Donnerstag, 24. Januar 2008

Januar 2008

Hiermit beginne ich also nun meine Blogeintraege, auch wenn ich mich ab morgen schon seit 2 Monaten hier in San Carlos, Nicaragua befinde… so vergesse ich aber niemanden in die RUndmails mit einzutragen, da jeder nach eigenem Gusto hier vorbeischauen kann. Die aelteren Eintraege, die ich vorher immer per Email verschickt habe, fuege ich dann spaeter hinzu.

Meine letzte Rundmail endete mit Silvester und mit Beginn des Jahres 2008 moechte ich auch anfangen. Die ersten paar Tage waren relativ ruhig, neben meinem Unterricht begann ich mich mit einem Schueler namens Humberto oefters zu treffen, um, natuerlich auf English, ueber Gott und die Welt zu reden – eine Art Konversationskurs. Aber mit Erfolg, denn sein Englisch wird immer besser (“auf die Schulter klopf”); auch faellt uns das “Gott und die Welt” – Gerede sehr leicht, da wir uns einfach verstehen und inzwischen sogar sowas wie Freunde geworden sind, welches ueber die allgemeine Oberflaechlichkeit vieler zwischenmenschlicher Beziehungen hier durchaus hinausgeht. Aber mehr dazu spaeter, zuerst beginne ich wohl mit dem Silvestertag, bzw der „Tag danach“, den ich fast durchschlief, da ich noch angestrengt von Juigalpa war und ueberhaupt in der Nacht von Silvester logischerweise auch nicht viel Schlaf bekommen habe. Ueberrascht hat mich dann am naechsten Morgen der Anblick eines Huhnes, welches in unserem „Hinterhof“ an einen Pfosten gebunden war (und spaeter in einen Sack gesteckt wurde, da es sich losgemacht hatte), angeblich ein Geschenk eines Freundes an die Familie. Somit hatten wir also ploetzlich neben der Taube (habe ich diese schon erwaehnt... wenn nicht, also eine Taube wurde eines Tages in unserem Hinterhof gefunden mit einem durch Menschenhand (und Schere) halb abgeschnittenen Fluegel. Izamar und Enoq (beide unschuldig) waren verzueckt und nahmen ihn(?) gleich auf. Ich konnte mich nicht so recht mit der Paloma anfreunden, da sie immer vor meine Tuer schiss, grad wo´s am dunkelsten ist und man nichts sieht und ich deshalb allzuoft hineingetreten bin. Aber auf Grund der Tatsache, dass dieses Tier eh an Lebensqualitaet eingeschraenkt war und mit der Zeit ganz den Sinn fuers Leben verlor, plusterte es sich eines Tages sehr auf und starb. Das Huhn hatte im Vergleich einen noch kuerzeren Aufenthalt im Hause Quiroz, da es gleich am naechsten Tag geschlachtet und gekocht wurde (schmeckte vorzueglich...). Ich waere gerne dabei gewesen, aber war wohl doch zu langsam, denn in der Frueh steckte es noch im Sack, beim naechsten Mal, wo ich nach ihr sah, wurde nur noch mit dem Finger auf den Topf gezeigt. Ein leicht komisches Gefuehl, aber die Beziehung hier zwischen Tier und Mensch ist ohnehin schon eine ganze Ausfuehrung wert (die ich hier aber nur anschneiden werde). Die Rolle der Tiere als Nutzwert/Nahrung ist schon von Anfang an klar, trotzdem werden sie teilweise zaertlich herangezogen, angenommen und zuletzt geschlachtet, welches fuer einen Auslaender, der es nicht gewohnt ist, dass was fruehs noch Gackerte, mittags auf dem Teller zu sehen, doch etwas komisch ist. Haustiere (abgesehen von Hunden/Katzen) gibt es also als solches nicht, trotzdem ueberkommt mich bei dem Anblick der (neu angeschafften) Schweine, die unser Nachbar von Zeit zu Zeit in seinen Garten treibt, immer noch ein Gefuehl von „Ach wie suess“ und - gemaess des Sprichworts - „was fuer arme Schweine“... Eine Erfahrung und zuletzt auch Vergegenwaertigung der Tatsache, dass unser Essen (also Fleisch) vor nicht allzu langer Zeit vergnuegt herumlief kann aber sicher nicht schaden. Soviel zu den Tieren.

