt und einem das Gefuehl gab Dauerbetrunken zu sein.
Um 6 Uhr frueh etwa kamen wir in Granada an und liefen ins Stadtzentrum. Der erste Eindruck war schon sehr schoen, im Gegensatz zum schmuddeligen Managua steht da eine beeindruckende Kolonialstadt vor einem, die auch sehr gut erhalten ist und wird. Einen grossen Luxus goennten wir beide uns dann (in Begleitung eines Frankfurters (Reisenden), der sich irgendwie nicht entfernen liess) im Waffle House – Pancakes und richtiger(!), gebruehter Kaffee!!!!! Dort ist mir aber (wiedermal) aufgefallen, dass gewisse Teile Nicaraguas durchaus schon touristisch erschlossen sind, da dieses Waffle House von Amis, Englaedern und anderen Touristen ueberfuellt war – ja, es wurde mehr Englisch als Spanisch gesprochen! Ueberhaupt ist uns aufgefallen, dass Amis hier vielmehr in groesseren Gruppen reisen, waehrend Deutsche zB eher vereinzelt oder in kleinen Gruppen das Land erkunden. Vom Fruehstueck ging es durch einen Markt, der sich um und vorallem in einer alten Kolonialkirche ausgebreitet hat und saemtliche Einbuchtungen oder andere Hohlraueme nutzte um mit Staenden ausgefuellt zu sein. Durch eine Passage konnte man kaum laufen, da es so verhangen und gedraengt war, dazu noch der Gestank des links haengendem Frischfleisch, was auf einem Tisch daneben zerhackt wird. Am Boden ueberall Dreck und kleine Kinder (Schuhputzer), die einem zwischen den Beinen mit ihren Holzschemeln rennen. Von allen Seiten wird geschrien, Verkauefer ziehen an den Aermeln um auf die Ware aufmerksam zu machen, mitten im Gedraenge versucht ein Holzwagen den Weg freizubekommen, Obst und Gemuese verteilt sich bereits am Boden, nur von den Eingaengen stroemt Licht, alles andere ist relativ duester und die Luft schlecht. Draussen geht es gleich weiter, nur mischen sich ins Gedraenge auch noch Fahrradfahrer, Mopeds, Autos und Busse. Nach einer Weile des Herumschauens gingen wir in Richtung Bushaltestelle, einem Sandplatz an dem Busse und Minivans abfuhren. In einem solchen Minivan ging es dan fuer uns beide weiter, wir passten kaum ins Auto mit all dem Gepaeck, so laed man seinen Rucksack mal eben auf den Schoss eines anderen ab, waehrend man sich in das ohnehin ueberfuellte (spaeter jedenfalls) Auto quetscht. Die Strasse von Granada nach Jinotepe war zwar gepflastert, aber mit so vielen Strassenloechern, dass unsere Fahrt in Slalom verlief und waehrend der 30 oder 40 Kilometer konnte ich stolze 33 Kreuze zaehlen, die am Strasssenrand auf Tote hinwies. Wir ueberlebten und kamen in der naechsten staubigen Stadt an, sprangen aber gleich auf einen naechsten Bus, diesmal ein grosser Schulbus, der entlang der Autobahn fuhr, die an dem Tagunsort des Seminars vorbeifuehrt. Beim Kilometerstein 27,5 stiegen wir aus. Links ein Friedhof, dahinter das Haus, sonst – nichts. Die Landschaft ist viel huegeliger, das Meer in der Ferne vage zu erkennen und vorallem ist es total windig (und deshalb kalt) und der Staub wird einem in die Augen getrieben. Angekommen begruessten wir nach und nach mehr Seminarteilnehmer, die meistens in Zweigruppen aus ganz Nicaragua anreiseten. Unsere 16-Stuendige Bootsfahrt und was an Autofahrt noch dazu kam konnte nur durch die Zwei aus Puerto Cabezas geschlagen werden, die zwischen 24 und 48 Stunden brauchen.
Das Seminar war sehr schoen, der Austausch der eigenen Erfahrungen, wie auch das gegenseitige Ausheulen ueber die jeweiligen Probleme und Frustrationen (wovon es viele und oftmals aehnliche gab). Jeder stellte seine Projekte vor und am Montag kamen auch zwei die mit dem Deutschen Entwicklungsdienst zusammenarbeiten bzw eine war eine Praktikantin bei der Deutschen Botschaft. Natuerlich wurde auch viel gefeiert, nur die Beschaffung der Genussmittel (Flor de Caña Rum und Bier und Zigaretten) war durch die Lage etwas schwierig. Abgeschlossen wurde das Ganze in der Deutschten Botschaft Managua, wo uns der „staendige Vertreter“ des Botschafters ueber seine Arbeit und die Aufgabe einer Botschaft generell berichtete – fand ich fast das interessanteste an dem Ganzen. Danach noch ein Bild und schon hatte sich die traute Runde deutschsprechender Genossen aufgeloest. Helena und ich suchten fuer eins ihrer Projekte noch Farbe, was aber nicht zu finden war, gingen dann noch in einem Supermarkt (Riesengross und hatte ALLES!) einkaufen und nahmen dann ein Taxi, welches eine halbe Stunde lang zum Bushbahnhof brauchte (es gibt keinen zentralen Bahnhof, sondern jede ungefaehre „Richtung“ sammelt sich woanders). Der Bus nach San Carlos war schon abgefahren, dafuer wurden wir in einen anderen gelotst, der ohnehin viel bequemer war, mit eigenen Plaetzen (keine Bank), verstellbaren Sitz und ueberhaupt – toll. Leider waren Helena und ich nicht muede genug um die Bequemlichkeit zu nutzen, so waren wir voll und ganz der Tortur des Busses ab Juigalpa ausgesetzt. Im Schulbus ging es dort noch 7 Stunden (fuer etwa 140 Kilometer) ueber die Piste, Helena passte nicht mal in die Sitzbank hinein (sind ja auch fuer kleine Kinder gemacht), meiner hatte ein Loch. Es wurde grad zum Essen angehlaten, so dass es nach Bratfett und Huehnchen roch, dazu kommt der dezente Schweissgeruch des Nachbarn/in und nur gelegentlich ein gutriechendes Aftershave. Meine Sitznachbarin machte sich von vornerein breit, so dass ich am Rand (und halb auf dem Loch) sass und an Schlaf bis 4 Uhr frueh eigentlich nicht zu denken war. Erschoepft fiel ich ins Bett. Aber - das Seminar hat einem doch so eine Art Push gegeben nicht aufzugeben, gemaess der Nicaart „Tranquilo“!
Dienstag, 26. Februar 2008
Donnerstag, 14. Februar 2008
Spontane Einsaetze...
