Donnerstag, 27. März 2008

León

Von diesem Ausflug in die Stadt zurueckkehrend schafften wir es noch auf einen Bus, der uns nach Leon brachte bzw an einer Autobahnkreuzung rausschmiss, an der zufaellig ein anderer Bus in die richtige Richtung fuhr. Spaet nachts kamen wir in Leon an und fanden erstmal keine Unterkunft, landeten schliesslich in der letzten Absteige saemtlicher Dauerpartygaenger und Kiffer und anderen abgestuerzten Gestalten, die man sich vorstellen kann. Da diese Familie so lange brauchte um unser “Zimmer” herzurichten, kamen wir erst um 21:25 in einer Bar an, die aber leider um 21:30 die Kueche zumacht. Da uns die Bedienung geschickte ignorierte mussten wir hungern und auch bei weiterer Anfrage, ob es nicht wenigstens Kekse gibt (wir hatten seit Mittags nicht gegessen) wurden wir abgelehnt. Nur einer erbarmte sich unser und schickte uns zu einem McDonalds (welches aber TipTop heisst und statt Rindfleisch Huehnerburger anbietet, von welchem wir nur noch zwei Burger ergattern konnten und dass auch nur unter der Hand quasi – ein teuer Spass. Um 10 Uhr abends war dieses Stadt schon komplett ausgestorben und der erste Eindruck war nicht besonders einladend. Ueberhaupt ist der “Service” der von Dienstleistenden geliefert wird noch dermassen unterentwickelt bzw sie haben nicht kapiert, was es heist “einladend” zu wirken. Auch das Sprichwort “der Kunde ist Koenig” ist ihnen fremd. Die haben bei jeder Bitte ein dermassen saeuerliches Gesicht und starren einen teilweise feindselig an, wenn man es auch nur wagt nochmal nachzufragen, so dass man sich fast der eig. Gegenwart schaemt. Oder sie knallen einem das Geld auf den Tisch, schauen bewusst beim Reden gelangweilt in eine andere Richtung oder ignorieren einen von Anfang an. Komisch.

Der naechste Morgen hingegen zeigte ein ganz anderes Leon. Wir erschraken sogar im ersten Moment, den die vormals duestere und totenstille Stadt war nun so voller Leben, die Menschenmassen rollten durch die Strassen, Autos, Fahrraeder und andere Fahrdinger kaempften um die Vormachtsstellung, an jeder Ecke sassen Verkaeufer, teilweise saeumten sie ganze Strassen, es wurde geschrien, gefeilt, beleidigt, zurueckbeleidigt, gegruesst, getratscht und das alles auf einmal. Noch dazu waren alle Tueren weit aufgerissen,, Musik spuelte heraus, alle Haeuser waren bunt und architektonisch schoen anzuschauen (der Kolonialstil ist hier vorherrschend) und mittendrin zwei kleine (bzw eine Grosse und eine Kleine) San Carleñer. Unser Fruehstueck bestand aus einer Fruechtetuete, wahernd wir durch die Stadt schlenderten und alle Eindruecke einsogen. Der grossangelegte Park mit der Kathedrale und den vielen Wandbildern, die waehrend der Revolution angefertigt wurden und zB einen Sandino zeigen, wie er den amerikanischen Praesidenten Lincoln unterm Fuss zerquetscht oder andere Anti-kapitalistische Abbildungen. Wir suchten auch ein etwas schraeges Museum auf, welches mit ausgestopften Tieren und Pappmachefiguren die “Traditionen und Legenden” Nicaraguas darstellen sollten aber eher an ein Gruselkabinett erinnerte. Lediglich die Mangos die wir aus dem Hof (sarkastischerweise ist das auch frueher ein Gefaengnis fuer politische Gefangene gewesen, die durch Schwarze Schattenabbildungen hinter den Figuren in ihren Folterungsposen dargestellt wurden) stahlen, konnten diesem Besuch etwas abgewinnen.

Gegen Mittag nahmen wir den Bus an den Strand bzw Pazifik, welches aber leider viel zu wild war, als dass man tatsaechlich schwimmen konnte. Auch war es zu heiss, so dass wir die meiste Zeit mit zwei betrunkenen Amis und einem herumreisenden Gaertner aus der Schweiz unter einem Strohdach sassen, Ananassaft und Bananashake tranken, lasen, in die Ferne blickten und uns entspannten. Erst kurz vor und beim Sonnenuntergang lagen wir am Strand, tranken eine frische Kokosnuss leer und genossen den Anblick des rotgefaerbten Meeres. Auf dem Weg zurueck wurden wir zum ersten Mal richtig belaestigt. Im Bus sass zu meiner rechten ein Betrunkener, der sich mit dem Kopf an die Lehne vor mir lehnte und zu Beginn mit seinen Fingern meine Knie kitzelte, aber irgendwann doch mehr als absichtlich ausrutschte, so dass ich vor Ueberraschung lediglich seine Hand wegschlagen konnte, was aber bereits die Aufmerksamkeit der umliegenden Gaeste (vornehmlich Maenner) erregte, da in einem grossen Knall dabei mein Buch runterfiel. Wir setzten uns also um und in dem Moment rutschte diesem Kerl auch seine Hand bei Helena aus, die sich mit einem Schwung umdrehte und ihm eine verpasste (yay!). Als dieser dann die Frechheit auch noch aufzustehen und sich hinter unseren neuen Platz zu setzen und wir ihm verbal eine Abfuhr erteilten, schritten die Busfahrerayudanten ein und befoerderten ihn und einen weiteren Saufkollegen, der aus dem Suff aufgewacht und die erste Gelegenheit des Motzens bei uns fand, aus dem Bus heraus. Ein Sieg fuer die jungen, weiblichen Chelas dieser Welt! Der Abend klang bei einer Freundin aus, die in Leon wohnt und die uns zu einer Reggaekneipe mitnahm, die ausschliesslich mit Gringos gefuellt war und ein paar Gringosliebenden Nicas. Am anderen Tag trafen wir uns mit dem Leiter des Bueros fuer die Beziehungen zwischen Oesterreich und Nicaragua, den wir im Rahmen der Oesterreichdelegation fuer die wir dolmetschen kennenlernten und der uns auf seine Ranch am Meer eingeladen hatte. Zum Baden war es als wir ankamen auch schon zu spaet, aber er lud uns noch zu sich nach Hause ein, wo wir selbstgemachte Schokolode, Rotwein, Zuckerfreien Ananassaft und andere Leckereien serviert bekamen. Die Freude ueber solche in Dtschl unbedeutenden Dinge kann man sich eigentlich gar nicht richtig vorstellen, fuer Helena und mich war es jedenfalls ein sehr sehr schoener Abend. Das Highlight kam, als er uns einlud in seinem Hotel bzw dem neuen zweiten Hotel, welches noch an einer Baustelle lag, zu uebernachten, welches eine richtige Dusche, Klo und zwei eigene Betten hatte!! Himmlisch. Leon schlossen wir mit einem Blick ueber die ganze Stadt vom Kathedralendach aus ab und begaben uns dann auf nach Managua, wo es noch ein paar Abschiede zu feiern gab, ehe wir nach San Juan weiterfuhren.

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