Sonntag, 6. April 2008

Geschichten aus Papaturro

Es ist das erste Mal seit langem (jedenfalls kommt es mir so vor), dass ich wieder eine ganze Woche in San Carlos verbringe, da ich auf Grund von Los Guatuzos viel unterwegs bin. Ja im Grunde spielt sich die Hauptaetigkeit meines Englischlehrerindaseins in diesem kleinen Oertchen statt und jedes Wochenende erlebe ich etwas neues. Letztes Wochenende zB schaute ich meinen „Schwestern“ Freitags noch neidisch dabei zu, wie sie sich vergnuegt im Fluss badeten, waehrend ich mich auf einer Plancha (dem Archenoahboot) ausruhte, nahcdem ich grade angekommen war und meinte, ich haette nicht genuegend Kleidung dabei (hier badet man immer nur ganz angezogen, in mancher Hinsicht sind sie wirklich sehr pruede) und schon gar nicht einen Badeanzug. Die Hitze war gross, aber ich versoehnte mich mit dem Gedanken, dass es ja allerlei Tiere im Fluss gibt, mit denen ich nicht naeher Kontakt aufnehmen moechte und beliess es dabei. Am Samstag war normal Unterricht und am Nachmittag (Schule endet um 16 Uhr, faengt um 8 Uhr an mit Nationalhymne und Ansprache eines Vertreters aus jedem Jahrgang) sammelten ich und Yendri, meine Schwester und Schuelerin Hikarus, das ist eine Frucht (waechst bis zu Fussballgroesse und mehr), die an komischen Baeumen waechst und den weichen, zaehen, fassrigen Inhalt hat wie ungefaehr Kuerbisse. Die Schale ist aber dennoch sehr hart und kann nur mit einer Saege geoeffnet werden. Diese werden, wenn ausgekratzt aber noch frisch, mit Messern schoen verschnitzt und damit als Artesania (Kunstwerke/Handwerk) verkauft. Wir machten uns also daran ein paar zu sammeln, um dann genuesslich den Inhalt herauszupulen. Waehrenddessen spielten die Welpen mit ihrer Mutter hinter meinem Ruecken und stupsten mich mehrere Male dermassen, dass ich irgendwann dem einen meinen Hikaru ueber den Kopf stuelpte und somit etwas beruhigte (bzw „eine Lektion erteilte“). Die beiden sind schon sehr verspielt, aber tooootal suess und es ist schoen anzuschauen, wie die beiden wachsen. Das klingt vielleicht komisch, aber im Laufe der Zeit wurden auf diesem Hof Huehner, Papageie, Hunde, Fohlen, Kuehe und Schweine geboren und jedes Wochenende sind sie schon fast doppelt so gross. Die Schweinebabys sollten am naechsten Tag noch eine Ueberraschung erleiden. Sonntag frueh trank ich genuesslich meinen Kaffee (da der Unterricht erst um 8:50 beginnt, ich aber mitsamt den anderen schon um halb5 oder 6 aufstehe, hab ich immer viellll Zeit), als sich ploetzlich der Affe von seinem neuen Ort losgemacht hatte und anfing die Huehner zu jagen und ihnen Federn auszurupfen. Naeherte man sich ihm, biss er zu und nur die Herrin Isabella hatte ein wenig Autoritaet ueber ihn. Dennoch fluechtete er erfolgreich, kletterte die Palmen hoch und fing an uns mit Kokosnuessen zu bewerfen, so dass wir unters Dach fluechteten und ihn nur mit Drohungen beschimpfen konnte. Nach ungefaehr 1 ½ kam er doch wieder runter, da er hungrig war und wurde so gefangen – tja, so ist es nunmal im Leben, wir sind bestimmt durch unsere Grundbeduernisse...
