Ich sitze im Parkcafe bzw Internetcafe am Park und habe mir vorgenommen in einem Schwung den Bericht der Reise abzufertigen, mal schauen ob mir bei dieser Hitze nicht schon viel zu frueh die Lust oder Energie verloren geht…
Unsere Reise hatte einen stressigen Start, da ich normalerweise immer erst Montag Vormittag mit dem Boot aus der kleinen Flussgemeinde Los Guatuzos zurueckkehre, der Bus nach Managua um 20 Uhr abends faehrt und ich zwischen drin umpacken, Unterricht vorbereiten, Unterricht halten und als Ausnahme, da gerade der hollaendische Architekt Henk und seine Crew zurueckgekehrt waren, fuer ihn und seine Frau im Krankenhaus die Fuehrung dolmetschen (wobei ich dafuer zum ersten Mal und unerhofft bezahlt wurde – eine Summe, welche fuer ihre Verhaeltnisse vielleicht wenig ist, aber fuer nicaraguanische Verhaeltnisse sauviel (finanzierte eine Woche Uebernachtung und Essen auf der Reise!!)). Und obwohl der Stress ein wenig gemildert wurde, weil ich es schaffte einen Platz mit zwei franzoesischen Touristen zu ergattern, die in dem oekologischen Zentrum in Los Guatuzos uebers Wochenende geblieben waren und mit einem Privatboot schon Sonntag zurueckkamen, war auch ich bereits Sonntag Abend wieder in San Carlos.
Helena und ich trafen uns dann am Bus und konnten unser Glueck nicht fassen, da es sich nicht wie ueblich um einen verrosteten Schulbus handelte, sondern ein quasi etwas in die Jahre gekommener Reisebus mit eigenen (!) verstellbaren (!) Sitzen war, zwei von denen wir sogar reserviert hatten! Also Luxus pur, der nur durch die Mitfahrt zweier aufdringlicher Typen gemindert wurde. Fruehs (man faehrt ja die ganze Nacht durch- an Schlaf ist wenig zu denken) in Managua ankommend sprangen wir gleich auf den naechsten Bus, der uns nach Estelí, einer schoenen kleinen Stadt im hohen Norden Nicaraguas brachte. Wir goennten uns ein herzhaftes Fruehstueck und machten uns vergeblich auf die Suche nach einem Touristenbuero (alle Adressensangaben die wir bisher auch in anderen Staedten nachgingen, erwiesen sich als falsch, veraltet oder nichtexistent). Da es abgesehen vom klassischen Parque Central und der Kathedrale, die schoen mit den Osterfarben Lila ausgeschmueckt war, und einem verstaubten Museum fuer die “Martyer und Helden” der Sandinisten Revolution (ueber und ueber gefuellt von Schwarzweiss Fotos von Maennern, Frauen und teilweise Kindern, die im Rahmen der Revolution fielen… dazu noch vergilbte Zeitungsausschnitte, die “am letzten Tag getragenen Kleidung” und Portraits von Augusto Sandino und anderen Generaelen – ein von den Muettern, Geschwistern oder Witwen Gefallener gefuehrtes Museum) nichts zu sehen gibt, begaben wir uns mit einem Schulbus (eigentlich Stadtbus, aber nur mit Schuelern vollgepackt) an den Rand der Stadt, von wo aus ein Pfad in das Naturreservat Miraflor fuehrte. Mit unserem Schwergewicht auf dem Ruecken und in der heissen Mittagssonne marschierend schafften wir es nicht allzu weit, konnten aber doch die Natur, welche uns eher an das trockenen Hinterland Griechenlands erinnerte als Nicargua, geniessen und wurden auch Gottseidank von einem vorbeifahrenden Jeep bis zu unserem Ziel, dem Eingang zum Abstieg zu einem Wasserfall mitgenommen. Das Paar im Auto bestand aus einem Nica, der waehrend der Revolution nach Bulgarien zum Studieren geschickt wurde und einer Deutschen, die von der DDR aus ebenfalls nach Bulgarien zum Studium ging (wies weiterging kann man sich denken) und die seit 20 Jahren hier ohne Strom und Wasser auf einer Finca in den Bergen lebte und Blumenanbau betrieb, welche in einem Geschaeft in Estelí verkauft wurden. Schon komisch, wenn ihr Bild von Deutschland noch total sozialistisch gepraegt ist und sie im Grunde das Deutschland von heute kaum kennt, auch wenn sie inzwischen 3 oder 4 Mal dort war.
Tja, zum angestrebten Wasserfall schafften wir es nie, da wir zu frueh abstiegen und an einer hoeher liegenden Wasserstelle und –faellchen landeten, an dem wire s uns aber trotzdem bequem machten. In Anbetracht eines kleinen Haeuflein Blaetter, welches dahinraeuchelte, machten wir uns schonmal Gedanken, wie man sich am besten gegen feindliche Angriffe wehrt, so voellig abgeschieden in einer Schlucht sitzend, ohne Moeglichkeit jemanden zur Hilfe zu rufen, geschweige denn schnell davon zu laufen… (this is for you mum, just to train your nerves… as you know, I am still alive)
Nachdem wir genug gebaumelt hatten ging es wieder hoch zur staubigen Strasse und wir nahmen einen Bus, der zweimal nur das gesamte Reservat abfaehrt und somit die Leute, die hier lebten mit der “Zivilisation” verbindet, der uns noch weiter noerdlich brachte, so dass wir im tiefsten Schwarzwald herrlich rustikale Tortilla und Kaese assen (und ich noch Gallo Pinto, da ich ungefaehr immer die doppelte Menge von Helenas Ration essen). Im Bus sitzend traute ich wirklich fast meinen Augen nicht, denn bis auf die Monsterspinnweben und Lianen, die von den riesigen Baeumen herabhingen, war alles wie zu Hause, ein truegerisches Bild, welches aber durch die Nicas, die uns im Bus umgaben wieder zurecht gerueckt wurde. Der Busfahrer und die anderen Gaeste trugen Tuecher um den Mund, da der Staub unertraeglich wurde und als just in dem Moment “Another one bites the dust” von den Queen im Radio gespielt wurde, war das Bild perfekt.
Donnerstag, 27. März 2008
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