Ein paar Tage spaeter (im Januar) bekamen Helena und ich Besuch einer anderen Deutschen, die als Freiwillige auf Ometepe arbeitet und auf dem Weg nach Rio San Juan war, eine „am Ende der Welt“ Stadt, die nur per Boot erreichbar ist. Die Tatsache, dass es hier keinen Bankautomaten gibt und sie (Katharina) damit finanziell sehr unterversorgt ist, zeigte mir wieder, dass man sich hier wirklich vorbereiten muss, bevor man reist. Der Leichtsinn zu Glauben, dass es hier alles gibt und alles so funktioniert, wie man es sich vorstellt, es geschrieben steht oder man einmal erfahren hat, kann einen wirklich in eine missliche Lage bringen. Helena und ich leben eben wirklich in einem Gebiet, der sich von dem Rest Nicaraguas unterscheidet, in dem Sinne, dass es fast eine andere Welt ist, abgeschieden und unterentwickelt, in so vielen Aspekten. Interessant wie verschieden das Leben sein kann, innerhalb des gleichen Landes.

Humberto, von dem ich vorhin sprach, bescherte mir in der gleichen Woche noch einen sehr schoenen Tag, da er mich mit Fischen nahm. Aber vielleicht zur Erklaerung, H. Wuchs in einem Bergdorf in der Naehe von Los Chiles auf und ist schon als Kind zum Fischen geschickt worden, da sie zu arm waren, um am Markt etwas zu kaufen. Wir gingen also mittags los, mieteten ein kleines Ruderboot von einer Familie, die in einer auf Stelzen gebauten Holzhuette wohnt, da der Boden nur aus Schlamm besteht und direkt am See liegt. H. Ruderte uns an eine Stelle im Schilf, wo er begann mit einem Messer ein quadratisches Loch in eine alte Fantaflasche zu schneiden, um damit mit Brotstuecken die Sardinen zu fangen, welche sich auch mit Freude darauf stuerzten. Man haelt die Flasche unter Wasser und wartet bis sie sich hineinverirren, um es dann wieder herauszuholen. Waehrenddessen wird die Hand von gefuehlten Hunderten Sardinen mit Brot verwechselt, weshalb ich ein paar Mal fast die Flasche fallen liess (nicht das es weh tut, aber ich musste immer an die Krokodile denken, denen ich ja gleichermassen meine Hand entgegenstreckte). Die gefangenen Sardinen sprangen noch eine Weile zwischen unseren Beinen herum und als wir genuegend hatten, ging es an eine andere Stelle im Schilf, wo das Warten eigentlich erst begann. Mit einfach Fischerruten und Haken spiessten wir die armen Viecher auf und warfen sie ins Wasser. Doch die Fische hatten nicht so recht lust anzubeissen und wenn ja, dann stahlen sie mir einfach (und sehr zum Vergnuegen von Humberto) den Koeder weg, so dass ich erst spaeter meinen ersten Fang melden konnte. Umso stolzer war ich auf meine zwei handgrossen Fische und war froh, dass ich sie am Ende des Tages Humberto schenken konnte, da ich ja nicht ein grosser Fan von Fisch bin. Leider war ich an dem Tag auch etwas angeschlagen, hatte mir (bei 30 grad) einen Schnupfen geholt, der aber mit einem Tee der Apotheke (Medikamentenbombe) zerschlagen wurde. Den Fischtag verbrachte ich aber trotzdem mit rasenden Kopfschmerzen und das alles in der prallen Sonne (Sonnenbrand natuerlich).