Eigentlich hatte ich vor die Mittagspause im Rathaus zu nutzen, um ein kleines Update zu liefern, aber prompt viel natuerlich der Strom aus und so unterhielt ich mich stattdessen mit der einzigen Person die ebenfalls die Mittagsruhe nutzen wollte, einem Sachstaendigen fuers Schulministerium hier. Nach dem ueblichen „Wie gefaellt dir San Carlos, woher kommst du und was machst du hier“, folgte eine angeregte Unterhaltung (es war eigentlich nur er der redete) ueber die Vorteile einer europaeischen Union und die Versuche der Sandinisten in den 80igern und 90igern ein aehnliches System hier in „Amerika“ aufzubauen. Denn obwohl sich hier saemtliche umliegenden Laender sowohl in der Sprache, als auch in der Kultur und der allgemeinen Struktur aehneln, ist es fuer einen Nicaraguaner sehr schwer einfach nach Costa Rica zu reisen, da diese die Immigrationswelle durch verschaerfte Visaordnungen erschweren. Und so ist es unter all diesen Laendern, die Grenzen sind auf den ersten Blick geschlossen (obwohl natuerlich trotzdem ein konstanter Emigrations und Imigrationsfluss herrscht). Es erscheint einem im Vergleich dann wirklich wie eine Leistung, dass die unterschiedlichsten europaeischen Laender, mit ihren Sprachen, Kulturen und Organisationen sich zu einer Union zusammenfassen liessen. Naja, jedenfalls war er davon ziemlich beeindruckt und von Studium der Psychologie liess er sich dann zu einem anderen Thema verleiten. Er war naemlich der Meinung, dass Nicaragua an einem grossen Mangel an sozialen Berufen leidet bzw die Universitaeten eine Vielzahl von Rechtswissenschaften oder Medizin oder Ingenieurswesen anbietet, aber die sozialwisenschaften dabei voellig vernachlaessigt werden. So hat ein kleines armes Kaff 10 Rechtsanwaelte, aber nur einen Psychologen, der sich um saemtliche Probleme die Alkohol, Gewalt und Armut in einer solchen Gesellschaft mitsichbringen kuemmern muss. Also eine sehr schwierige Position und er hofft, dass sich das bald aendert. Irgendwann landete er dann beim Thema Kapitalismus (mir war der Uebergang unserer Gespraechsthemen nicht immer ganz klar, aber eine Kunst, die man hier lernt, ist die, zu nicken und so zu tun als wuerde man genau wissen wovon das Gegenueber spricht, ohne tatsaechlich den leisesten Schimmer zu haben) und als mitten in seiner Rede das Licht (=Strom) kam, war ich insgeheim sehr erleichtert mich endlich an den PC setzen zu duerfen.
Nun zu dem was ich eigentlich erzaehlen wollte. Wie Frank Helena und mir schon sagte, ist am Montag eine Delegation aus Oesterreich in San Carlos angekommen, die wir zufaellig trafen, als Humberto, Helena und ich ein Bierchen (oder zwei) im Granadino Restaurant tranken und diese Delegation in Begleitung von Frank und Marisol, der Buergermeisterin, an einem anderen Tisch Platz nahmen. Mit Delegation meine ich eigentlich nur die stellvertretende Buergermeisterin aus Linz, der Chef des Partnerstadtsbueros und der Leiter des Vereins Linz-San Carlos (und Direktor des botanischen Gartens in Linz). Als Frank mich sah, bat er mich um den Gefallen den Vertrag der Erneuerung der Partnerschaft (20-jaehriges Jubilaeum war der Anlass) vom Spanischen ins Deutsche zu uebersetzen – bis Morgen Mittag (es war 21 Uhr). So ein Vertrag klingt auch im Deutschen kaum nach Deutsch, aber wie so oft, konnte ich ihm die Bitte nicht abschlagen und setzte mich in der naechsten frueh hin (so ein Gefloskel immer... kaum auszuhalten). Abgesehen davon stellte er uns dann den Dreien vor und es wurden ein paar Worte gewechselt. Beilaeufig erwaehnte Frank dann, dass wir auch am naechsten Tag zur Grundsteinlegung eines von Erlangen gesponserten Hauses im Krankenhaus eingeladen sind und doch kommen sollen! Am naechsten Tag kamen wir also dahin und wurden mit allen durchs Krankenhaus gefuehrt. An dem vorgesehen Bauplatz waren grosse Lautsprecher aufgebaut und saemtliche Aerzte und Krankenschwester anwesend, als Marisol, der Direktor des Krankenhauses und andere „ein paar“ Worte sprachen. Die Delegation aus Linz konnte kein Spanisch und ein englischer mitgebrachter Uebersetzer half ihnen. Eigentlich war das Ganze recht ueberfluessig, denn Linz hatte mit diesem Projekt rein gar nichts zu tun, da Erlangen ja alles finanziert hatte, aber man nutzte die „offizielle Runde“ als Einweihungskommitee und nur als Helena ploetzlich gebeten wurde (als einzige Anwesende aus Erlangen), zusammen mit der stellvertretenden Buergermeisterin aus Linz und mit Marisol den Grundstein zu legen, war sie ziemlich ueberrschaft. Auch wurden wir beide offiziell persoehnlich und unsere Taetigkeit (Frank fluesterte hinter Marisol was wir hier eigentlich tun) vorgestellt. Danach unterhielten wir uns noch ein wenig und sie schenkten uns (also die Oesterreicher) ein T-Shirt des Linzer Marathons 1998 (wo haetten sie das sonst loswerden koennen...) und spaeter auch noch ein Buch ueber Linz. Nach dieser ersten netten Unterhaltung (wobei uns erstmal auffiel, dass wir nun zu Kommentaren, die nicht fuer alle Ohren bestimmt sind, nicht so ohne weiteres aufs Deutsche verfallen koennen) folgte die Bitte, die Rede der Vize Buergerm. Am Abend beim offiziellen Festakt zu uebersetzen, da es ihr ja doch einfacher fiele Deutsch als Englisch zu reden. Ueberredet gingen wir beide dann noch etwas trinken (wieder unglaublich heiss dann), bloss um von einem aufgeregten Frank ins Rathaus gerufen zu werden, von dort zum Restaurant, wo sich die drei Oesterreicher mit Marisol befanden und dort ein paar Punkte des Vertrags zu besprechen. Ich hatte – zu meiner Ehre – alles so uebersetzt wie vorgefunden, auch wenn ich mich wunderte, dass es klang als haette man den urspruenglichen Vertrag von vor 20 Jahren einfach abgeschrieben und so ein paar Dinge, wie zB „wir werden also nun mit dieser Partnerschaft beginnen“... nicht veraendert. Das war dann auch ein solcher Punkt, da es natuerlich fortsetzen heissen muss und ich war doch ein bisschen peinlich beruehrt, als die Buergermeisterin vor Marisol, Frank und den anderen einfach sagte „Na, die haben sich halt einfach den alten Vertrag genommen und abgeschrieben, ist ja im Grunde wurscht was da drin steht!“. Man fuhr uns zurueck zum Rathaus und Frank war total im Stress eine halbe Stunde vor Beginn des Feier den Vertrag sowohl im Spanischen wie auch Deutschen zu veraendern und noch eine Praesentation fertig zu stellen. Auf dem Weg dahin fragte ich beilaeufig wie wieviele kommen und wurde, da die Antwort „naja, so mehr oder weniger 80“, ploetzlich ueber meine bevorstehende Uebersetzung nervoes, da Helena und ich ausgemacht hatten, das ich´s uebernehme. Letztendlich uebersetzten wir zu zweit, da die Buergermeisterin die Idee drei starker Frauen gefiel (sie dieses sogar in der Rede erwaehnte). Wir sasen also in der ersten Reihe mit der Buergermeisterin Marisol, dem Zustaendigen fuer das Buero zwischen Nicaragua und Oesterreich, Stellvertretende Buergermeisterin Dr. Cristiana Dolezal und „ihre zwei Bodyguards“, gegenueber saemtlichen Stadtraeten, Mitarbeitern des Rathauses, Ex-Buergermeister von San Carlos und anderen. Im Fest wurde gesungen (ein hervorragender Saenger hier aus der Gegend, der mit Gitarre und Stimme einem fast zu Traenen ruehrt), getanzt (Kinder tanzten Folklore und fuehrten ein Theaterstueck auf, welches sich „Der Alte und die Alte“ nennt) und viel, ja zu viel geredet. Die Rede von Marisol dauerte ueber eine Stunde, die Powerpoint praesentation von Frank zeigte saemtliche Projekte der Stadt (mit saemtlichen Partnerstaedten) und war leider viel zu detailliert, so waren die Oesterreicher nicht im geringsten daran interessiert, wieviel eine Abwasserleitung gekostet hat, etc. Als wir dann endlich dran waren, war ich schon nicht mehr ganz so nervoes, aber ich glaube Helena war umso nervoeser, da sie soetwas noch nie gemacht hatte. Wir wechselten uns jede Passage ab und hatten beide unsere Momente, wo wir uns am liebsten an den Kopf geklatscht haetten, welche aber auch beide mit Wohlwollen und Lachen aller Anwesenden angenommen wurden. Mein „Moment“ war, als ich die von Dolezal genannten Vorzuege San Carlos aufzaehlte, wozu die inzwischen grosse Anzahl an Muelleimern gehoert. Aber statt Muelleimern (Basurero) sagte ich „Und – San Carlos hat auch schon sehr viel Muell (Basura)!“ Und obwohl Helena hinter mir die Korrekutr einfluesterte, war ich unfaehig dieses aufzunehmen und wunderte mich nur, dass alles so amuesiert waren...
