Heut werde ich ein wenig mehr von meiner Familie erzaehlen und anderen Ereignissen und verzeiht mir meine vielen Schreibfehler, aber ich schreibe so schnell ich kann, damit ich nicht alles vergesse und ich muss ausserdem spaeter noch wo hin und manchmal, sehr aergerlich, faellt auch gerade dann der Strom aus, wenn man noch mit der Maus auf "Senden" klicken wollte, es aber nicht rechtzeitig geschafft hat!
Also, Damelia, bei der ich wohne, ist eine Frau, die alleine mit ihren zwei Kindern und ihrem Bruder und ihrer Nichte (von einem anderen Bruder) lebt. Es ist eines der "besseren" Haeuser, es ist jedenfalls aus Stein, hat eine gepflasterte Strasse und ein Klo, welches zwar keine Spuelung hat, dafuer aber europaeisch aussieht (sprich kein Plumpsklo). Damelia arbeitet im Rathaus und ist dort in der Verwaltung. Sie lebt getrennt von ihrem Mann, wie viele Frauen hier, interessanterweise, es scheint fast normal, dass die Muetter alleinerziehend sind. Ihre aelteste Tochter Isamar ist 18 und hat morgen ihre "Abifeier" und moechte lustigerweise ab naechstem Jahr Psychologie studieren. Ihr Sohn Enoc ist 7 oder 8 und hat grade Ferien, weshalb er eignetlich den ganzen Tag nur Fern schaut oder NIntendo spielt aber schoen ist auch, dass es auf Grund der vielen Kinder auch Gruppen gibt, die dann in der Strasse Baseball spielen oder Drachen steigen lassen (Wind gibt es genug!). Den Bruder von Damelia sehe ich kaum, ab und zu hat er in seinem Zimmer noch eine Frau dabei, aber so recht hab ich diese Zusammenstellung noch nicht verstanden, es scheint jedenfalls niemanden zu stoeren. Dann gibt es noch ihre Nichte Yessica und diese kocht auch fuer mich und erledigt auch sonst alle haeuslichen Arbeiten. Sie lebte vorher bei ihrem Abuelito (ihrem Grossvater) in El Castillo, einem Dorf etwas weiter entlang des Flusses, da ihre Eltern (getrennt) in Costa Rica und irgendwo in Nicaragua wohnen und andere Familien mit Kindern haben. Leider starb ihr Grossvater dieses Jahr, also lebt sie seit Maerz bei ihrer Tante. Sie scheint mir immer ein wenig traurig und gelangweilt, denn Isamar hat ihr viele Freunde wegen der Schule, aber Yessica kennt fast niemanden und ist eingentlich den ganzen Tag im Haus. Ich hab beschlossen, sie zu meiner Englischunterrichtsmethodentestperson zu machen und labere sie auch so den ganzen Tag zu, in der Hoffnung mein Spanisch zu verbessern. Ich habe aber das Gefuehl, dass sie sich ueber die Aufmerksamkeit freut und so ist uns beiden gedient. Ich hab mein eigenes Zimmer, klein aber fein und da ich eh kaum Klamotten oder sowas dabei habe, verbringe ich die meiste Zeit im Schaukelstuhl auf der Terrasse und lese oder unterhalte mich oder gehe spazieren oder suche leute, denen ich irgendein Paeckchen uebergeben muss, das man mir in Deutschland mitgegeben hat. Davon hab ich viele. Es macht aber Spass, man laueft in eine Gegend, kennt sich ueberhaupt nicht aus und fragt den erstbesten. Der fuehrt einen dann irgendwo hin, schreit herum, sagt Namen und deutet in Richtugnen. Irgendwann findet sich dann das Haus, denn jeder kennt ihr jeden oder ist verwandt miteinander. Ausserdem freuen sie sich immer wenn jemand neues und vorallem ein Auslaender kommt, den sie mit Fragen loechern koennen, vor allem die Kinder, sie fragen und fragen und fragen und moegen es auch gerne fotografiert zu werden, ein Spass ist das. Helena, die andere deutsche, arbeitet in der Kindertagesstaette und wenn ich sie dort besuchen komme, wird man gleich von allen Seiten angesprungen. Sie waren ausserdem ganz beeindruckt von der Tatsache, dass ich eine Kroete, die im Sterben lag von ihrem Ort entfernt habe, nachdem die besagte Kroete mindestens 20 der Kinder eine Stunde lang im Bann hatte. Frank, der Motorradtyp, organisiert mit mir die Stunden und faehrt dafuer auch naechste Woche mit mir und Helena nach Solentiname, eine Insel, auf der ich dann mit den Leuten quatschen werde. Hlena veranstaltet dort ein Maerchenprojekt von der Stadt ERlangen aus. Also kann man sagen, dass man hier sehr gut aufgehoben ist, sie kuemmern sich wirklich um einen, vor allem, wenn man aus Deutschland und Nuernberg ist. Die Staedtepartnerschaft ist ein wirchtiger Teil der Stadt und alle Bewohner zeigen mir stolz, was die Stadt Nuernebrg gestiftet hat. Ueberhaupt wissen alle sofort wer ich bin und kommen auf