Das zweite Ereignis war ein weiteres politisches Treffen zwischen Nicaragua und Costa Rica, welches diesmal in Costa Rica stattfinden sollte. Helena und ich fanden uns also puenktlich fruehs am Kai ein, mussten aber natuerlich etwas warten und wurden auch erst kurz vor dem Einsteigen darauf hingewiesen, dass wir eventuell uebernacht bleiben muessen. War nicht die tollste Nachricht, da wir nur das hatten, was wir am Koerper trugen und die einzige gute Nachricht war, dass Helena noch ein Moskitospray hatte – unsere einzige Hoffnung. Wir fuhren also wieder quer uebern See und bogen dann in den Fluss Papaturro ein, wo wir wie beim letzten Mal, durch den dichten Dschungel fuhren und am Ende an einem Matschstrand hielten und ausstiegen. Auf dem Weg trafen wir Anreisende, die in die falsche Richtung liefen (fehlende Kommunikation) und dann umkehrten. Von unserem Aussteigeort mitten im Nichts begann ein Fussmarsch der circa 20 Minuten dauerte und irgendwann an einer Schuttstrasse endete. Wir hatten also irgendwo die Costaricanische Grenze ueberquert, wie die „Illegalen“, wie Frank meinte und quetschten uns dann in einen Jeep, der uns in die naechstgroessere Stadt Upala bringen sollte. Dort wurde diskutiert, wieder die gleichen Themen (ich frag mich, wann erste Ergebnisse zustande kommen) und danach wurde gegessen. Es war noch nicht allzu spaet, also sollten wir doch noch nach Hause kommen, doch wir schienen trotzdem auf irgendwas zu warten, weshalb sich die Stadtraete erstmal ein Bier vom Supermarkt goennten (und mir eins abgaben). Helena und ich liefen ihnen blindlings hinterher, waren aber wiedermal leicht amuesiert von der ungezwungenen, informalen, ja fast „Wir treffen uns auf ein Bierchen, quatschen ein wenig und haben viel Spass“ – Stimmung. Es war aber auch Mal wieder schoen in der „Zivilisation“ zu leben, richtige Strassen, Supermaerkte, Laeden aller Art, einfach – Zivilisation. Waere vielleicht gar nicht so uebel gewesen dort zu uebernachten... Es ging aber dann doch wieder im Schulbus zu dem Grenzhaus (nebenbei bemerkt wurde auf der Anwesenheitsliste mein Name mit Julia Ochomogo (wie Frank) unterschrieben und Helena wurde eine H. Castillano oder so aehnlich (so heisst ein Ingenieur). Dann begann der Fussmarsch bei untergehender Sonne, durch Bohnenfelder und Ein-Haus Doerfer, ueber Schlammwege und herabgefallene Palmenblaetter (mir war dabei wiedermal bewusst, dass ich ausgerechnet in solchen Situationen Sandalen anhabe und gerade die Schlangen zu dem Zeitpunkt herauskommen). Im Boot hatten wir eine nicht wirklich sanfte Rueckfahrt, unter inzwischen schon schwarzem, aber dafuer Sternenreichen Himmel, mit einem Blutroten Hintergrund, von dem sich die Vulkane tiefdunkel abhebten. Insgesamt (waere es nicht so holprig gewesen) ein wunderschoenes Bild. Und auch ein interessanter Tag.

Seit dem ist nicht so viel passiert, ich werde demnaechst in der Tertulia (einem von Nuernbeg finanzierten Projekt) einen weiteren Englischkurs beginnen und dann auch in den verschieden Schulen. Zuerst aber – wie ich heute erfahren habe – wurde ich gebeten als Uebersetzer eine Gruppe vom Rathaus nach Managua und Leon zu begleiten, da man dort mit einem Vertreter aus Holland ueber die Finanzierung verschiedener Projekte reden wird. Ich sei hier wohl die Einzige, die Englisch spricht (und einigermassen Spanisch) und muesse nun also mit (ist nur eine Woche). Ehrlichgesagt fuehle ich mich nicht sonderlich geehrt, sondern habe verdammt Schiss, da ich mich kaum imstande fuehle eine so wichtige Sache mit verschiedenen Buergermeistern, Stadtraeten und einem ca. 70 jaehrigen Archtitekten aus Holland zu besprechen, da lastet doch viel Verantwortung mit und ich bin jetzt schon ziemlich nervoes. Aber ein gutes hat es schon - ich sehe in verschiedenen Staedten das Ergebnis internationaler Projekte und erlebe hautnah mit wie ein solches auch in San Carlos realisiert werden soll. Spannend.