Die Feier war aber alles in allem doch sehr schoen, viel Musik, Essen und Wein =) und danach wurden wir noch ins Granadino eingeladen, wo wir uns sehr gut mit den Oesterreicher verstanden und auch mit allen anderen und der Abend endete um fast Mitternacht mit den Klaengen des Saengers, der zusammen mit seinem Bruder (Gabriel, an dessem Computer ich hier immer arbeite) Volkslieder sang, wozu auch alle anderen einstimmten. Die beiden gehoeren zu einem Trio, die auch in Deutschland waren und als der Gitarrist ein deutsches Lied ueber die Freiheit der Frau sang, sang auch die Buergermeisterin aus Linz lauthals mit. Das letzte Lied war „Imagine“ von Lennon, gespielt von Gabriel und endete den Abend mit einem melancholischen Gefuehl der Bruderschaft unter allen Menschen (Bier und Flor de Caña (RUM) steuerte zu diesem Gefuehl durchaus bei...).
Nun zu dem was ich eigentlich erzaehlen wollte. Wie Frank Helena und mir schon sagte, ist am Montag eine Delegation aus Oesterreich in San Carlos angekommen, die wir zufaellig trafen, als Humberto, Helena und ich ein Bierchen (oder zwei) im Granadino Restaurant tranken und diese Delegation in Begleitung von Frank und Marisol, der Buergermeisterin, an einem anderen Tisch Platz nahmen. Mit Delegation meine ich eigentlich nur die stellvertretende Buergermeisterin aus Linz, der Chef des Partnerstadtsbueros und der Leiter des Vereins Linz-San Carlos (und Direktor des botanischen Gartens in Linz). Als Frank mich sah, bat er mich um den Gefallen den Vertrag der Erneuerung der Partnerschaft (20-jaehriges Jubilaeum war der Anlass) vom Spanischen ins Deutsche zu uebersetzen – bis Morgen Mittag (es war 21 Uhr). So ein Vertrag klingt auch im Deutschen kaum nach Deutsch, aber wie so oft, konnte ich ihm die Bitte nicht abschlagen und setzte mich in der naechsten frueh hin (so ein Gefloskel immer... kaum auszuhalten). Abgesehen davon stellte er uns dann den Dreien vor und es wurden ein paar Worte gewechselt. Beilaeufig erwaehnte Frank dann, dass wir auch am naechsten Tag zur Grundsteinlegung eines von Erlangen gesponserten Hauses im Krankenhaus eingeladen sind und doch kommen sollen! Am naechsten Tag kamen wir also dahin und wurden mit allen durchs Krankenhaus gefuehrt. An dem vorgesehen Bauplatz waren grosse Lautsprecher aufgebaut und saemtliche Aerzte und Krankenschwester anwesend, als Marisol, der Direktor des Krankenhauses und andere „ein paar“ Worte sprachen. Die Delegation aus Linz konnte kein Spanisch und ein englischer mitgebrachter Uebersetzer half ihnen. Eigentlich war das Ganze recht ueberfluessig, denn Linz hatte mit diesem Projekt rein gar nichts zu tun, da Erlangen ja alles finanziert hatte, aber man nutzte die „offizielle Runde“ als Einweihungskommitee und nur als Helena ploetzlich gebeten wurde (als einzige Anwesende aus Erlangen), zusammen mit der stellvertretenden Buergermeisterin aus Linz und mit Marisol den Grundstein zu legen, war sie ziemlich ueberrschaft. Auch wurden wir beide offiziell persoehnlich und unsere Taetigkeit (Frank fluesterte hinter Marisol was wir hier eigentlich tun) vorgestellt. Danach unterhielten wir uns noch ein wenig und sie schenkten uns (also die Oesterreicher) ein T-Shirt des Linzer Marathons 1998 (wo haetten sie das sonst loswerden koennen...) und spaeter auch noch ein Buch ueber Linz. Nach dieser ersten netten Unterhaltung (wobei uns erstmal auffiel, dass wir nun zu Kommentaren, die nicht fuer alle Ohren bestimmt sind, nicht so ohne weiteres aufs Deutsche verfallen koennen) folgte die Bitte, die Rede der Vize Buergerm. Am Abend beim offiziellen Festakt zu uebersetzen, da es ihr ja doch einfacher fiele Deutsch als Englisch zu reden. Ueberredet gingen wir beide dann noch etwas trinken (wieder unglaublich heiss dann), bloss um von einem aufgeregten Frank ins Rathaus gerufen zu werden, von dort zum Restaurant, wo sich die drei Oesterreicher mit Marisol befanden und dort ein paar Punkte des Vertrags zu besprechen. Ich hatte – zu meiner Ehre – alles so uebersetzt wie vorgefunden, auch wenn ich mich wunderte, dass es klang als haette man den urspruenglichen Vertrag von vor 20 Jahren einfach abgeschrieben und so ein paar Dinge, wie zB „wir werden also nun mit dieser Partnerschaft beginnen“... nicht veraendert. Das war dann auch ein solcher Punkt, da es natuerlich fortsetzen heissen muss und ich war doch ein bisschen peinlich beruehrt, als die Buergermeisterin vor Marisol, Frank und den anderen einfach sagte „Na, die haben sich halt einfach den alten Vertrag genommen und abgeschrieben, ist ja im Grunde wurscht was da drin steht!“. Man fuhr uns zurueck zum Rathaus und Frank war total im Stress eine halbe Stunde vor Beginn des Feier den Vertrag sowohl im Spanischen wie auch Deutschen zu veraendern und noch eine Praesentation fertig zu stellen. Auf dem Weg dahin fragte ich beilaeufig wie wieviele kommen und wurde, da die Antwort „naja, so mehr oder weniger 80“, ploetzlich ueber meine bevorstehende Uebersetzung nervoes, da Helena und ich ausgemacht hatten, das ich´s uebernehme. Letztendlich uebersetzten wir zu zweit, da die Buergermeisterin die Idee drei starker Frauen gefiel (sie dieses sogar in der Rede erwaehnte). Wir sasen also in der ersten Reihe mit der Buergermeisterin Marisol, dem Zustaendigen fuer das Buero zwischen Nicaragua und Oesterreich, Stellvertretende Buergermeisterin Dr. Cristiana Dolezal und „ihre zwei Bodyguards“, gegenueber saemtlichen Stadtraeten, Mitarbeitern des Rathauses, Ex-Buergermeister von San Carlos und anderen. Im Fest wurde gesungen (ein hervorragender Saenger hier aus der Gegend, der