Nach dem Unterricht hielt ich die Hitze nicht mehr aus und ging mit den anderen erneut zum Fluss und als ich das erste Mal untertauchte fuehlte ich mich wie neugeboren – die vielen Gedanken an die Tierchen, Kaimane, Schlangen, etc schob ich beiseite und genoss die Frische des Wassers. Nur einmal erschrak ich, da Yendri untergetaucht war und mich ploetzlich an den Fersen packte, so dass ich vor Schreck umfiel (wenn man das im Wasser ueberhaupt machen kann – umfallen). Marjori und Jessica biegten sich vor Lachen, verstummten aber schnell, als ich versprach das Examen vom naechsten Wochenende deutlich schwieriger zu machen – achja, es hat schon seine Vorzuege Lehrer zu sein und vorallem die sadistischen Seiten kommen in einer solchen Taetigkeit zum Ausdruck ;-). Kurz nach dem Schwimmen hiess es dass wir am Abend zum Nachbardorf laufen wuerden, da dort eine Feier stattfindet und auch Stierkaempfe, aber dafuer war es schon zu spaet, schliesslich muss man eine Stunde hinlaufen. Es ging also los nach Pueblo Nuevo und es war schon stockdunkel als wir ankamen, wieder durch den Jungel, wieder in Gedanken bei all den Tieren, Tigern, Schlangen, Spinnen,... als ich vor Schreck meine Taschenlampe fallen liess, weil sich vor mir (aus irgendeinem Grund ging ich als Erste) eine fette Kroete aufgeblaeht hatte, erschreckte ich die anderen damit genauso (waren ja nur wir 4 Frauen), weil sie dachten, es handele sich um eine Schlange oder etwas wirklich gefaehrliches. Bei solchen Spaziergaengen konzentriere man sich wirklich eher auf den bezaubernden Sternenhimmel, der nur in dieser Lichtlosen Umgebung wirklich in seiner ganzen Pracht zu betrachten ist.
Angekommen fuehlte ich mich wie auf einer riesigen Pijamaparty, jeder lief mit seiner Taschenlampe herum, ueberall waren kleine Grueppchen von Menschen, in einer Ecke waren ein paar Musiker und leuchtete ich an den Rand des Platzes starrten mich eine Reihe von Pferde an, die dort neben den moderneren Transportmitteln wie Fahrrad, Moped oder Traktor und Auto abgestellt worden. (Es ist inzwischen so trocken in der Gegend, dass fuer einen Monat auch Autos fahren koennen – Boote haben es inzwischen schwieriger, weshalb auch auf der Hinfahrt die Maenner das letzte Stueck laufen mussten, da wir auf Sand stiessen.) Mitten im Jungle wurde also eine Feier gefeiert mit einer LiveBand, vielen Verkaufsstaenden und umso mehr Menschen. Vieler meiner Schueler waren auch anwesend und als es ans Tanzen ging konnte ich mich an Angeboten kaum retten –je juenger desto mutiger, ich entschied mich aber dann doch fuer den aelteren, statt fuer meinen 13 jaehrigen, der immerhin noch einen Kopf kleiner war als ich (er bekam seinen Tanz letztendlich doch). Wir tanzten also von 8 Uhr abends bis 1 Uhr frueh – Cumbia, Salsa, Merengue, Reggaeton (ungern, aber was soll man tun...), sowohl auf Tica (Costa Rica-) wie auch auf Nica (Nicaragua)-art. Die einzige Weisse weit und breit konnten sie nicht glauben, dass auch Chelas tanzen koennen und waren schlichtweg der Meinung Auslaender koennen nicht tanzen. Es ist ein gutes Gefuehl hin und wieder ein paar Stereotypen abzubauen =)
Am Ende der Feier folgte der Rueckweg und als ich mich um 2 Uhr frueh ins Bett fallen liess, glaubte ich nie vorher so muede gewesen zu sein.

Der naechste Morgen wartete mit einer ganz anderen Ueberraschung – ganz beilaeufig fragte die Mutter ob Marjori jetzt wisse wie man Leguan zubereitet und sie, ja, ich hab dir gestern ja zugeschaut und ploetzlich ging mir auf, weshalb ich das Fleisch was ich am Vorabend zu Reis und Bohnen ass einfach nicht einordnen konnte – weil ich noch nie vorher Leguan gegessen hatte... eigentlich besser dass ich es erst im Nachhinein erfahren habe, denn beim Anblick der naechsten Opfer taten sie mir schon irgendwie leid, wobei man hier nur die schwarzen und anscheinend sehr aggresiven Leguane isst =), vielleicht haben die´s mehr verdient. Schlecht schmeckt es jedenfalls nicht.