Freitag, 4. Januar 2008

Juigalpa und Silvester

Heute werde ich ein wenig von Silvester und ein wenig mehr von meiner kleinen Wochenendreise nach Juigalpa erzaehlen.Silvester war (Helena und ich versuchten uns in den Tagen davor extra vor etwaigen Erwartungen zu loesen)ein Tag, der wie jeder andere kam und ging mit der Ausnahme, dass es ein wenig mehr Krach nachts gab als sonst. Ausserdem war ich bereits sehr sehr muede und hatte Schwierigkeiten bis 12 Uhr wach zu bleiben, bin auch kurz nach 12 ins Bett. Aber eigentlich sollte ich von vorne anfangen. Nachdem Helena aus Panama zurueckkam und ihr Kinderhort noch immer geschlossen war, befiel sie das schreckliche Gefuehl des Eingesperrtseins und so beschlossen wir wegzufahren und nach kurzer Diskussion nach Juigalpa (das erstere stand eh fest, das folgende ergab sich aus Zeitgruenden, wozu ich gleich komme).Das Problem am Reisen (von San Carlos aus) ist folgendes: Es gibt zwei Wege: Per Boot und per Bus. Beide brauchen eine halbe Ewigkeit und entsprechend der Richtung gibt es sogar weniger Moeglichkeiten: Zum Beispiel faehrt Richtung Osten nur noch das Boot entlang dem Rio San Juan, es gibt keine Strassen die durch den Urwald nach zB El Castillo o Sabalos fuehren. Der andere Bootsweg geht ueber den See, nach Managua (11 stunden) o oder kleineren Staedten (fahren aber nur 2 oder 1 mal die Woche). Die Busse fahren viel regelmaessiger (nach Managua (Hauptstadt) sogar fasts stuendlich, braucht aber 14 Stunden). Die erste Stadt die auf dem Weg nach Managua liegt und gleichzeitig als Umsteigepunkt zu all den anderen Reisezielen (zum Beispiel den Norden oder Nordosten, die Karibikkueste) ist. Diese Stadt heisst Juigalpa, liegt bereits in einem anderen Departamentiento (vgl. Bayern-Sachsen) und ist mit dem Bus ca. 7 Stunden entfernt. Ca. 7 stunden ist aber wirklich nur eine ungefaehre angabe, da man nie weiss, ob der bus nicht auf halber Strecke steckenbleibt, der motor den geist aufgibt oder der Busfahrer sich entschliesst solange im letzten Loch zu warten, bis der Bus etwas voller wird. Die Busse selbst sind ausgediente, aus den USA importierte Schulbusse, wie man sie aus den Filmen kennt, gelb mit schwarzen Streifen, engen, ungemuetlichen Sitzen, langgestreckt und Tueren, die der Fahrer mit einem Hebel erst aufdrueckt. Die Reiseziele hat man meist an die Fensterscheibe gemalt oder auch gleich den ganzen Bus in schoenen Farben dekoriert, welche die Reise an sich leider nicht verschoenern. An einem guten Tag - sprich weder zu sonnig (man stribt vor Hitze) noch zu regnerisch (man muss staendig aufs Klo (14 stunden ohne Pause, ausser man ist gewillt sich auf eigene Verantwortung sprichwoertlich "mitten in den Busch" zu setzen...), friert, ist alles feucht etc - also bedeckt ist am besten, braucht man fuer die ersten 71 Kilometer im Schnitt 4 Stunden!!! Der Rest der STrecke geht im Grunde "recht flott", wenn auch nicht weniger holprig bis man schliesslich Juigalpa erreicht, wo die geteerten Strassen anfangen und bis nach Managua reichen. Bis dahin sind es Strassen, die man hoechstens auf dem Papier als solche bezeichnen koennte. Ich wuerde sie Schlammloecher, Matschpfade oder schlichtweg Suzididversuche nennen. Jedes Loch birgt die Gefahr von ungeahnter Tiefe, in der so einige Hunde, PFerde oder auch Autos verschwunden sind. Durch die Hauefigkeit der Busse sind zwar bereits "Pfade" durch den Matsch ge"fahren" aber der Bus