mit Gitarre und Stimme einem fast zu Traenen ruehrt), getanzt (Kinder tanzten Folklore und fuehrten ein Theaterstueck auf, welches sich „Der Alte und die Alte“ nennt) und viel, ja zu viel geredet. Die Rede von Marisol dauerte ueber eine Stunde, die Powerpoint praesentation von Frank zeigte saemtliche Projekte der Stadt (mit saemtlichen Partnerstaedten) und war leider viel zu detailliert, so waren die Oesterreicher nicht im geringsten daran interessiert, wieviel eine Abwasserleitung gekostet hat, etc. Als wir dann endlich dran waren, war ich schon nicht mehr ganz so nervoes, aber ich glaube Helena war umso nervoeser, da sie soetwas noch nie gemacht hatte. Wir wechselten uns jede Passage ab und hatten beide unsere Momente, wo wir uns am liebsten an den Kopf geklatscht haetten, welche aber auch beide mit Wohlwollen und Lachen aller Anwesenden angenommen wurden. Mein „Moment“ war, als ich die von Dolezal genannten Vorzuege San Carlos aufzaehlte, wozu die inzwischen grosse Anzahl an Muelleimern gehoert. Aber statt Muelleimern (Basurero) sagte ich „Und – San Carlos hat auch schon sehr viel Muell (Basura)!“ Und obwohl Helena hinter mir die Korrekutr einfluesterte, war ich unfaehig dieses aufzunehmen und wunderte mich nur, dass alles so amuesiert waren...
Die Feier war aber alles in allem doch sehr schoen, viel Musik, Essen und Wein =) und danach wurden wir noch ins Granadino eingeladen, wo wir uns sehr gut mit den Oesterreicher verstanden und auch mit allen anderen und der Abend endete um fast Mitternacht mit den Klaengen des Saengers, der zusammen mit seinem Bruder (Gabriel, an dessem Computer ich hier immer arbeite) Volkslieder sang, wozu auch alle anderen einstimmten. Die beiden gehoeren zu einem Trio, die auch in Deutschland waren und als der Gitarrist ein deutsches Lied ueber die Freiheit der Frau sang, sang auch die Buergermeisterin aus Linz lauthals mit. Das letzte Lied war „Imagine“ von Lennon, gespielt von Gabriel und endete den Abend mit einem melancholischen Gefuehl der Bruderschaft unter allen Menschen (Bier und Flor de Caña (RUM) steuerte zu diesem Gefuehl durchaus bei...).
Mittwoch, 6. Februar 2008
Tod und Sterben
Am letzten Sonntag wurde ein 8-jaehriger Junge tot aus dem See geborgen, der am Vortag beim "Schwimmen" ertrunken ist. Der Grund war schlichtweg die Tatsache, dass dieser Junge nicht schwimmen konnte und warum keiner dabei war, um ihm zu helfen oder wo die anderen Jungs abblieben, die angeblich bei ihm waren ist noch ungeklaert. Es gab anscheinend zwei Polizisten, die aber angaben beide nicht schwimmen zu koennen und somit war dieser Junge seinem Schicksal ausgeliefert. Schockierend ist, dass hier die Mehrheit der Menschen nicht Schwimmen kann, obwohl die Stadt von zwei Seiten von Wasser umgeben ist, links der Rio San Juan, rechts der See.
Am Montag nach meinem Unterricht kam Humberto auf mich zu und erzaehlte mir das, da der Junge ein Schueler von ihm war und sogar einer seiner Lieblingsschueler. Er kam auch aus einer sehr armen Familie, war aber immer froehlich, aufgeweckt und sein ploetzlicher Tod erschuetterte Humberto sehr. Als ich nach unserem Gespraech nach Hause kam wusste dort auch schon jeder Bescheid und Izamar zeigte mir im Fernsehen die Aufnahmen des Lokalsenders, welche die Leiche des Jungens zeigten, die neben dem Hafen auf einer Bahre lag und von einem Arzt untersucht wurde. Die Tatsache, dass das Fernsehen so ohne weiteres auf die Leiche dieses Kindes hinzoomt und auch im nationalen Fernsehen saemtliche Verkehrs- oder Mordopfer ohne Bedenken dargestellt werden, finde ich schlichtweg nicht in Ordnung. Als Angehoeriger im Fernsehen den eigenen Sohn sehen zu muessen, wie er vor allen aufgebahrt liegt, von Polizisten fotografiert und vom Arzt dokumentiert wird, muss kaum auzuhalten sein. Ich finde damit wird die letzte Wuerde des jeweiligen toten Menschen derartig verletzt, das ich gar nicht lange hinschauen kann oder moechte. Der Arzt machte sogar den Weg fuer die Kamera frei um auf die nicht mehr vorhandenen Ohren hinzuzoomen, die von Fischen im Laufe der 24 Stunden abgeknabbert wurden.
Die Beerdigung war gestern und Humberto erzaehlte mir, dass man in der Umgebung fuer die Familie Geld gesamelt hat, um fuer die Kosten aufzukommen. Eine Tradition bei einem Todesfall ist es hier am ersten und insgesamt 9 Tage lang "Totenwache" zu halten. Nachts versammelt sich um das Haus des Verstorbenes also eine Gruppe von Menschen die in relativer Stille oder auch im Gegenteil, in Feierstimmung, die Nacht zusammen verbringt. Es wird gegessen, getrunken und im Haus wird eine Art Altar aufgebaut, ein Mann liest aus einer Bibel - es entsteht eine angenehme, bedaechtige Atmosphaere des Beisammenseins. Auch im Park hab ich eine solche Feier beobachten koennen, wobei dort der Sarg des alten Mannes in seinem Haus aufgebahrt war.
Als ich gestern zu meinem ersten Unterricht in der Tertulia (im Proyectostadtviertel) lief, kam ich an einem solchen Haus vorbei, wobei ich nicht weiss, ob es das Haus des Jungen war. Gestern abend war ohnehin eine merkwuerdige Stimmung. Da es die letzten Tage so heiss war, wirbelte jedes Auto viel Staub auf, welcher im schwachen, gelblichen Schein der Strassenlampen nur langsam zu Boden viel. Es war ungewoehnlich still, es gab nicht viele Leute auf den Strassen und der Rauch und Geruch von gebratenem Fleisch offener Feuerstellen einzelner Haeuser stieg mir in die Nase. Es hatte etwas sehr ruhiges aber auch unheimliche an sich und ich bemerkte erst kaum, wieviel schneller ich lief um zu Helenas Haus und danach zur Tertulia zu kommen.