mich zu, mit einer Ungezwungenheit, die mich fast ruehrt. Es herrscht eine Neugier und eine Freude am Kennenlernen, Austauschen, die die Menschen in Deutschland teilweise sehr kalt wirken laesst. Ein Ereignis was heute stattfindet ist das Fest des KOndoms, eine Fest, welches Solidaritaet mit allen an Aids Erkrankten und an HIV INfizierten ziegen soll, aber auch der Aufklaerung dient, die in diesen Gebieten sehr wichtig ist. Ein Grossteil der Bevoelkerung ist sehr sehr jung, was mehrere Gruende hat. ZUm einen erlebten noch die aelteren Generationen die Schwere des Buergerkriegs, waehrend die juengeren unter Arbeitslosigkeit zu leiden haben und sich deshalb wie wild fortpflanzen. Eine Familie hat teilweise bis zu 10 Kindern!! Ausserdem ist die Gegend streng katholisch, und das Gesezt GOttes (wie es mir ein Mann hier erklaerte) verbietet den Gebrauch von Kondomen und abschliessend hat die hiesige demokratische Regierung unter Ortega die Abtreibung, die zu Zeiten der DIktatur noch legal war, illegalisiert. Also - viele Kinder - viele Krankheiten - viel noetige Aufklaerung. Und diejenigen die sich da am meisten engagieren, sind Jugendgruppen. Entweder durch eigene Aktionen, wie Radio oder eben Infostaende an solchen Festen. Hoehepunkt des Festes wird das Auftreten zweier nicaraguanischer Rockbands sein, worauf ich sehr gespannt bin! Ein anderes Fest, welches schon seit einigen Tagen laeuft ist das Fest der Heiligen Jungfrau Maria. Ich wurde eines Nachts wuest aus dem Schlaf gerissen, da direkt neben meinem Fenster eine Fanfare anfing zu spielen und ausserdem ertoenten Explosionen, die wie Gewehrfeuer klangen. Derartig erschrocken, ging ich mit meiner Familie auf die Terrasse wo wir beobahten konnten, wie eine Menschenmenge andaechtig einem Lastwagen folgte, auf dessen Rueckseite eine Art mobiler Altar aufgebaut war. Eine Statue der Jungefrau, umgeben von Verschmuekcungen und buntne Lichterketten. Ich hab einige Bilder schon ins Netz, aber es dauert immer lang und sie sind glaub ich auch leider ungeordnet. Die Tradition ist, dass der Altar jeden Tag eine andere Strasse beehrt und der Umzug immer von allen begleitet wird, u.a. auch von dieser Blaskapèlle, die mich weckte. Das Gewehrfeuer ist Feuerwerk, welches vom Park aus abgeschossen wird. Alle Strassen werden leider von unserer aus erreicht, da wir sehr nahe am Park und somit an der Kirche wohnen, so dass ich jede Nacht den Umzug mitbekomme (um 12 aber auch um 4 uhr frueh!). Am Ende des Umzugs gehen alle in den Park, denn dort wird dann fuer die Kinder ein Riesenfeuerwerk veranstaltet und ein paar Jugendliche entzuenden StrohTorros (Stiere), die mit Feuerwerkskrachern und sonstigen Dingen beladen sind. Damit rennen sie dann durch die Menge, solange bis alles erloschen ist. Insgesamt gab es gestern 6 Torros, also ein Heidenspass fuer alle Kinder, die zugleich aenglstlich wegschrecken, aber gleichzeitig hinter dem Torro herrennnen, ihn herausfordern. Die ganze Stadt verweilt im Park und die Atmosphaere ist sehr sehr schoen. Man merkt, dass Traditionen hier noch ein sehr wichtgie Rolle spielen und das schoene ist, adss es nicht fuer irgendwelche Trouisten veranstaltet wird, sondern wirklich von den Leuten fuer die Leute (vor allem fuer die kInder!). Das hat etwas sehr urspruengliches. Manchmal denke ich, dass ich zwar mit dem Englischunterricht prinzipiell etwas gutes tue, denn Tourismus ist eine der wenigen Moeglichkeiten, dieses Land voranzubringen, welches landwirtschaftlich leider nicht so viel zu bieten hat und nicht allein vom Kaffeeexport leben kann. Aber es gibt auch Momente, wo ich mir denke, dass ich eigentlich nur dazu beitrage, dass dieses Land sich irgendwann vermarktet und verkauft, dass diese Staedte und Doerfer ihre Traditionenen und Feste fuer Fremde ausrichten und damit ein Stueck weit ihre eigene Freiheit und ihre Welt verlieren, ja sogar freiwillig aufgeben. Ich weiss nicht warum, aber dieser letzte Gedanke verfolgte mich heut ein wenig, als ich den San Carlos Leuten beim Herrichten des Festes zusah. Schliesslich war ich und Helena und ein oder 2 andere die einzigen Auslaender dort und normal sind es auch nicht mehr. Und alles war so - echt.
Na gut, auf genau dieses Fest werde ich mich nun begeben...!
Samstag, 1. Dezember 2007
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