an sich stellt sich dadruch oft in eine bedrohliche Schieflage, bei Bruecken wird manchmal gebeten auszusteigen, da bei einem Zusammenbruch es doch irgendwo bloed waere die ganzen Leute im Bus zu haben. Kien Wunder, da die Bruecken grade mal so breit sind wie der Bus selbst und aus Holz, wodurch sich schon einige Bretter geloest haben. Im Endeffekt kann man also sagen, dass man oftmals so langsam mit dem Bus faehrt, dass einem die Pferde im Trot ueberholen. Auch gleicht die Fahrt mehr einer Rollercoasterfahrt, man wird nur so herumgeworfen und drueckt sich so oftmals eher unsanft an sienen Banknachbar. Banknachbarn sind auch so eine Sache. Man hofft auf den durchschnittlichen Nica, der gewaschen,gutriechend, hoeflich und relativ ruhig ist, mit dem eine nette kleine Unterhaltung moeglich aber nicht notwendig ist. Die eher ungemuetlichen Typen sind diejenigen, die eine 7 stuendige Fahrt als die Chance sehen, die Frau fuers leben zu finden und einen demnach durchgehend anquatschen und versuchen zu imponieren. Durch die zwangsweise Naehe im Bus wird man auch an diese gequetscht und kann so den koerperlichen Kontakt kaum entweichen, der aber von ihnen mit einem zufriedenen Grinsen vermerkt wird. Schrecklich. Lustig wenn auch auf die Dauer etwas ungangenehm sind diejenigen, die es schaffen sofort einzuschlafen (eine Kunst) und sich fortan mit konstanz an einen lehnen bis der Kopf eben auf der meiner Schulter landet und erst ein Loch in der Strasse sie wieder zur anderen Seite schaukelt...Aber jetzt bin ich irgendwie vom THema abgekommen! Juigalpa. Nach 7 Stunden also kommen wir an (wir sollten uns nebenbei bemerkt um 6 Uhr frueh m Busbahnhof treffen (ich stand also um 5 Uhr frueh auf), doch Helena und Ruth (eine cousine ihrer Familie, die im Haus kocht, waescht, alles macht, aber erst 17 ist und sehr an Helena haegngt - aehnlich wie meine Jessica) liessen mich eine Stunde lang dort sitzen und so nahmen wir erst den bus um 8 - so dass wir um um 15/16 Uhr an der Autobahn in Juigalpa landeten. Von dort liefen wir erst eine lange Strasse entlang bis es einfach zu lang war und wir ein Taxi riefen. Taxis sind eigentlich sehr billig, haben aber die Angewohnheit erst dann zu einem ZIel zu fahren, wenn es voll ist, man sammelt also auf dem Weg alle moeglichen Leute ein und dann werden erst die tatsaechlichen Ziele abgeklappert. WIr fuhren also wieder in die entgegengesetzte Richtung und kamen irgendwann an unserem Ziel an, dem Parque Zentral. Der Park Juigalpas liegt im Herzen der Stadt umgeben von Geschaeften und angefuehrt von einer grossen Kathedrale (sher modern, aber immerhin eine Kathedrale!). Hinter der Kathedrale lag unsere Hospedaje (die erste die wir anschauten war im Dachgeschoss mit 7 anderen Betten und einem leochrigen Dach und Betten, die man genauso gut mit dem Boden haette austauschen koennen. Naja, die zweite Hospedaje war sehr schoen, sauber, bequem und kostete nur 5 Dollar pro nacht (hier so mittelpreis). Etwas gesaeubert gingen wir spazieren, sassen lange im Park, gingen zu einem anderen Park wo man das ganze Tal ueberblickt (juigalpa liegt auf einer anhoehe) und tranken ein paar glaesser in verschiedenen restaurants/kneipen. Was hier sehr schoen ist, ist die Tatsache dass man an allen Ecken Snacks oder Fruechte kaufen kann und so nie verhungert, so fern man sein Taschenmesser einstecken hat. In der naechsten Frueh kauften Helena und ich dann im SUPERMARKT (ein wunder, hatte schon ganz vergessen was das ist!) essen ein, fruechte verschiedener art und milch. Fruehstueck im Park. Dann kam wieder eine dieser Ueberraschungen, da am Tag zuvor neben Ruth im Bus ein Typ sass, der in Juigalpa wohnt und sogleich ihre Nummer hatte (hier werden sowieso sehr viel schneller nummrn ausgetauscht, ob man sich nun 5minuten kennt oder nicht) und auch am naechsten Tag gleich anrief, was wir machen. Was wir vorhatten (bzw helena und ich, ruth wurde von helena eingeladen, weil h. immer ein schlechtes gewissen hatte zu reisen, waehrend ruth so gelangweilt zu hause sass (und wir wussten ja beide wie schrecklich langeweile ist), waehrend dieses geschenk des einladens mit einer emotionslosigkeit empfangen wurde, welches ihr gewissen fuer zukuenftige fahrten sicherlich erleichtern wird) war zu einer nahegelegenen Schlucht zu fahren um dort zu baden, lesen, fruechte zu essen. Sollte eine Art Wochenendausflugsort fuer viele Nicaraguaner sein und tatsaechlich (der Typ mit seinem Bruder (spaeter kam Noch ein Bruder - ein Trio)fuhren uns mit ihrem Auto hin und fuehrten uns an die Wasserstelle. War ein Fluss der in mehreren Wasserfaellen in eine Minibucht faellt und von dort weiterfliesst, aber diese Minibucht war wirklich sehr schoen und umschlossen und wiedermal waren Helena und ich die einzigen Celas (hellhaeutigen - sprich auslaender). Doch irgendwann gegen mittag sagten sie, dass sie gerne weiterwuerden und uns aber nicht alleine lassen wollten, da es in der naehe jungs gab die offensichtlich einer gang angehoerten und uns vielleicht ausrauben koennten. Die Brueder wollten zu einem Hahnenkampf etwas ausserhalb von Juigalpa und waren ueberrascht als wir begeistert fragten ob wir mitkommen koennten. Also kamen wir mit und erlebten unseren ersten Hahnenkampf. Wirklich etwas ausserhalb von Juigalpa (aussagen wie: ist sehr nah, oder gleich sind wir da sind hier nicht zu trauen...) am Rand der Autobahn gelegen wo im Staub einer Huette eine Runde Flaeche von Brettern umgeben war und dieser Kreis von Staenden aus Holz. Uber uns ein Wellblech und in der mitte des kreises eine Uhr die vom dach hing. Uberall waren Maenner in Cowboystiefeln und Huetten, dreckigen Jeans und Hemden. Manche waren mit dem Bus, andere mit dem Auto und die letzten mit ihrem Pferd gekommen. Die Huette nebenan servierte Bier und hinter den Staenden waren Kaesten mit weissaufgemalten nummern und in diesen kraehten lauter haehne, die man persoehnlich mitbrachte und hineinsteckte. Viele zuechten hier haehne, trainieren sie und warten auf den tag an dem sie diese zum ersten mal vorfuehren koennen. Schliesslich ist damit auch viel geld zu verdienen und gewettet wird sowieso die ganze zeit. Aber erstmal muessen zwei Haehne gefunden werden, die exakt das gleiche wiegen, was schon etwas zeit kostet. Um dieses zu ueberbruecken lief ich durch den Staub und schaute mich um. Am bOden lagen zerbrochene bierflaschen, deckel, papier, essen, abfall. neben der huette liefen ein paar huehner herum und zwischen den Beinen der maenner suchten abgemagerte hunde nach essen. ein kleiner bub mit viel zu grossem cowboyhut rannte zischen allen durch und praesentierte stolz seinen hahn und frauen gab es nur sehr wenige (abgesehen von zwei dicken koechinnen, die im schatten auf die "verlierer" warteten. Als zwei haehne gefunden waren wurden ihnen unter strenger beobachtung ihrer herren eine kleine aber