Beim Unterricht selbst kamen statt der angemeldeten 40 (in glaubte eh nicht an diese Zahl, welcher mir der Leiter des Hauses versicherte) nur 16, aber es ist auch besser so. Ich war unkonzentriert und trotz der Tatsache, dass ich diesen Anfangsstoff bereits einmal unterrichtet und somit intus hatte, gab es ein paar Momente wo ich in die Gesichter dieser Menschen blickte und nicht wusste was ich eigentlich hier mache. Auch ist mein Spanisch gerade in solchen Augenblicken am schlechtesten und ich geraet immer wieder ins Stocken. Es ist aber auch sehr spaet gewesen, dieser Kurs ist von 19:30 bis 21:00, der Weg zu meinem Haus ist zu Fuss fast 20 Minuten. Danach unterhielt ich mich lang mit Helena, die wieder aus Managua da ist und fiel erst viel spaeter muede ins Bett.
Am Montag nach meinem Unterricht kam Humberto auf mich zu und erzaehlte mir das, da der Junge ein Schueler von ihm war und sogar einer seiner Lieblingsschueler. Er kam auch aus einer sehr armen Familie, war aber immer froehlich, aufgeweckt und sein ploetzlicher Tod erschuetterte Humberto sehr. Als ich nach unserem Gespraech nach Hause kam wusste dort auch schon jeder Bescheid und Izamar zeigte mir im Fernsehen die Aufnahmen des Lokalsenders, welche die Leiche des Jungens zeigten, die neben dem Hafen auf einer Bahre lag und von einem Arzt untersucht wurde. Die Tatsache, dass das Fernsehen so ohne weiteres auf die Leiche dieses Kindes hinzoomt und auch im nationalen Fernsehen saemtliche Verkehrs- oder Mordopfer ohne Bedenken dargestellt werden, finde ich schlichtweg nicht in Ordnung. Als Angehoeriger im Fernsehen den eigenen Sohn sehen zu muessen, wie er vor allen aufgebahrt liegt, von Polizisten fotografiert und vom Arzt dokumentiert wird, muss kaum auzuhalten sein. Ich finde damit wird die letzte Wuerde des jeweiligen toten Menschen derartig verletzt, das ich gar nicht lange hinschauen kann oder moechte. Der Arzt machte sogar den Weg fuer die Kamera frei um auf die nicht mehr vorhandenen Ohren hinzuzoomen, die von Fischen im Laufe der 24 Stunden abgeknabbert wurden.
Die Beerdigung war gestern und Humberto erzaehlte mir, dass man in der Umgebung fuer die Familie Geld gesamelt hat, um fuer die Kosten aufzukommen. Eine Tradition bei einem Todesfall ist es hier am ersten und insgesamt 9 Tage lang "Totenwache" zu halten. Nachts versammelt sich um das Haus des Verstorbenes also eine Gruppe von Menschen die in relativer Stille oder auch im Gegenteil, in Feierstimmung, die Nacht zusammen verbringt. Es wird gegessen, getrunken und im Haus wird eine Art Altar aufgebaut, ein Mann liest aus einer Bibel - es entsteht eine angenehme, bedaechtige Atmosphaere des Beisammenseins. Auch im Park hab ich eine solche Feier beobachten koennen, wobei dort der Sarg des alten Mannes in seinem Haus aufgebahrt war.
Als ich gestern zu meinem ersten Unterricht in der Tertulia (im Proyectostadtviertel) lief, kam ich an einem solchen Haus vorbei, wobei ich nicht weiss, ob es das Haus des Jungen war. Gestern abend war ohnehin eine merkwuerdige Stimmung. Da es die letzten Tage so heiss war, wirbelte jedes Auto viel Staub auf, welcher im schwachen, gelblichen Schein der Strassenlampen nur langsam zu Boden viel. Es war ungewoehnlich still, es gab nicht viele Leute auf den Strassen und der Rauch und Geruch von gebratenem Fleisch offener Feuerstellen einzelner Haeuser stieg mir in die Nase. Es hatte etwas sehr ruhiges aber auch unheimliche an sich und ich bemerkte erst kaum, wieviel schneller ich lief um zu Helenas Haus und danach zur Tertulia zu kommen.
Beim Unterricht selbst kamen statt der angemeldeten 40 (in glaubte eh nicht an diese Zahl, welcher mir der Leiter des Hauses versicherte) nur 16, aber es ist auch besser so. Ich war unkonzentriert und trotz der Tatsache, dass ich diesen Anfangsstoff bereits einmal unterrichtet und somit intus hatte, gab es ein paar Momente wo ich in die Gesichter dieser Menschen blickte und nicht wusste was ich eigentlich hier mache. Auch ist mein Spanisch gerade in solchen Augenblicken am schlechtesten und ich geraet immer wieder ins Stocken. Es ist aber auch sehr spaet gewesen, dieser Kurs ist von 19:30 bis 21:00, der Weg zu meinem Haus ist zu Fuss fast 20 Minuten. Danach unterhielt ich mich lang mit Helena, die wieder aus Managua da ist und fiel erst viel spaeter muede ins Bett.
Montag, 4. Februar 2008
Dolmetschertaetigkeit
Ich komme soeben vom “Flughafen” bzw Haus (=Terminal) an einem Feld (=Landebahn) zurueck, an dem wir den niederlaendischen Architekten Henk B. und eine Mitarbeiterin des Consejo Holanda-Nicaragua (Staedtepartnerschaftsrat aller Staedtepartnerschaften zwischen der Niederlande und Nicaragua) aus Managua. Die letzte Woche verbrachte ich naemlich damit, fuer diesen Herrn sowohl in Managua als auch bei den Sitzungen hier in San Carlos zu dolmetschen. Zu Beginn war ich ziemlich skeptisch ob mein Spanisch ausreichen wuerde, um tatsaechlich von Nutzen zu sein (oder ob ich mich total blamieren wuerde...). Auch hatte ich bis zuletzt fast keinerlei Informationen, wusste nicht mal genau worum es geht. Frank sagte mir nur, dass sie einen Ubersetzer suchen und es ausser mir in dieser Stadt keinen gibt, der (gut genug...) Englisch bzw Spanisch spricht. Ich ging also erstmal davon aus, dass ich mit Frank nach Managua fahren wuerde, aber am Samstag hiess es ploetzlich, dass ich alleine im Flugzeug fliege und dass man mir Geld gibt, um fuer alle Kosten aufzukommen. Das Problem war nur, dass der Vice-Buergermeister der einzige war, der die Geldschecks genehmigen konnte, dieser war aber nicht aufzutreiben... die Bank machte um 12 Uhr zu und ich hatte kein Geld (nur ein Stueck Papier, welches ich in Managua umtauschen musste). Frank – zum ersten Mal sehr besorgt – war sich nicht mal sicher, ob ich dann ueberhaupt ein Flugticket kaufen kann.
