Mittwoch, 28. November 2007
Post und andere erste Erfahrungen/Eindruecke
Habe heute endlich meine Adresse herausgefunden, da es ja keine offiziellen Strassennamen oder Nummern gibt. Die Post braucht demnach immer ein bisschen, da sie mit dem Schiff ueber den See von Managua kommt und dann hier an einen einzelnen Kerl auf einem Fahrrad ausgehaendigt wird. Dieser schaut sich den Namen an und fragt sich meistens durch. Die Adresse ist auch eher eine Wegbeschreibung (Woertlich: Vom Friedhof 150 Meter westlich!). Helena, die andere Deutsche hier (aus Erlangen!), meinte auch, dass sie niemals zu Hause den Brief bekommen hat, sondern immer irgendwleche fremden Leute ihr ploetzlich den Brief in die Hand gedrueckt haben. Er wird quasi solange weitergereicht, bis er ankommt. Ein fuer unser Verstaendnis voellig undenkbares System. Aber hier herrscht, wie so oft, eine vollkommen andere Ordnung, die aber in sich geschlossen und deshalb auch erfolgreich ist... solange man Geduld hat. Mein Unterricht beginnt voraussichtlich ab naechster Woche, am Montag geh ich aber erstmal auf die INsel Solentiname und knuepfe Kontakt mit den Menschen dort, frage, was sie ueberhaupt lernen wollen, wie sie es sich vorstellen etc. Jedenfalls hat der Mensch im Rathaus (Frank Ochomogo) es mir so vorgeschlagen. Dieser hat mir dann auch gleich im Anschluss an unsere Unterhaltung eine Tour der Stadt gegeben... auf seinem Motorrad. Haben unter anderem einen Deutschen gesucht, der schon seit laengerem hier lebt (hat eine Nica geheiratet), der von allen aber nicht mehr bei seinem eigentlichen Namen "Sepp Bergmann" genannt wird, sondern lediglich "El Crespo", was so viel heisst wie "die Locke", da er eine wirklich stattliche vollkommen zerzauste, blonde, lockige Maehne vorzuweisen hat. Wir fuhren also durch den Matsch (Strassen), zu Grasflaechen (Flughafen mit Landebahn) und zu den verschiedenen Schuttplaetzen (Schulen, werden in den Sommerferien umgebaut). Das ist schon einen ganz andere Welt hier, aber wenn ich auf meinem Lieblingsplatz sitze (hab dieses Oertchen bereits am ersten Tag entdeckt, an der hoechsten Stelle des Dorfes, auf einer alten Festung (Fortaleze, wo ich auch unterrichten werde), quasi ein AUssichtsort, der aber nur von jugendlichen Paerchen aufgesucht wird, die hier ein wenig Privatsphaere erhoffen (... und dann kam ich). Von dort ueberblickt man zum Osten hin den gesamten Lago und kann am Horizont auch die verschiedenen Inseln erkennen; Vor einem liegt der Rio San Juan und der Rio Frio, der nach Los Chiles, Costa Rica fuehrt, von wo aus ich angereist kam. Im Westen fuehrt der Rio San Juan in Schlangenlinien durch ein Meer von Tropenwald, welches in seiner Gruehnheit, Wildheit und Dichtheit stundenlang zu betrachten ist. Sitzt man nun da und schaut in diese Welt hinsaus, so fuehlt man sich, a) sehr weit oben und b) friedlich irgendwie. Man ist naemlich ganz allein, nur die Stadt und dann nur Natur. Weitgehend noch unberuehrte, wilde Natur. Ich hoffe es bleibt noch lange so.Jetzt sitze ich jedenfalls wieder im Internetcafe am Park und vor mir laufen dauernd Huenchen und die Haehne herum. Der Radiosenderposten wurde zu einem Weihnachtsbaum umgeschmueckt und ueberblickt nun ebenfalls San Carlos in all seiner Wuerde. Der Himmmel hat sich wiedermal in einen Regensturm geoeffnet und in 10 Minuten gibt es Reis mit Bohnen. Ich muss also los. Ein andern Mal erzaehl ich mehr!
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