sehr scharfe klinge an eine kralle gebunden, bzw ans bein. diese dient dem zweck, dass auch tatsaechlich blut spritzt bzw die halsschlagader getroffen werden kann, wenn die beiden haehne aufeinander losgehen. Im "Ring" werden die beiden immer zueinander gehalten und gleich wieder getrennt, damit man sie schon ein bisschen anheizt, anstachelt und schliesslich geht es los, beide werden aufeinander losgelassen und die uhr auf 15 minuten gestellt. Am anfang tut sich gar nichts, sie bemerken einander nicht, aber unter dem geschrei der menge und ihrer herren die im ring stehen und sie angestikulieren, sich doch endlich umzubringen gehen sie doch aufeinander los. es wird viel geflattert und die schoenen weissen federn sind schnell von blut durchtraenkt. am meisten erwischt es den hals, aber auch den kopf sodss beide irgendwann so viel bluten dass eine pause einberufen wird und beide herren schnell nach ihren tieren greifen, ihenn das blut aus dem schnabel saugen oder durchspcuken. ihr tier mit einem am ende blutdurchtraenkten handtuch abwischen und es schliessslich wieder gegenueber des kontrahenten aufstellen. ist nach 15 minuten nicht der tod eines der beiden tiere eingetreten gewinnt der, welcher noch steht oder sich mehr ruehrt als der andere. Sofort wird der Ring gestuermt, geld ausgetauscht, der sieger (also der herr) beglueckwuenscht und mehr und mehr bier gekippt. Der verlierer verdrueckt sich und versucht sein tier noch zu retten, wenn nicht, wird ihm die ader durchgeschnitten, so dass es am ende trotzt der 15 ueberlebten minuten, stirbt.Meine emotionen schwankten zwischen mitleid fuer die tiere, begeisterung fuer die begeisterung anderer und dieses events und ekel fuer das viele blut und die art wie di e herren den ganzen kopf in den mund nahmen um dann blutverschmiert alles rauszuspucken. Auch stieg mir langsam das Bier zu kopfe, welches uns der Typ aus dem Bus kontinuierlich ausgab. Ueberhaupt zahlten wir in seiner Anwesenheit fuer rein gar nicht, weder fuer getranken, essen, eintritt, alles wurde selbstverstaendlich von ihm uebernommen, eine einstellung die viele maenner hier teilen (man selbst sagt auch einfach nicht nein dazu). Nach etlichen Haehnen (von denen an dem Tag keiner im Ring selbst starb), die vorher praechtig, danach sehr zerissen aussahen, hatten wir genug gesheen und wir (Helena, Ruht und Ich) gingen zurueck zum Park (einer der brueder, der dritte, fuhr uns). Wir wollten eigentlich den bus um 8 uhr abends zureuck nehmen, aber keiner konnte uns sagen, wann denn nun eigentlich genau ein bus faehrt. der tag vor silvester ist immer heikel, aber auch die aussagen sind nie 100prozentig und so sassen wir um 8 da und warteten vergeblich. Es hies dan um 9 uund um 10 und um 11 kommt einer und um 3 in der frueh (die letzte zeit bekamen wir am meisten zu hoeren). Just in dem Moment fuhren wieder die Jungs vorbei und luden uns zu einem Ausflug in eine Bar ein, die wir (ich war zwar nicht ganz dafuer aber gut) annahmen, in der Meinung einfach den bus um 10 uhr abends nehmen zu koennen (waere besser, da wir dann um 6 in der frueh in san carlos ankommen wuerden und das doch auch besser ist als mitten in der nacht. Um 10 uhr abends, als wir vom restaurant zurueckliefen warten wir vergebens auf einen bus. Acuh um 11 war keiner zu sehen, ueberhaupt war an dieser Autobahn fast niemand mehr, jeder bus der von weitem kam stellte sich als ein bus raus, der nach