Irgendwie hatte ich ein „Vorkatastrophengefuehl“ bei dem Ganzen, welches am Sonntag durch die Tatsache, dass Frank mir mein Flugticket grade mal eine Stunde vor Abflug vorbeibrachte nicht gelindert wurde. Der Flug aber war den ganzen anfaenglichen Stress wert, der im Vergleich zu 12 Stunden Busfahrt nur 50 Minuten nach Managua braucht. Der Abflug ueber die Feldpiste war ziemlich wackelig und da man nur zu Zehnt in diesem Miniflugzeug sitzt (ich sass direkt hinter den Piloten), bekommt man alle Erschuetterungen doppelt so stark zu spueren. Auf Grund des Regens (vom Vortag) war es auch ziemlich nass und die vielen Schlagloecher im Boden sahen vom Fenster nicht so vielversprechend aus, aber wir ueberlebten und der Blick ueber San Carlos, den See, die Vulkane von Ometepe und schliesslich Managua war einfach wunderschoen (gut war auch, dass das Flugzeug tiefer fliegt, als groessere Maschinen – bessere Aussicht). Die Piloten unterhielten sich den ganzen Flug ueber ihren Urlaub und lasen in der Zeitung, das Flugzeug war also anscheinend auf Autopilot geschaltet und kam man dann doch ins Schwanken (was die Piloten keineswegs beunruhigte), so „korrigierte“ dieser Autopilot alles selbst, was ich schon sehr interessant fand. In Managua gelandet (2 Sekunden vor Landung befanden wir uns noch in einer Vertikallage, so dass ich doch noch mal ziemlich ins Schwitzen kam!), teilte ich mir mit einem niederlaendischen Paar das Taxi ins „Ho(s)telviertel“ Barrio Martha Quezada, wo wir zwar in unterschiedlichen Hospedajen unterkamen, uns aber fuer den Abend verabredeten (wir gingen Spaghettiessen – koestlich!). Sie reisen schon seit Novemeber in ganz Zentralamerika herum und wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut, obwohl wir uns grad mal 20 Minuten kannten. Das ist aber eine der Besonderheiten am Reisen, vor allem in solchen Laendern, man trifft an allen Ecken neue, offene Leute, die sich mit einer Ungezwungenheit auf einander einlassen. So erfaehrt man in kurzer Zeit alles moegliche ueber andere Kulturen, so dass ich in der Nacht total erschoepft vom Reden ins Bett fiel. Eigentlich wollte ich frueh schlafen gehen, aber als ich endlich im Bett lag war es so laut auf den Strassen und ausserdem war ich total nervoes, so dass ich ziemlich unausgeschlafen (und noch nervoeser) am naechsten Morgen in aller Fruehe das Taxi zum „Edificio El Carmen“ nahm.
Das Gebaeude liegt direkt am „Nacionalpalast“, in dem sich die Bueros der Sandinistenpartei befinden. Die umgebende Mauer ist total bunt angemalt, waehrend dazwischen lauter Wachtuerme mit Soldaten stehen, so dass ein anderer Freiwilliger ganz treffend den Palast, sowie das Haus von Ortega als „Mischung aus Kindergarten und Gefaengnis“ beschrieb. Natuerlich war ich frueher als alle anderen im Buero, so dass Warten angesagt war, aber nach und nach kamen die Mitarbeiter des Bueros und fingen pfeifend, singend oder Witzereissend zu arbeiten an. Der Direktor José Castillo sagte mir dann, dass es ein Missverstaendnis gegeben hatte und ich eigentlich erst in San Carlos notwendig gewesen waere, da er Englisch spricht. Kurz darauf kamen Marisol (die Buergermeisterin von San Carlos) und der Ingenieur, viel spaeter auch Henk, der niederlaendische Architekt. Ein grosser, hellhaeutiger (auch ganz weisse Haare), 58-jaehriger Mann, der ein wenig lieb-tollpatschig durch seine Brille blickt. Sein Englisch ist natuerlich sehr gut, wenn er auch in manchen Momenten anfing mit mir niederlaendisch zu reden oder wir auch manchmal auf Deutsche auswichen (er arbeitete lange in Berlin), wenn er das Englische Wort nicht wusste. Komplett fuhren wir dann erstmal 1 Stunde auf der Autobahn (ja- eine richtige, geteerte Autobahn, ich war ganz hin und weg) nach León, einer schoenen historischen Stadt am Pazifik, durchweg kolonial gebaut und ein Vorreiter in der Urbanizierung (vor allem in (finanziellen) Zusammenarbeit mit Holland). Leider bekam ich von der Stadt selbst wenig zu sehen, wir waren ohnehin spaet dran und rasten also (ja, auch Nicaraguaner koennen sich mal beeilen) ins Rathaus, wo der Direktor des „Staedteplanungsamtes“ (oder so) uns die vergangenen 20 Jahre erklaerte und die Erfahrung die sie aus den jeweiligen Projekten gesammelt hatten. Dieser Mann, der mit einer Powerpoint Praesentation die Information darstellen wollte, sprach mit einer derartigen Geschwindigkeit und sprang thematisch auch oft hin und her (mit vielen Anekdoten und sonstigen Anmerkungen), so dass ich irgendwann einfach nicht mehr hinterherkam. Auch wurde kreuz und quer gefragt, jeder sprach gleichzeitig, gleich laut und gleich unverstaendlich und Henk und ich waren irgendwann so frustriert und schlichtweg am verzweifeln, dass wir unisono „STOP“ schrien und dabei auch die Haende hochhielten (wie als wuerde man einen heranrasenden Zug mit Handzeichen zum Anhalten zwingen wollen). Es herrschte dann aber tatsaechlich ein oder zwei Minuten Stille, da sie ziemlich ueberrascht waren, dass wir nicht selbstverstaendlich mitkamen... immer diese Europaer ;-). José Castillo uebersetzte also dass was ich nicht verstanden hatte und ich den Rest und nach 2 Stunden war ich bereits fix und fertig und es ging zum Essen. Wie auch bei den anderen gemeinsamen Essen danach, goennte man mir da auch keine Pause, denn „Smalltalk“ musste natuerlich auch uebersetzt werden und die Nicas lieben Smalltalk. Hatte ich also endlich etwas zu essen vor mir, so wurde jeder angesetzte Bissen durch einen Unterhaltungsbeitrag unterbrochen, hatte ich diesen hastig uebersetzt folgte gleich schon wieder eine Antwort, und so weiter und so fort. Insgesamt ein anstrengender aber informativer Tag, wann sonst kriegt man einen solchen Einblick in Stadtentwicklung? Gut, auf die millionen zu uebersetzenden Zahlen haett ich verzichten koennen, aber die Idee und Umsetzung eines Behausungsprojektes fuer sozial benachteiligtere Gruppen und der eigentlich Versuch, die Mentalitaet einer Kultur dahingehend zu veraendern, dass die Nicaraguaner selbst einen finanziellen Teil zu ihrem Haus beisteuern (unter einer vorherigen Regierung wurden den Armen viele Sachen einfach geschenkt, was - so Robin Hood maessig es auch klingt – eine negative Auswirkung auf die eigentliche selbstschaffende Mentalitaet hatte im Sinne von „Warum selbst arbeiten, wenn mir der Staat doch was gibt“), war sehr spannend. Henk als Architekt verstand oft mehr als ich worum es eigentlich ging und im Prozess des Dolmetschens sind mir zwei essentielle Dinge aufgefallen: Klar muss man mitdenken, aber bloss nicht zu viel! Zur Erklaerung, manchmal verstand ich etwas und meinte, dass koenne doch so wie ichs verstanden habe nicht stimmen, uebersetzte also eine korrigierte Fassung, die sich dann als falsch herausstellte. Andere Male uebersetzte ich Wort fuer Wort eine Ausfuehrung ueber die Zusammensetzung einer Strasse und die Abwasserleitungen und verstand kein einziges Wort. Je mehr er sprach, desto unsicherer war ich mir, was ich da von mir gab (zu Henk) und am Ende war ich vollkommen verwirrt. Henk nickte, sagte er wisse das alles schon und damit war die Sache erledigt (ich weiss bis heute nicht was das, das ich uebersetzt habe, eigentlich zu bedeuten hat). Gut – schliesslich redet man nicht jeden Tag ueber Architektur, Ingenieurwesen oder die Finanzierung von Abwasserleitungen. Da gelang mir der Smalltalk zwischen der Buergermeisterin und den anderen doch viel besser. Am naechsten Tag ging schon mein Flug zurueck, also goennte ich mir am Abend vorher noch einen Reis mit Curry (himmlisch) und fiel ins Bett. Der Flug war genauso schoen wie am Hinweg, mit dem einzigen Unterschied, dass man diesmal sogar durch eine Sicherheitskontrolle musste (haette auf dem Hinflug alles in die Luft sprengen koennen...).
Henk folgte am naechsten Tag und dann begann der eigentliche Teil meiner Arbeit, da es um die Verhandlungen zwischen Groningen (Holland) und San Carlos ging, wieviel fuer welchen Teil des Projektes ausgegeben wird. Es geht de facto um 100 Haeuser, wovon 50 bereits stehen. Groningen zahlt die Konstruktion der Haeuser mit einem Beitrag von 100.000 Euro, aber koennte nochmal 50.000 beisteuern, wenn gewisse Bedingungen erfuellt werden. Zum Beispiel soll der Beitrag der Bewohner nicht mehr ganz an die Alcaldia (Rathaus) zurueckgezahlt werden, sondern ein Teil soll in einen Boden“found“ eingezahlt werden, mit welchem man spaeter mehr Boden kaufen kann. Ach herrje, ich fang gar nicht erst an, es ist doch zu kompliziert zu erklaeren. Aber ich war doch sehr stolz, dass ich wesentlich zu diesen Verhandlungen beitragen konnte, am Ende hatte ich sogar das Gefuehl etwas mitveraendert zu haben (fuer die Zukunft). Aber im Grunde (auf die Frage von meinen Eltern, ob mir nun das Dolmetscherdasein doch gefaellt), ist man als Dolmetscher ja nie der Schaffende, sondern lediglich der Uebermittelnde, quasi die „Schnur zwischen den Dosen“ und ewig nur in dieser Rolle zu sein, kann ich mir nicht vorstellen. Interessant – ja, fuer immer – nein! Es ist aber doch eine Erfahrung, wenigstens fuer 6 Monate in die Fussstapfen der Eltern zu treten (mit dem Wissen, auch wieder „heraus“treten zu koennen). Der Abschied war letztendlich kurz und schmerzlos, aber Henk kommt bereits im Maerz mit einer groesseren Delegation wieder, also sieht man sich ja bald. Das Wochenende verbrachte ich jetzt sehr ruhig mit Lesen (meine Eltern schickten mir „Krieg und Frieden“, damit werde ich wohl fast bis Mai beschaeftigt sein...), denn diese Woche war doch viel anstrengender als gedacht!
Irgendwie hatte ich ein „Vorkatastrophengefuehl“ bei dem Ganzen, welches am Sonntag durch die Tatsache, dass Frank mir mein Flugticket grade mal eine Stunde vor Abflug vorbeibrachte nicht gelindert wurde. Der Flug aber war den ganzen anfaenglichen Stress wert, der im Vergleich zu 12 Stunden Busfahrt nur 50 Minuten nach Managua braucht. Der Abflug ueber die Feldpiste war ziemlich wackelig und da man nur zu Zehnt in diesem Miniflugzeug sitzt (ich sass direkt hinter den Piloten), bekommt man alle Erschuetterungen doppelt so stark zu spueren. Auf Grund des Regens (vom Vortag) war es auch ziemlich nass und die vielen Schlagloecher im Boden sahen vom Fenster nicht so vielversprechend aus, aber wir ueberlebten und der Blick ueber San Carlos, den See, die Vulkane von Ometepe und schliesslich Managua war einfach wunderschoen (gut war auch, dass das Flugzeug tiefer fliegt, als groessere Maschinen – bessere Aussicht). Die Piloten unterhielten sich den ganzen Flug ueber ihren Urlaub und lasen in der Zeitung, das Flugzeug war also anscheinend auf Autopilot geschaltet und kam man dann doch ins Schwanken (was die Piloten keineswegs beunruhigte), so „korrigierte“ dieser Autopilot alles selbst, was ich schon sehr interessant fand. In Managua gelandet (2 Sekunden vor Landung befanden wir uns noch in einer Vertikallage, so dass ich doch noch mal ziemlich ins Schwitzen kam!), teilte ich mir mit einem niederlaendischen Paar das Taxi ins „Ho(s)telviertel“ Barrio Martha Quezada, wo wir zwar in unterschiedlichen Hospedajen unterkamen, uns aber fuer den Abend verabredeten (wir gingen Spaghettiessen – koestlich!). Sie reisen schon seit Novemeber in ganz Zentralamerika herum und wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut, obwohl wir uns grad mal 20 Minuten kannten. Das ist aber eine der Besonderheiten am Reisen, vor allem in solchen Laendern, man trifft an allen Ecken neue, offene Leute, die sich mit einer Ungezwungenheit auf einander einlassen. So erfaehrt man in kurzer Zeit alles moegliche ueber andere Kulturen, so dass ich in der Nacht total erschoepft vom Reden ins Bett fiel. Eigentlich wollte ich frueh schlafen gehen, aber als ich endlich im Bett lag war es so laut auf den Strassen und ausserdem war ich total nervoes, so dass ich ziemlich unausgeschlafen (und noch nervoeser) am naechsten Morgen in aller Fruehe das Taxi zum „Edificio El Carmen“ nahm.