managua oder rama (anderer kreuzpunkt vieler busse) faehrt und immer mehr leute sagten uns es gaebe bis morgen frueh keinen bus. Um 12 war es zu spaet um in einen hospedaje zu gehen und ausserdem wollte ich ungern jetzt um diese uhrzeit irgendwo hinlaufen, da war es mir lieber an der ueberdachten haltestelle, mit bank gegenueber vom krankenhaus, welches sehr beleuchtet war. Also nahmen wir jeder abwechselnd schichten zum schlafen und ich war von 2 uhr frueh bis 3 uhr frueh wach. Es war ein komisches gefuehl auf einer bank an einer autobahn zu sitzen und neben sich zwei schlafende menschen, gleichsam versuchen wach und wachSAM zu bleiben und doch kaum noch die augen offen halten zu koennen. Die paar wenigen Menschen die an uns vorbeiliefen waren entweder betrunken oder bekifft nahmen von uns aber wenig notiz und der verkauefer von suessigkeiten gegenueber bzw neben dem krankenhaus stellte sich als grotesker transvesit raus, der aus dem dunkel heraus zu dem stand kam und mich derartig erschreckte, dass ich gar nichts mehr kaufte. es war wie im film eine mannfigur, mit lilanen strichen als augenbrauen, einem muttermal auf der oberlippe, dazu ein ansatz eines bartes und eine zigarette im mundwinkel. ein top, welches die brusthaare zeigte und haende die aussahen, als haetten sie schon mehrere menschen "mit blossen haenden" umbringen koennen. naja. ungemuetlich trifft wohl mein gefuehl, sodass ich gleich wieder zu der bushaltestelle lief und dort auf und ab lief (um nicht einzuschlafen). es war auch ein wenig kalt geworden und die abwesenheit des normalen stadtlaerms empfand ich diesmal nicht als beruhigend. Ein einziges Taxi hielt irgendwann vor uns und ein mann stieg aus, bezahlte mit dem rueckn zu uns und in dieser bewegung sah ich dass er in seiner hose am ruecken einen relolver eingestekct hatte. aber er lief gleich weiter auf die andere seite und war im dunkeln verschwunden.Um kurz vor drei uhr kam ploetzlich ein bus angerauscht blieb auf der gegenueberliegenden seite stehen und ein mann kam heraus "san carlos" schreiend und schon laengst wieder einsteigend. Ich ruettelte die anderen beiden wach und wir sprangen auf den schon wieder angefahrenen bus. Einen sitz unter mir schlief ich sofort ein, vergass sogar zu zahlen und liess helena das erledigen, waehrend ich alles um mich vergass. 4 stunden spaeter wachte ich auf, mit einem muskelkater, blauen flecken (oder solche die es werden sollten) und dem gefuehl verschwitzt, verdreckt und uebermuedet zu sein, wie ich es schon lange nicht mehr fuehlte. Ich sah die Sonne aufgehen, waehrend ich mich am vordersitz klammerte und hoffte dass es nicht mehr weit waere. Tatsaechlich waren es noch 3 stunden und diese verstrichen sehr langsam. um 9 uhr frueh kam ich in meinem haus in san carlos an, gruesste und fiel ins bett. so begann mein letzter tag im jahre 2007.Ich schlief den meisten tag und um 9 uhr abends kamen einen ebenso verschlafene helena und ruth vorbei. wir liefen spazieren, assen popcorn, welches an der feria verkauft wurde und warteten auf mitternacht. mitternacht wurde ein mann, bzw eine figur, die wie ein mann aussah aber mit feuerkrachern gefuellt war, angezuendet und verbrannte und krachern bis nur noch ein haeufchen asche uebrig war. So endete mein jahr 2007. Ich wuensche euch das beste fuer 2008 und verabschiede mich nun, da es schon spaet ist und ich noch meinen unterricht fuer morgen vorbereiten muss.