Das Gebaeude liegt direkt am „Nacionalpalast“, in dem sich die Bueros der Sandinistenpartei befinden. Die umgebende Mauer ist total bunt angemalt, waehrend dazwischen lauter Wachtuerme mit Soldaten stehen, so dass ein anderer Freiwilliger ganz treffend den Palast, sowie das Haus von Ortega als „Mischung aus Kindergarten und Gefaengnis“ beschrieb. Natuerlich war ich frueher als alle anderen im Buero, so dass Warten angesagt war, aber nach und nach kamen die Mitarbeiter des Bueros und fingen pfeifend, singend oder Witzereissend zu arbeiten an. Der Direktor José Castillo sagte mir dann, dass es ein Missverstaendnis gegeben hatte und ich eigentlich erst in San Carlos notwendig gewesen waere, da er Englisch spricht. Kurz darauf kamen Marisol (die Buergermeisterin von San Carlos) und der Ingenieur, viel spaeter auch Henk, der niederlaendische Architekt. Ein grosser, hellhaeutiger (auch ganz weisse Haare), 58-jaehriger Mann, der ein wenig lieb-tollpatschig durch seine Brille blickt. Sein Englisch ist natuerlich sehr gut, wenn er auch in manchen Momenten anfing mit mir niederlaendisch zu reden oder wir auch manchmal auf Deutsche auswichen (er arbeitete lange in Berlin), wenn er das Englische Wort nicht wusste. Komplett fuhren wir dann erstmal 1 Stunde auf der Autobahn (ja- eine richtige, geteerte Autobahn, ich war ganz hin und weg) nach León, einer schoenen historischen Stadt am Pazifik, durchweg kolonial gebaut und ein Vorreiter in der Urbanizierung (vor allem in (finanziellen) Zusammenarbeit mit Holland). Leider bekam ich von der Stadt selbst wenig zu sehen, wir waren ohnehin spaet dran und rasten also (ja, auch Nicaraguaner koennen sich mal beeilen) ins Rathaus, wo der Direktor des „Staedteplanungsamtes“ (oder so) uns die vergangenen 20 Jahre erklaerte und die Erfahrung die sie aus den jeweiligen Projekten gesammelt hatten. Dieser Mann, der mit einer Powerpoint Praesentation die Information darstellen wollte, sprach mit einer derartigen Geschwindigkeit und sprang thematisch auch oft hin und her (mit vielen Anekdoten und sonstigen Anmerkungen), so dass ich irgendwann einfach nicht mehr hinterherkam. Auch wurde kreuz und quer gefragt, jeder sprach gleichzeitig, gleich laut und gleich unverstaendlich und Henk und ich waren irgendwann so frustriert und schlichtweg am verzweifeln, dass wir unisono „STOP“ schrien und dabei auch die Haende hochhielten (wie als wuerde man einen heranrasenden Zug mit Handzeichen zum Anhalten zwingen wollen). Es herrschte dann aber tatsaechlich ein oder zwei Minuten Stille, da sie ziemlich ueberrascht waren, dass wir nicht selbstverstaendlich mitkamen... immer diese Europaer ;-). José Castillo uebersetzte also dass was ich nicht verstanden hatte und ich den Rest und nach 2 Stunden war ich bereits fix und fertig und es ging zum Essen. Wie auch bei den anderen gemeinsamen Essen danach, goennte man mir da auch keine Pause, denn „Smalltalk“ musste natuerlich auch uebersetzt werden und die Nicas lieben Smalltalk. Hatte ich also endlich etwas zu essen vor mir, so wurde jeder angesetzte Bissen durch einen Unterhaltungsbeitrag unterbrochen, hatte ich diesen hastig uebersetzt folgte gleich schon wieder eine Antwort, und so weiter und so fort. Insgesamt ein anstrengender aber informativer Tag, wann sonst kriegt man einen solchen Einblick in Stadtentwicklung? Gut, auf die millionen zu uebersetzenden Zahlen haett ich verzichten koennen, aber die Idee und Umsetzung eines Behausungsprojektes fuer sozial benachteiligtere Gruppen und der eigentlich Versuch, die Mentalitaet einer Kultur dahingehend zu veraendern, dass die Nicaraguaner selbst einen finanziellen Teil zu ihrem Haus beisteuern (unter einer vorherigen Regierung wurden den Armen viele Sachen einfach geschenkt, was - so Robin Hood maessig es auch klingt – eine negative Auswirkung auf die eigentliche selbstschaffende Mentalitaet hatte im Sinne von „Warum selbst arbeiten, wenn mir der Staat doch was gibt“), war sehr spannend. Henk als Architekt verstand oft mehr als ich worum es eigentlich ging und im Prozess des Dolmetschens sind mir zwei essentielle Dinge aufgefallen: Klar muss man mitdenken, aber bloss nicht zu viel! Zur Erklaerung, manchmal verstand ich etwas und meinte, dass koenne doch so wie ichs verstanden habe nicht stimmen, uebersetzte also eine korrigierte Fassung, die sich dann als falsch herausstellte. Andere Male uebersetzte ich Wort fuer Wort eine Ausfuehrung ueber die Zusammensetzung einer Strasse und die Abwasserleitungen und verstand kein einziges Wort. Je mehr er sprach, desto unsicherer war ich mir, was ich da von mir gab (zu Henk) und am Ende war ich vollkommen verwirrt. Henk nickte, sagte er wisse das alles schon und damit war die Sache erledigt (ich weiss bis heute nicht was das, das ich uebersetzt habe, eigentlich zu bedeuten hat). Gut – schliesslich redet man nicht jeden Tag ueber Architektur, Ingenieurwesen oder die Finanzierung von Abwasserleitungen. Da gelang mir der Smalltalk zwischen der Buergermeisterin und den anderen doch viel besser. Am naechsten Tag ging schon mein Flug zurueck, also goennte ich mir am Abend vorher noch einen Reis mit Curry (himmlisch) und fiel ins Bett. Der Flug war genauso schoen wie am Hinweg, mit dem einzigen Unterschied, dass man diesmal sogar durch eine Sicherheitskontrolle musste (haette auf dem Hinflug alles in die Luft sprengen koennen...).
Henk folgte am naechsten Tag und dann begann der eigentliche Teil meiner Arbeit, da es um die Verhandlungen zwischen Groningen (Holland) und San Carlos ging, wieviel fuer welchen Teil des Projektes ausgegeben wird. Es geht de facto um 100 Haeuser, wovon 50 bereits stehen. Groningen zahlt die Konstruktion der Haeuser mit einem Beitrag von 100.000 Euro, aber koennte nochmal 50.000 beisteuern, wenn gewisse Bedingungen erfuellt werden. Zum Beispiel soll der Beitrag der Bewohner nicht mehr ganz an die Alcaldia (Rathaus) zurueckgezahlt werden, sondern ein Teil soll in einen Boden“found“ eingezahlt werden, mit welchem man spaeter mehr Boden kaufen kann. Ach herrje, ich fang gar nicht erst an, es ist doch zu kompliziert zu erklaeren. Aber ich war doch sehr stolz, dass ich wesentlich zu diesen Verhandlungen beitragen konnte, am Ende hatte ich sogar das Gefuehl etwas mitveraendert zu haben (fuer die Zukunft). Aber im Grunde (auf die Frage von meinen Eltern, ob mir nun das Dolmetscherdasein doch gefaellt), ist man als Dolmetscher ja nie der Schaffende, sondern lediglich der Uebermittelnde, quasi die „Schnur zwischen den Dosen“ und ewig nur in dieser Rolle zu sein, kann ich mir nicht vorstellen. Interessant – ja, fuer immer – nein! Es ist aber doch eine Erfahrung, wenigstens fuer 6 Monate in die Fussstapfen der Eltern zu treten (mit dem Wissen, auch wieder „heraus“treten zu koennen). Der Abschied war letztendlich kurz und schmerzlos, aber Henk kommt bereits im Maerz mit einer groesseren Delegation wieder, also sieht man sich ja bald. Das Wochenende verbrachte ich jetzt sehr ruhig mit Lesen (meine Eltern schickten mir „Krieg und Frieden“, damit werde ich wohl fast bis Mai beschaeftigt sein...), denn diese Woche war doch viel anstrengender als gedacht!
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